JERUSALEM (inn) – Eine deutliche Mehrheit der Israelis glaubt an Gott. An die traditionellen Speisegesetze (Kaschrut) hält sich laut zwei Umfragen gut die Hälfte der Juden in Israel.
In der vergangenen Woche befragte das Meinungsforschungsinstitut „Smith“ telefonisch 500 Erwachsene. Außerdem lud das Internetportal der Tageszeitung „Jediot Aharonot“ (ynet) zu einer Online-Umfrage ein, an der sich etwa 40.000 Menschen beteiligten.
Die Frage, ob sie an Gott glauben, bejahten 71 Prozent der Teilnehmer, während 29 Prozent verneinten. Zudem gehen 60 Prozent davon aus, dass Gott die Welt erschaffen hat. 40 Prozent führen deren Entstehung auf Naturkräfte zurück. Von denjenigen, die sich selbst als „säkular“ bezeichnen, glauben immerhin 47 Prozent an Gott und 29 Prozent an die Schöpfung. Dass der Messias kommen wird, meinen 43 Prozent aller Befragten, 57 Prozent rechnen nicht damit.
Wissenschaftler: Glaube ist Teil der jüdischen Identität
Ascher Cohen von der Politologischen Fakultät der Bar-Ilan-Universität merkte dazu an: „In Europa gibt es eine Diskussion darüber, ob man die Darwin-Lehre unterrichten soll, und eine Diskussion zwischen Weltlichen und Religiösen. Aber hier in Israel glauben 60 Prozent, dass Gott die Welt erschaffen hat. Die Weltlichen in Israel sind nicht weltlich in der westlichen Bedeutung des Wortes.“ Der durchschnittliche Israeli halte sich nicht an die göttlichen Gebote, aber ihm sei klar, dass das Judentum sowohl Religion als auch Nation sei.
„Der Israeli will nicht von der Nation abgetrennt werden, und deshalb ist das jüdische Element in Israel stark“, fügte der Dozent hinzu. In der Praxis heiße das: der säkulare Israeli wolle nicht, dass sein Geschäft am Schabbat geschlossen sein müsse oder dass man auf seine Speisegewohnheiten achte. „Aber ob ich an Gott glaube? Sicher. Ich bin Jude. Das ist ein Teil der Nationalität. Ob ich bereit bin, dass man mir das Fahren am Schabbat einschränkt? Auf keinen Fall. Der Israeli macht eine Unterscheidung zwischen dem, was man Judentum nennt und dem, was er bezahlen muss.“
„Ja“ zu Religionsunterricht
Dass die jüdische Überlieferung im Schulunterricht eine größere Rolle spielen sollte, sagten 53 Prozent der Teilnehmer. Nur 4 Prozent wollen weniger religiöse Themen, 32 Prozent sind mit dem derzeitigen Stand der Dinge zufrieden. Weitere 11 Prozent wussten die Frage nicht zu beantworten.
In den vergangenen zwei Jahren haben 32 Prozent der Befragten mindestens einmal einen Rabbiner zu Rate gezogen. Bei 68 Prozent ist dies nicht der Fall. 39 Prozent haben sich in letzter Zeit dem Judentum angenähert, 9 Prozent haben sich entfernt und bei 52 Prozent ist das Verhältnis zum jüdischen Glauben gleich geblieben.
Dass Israel traditioneller werden sollte, meinen 26 Prozent der Teilnehmer, 23 Prozent hätten es gerne religiöser. Hingegen wünschen sich 27 Prozent einen weltlicheren Staat. Die restlichen 24 Prozent sind mit dem jetzigen Zustand zufrieden.
Einen koscheren Haushalt führen 53 Prozent der Juden in Israel, während sich 36 Prozent nicht an die Speisegesetze halten. Zumindest manchmal tun dies 11 Prozent. Am Versöhnungstag Jom Kippur fasten 62 Prozent der jüdischen Israelis, 31 Prozent essen auch an diesem Tag und 7 Prozent verzichten manchmal.