Uri Geller ist 75

Mit dem Verbiegen von Löffeln wurde Uri Geller weltberühmt und machte ein Vermögen. Mit fast 75 Jahren ist der Israeli damit beschäftigt, seinem Uri-Geller-Museum in Tel Aviv den letzten Schliff zu geben. Seinen Kritikern ist er dankbar.
Von dpa
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Foto: דורון ערן, Wikipedia | CC BY-SA 3.0 Unported

Uri Geller (M.) 2010 in Jerusalem mit einem Cadillac, der mit 5.000 Besteckteilen versehen ist

TEL AVIV (dpa) – Der schwarze Cadillac ist übersät mit silbernen Löffeln und Gabeln, alle sind verbogen – das Markenzeichen von Uri Geller, „Mystifizierer“, wie er sich selbst bezeichnet. An einer Säule neben dem Fahrzeug hängen Schilder mit den Namen der früheren Besteckbesitzer: „Ich kenne die meisten Löffel, ich habe James Dean, ich habe Elizabeth Taylor, ich habe Atatürk, ich habe Ben-Gurion …“, zählt Geller – kurze Haare, Brille, graues T-Shirt – auf. Am 20. Dezember wird Geller 75 Jahre alt, aber er wirkt deutlich jünger.

Bekannt in Deutschland wurde der Unterhaltungskünstler 1974 mit seinem Auftritt in Wim Thoelkes ZDF-Show „Drei mal neun“, als er live im Fernsehen Besteck verbog. Sein Erfolg rief allerdings auch zahlreiche Kritiker auf den Plan, die sich immer wieder darum bemühten, ihn als Hochstapler zu überführen.

Geller redet schnell und eilt von einem Ausstellungsstück zum nächsten. Der Cadillac ist Teil des Uri-Geller-Museums in der Altstadt von Jaffa, dem arabischen Vorort von Tel Aviv. Seit 2020 präsentiert Geller hier seine Sammlung aus persönlichen Gegenständen, wie seine Vespa, die er in jungen Jahren lange fuhr, Fotos der Familie und Kunst etwa von Andy Warhol, aber auch Gegenstände von anderen Prominenten.

Da Vincis Glaskugel

„Da unten ist Prinzessin Dianas Teppich“, und „am wichtigsten war das Geschenk von Salvador Dali“. Geller weist auf eine Glaskugel hin, die von Leonardo da Vinci stamme, auf ein Plattencover, das er für Michael Jackson designt habe, auf eine Kamera, die er für seine Arbeit für den amerikanischen Geheimdienst CIA bekommen habe, auf einen Brief von Albert Einstein.

„Es ist so eklektisch“, sagt Geller über die Ausstellung. Auf rund 500 Quadratmetern Fläche präsentiert er etwa 220 Stücke. Die Wände in dem circa 400 Jahre alten Gebäude sind aus hellem Sandstein, die Decken bis zu acht Meter hoch.

Verwandtschaft mit Sigmund Freud

Geller ist vor sechs Jahren in seine Heimatstadt Tel Aviv zurückgekehrt, nach rund 35 Jahren in Großbritannien. Er wurde als einziges Kind seiner Eltern in der Küstenstadt im damaligen Palästina, dem heutigen Israel, geboren. Sein Verhältnis zu seinem Vater war schwierig, sagt Geller selbst. „Wie kann ich eine Person lieben, die meine Mutter angewiesen hat, acht Abtreibungen zu machen?“ Aber er habe seinen Frieden mit ihm gemacht. Die Mutter war eine entfernte Verwandte von Sigmund Freud, dem Vater der Psychoanalyse.

Mit fünf Jahren verbiegt Uri erstmals einen Löffel. „Ich habe mit meiner Mutter in der Küche Suppe gegessen.“ Da sei es passiert. „Und dann dachte ich, jeder kann das machen.“

Die Eltern lassen sich scheiden, als Uri zehn Jahre alt ist. Er geht mit seiner Mutter nach Zypern. Nach der Schulzeit dient er in der israelischen Armee, kämpft im Sechs-Tage-Krieg 1967. 1972 zieht er nach Deutschland, lebt für acht Monate in München und geht dann in die USA – um für die CIA zu arbeiten, wie er sagt. Dabei ist er bereits kommerziell erfolgreich mit dem Verbiegen von Löffeln, dem Anhalten und dem Reparieren von Uhren. Er wird mit seinen „Fähigkeiten“, wie er sie nennt, weltberühmt.

Zehn Jahre lebt Geller in New York, der legendäre Club Studio 54 ist um die Ecke, wie er erzählt. „Jeder war da, von David Bowie bis John Lennon bis Elton John, Mick Jagger.“ Und alle hätten ihn treffen wollen. „Ich war kein Sänger, ich war kein Schauspieler, ich war kein Politiker, ich war kein Sportler“, sagt er. „Ich war ein Typ aus Israel, der Löffel mit seinem Geist verbiegen konnte.“

Ego-Trip und Panikattacken

Doch sagt er auch über seinen Erfolg in jüngeren Jahren: „Ich war so seicht, ich war auf so einem Ego-Trip, ich habe den Cadillac gekauft, um meinen Freunden in Israel zu zeigen: Ich habe es geschafft.“

Er entwickelt eine Bulimie, bekommt Panikattacken. Lennon habe irgendwann zu ihm gesagt: „Du siehst aus wie ein Auschwitz-Überlebender.“ Der Ex-Beatle habe ihn nach Japan geschickt. Dort habe er ein Jahr mit seiner Frau im Wald gelebt. „Und dort habe ich mich gefunden.“

Geller, der sagt, dass das Löffel-Verbiegen kein Trick sei, wurde oft als Hochstapler kritisiert. 1973 schaffte er es nicht, seine Fähigkeiten in der US-Show von Johnny Carson unter Beweis zu stellen. „Ich saß da für 22 Minuten, gedemütigt, und dachte: Uri, das ist es, du bist erledigt.“ Am nächsten Morgen habe dann eine andere Talkshow angefragt, ob er dort auftreten wolle.

„Es ist egal, solange sie über mich reden“, lautet Gellers Fazit. „All die Skeptiker, die gegen mich gekämpft haben, die haben eine Mystik kreiert, die Energie des Unbekannten, die Debatte, und das war perfekt für mich in meiner Karriere.“

Biegen auf Befehl

Zu seinem Geburtstag nun wolle seine Tochter mit den beiden Enkeltöchtern aus Los Angeles kommen, sagt Geller. Eine Feier habe er nicht geplant. „Es sind Corona-Zeiten.“ Sein Sohn, der die englische Regierung berate, könne leider nicht herkommen.

Und wie funktioniert das jetzt mit dem Löffel? Einen Löffel hat er nicht zur Hand, aber eine Gabel. „Schau, es passiert ganz schnell.“ Er hält in der einen Hand die Gabel, mit den Fingern der anderen reibt er über den Stiel – und plötzlich ist die Gabel im Winkel von 90 Grad gebogen. Nichts denke er dabei, sagt er. „Heutzutage habe ich mich so daran gewöhnt. Ich befehle ihr einfach, sich zu biegen.“

Autorin: Stefanie Järkel

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