Wie die palästinensische Nachrichtenagentur „Ma´an“ berichtet, wurde die Leiche von Ra´ed Sawalha am Mittwoch entdeckt. Der Polizei war zunächst nicht klar, ob es sich um Selbstmord, einen Unfall oder ein Verbrechen handelte. Doch aus den Ermittlungen ging hervor, dass der Junge von seinen eigenen Verwandten ermordet worden war. Die Familie stammt aus der Ortschaft Hidschah östlich der Autonomiestadt Kalkilija.
Der Brigadegeneral der palästinensischen Polizei, Adnan ad-Damiri, sagte, es habe mehrere Festnahmen gegeben. Alle Betroffenen gehörten zur Familie des 15-Jährigen. Die Männer und Frauen hätten ihre Verbrechen im Verhör gestanden. Den Mord hätten sie damit gerechtfertigt, dass Ra´ed ein „Spion“ für Israel gewesen sei. Die Spionagevorwürfe sind nicht bewiesen.
Ad-Damiri verurteilte den Mord und versicherte, dass die Tatverdächtigen weiter befragt würden. Die Schuldigen erwarte eine Strafe für ihr Verbrechen.
„Ehrenmord“ im Gazastreifen
Unterdessen wurde im Gazastreifen die Leiche einer 21-jährigen Frau entdeckt. Die Polizei vermutet, dass die Palästinenserin Opfer eines so genannten „Ehrenmordes“ wurde. Das „Palästinensische Zentrum für Menschenrechte“ (PCHR) identifizierte die Tote als Sahdia Abu Sa´ad. Polizeiliche Quellen hätten offenbart, „dass der Vater des Opfers ein Geständnis bei der Polizei abgelegt hat“. Er habe zugegeben, seine Tochter ermordet zu haben, um „die Familienehre zu wahren“.
Laut einer Dokumentation des PCHR sind seit Jahresbeginn in den Palästinensergebieten acht Menschen bei sechs Verbrechen „um der Ehre willen“ getötet worden. Unter den Opfern seien fünf Frauen, zwei Männer und ein Kind. Sieben der Morde ereigneten sich im Gazastreifen.