Nahe dem Kalandia-Kontrollpunkt bei der Mauer, die das palästinensische Ramallah vom israelischen Jerusalem trennt, ließ Kölbli mit einem Kran das rund sechs Meter hohe Eisengerüst für das Ei aufstellen. Dieses soll künftig geschlossen sein.
„Die Atmosphäre war nicht israelfeindlich, eher traurig, wenn es um die gegenwärtige Situation ging, aber hoffnungsvoll und stolz im Wunsch nach einem würdigen und dauerhaften Frieden für die Zukunft“, beschreibt Kölbli die Reaktionen vor allem junger Palästinenser. „Nein, es war auch nicht zu politisch, viel zu sehr sind die Menschen, zumal die Jugend, erstaunt, auf welche abgefahrenen Ideen man doch kommen kann… Botschaften bis 3001 in einem Ei brüten zu lassen.“
Sein Ei-Projekt soll eine Friedensbotschaft vermitteln. Der Bremer Künstler sammelt Briefe, die er im fertigen Ei in Jerusalem „ausbrüten“ lassen will. Wer Briefe für das Ei schreiben will, die erst 3001 geöffnet und gelesen werden sollen, kann sie an ein dafür eingerichtetes Postfach in Jerusalem schicken: OVUM 4, JERUSALEM, Postbox 51588,95908 Jerusalem, Via Israel.
Eine politische Botschaft
Kölbli hat jetzt schon mit dem Skelett-Ei viele Briefe gesammelt, darunter vom lateinischen Patriarchen von Jerusalem, Fuad Twal. Er schrieb in seinem öffentlichen Brief: „Ich finde Ihre Antwort als Künstler interessant. Ihre Wahl eines Eis stellt das entstehende Leben in den Mittelpunkt.“ Der Patriarch sieht in dem Ei auch eine politische Botschaft: „Gewiss bedarf das leidgeprüfte Heilige Land jeder Person mit gutem Willen, um ernsthaft für eine Lösung zu beten und zu arbeiten.“
Noch hat Kölbli keine Baugenehmigung, um das Ei in Jerusalem aufzustellen, aber nach langen Verhandlungen und viel Zuspruch der Verantwortlichen für Kulturangelegenheiten in der Jerusalemer Stadtverwaltung ist er zuversichtlich. Bis dahin will er das eiserne Skelett noch nach Bethlehem und Jericho bringen und in palästinensischen Dörfern im Westjordanland provisorisch aufstellen.