Stimmen nach dem Austausch

JERUSALEM (inn) - Nach dem Austausch zwischen Israel und der Hisbollah sind die Knesset-Mitglieder geteilter Meinung. Während einige von einem Fehler sprechen, versichern andere, Israel werde auch weiterhin alles tun, um seine Soldaten nach Hause zu bringen.

„Die Freilassung von Samir Kuntar ist ein Fehler, dessen Ursprung in der Schwäche der Regierung liegt. Er wird die Chancen auf eine Freilassung von Gilad Schalit verschlechtern, die Hamas wird jetzt einen höheren Preis dafür fordern“, sagte der frühere Außenminister Silvan Schalom von der Likud-Partei.

Umweltschutzminister Gideon Esra (Kadima) sagte nach dem Austausch, er hoffe, dass die Menschen in Israel begreifen, dass Israel einen Feind habe, der nur Gewalt verstehe. „Ich hoffe, dass die Welt jetzt versteht, welcher grausame Feind vor uns steht“, so Esra.

Knessetmitglied Israel Hasson von der rechtsgerichteten Partei „Israel Beiteinu“ sprach indirekte Drohungen gegen den Hisbollah-Führer, Scheich Hassan Nasrallah, aus. „Ich habe keine Zweifel, dass Nasrallah nicht eines natürlichen Todes sterben wird. Der Staat Israel wird seine Rechnungen mit ihm begleichen. Nasrallah weiß das besser als wir“.

Der Vorsitzende des Knesset-Komitees für Verteidigung und Außenpolitik, Zachi Hanegbi, sprach von einem großen Druck der Öffentlichkeit, unter dem die Regierung gestanden hätte. Dadurch seien die Politiker nicht in der Lage gewesen, Entscheidungen zum Wohle des Staates zu treffen und die Zugeständnisse zu begrenzen. Seiner Meinung nach sei der Preis, den Israel gezahlt hat, zu hoch gewesen. Er wüsste jedoch nicht, ob er dem Druck der Öffentlichkeit widerstanden hätte, zitiert die Tageszeitung „Ha´aretz“ den Kadima-Politiker.

Aber es gab auch positive Reaktionen auf den Austausch. Dov Henin (Hadasch) forderte die Regierung auf, ihre Arbeit jetzt fortzusetzen, um ein Abkommen über die Freilassung des verschleppten Soldaten Gilad Schalit zu erzielen.

Barak: „Israel wird sich auch weiterhin für entführte Soldaten einsetzen“

Unterdessen versicherte Verteidigungsminister Ehud Barak, dass sich Israel auch weiterhin für die Freilassung entführter Soldaten einsetzen werde. „Als ein Soldat, ein Offizier und als Verteidigungsminister gebe ich bekannt, dass sich die israelische Armee immer dafür einsetzen wird, ihre Jungs nach Hause zu bringen. Lebend, verwundet oder tot“, sagte Barak am Mittwoch während einer Abschlusszeremonie für Marineoffiziere in Haifa.

Hinsichtlich der Hisbollah sagte er: „Wir verhandeln mit einem bitteren, verachtenswerten und zynischen Feind. Einem Feind, der Menschenleben als Währung betrachtet. Gegen diese moralische Niederträchtigkeit, sind das menschliche Leben als höchster Wert und der tiefe Schmerz, den wir angesichts des Verlusts empfinden, die Quelle unserer großen Stärke und Stabilität.“

Peres: „Der Libanon wird sich schämen“

Israels Staatspräsident Schimon Peres richtete sich nach dem Austausch in einer Rede an die Nation. Darin sagte er „Der Libanon wird sich noch schämen, eine Scham, die notwendig für ihn sein wird, um ordentlich weiter zu existieren.“ Er habe die Reaktionen in beiden Ländern verfolgt, so Peres. „Der Libanon feiert den ‚Sieg‘. Oberhäupter des Staates und der Hisbollah begrüßen die Rückkehr von Samir Kuntar, eines Mörders, der dem vierjährigen Mädchen Einat den Schädel eingeschlagen hat, mit bloßen Händen und seinem Gewehrkolben, und der dann ihren Vater kaltblütig erschossen und seine Tat niemals bereut hat. In Israel weint eine ganze Nation. Eine Nation wird zu einer Familie – Goldwasser und Regev.“

Israel habe einen hohen Preis gezahlt, um zwei gefallene Soldaten zurück zu bringen. Aber der Staat wollte, dass diese beiden zu Hause ruhen, so Peres. Er betonte: „Die Gerechtigkeit steht auf der Seite Israels. Gerechtigkeit ist die wahre Form menschlichen Triumphes“.

Die beiden Leichen der vor mehr als zwei Jahren von der schiitischen Hisbollah entführten israelischen Soldaten waren am Mittwoch von der Miliz an Israel übergeben worden. Im Gegenzug hat Israel fünf Gefangene, darunter den wegen Mordes verurteilten Libanesen Samir Kuntar, freigelassen. Zudem wurden die Leichen von 199 arabischen Kämpfern an die Miliz übergeben.

Bitte beachten Sie unsere Kommentar-Richtlinien

Schreiben Sie einen Kommentar

Israelnetz-App installieren
und nichts mehr verpassen

So geht's:

1.  Auf „Teilen“ tippen
2. „Zum Home-Bildschirm“ wählen