Obama bei Holocaust-Gedenken: „Augen nicht vor Unrecht verschließen“

WASHINGTON (inn) - Ein Völkermord wie der an den Juden während der Nazizeit darf sich nicht wiederholen. Dazu müsse jeder Mensch auf der Welt beitragen. Dies forderte US-Präsident Barack Obama am Donnerstag bei einer Gedenkfeier in Washington.

„Jeden Tag sollten Leute dem Drang widerstehen, sich abzuwenden, wenn sich Szenen des Schreckens rundum die Welt entfalten“, sagte Obama laut einem Bericht der Zeitung „Jediot Aharonot“. „Sie sollten den Impuls bekämpfen, das Programm zu wechseln, wenn wir Bilder sehen, die uns stören, oder uns in den falschen Trost zu hüllen, dass uns die Leiden anderer nichts angingen.“ Vielmehr sollten die Menschen sich selbst in den anderen entdecken und mitfühlen.

Das Risiko eines Völkermordes sei nicht verschwunden, seit etwa sechs Millionen Juden von NS-Deutschland und dessen Kollaborateuren systematisch ermordet worden seien, fügte Obama hinzu. „Wir haben es in diesem Jahrhundert gesehen, in den Massengräbern und der Asche von Ortschaften, die niedergebrannt waren, in Kindern, die als Soldaten benutzt wurden, in Vergewaltigung, die als Kriegswaffe gebraucht wurde.“

Obama wies darauf hin, dass es immer noch Menschen gebe, die den Holocaust leugneten. Dabei nannte er allerdings keine Namen.

„Niemand wird als Retter oder Mörder geboren“

Der Präsident sagte, ein Teil der Verantwortung für die Judenverfolgung liege bei denjenigen, die eine Rolle als unbeteiligter Zuschauer akzeptiert hätten. Gleichzeitig zollte er denjenigen Tribut, die ihre Sicherheit aufs Spiel gesetzt hatten, um den von den Nazis Verfolgten zu helfen. Darunter waren auch fünf Retter aus Polen, die während der Zeremonie Kerzen entzündeten. „Sie erinnern uns daran, dass niemand als Retter oder Mörder geboren wird“, so Obama. „Sie lehren uns, dass niemand uns ohne unsere Einwilligung zu unbeteiligten Zuschauern machen kann, und dass wir niemals wirklich allein sind.“

Zudem erinnerte der US-Präsident an Geschichten der Hoffnung in verschiedenen Krisengebieten, wo trotz schlimmer Konflikte ein Weg zur Vergebung eröffnet worden sei. Dazu gehörten Nordirland und Ruanda. „Unsere Mitbürger in der Welt zeigen uns, wie man die Reise von Unterdrückung zum Überleben macht, vom Zeugen zum Widerstand, und letztlich zur Versöhnung. Das meinen wir, wenn wir sagen: ‚Nie wieder‘.“

In Israel wurde am vergangenen Dienstag der jährliche Holocaust-Gedenktag (Jom HaSchoah) begangen.

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