Sderot verliert qualifizierte Arbeiter und Fabriken

SDEROT (inn) - Immer mehr qualifizierte Arbeiter verlassen die raketengeplagte Stadt Sderot am Rande des Gazastreifens. Die ständigen Unterbrechungen durch den Raketenalarm fügen den Fabriken zudem einen hohen Schaden zu.

Wenn die Sirene ertönt, hört die Arbeit auf. Die Arbeiter eilen zu einem Schutzraum. Dann telefonieren sie mit ihren Angehörigen, um sich zu vergewissern, dass niemand verletzt wurde. „Es gibt Tage, an denen das Dutzende Male passiert“, sagte der Geschäftsführer einer Plastikfabrik in Sderot, Rafi Cohen, laut der Zeitung „Ha´aretz“. „Der Schaden ist enorm, und niemand entschädigt uns dafür.“

Eine Studie der Ben Gurion-Universität in Be´er Scheva zeigt: Die Zahl der Fabriken in der Region ist seit 2001 von 80 auf 69 gesunken. Damals begann der palästinensische Raketenbeschuss. Dennoch ist Sderot weiterhin das zweitgrößte Industriegebiet der Negev-Wüste hinter Be´er Scheva. Das Hauptproblem ist nicht der Mangel an Arbeitsplätzen, sondern der Mangel an qualifizierten Arbeitern.

Sderot zog einst Unternehmer an

Einst galt die Gegend als gewerblich vielversprechend. Der Hafen von Aschdod und die Küstenmetropole Tel Aviv sind nicht weit entfernt. Außerdem wurde ein gedeihlicher Handel mit dem Gazastreifen angestrebt. Doch die Raketenangriffe und der daraus folgende Abbruch der israelischen Wirtschaftsbeziehungen mit Gaza haben diese Hoffnungen zerstört, schreibt „Ha´aretz“.

Cohens Fabrik wurde Ende der 90er Jahre nach Sderot verlegt. Die Unternehmer hätten Zuschüsse von der Regierung erhalten, und die Miete sei niedrig gewesen, so der Geschäftsführer. Jetzt würde er gerne den Ort wechseln, wenn er es sich leisten könnte. Im „Exodus“ der Arbeiter sieht er das größte Problem, das durch den Beschuss verursacht wird. „In den letzten Jahren ist jeder, der konnte – die starke Bevölkerung -, gegangen. Dadurch sind die Kosten für eine qualifizierte Arbeit in der Region gestiegen.“ Arbeiter kämen von Be´er Scheva und Bat Jam bei Tel Aviv in seine Fabrik.

Ja´akov Dagan, Geschäftsführer eines Lebensmittelunternehmens, sieht die Sache etwas anders: „Wir sind hier, und wir haben vor, hier zu bleiben.“ Seine Firma werde demnächst eine neue Niederlassung in Sderot eröffnen, die 70 weitere Angestellte beschäftigen solle.

Peres trotz Geheimdienstbedenken in Sderot

Unterdessen stattete Israels Staatspräsident Schimon Peres der Wüstenstadt Sderot am Dienstag einen Besuch ab. Er weihte eine Torah-Rolle ein. Bevor er eintraf, schlug eine Rakete in ein Gebäude in der Nähe ein. Während der Zeremonie ertönte einmal der Raketenalarm, doch sie musste nicht unterbrochen werden. „Die Bürger von Sderot sollten sehr stolz sein, und ich bin stolz auf sie“, sagte Peres. Eines Tages werde es eine blühende Stadt ohne Angriffe sein. Insgesamt wurden am Dienstag zehn Kassam-Raketen vom Gazastreifen auf Israel abgefeuert.

Wie die „Jerusalem Post“ berichtet, hatte der Inlandsgeheimdienst Schin Beit dem Präsidenten von dem Besuch in Sderot abgeraten. Doch er meinte, er werde sich durch die Bedrohung aus Gaza nicht abschrecken lassen. „Ich bin ein Bürger wie jeder Bürger Israels, und ich habe mich geweigert, meine Pläne zu ändern und nach Jerusalem zurückzukehren, ohne mein Versprechen zu halten, nach Sderot zu kommen“, so Peres.

Zuvor hatte der Präsident im Soroka-Krankenhaus von Be´er Scheva Opfer des Selbstmordanschlags in Dimona besucht, bei dem am Montag eine Frau ums Leben gekommen war. Trotz des Schmerzes, den der Terror Israelis zufüge, hätten der Sicherheitsapparat und die Regierung Lob verdient, sagte er. Denn in den vergangenen Jahren seien die Attentate deutlich zurückgegangen. Während seiner Zeit als Premierminister Mitte der 90er Jahre habe es in Israel fast täglich Anschläge gegeben. Peres lobte auch die Sicherheitskräfte in Dimona – vor allem den Polizisten Kobi Mor, der eine schlimmere Tragödie verhindert habe. Er hatte den zweiten Attentäter erschossen, als dieser seinen Sprengsatz zünden wollte.

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