Unmittelbar nach der „historischen Rede“ Obamas berief Premierminister Benjamin Netanjahu eine „Sonderberatung“ ein. In Regierungskreisen wurde Obamas Rede als „ausgewogen und positiv“ charakterisiert.
Der Minister für Minderheiten-Angelegenheiten, Avischai Bravermann (Arbeitspartei) begrüßte Obamas Haltung zum „Extremismus als Feind der Welt“. Dieses Gefühl sollten Juden und Araber, Fromme und weltliche Menschen in Israel übernehmen. Bravermann betonte, dass „Zwei Staaten für zwei Völker jene Lösung ist, der wir verpflichtet sind“.
Wissenschaftsminister Daniel Herschkowitz von der frommen Partei „Jüdisches Haus“ meinte, dass Obama die Forderung an die Palästinenser, den Terror aufzugeben, „völlig übersehen“ habe. „Die Beziehungen zwischen Washington und Jerusalem sind auf Freundschaft begründet und nicht auf Kapitulation. Wir müssen eine Linie ziehen, wenn es um das natürliche Wachstum in den Siedlungen geht.“
Der Kadima-Abgeordnete Se´ev Boim bezichtigte seinen Regierungschef Netanjahu der „Blindheit“, weil er nicht sehe, dass allein die Zwei-Staaten-Lösung die Existenz Israels als jüdischem Staat garantieren könne.
Linker fordert „Ja zu Obama“
Chaim Oron, Vorsitzender der linksgerichteten oppositionellen Meretzpartei, forderte, „ja zu Obama“ zu sagen. Die israelische Regierung sollte „glücklich“ sein. Obamas Rede habe „Optimismus“ ausgestrahlt, wie man es schon lange nicht mehr gehört habe.
Ahmad Tibi, Abgeordneter der vereinigten arabischen Ta´al-Partei, lobte Obama für seine ausgewogene Sicht zum Thema Israelis und Palästinenser. „Er wird pragmatische Schritte tun, um seine Worte zu beweisen“, meinte Tibi.
Der Siedlerrat in der Region „Samarien und Benjamin“ äußerte harsche Kritik an „Hussein Obamas Akzeptanz der arabischen Lügen“ und daran, dass der Präsident die jüdische Wahrheit nicht sehe. Der Staat Israel werde den Preis für den „Defätismus“ seiner Führung zahlen. Für Netanjahu sei die Zeit gekommen, als stolzer rechtsgerichteter Führer die fabrizierte Geschichtsvision Obamas zurückzuweisen, wie dieser sie in Kairo diktiert habe.
Für eine Sprecherin der Siedlung Ofra im Westjordanland, Alisa Herbst, zeige die moderne Geschichte, dass die muslimische Welt „Krieg gegen den Westen“ führe. „Obamas Friedensvision klingt schön, ist aber nicht realistisch.“
Palästinensische Reaktionen
Bei der Palästinensischen Autonomiebehörde in Ramallah herrschte uneingeschränkte Zufriedenheit mit Obamas Rede in Kairo. Die islamistische Hamas verkündete, dass es nicht in Frage komme, eine Erleichterung der Lebensbedingungen der Menschen im Gazastreifen und ein Ende der israelischen Blockade gegen eine Anerkennung Israels einzutauschen.