Die radikal-islamische Hamas hatte am Samstag versucht, Mitglieder des Hillel-Clans in Gaza zu verhaften. Sie macht diese für einen Bombenanschlag verantwortlich, bei dem fünf Hamas-Mitglieder sowie ein kleines Mädchen ums Leben gekommen waren. Während der Festnahmen kam es zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Dabei wurden elf Menschen getötet. Mehr als 100 wurden verletzt, darunter sind zahlreiche Kinder. Mehr als 180 Fatah-Mitglieder waren nach den Kämpfen geflohen. Viele von ihnen gehören dem Hillel-Clan – einer großen und einflussreichen Familie – an. Israel hatte dafür den Grenzübergang Nahal Os geöffnet. Die verwundeten Palästinenser wurden in israelische Krankenhäuser gebracht.
Wie die Tageszeitung „Jerusalem Post “ berichtet, hatte Israel den Fatah-Mitgliedern die Ausreise erlaubt, da sich Abbas zuvor bereiterklärt hatte, die Männer im Westjordanland aufzunehmen. Später habe er jedoch seine Meinung geändert und gefordert, die Palästinenser in den Gazastreifen zurückzuschicken. „Fatah-Vertreter in Gaza sollten auf ihren Posten bleiben und Gaza nicht der Hamas überlassen“, teilte Fatah-Sprecher Fahmi A-Sahrir mit.
Israel sandte daher mehr als 30 der Männer in das Gebiet zurück. Sie wurden umgehend von der Hamas festgenommen. Die Armee weigerte sich daraufhin, weitere Palästinenser zurückzuschicken, da dies lebensgefährlich für die Männer sei. Vertreter des israelischen Verteidigungsministeriums traten anschließend in Verhandlungen mit dem Büro von Präsident Abbas. Dieser habe sich schlussendlich dazu bereiterklärt, die Flüchtlinge aufzunehmen. Sie sollen im Laufe des Montags in das Westjordanland gebracht werden.
Noch am Sonntagabend hatte der israelische Bürgerrechtsverband vor dem Höchsten Gericht in Israel gegen die Rückführung der Fatah-Miglieder in den Gazastreifen geklagt. Dies verstoße gegen die Menschenrechte und sei nicht mit dem israelischen Gesetz vereinbar, da für die Männer Lebensgefahr bestehe.
PA fordert Hamas-Boykott
Unterdessen rief die Palästinensische Autonomiebehörde am Sonntag zu einem internationalen Boykott der Hamas auf. Sie werde darauf hinarbeiten, dass der Organisation die Anerkennung als politische Bewegung entzogen werde. Die islamistische Gruppe habe ihr Recht auf eine politische Existenz verloren, sagte Fatah-Sprecher A-Sahrir.