Fajjad wurde nach seiner Haltung zur Forderung des israelischen Regierungschefs Benjamin Netanjahu gefragt, die Palästinenser müssten Israel als jüdischen Staat akzeptieren. „Israels Charakter ist Israels und sonst niemandes Angelegenheit“, antwortete der Vertreter der Partei „Der Dritte Weg“.
Der Palästinenser bekundete sein Unverständnis darüber, dass die Angelegenheit jetzt thematisiert würde. „Diese Bedingung wurde in den Oslo-Abkommen nicht erwähnt. Ich sehe keinen Platz dafür, neue Bedingungen oder Vorbedingungen für die Verhandlungen zu stellen. Bis heute war alles, was wir für die Anerkennung der Zweistaatenlösung und die Beendigung des bewaffneten Kampfes erhielten, eure Anerkennung der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO) als Vertretung des palästinensischen Volkes.“
Fajjad sprach auch über sein Ziel, der Welt zu beweisen, dass die Palästinenser einen Staat ebenso gut führen könnten wie andere auch. Eine geeignete Regierung und eine wachsende Wirtschaft sind seiner Meinung nach der beste Weg, um einen unabhängigen palästinensischen Staat zu gründen. Er habe es geschafft, das Vertrauen der Geberländer zu gewinnen – allen voran der USA und der EU. Saudi-Arabien habe der Palästinensischen Autonomiebehörde 200 Millionen Dollar in Aussicht gestellt. „Eine geeignete Regierung zu bilden, ist selbst ein Ziel – aber auch ein Mittel, um die Besatzung zu beenden.“
„Überraschendes Wirtschaftswachstum“
Der Premier der von Präsident Mahmud Abbas eingesetzten Übergangsregierung sagte, das Wachstum in der palästinensischen Wirtschaft habe alle Erwartungen übertroffen. Allerdings bedauere er, dass Israel so lange gebraucht habe, um Dutzende Straßensperren zu beseitigen. Er begreife nicht, warum sich Israel mit „belanglosen Einzelheiten“ aufhalte, etwa einzelnen Straßensperren, wo es doch einräume, dass sie nicht notwendig seien. Auch sieht Fajjad keinen Sinn darin, dass die Blockade gegen den von der Hamas beherrschten Gazastreifen bestehen bleibt. Denn jeder gebe zu, dass diese nicht funktioniere.
Fajjad äußerte sich auch zu den israelischen Siedlungen, die das Vertrauen der Palästinenser in den Friedensprozess schmälerten: „Sie sehen, dass 16 Jahre nach dem Oslo-Abkommen und sechs Jahre nach der Roadmap die Siedlungen immer noch wachsen und Israel seine Verpflichtungen ignoriert. Ich glaube an eine Zweistaatenlösung, und ein Stopp der Siedlungen ist ein Schlüssel, um dieses Ziel zu erreichen.“
Der Palästinenser wurde auch auf die israelischen Reaktionen auf die Beschlüsse des Fatah-Parteitages angesprochen. So hatte Außenminister Avigdor Lieberman gesagt, sie weckten Zweifel an einem möglichen Endstatusabkommen. Auch Verteidigungsminister Ehud Barak hatte seine Enttäuschung bekundet. „Euer Partner für das Endstatusabkommen ist die PLO“, erwiderte Fajjad. Mit dieser Bewegung habe Israel die Verhandlungen begonnen. „Es gibt keinen anderen Partner.“
Fatah-Parteitag: Lob für Israel, Kritik an Hamas
Den Parteitag in Bethlehem wertete er als eine Demonstration der Macht und Stärkung für die Stellung der wichtigsten Organisation innerhalb der PLO. „Nach vielen Jahren voller Schwierigkeiten hat es die Fatah geschafft, in Palästina Vertreter aus aller Welt zu versammeln.“ Er sei zwar kein Mitglied, habe aber an der Eröffnungssitzung teilgenommen und sei beeindruckt gewesen. Die bislang letzte Fatah-Konferenz hatte vor 20 Jahren in Tunis stattgefunden. Fajjad lobte Israel dafür, dass es Gesandten der Partei den Zutritt nach Bethlehem gewährt hatte. Gleichzeitig kritisierte er die Hamas, weil sie Delegierten im Gazastreifen die Teilnahme an einem Ereignis von höchster nationaler Bedeutung verwehrt hatte.
Zum vor über drei Jahren von Palästinensern entführten israelischen Soldaten Gilad Schalit sagte Fajjad: „Ich schätze vollkommen den Schmerz und das Leid. Vor allem vonseiten der Eltern und Verwandten.“ Genauso empfinde er Sympathie für die Angehörigen palästinensischer Häftlinge, mit denen er täglich Gespräche führe. „Der Schmerz einer Mutter ist eine gemeinsame Sprache aller Mütter. Das Prinzip des Handels ist beiden Seiten klar, und es ist Zeit, diese Angelegenheit zu beenden. Die Freilassung von Gefangenen sollte nicht verschoben werden bis zum endgültigen Abkommen. Man muss sich heute damit befassen.“