„Hamas ist Islamismus light“

GAZA (inn) - Eine islamistische Gruppierung strebt im Gazastreifen nach der Alleinherrschaft. Dafür würde sie sich notfalls auch auf einen bewaffneten Machtkampf mit der Hamas einlassen. Das internationale Terrornetzwerk "Al-Qaida" dient diesen Palästinensern als Vorbild, berichtet "Spiegel online".

Die Mitglieder der Gruppierung sind dschihadistische Salafisten, sie gehören einer besonders radikalen Form des Islam an. „Ein schlichtes, gottgefälliges Leben, in dem der Glaube alles bestimmt, in dem die Gesetze der Religion den Alltag regeln“ – so beschreibt „Spiegel online“ die Vision der Salafisten im Gazastreifen. Um diese zu verwirklichen, seien sie bereit, in den Kampf zu ziehen und Unschuldige zu töten. Der Heilige Krieg komme ins Spiel, wo sich Ungläubige dem Machtanspruch widersetzten. „Dann müssen wir kämpfen. So wie unsere Brüder am 11. September“, wird der ranghohe Vertreter Abu Mustafa zitiert.

Für den Palästinenser waren die Anschläge in den USA eine Antwort auf die Missachtung des Islam. „Wenn irgendwo auf der Welt ein Muslim angegriffen wird, muss man zurückschlagen, auch an anderer Stelle.“ Der salafistische Islam sei wie eine Katze. „Sie ist sehr freundlich, aber wenn sie angegriffen wird, wird aus der Katze ein Tiger.“

Täglich Überläufer von der Hamas

Die Salafisten im Gazastreifen treffen sich heimlich in Moscheen oder Privathäusern. Nach Abu Mustafas Angaben ist ihre Gefolgschaft bereits mehr als 5.000 Mann stark, wobei Frauen und Kinder nicht mitgezählt werden. Sie seien dabei, Netzwerke zu bilden. Die Anhänger trainierten den bewaffneten Kampf. Einige kämen von der Hamas und brächten eine gute Ausbildung mit. Jeden Tag meldeten sich mehr als zehn Überläufer, die von der im Gazastreifen herrschenden Gruppe enttäuscht seien. „Für viele Menschen in Gaza war die Hamas ein Versprechen auf ein gutes, islamisches Leben.“ Doch diese vertrete einen „amerikanischen Islam“ und versuche, Islam und Demokratie zusammenzubringen. „Gegen uns ist die Hamas Islamismus light.“

Studium in Deutschland

Abu Mustafa hat sieben Jahre in Saarbrücken Konstruktions- und Verfahrenstechnik studiert, 2000 erwarb er ein Diplom. Manchmal sei es in Deutschland schwierig gewesen mit den freizügig gekleideten Frauen und den Mitbewohnern, die sich für Diskos und Kneipen interessierten. Doch dies habe ihn im Glauben gefestigt. Seine Gruppe werde versuchen, den Menschen in Deutschland den reinen Islam zu bringen.

Im März 2007 trat erstmals eine Untergruppe der Salafisten im Gazastreifen öffentlich in Erscheinung – die „Armee des Islam“ entführte den BBC-Journalisten Alan Johnston und hielt ihn vier Monate lang gefangen. Morddrohungen wurden verbunden mit einem Bild, auf dem der Brite mit einem Sprengstoffgürtel um den Bauch zu sehen war. Aba Mustafa hält dies für eine legitime Taktik im Kampf für den Islam.

„Kampf um Weltherrschaft muss warten“

Nach Einschätzung der Salafisten muss ihr angestrebter Kampf um die Weltherrschaft noch etwas warten. Doch sie hätten Geduld. Und die Auseinandersetzung mit der Hamas würden sie gewinnen, weil sich diese selbst vernichten werde, meint Abu Mustafa.

Im Januar wurde der Palästinenser mit ein paar Anhängern seiner Gruppierung von einer israelischen Rakete getroffen. Vier Männer erlitten Verletzungen, einer starb als „Märtyrer“. Zuvor hatten sie ein Geschoss auf Israel abgefeuert. Seit dem Angriff hat Abu Mustafa ständig Schmerzen im Bein. Doch für ihn gehe es „nicht darum, wie man sich in diesem Leben fühlt, sondern ob man nach dem Tod ins Paradies kommt oder in die Hölle“.

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