Israelnetz - Neueste Nachrichten https://www.israelnetz.com Nachrichten aus Israel und dem Nahen Osten de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Israelnetz - Neueste Nachrichten https://www.israelnetz.com 18 16 Nachrichten aus Israel und dem Nahen Osten TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 13 Apr 2021 13:04:34 +0200 <![CDATA[Traumatisierter Kriegsveteran zündet sich selbst an]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/13/traumatisierter-kriegsveteran-zuendet-sich-selbst-an/ PETACH TIKVA (inn) – Israel ist entsetzt über einen Armeeabgänger, der sich selbst in Brand gesetzt hat. Der 26-jährige Itzik Saidjan hatte am Montagnachmittag ein Rehabilitationszentrum in Petach Tikva aufgesucht. Im Eingangsbereich goss er eine brennbare Flüssigkeit über sich und zündete sich an. Er leidet infolge seines Einsatzes bei der Militäroperation „Starker Fels“ im Jahr 2014 an Posttraumatischer Belastungsstörung (PTBS).

Saidjan befindet sich nun zur Behandlung der Brandwunden im Scheba-Krankenhaus in Ramat Gan bei Tel Aviv. Sein Zustand ist lebensbedrohlich. Noch am Montagabend kamen seine Kommandeure von der Golani-Brigade ins Krankenhaus. Am Dienstag bat sein Bruder Avi um Gebete. „Ich wende mich an euch, Volk Israel, betet für meinen kleinen Bruder. Er hat schreckliche Dinge gesehen.“

Ein Auslöser, der Saidjan zu der Tat gebracht hat, ist laut der Nachrichtenseite von „Yediot Aharonot“ die mehrmalige Ablehnung seines Antrags auf höhere finanzielle Unterstützung durch den Staat. Nach Aussage seines Freundes Jaron Porter wurden ihm zuletzt die Zahlungen gekürzt. Der Vorfall erhält zusätzlich Aufmerksamkeit durch die zeitliche Nähe zum Jom HaSikaron, dem Gedenktag für Gefallene und Terror-Opfer, der am Dienstagabend beginnt.

Netanjahu kündigt Reformen an

Armeechef Aviv Kochavi betonte in einer Reaktion auf den Vorfall, Israel stehe tief in der Schuld derjenigen, die ihr Leben für den Staat riskieren. „Unter unseren Kämpfern und Reservisten gibt es jene, deren Verletzungen nicht gesehen werden können. Sie tragen die Narben des Kampfes über Jahre hinweg in ihren Köpfen. Wir müssen alles uns Mögliche tun, um für sie zu kämpfen.“

Am Montagabend war die Selbstentzündung auch Thema bei einer Kabinettssitzung. Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) sprach von einem „schockierenden Vorfall“. Er kündigte eine „umfassende Reform“ im Umgang mit betroffenen Armeeabgängern und Verwundeten an.

Vorwürfe gegen Armee

Saidjans Freund Porter erhob Vorwürfe gegen die Armee. Er beschrieb den ehemaligen Soldaten als introvertiert und ruhig. Saidjans psychische Probleme seien bekannt gewesen, die Armee habe diese aber ignoriert und ihn an Kampfeinsätzen teilnehmen lassen. „Man muss beweisen, dass man nicht lügt. Aber er wurde jedesmal zurückgewiesen.“ Nun leide er an Alpträumen, Schlafstörungen, Konzentrationsschwächen und Weinanfällen.

Saidjan hatte an der Schlacht von Schudscha'ija teilgenommen, die vom 20. bis zum 23. Juli 2014 währte. Schudscha'ija ist ein Viertel von Gaza-Stadt; aus dem dicht bewohnten Gebiet wurden Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Bei der Schlacht starben 13 Soldaten, darunter auch Oron Schaul, dessen Leiche die Terror-Organisation Hamas neben der von Hadar Goldin bis heute einbehält.

Laut Zahlen der Armee leiden 588 Armeeangehörige seit der Operation „Starker Fels“ an einer Postraumatischen Belastungsstörung, insgesamt sind es 5.000. Das Verteidigungsministerium unterstützt die Betroffenen bei der Arbeitsplatzsuche oder beim Studium.

Von: df

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Tue, 13 Apr 2021 13:02:00 +0200
<![CDATA[Kaum Einschränkungen zum Ramadan]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/13/kaum-einschraenkungen-zum-ramadan/ Muslime in Israel erleben in diesem Jahr den Fastenmonat Ramadan mit deutlich weniger Einschränkungen als ihre Glaubensgenossen in der islamischen Welt. Er hat am heutigen Dienstag begonnen. Tausende Gläubige werden in den kommenden Tagen zum Gebet in der Al-Aqsa-Moschee auf dem Tempelberg erwartet. In vielen islamisch geprägten Ländern, etwa in Saudi-Arabien, sind solche Versammlungen wegen der Corona-Pandemie nicht erlaubt. In Israel sind derzeit 3.396 aktive Fälle bekannt, von den Tests waren 0,4 Prozent positiv. Bislang sind 6.304 Menschen im Zusammenhang mit dem Virus gestorben.

Von: eh

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Tue, 13 Apr 2021 11:29:00 +0200
<![CDATA[Israel liefert Jordanien zusätzliches Wasser]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/13/israel-liefert-jordanien-zusaetzliches-wasser/ Jordanien erhält nach einem entsprechenden Antrag zusätzliche Wasserlieferungen aus Israel. Das Königreich erlebt eine Dürrephase. Wegen diplomatischer Spannungen hat Israel erst nach einem Monat dem Antrag zugestimmt. Die Spannungen entzündeten sich zuletzt, als Jordanien dem israelischen Premier Benjamin Netanjahu die Überflugrechte für einen Besuch in den Vereinigten Arabischen Emirate verwehrte. Davor hatte Israel Königssohn Hussein nicht auf den Tempelberg gelassen, weil er mit mehr Wachleuten kommen wollte als vorgesehen.

Von: df

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Tue, 13 Apr 2021 11:03:00 +0200
<![CDATA[Niederländischer Philosoph: Diaspora hielt Juden von Gewaltausübung ab]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/13/niederlaendischer-philosoph-diaspora-hielt-juden-von-gewaltausuebung-ab/ Ein führender niederländischer Philosoph hat am israelischen Holocaustgedenktag Kritik auf sich gezogen. Hans Achterhuis ist Träger des renommierten „Denker des Vaterlandes“-Preises von 2011. Er sagte der Zeitung „Trouw“ am Donnerstag, die jüdische Diaspora sei ein „Segen“ gewesen. Sie habe Juden daran gehindert, an die Macht zu kommen und „religiös motivierte Gewalt“ auszuüben: „Man sieht, wie es schieflaufen kann, wenn diese Macht da ist, in Israel.“ Der israelische Botschafter in den Niederlanden, Naor Gilon, verurteilte die Aussage. Achterhuis habe seine Auszeichnung nicht verdient.

Von: tk

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Tue, 13 Apr 2021 10:57:00 +0200
<![CDATA[Gedenken an den „gestrandeten Zug“]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/13/gedenken-an-den-gestrandeten-zug/ FARSLEBEN (inn) – Im sachsen-anhaltinischen Farsleben war der 13. April 1945 ein Tag der Befreiung für etwa 2.500 jüdische Häftlinge. Sie waren zusammengepfercht in Waggons von Bergen-Belsen nach Theresienstadt unterwegs, kamen aber nie dort an.

Unter ihnen gab es Alte, Jungeund Kranke, geschwächt und traumatisiert vom Aufenthalt im Konzentrationslager Bergen-Belsen. Viele waren bis auf die Knochen abgemagert und unter unsäglichen hygienischen Zuständen ohne Versorgung eingesperrt. Eine Woche lang ohne Kenntnis des Zieles, Irrfahrt ohne Pause. Unter den Häftlingen war auch Sara Atzmon (geb. Gottdiener), ein ungarisches jüdisches Mädchen mit seiner Familie, das kurz vor seinem zwölften Geburtstag stand und zu dem Zeitpunkt noch 17 Kilogramm wog.

Der 13. April ist für die Überlebenden dieses Transportes zum Gedenktag ihrer Befreiung geworden. Die Schrecken und das Grauen über das Erlebte wirken jedoch eingeschlossen in Erinnerungen weiter und lassen sie wohl nie wieder los. Ihrer und all der Opfer, die diesen Transport nicht überlebten, soll dieser Bericht gedenken.

Der „gestrandete Zug“ – wie kam es dazu?

Kurz vor der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen schickten die Deutschen noch drei Züge, überfüllt mit jüdischen Häftlingen, von dort in Richtung Theresienstadt, um sie als Geiseln für politische und wirtschaftliche Zwecke auszutauschen. Nur einer dieser drei Transporte traf in Theresienstadt ein. Die beiden anderen fuhren tagelang umher. In den Waggons eingezwängt litten die Menschen unter den unhaltbaren Zuständen wie Versorgungsmangel, Raumnot, jeglicher fehlender Hygiene und einem unerträglichen Geruch. Viele hielten diese Strapazen nicht durch und starben. Ihre Leichen lagen zwischen den Überlebenden.

Einer dieser beiden Züge wurde nach knapp zwei Wochen in Südbrandenburg bei Tröbitz durch die sowjetische Armee befreit, man nannte ihn später den „verlorenen Zug“. Den dritten „gestrandeten Zug“ befreiten amerikanische Panzereinheiten am 13. April 1945 in der Nähe von Farsleben bei Magdeburg. Die Menschen waren seit dem 6. April unterwegs. Eine Gruppe engagierter Ehrenamtlicher und Schüler in Projektarbeit widmeten sich der Aufarbeitung dieses Geschehens. Sie bemühen sich darum, die Erinnerung an den „gestrandeten Zug“ wachzuhalten.

Dazu sollen auch ein Gedenkstein an dem Zuggleis bei Farsleben und eine Sonderausstellung im Museum im sachsen-anhaltinischen Wolmirstedt helfen – im Gedenken an die etwa 2.500 jüdischen Häftlinge aus Bergen-Belsen.

Interview: Überlebende berieten Planer des Gedenksteines

Anette Pilz ist Museumsleiterin und Vorstandsmitglied des Fördervereins „Gestrandeter Zug“ e.V. Sie beantwortete dazu Fragen in einem Interview.

Israelnetz: Frau Pilz, wie kam es zu der Initiative, die sich mit dem Gedenken an die Opfer des Zuges und der Aufarbeitung ihrer Geschichte befasst und zu dem Projekt, einen Ort des Erinnerns zu schaffen?

Anette Pilz: In der Vergangenheit waren bereits Viele interessiert und engagiert, es kam nur noch nicht in die Öffentlichkeit. Mehreres verband sich miteinander. Ein engagierter Hobbyhistoriker widmete sich schon seit längerem der Aufarbeitung. Die Gymnasiallehrerin Frau P. und ihre Projektgruppe organisierten Lesungen mit Überlebenden aus New York und London. Vieles fügte sich ineinander, der Förderverein „Gestrandeter Zug“ e.V. wurde gegründet.

Es waren mehr als nur ein paar Gedanken. Ein Informationsleitsystem sollte an den Orten des Geschehens errichtet werden, ein Gedenkstein aufgestellt und die Geschichte des „gestrandeten Zuges“ in einer Sonderausstellung erforscht und aufgearbeitet werden. Es entwickelte sich eine Eigendynamik des Projektes „Gedenkstein und Museum Sonderausstellung“, die man vorher nicht überschauen konnte. Planungen und Möglichkeiten waren vorher nicht absehbar.

2020, zum 75. Jahrestag der Befreiung, wollten wir das Projekt in die Öffentlichkeit bringen. Wir planten eine Gedenkveranstaltung, vorbereitet mit Einladungen an Holocaust-Überlebende unter anderem aus den USA und Israel. Aus aller Welt wollten Leute anreisen, dann kam der Lockdown.

Zur Gestaltung des Gedenksteines gaben Holocaust-Überlebende Rat. Der Text „Befreiung 13. April 1945“ sollte in deutscher, englischer und hebräischer Schrift durch einen Steinmetz eingraviert werden. Unter anderem wurde eine Radtour organisiert, auf der für den Gedenkstein gespendet werden konnte. Der Zug war im Ausland mehr bekannt als in der Region und in der DDR Zeit in Vergessenheit geraten. Die Geschichte des Zuges bei Tröbitz wurde besser aufgearbeitet, den befreite die sowjetische Armee im Gegensatz zu diesem, der von amerikanischen Panzereinheiten befreit wurde.

Zwei Hickorybäume, eine Art Walnussgewächs, konnten aber zwischenzeitlich an dem Ort der Befreiung gepflanzt werden. Der Name war ein Markenzeichen des amerikanischen Bataillons, die Kompanie nannte sich „Old Hickory“.

Auf dem Friedhof in Farsleben sind über 30 Todesopfer begraben, die den Transport nicht überlebten. In Hillersleben, circa 10 Kilometer entfernt, befand sich eine Heeresversuchsanstalt für verschiedene Waffengattungen. Nach der Befreiung des Zuges brachten die Amerikaner die Kranken auch dorthin zur Versorgung und Behandlung. Zusätzlich zum bereits vorhandenen Krankenhaus errichteten die US-Amerikaner ein Lazarett für die vielen Erkrankten. Noch über 130 Häftlinge starben in Hillersleben an den Folgen von Schwäche und Krankheiten. Sie sind auf einem jüdischen Friedhof begraben, der heute inmitten eines großen Solarparks liegt.

Wie sind Sie an die Anschriften gekommen, um die Holocaust-Überlebenden zur Gedenkfeier einzuladen?

Es gibt einen Blog, und viele Holocaust-Überlebende waren durch frühere Forschungen bereits bekannt.

Waren Sie selbst schon einmal in Israel?

Ja, ich war vor über zwölf Jahren mit einer Reisegruppe in Israel. Es war mir ein Bedürfnis, dort hinzufahren, es ist Teil der Geschichte und selbstverständlich. Eine weitere Reise ist geplant, wenn es wieder möglich ist.

Vielen Dank für das freundliche Gespräch!

Die Museums-Sonderausstellung des „gestrandeten Zuges“ ist für Besucher in Wolmirstedt geöffnet. Eine dazugehörige Begleitbroschüre kann im Museum erworben werden. Der Gedenkstein findet zum 76. Jahrestag der Befreiung seinen Bestimmungsort.

Dreimal im Zug deportiert

Die Zeitzeugin Sara Atzmon erlebte diesen Tag der Befreiung als zwölfjähriges Mädchen. Für sie und ihre aus Ungarn stammende Familie war dies bereits der dritte Transport während des Holocausts. Insgesamt waren sie ungefähr 23 Tage in solchen Waggons unterwegs. Von Ungarn sollte die Familie zunächst nach Auschwitz gebracht werden. Der Zug stand aber vor Ausschwitz tagelang fest, bevor er ins Durchgangslager Strasshof nach Heidenreichstein in Österreich umgeleitet wurde. Dort verstarb ihr Vater.

Ein halbes Jahr später saß die Familie wieder für eine Woche in überfüllten Waggons, diesmal bei winterlichen Verhältnissen, bis sie im Dezember 1944 im Konzentrationslager Bergen-Belsen ankamen. Dann folgte die dritte unmenschliche Strapaze und eingebrannte Erinnerung an den Transport, für die Eingesperrten mit unbekanntem Ziel, die dann bei Farsleben in der Nähe von Magdeburg durch amerikanische Panzereinheiten beendet wurde. Für die Häftlinge war es der Tag der Befreiung und des neu geschenkten Lebens.

Sara Atzmon lebt heute mit Ehemann, Kindern, Enkeln und Urenkeln in Israel. Sie hat als bildende Künstlerin einen Namen. Im Gespräch mit Israelnetz erzählt sie:

Starke Gefechte vor der Befreiung

„Am 6. April mussten wir, alle geschwächt, zu Fuß mehrere Kilometer vom Konzentrationslager Bergen-Belsen zum Bahnhof marschieren. Dort wurden wir auf Zugwaggons verladen. Fast eine Woche fuhren wir nur hin und her, bis wir bei Farsleben befreit wurden. In der Nacht vor der Befreiung gab es starke Gefechte mit den Amerikanern, die deutschen Soldaten sind geflohen.

Vorher wurde der Zug vor einer Brücke abgestellt und die Lokomotive abgekoppelt. Ein SS-Offizier gab den Hinweis, dass ein Waggon mit Sprengstoff beladen sei. Der Zug sollte anscheinend gesprengt werden. Einige Menschen versuchten, diesen Waggon wegzuschieben.

Zwei amerikanische Panzerwagen entdeckten unseren Zug, meine Geschwister gelangten nach draußen und liefen ihnen entgegen. Die Befreiung war um die Mittagszeit, unsere Familie war zusammen. Die Türen der Waggons waren nicht geschlossen, doch viele hatten keine Kraft mehr, sie zu öffnen. Einige waren bereits im Waggon gestorben. Beim Öffnen der Waggontüren sind die Leichen rausgefallen. Meine Schwester Schoschana war mit Typhus infiziert und schwerstkrank. Menschen starben noch nach der Befreiung. Die Amerikaner bauten Lazarette auf. In die Kaserne von Hillersleben und Umgebung wurden kranke Menschen gebracht und behandelt.“

Im Juli 1945 wanderte Sara mit ihren Geschwistern auf einem Schiff ins damalige britische Mandatsgebiet Palästina ein. Dort lernte sie ihren Ehemann Uri Atzmon kennen, und sie gründeten eine eigene große Familie.

Ein Wiedersehen mit den Befreiern

Viele Jahre später, 2009, traf Sara Atzmon mit ihrem Ehemann Uri ihre Befreier wieder. Sie folgte einer Einladung der Amerikaner an die Überlebenden des „gestrandeten Zuges“ zu einem Wiedersehen in Amerika. Eigens zu diesem Treffen schuf sie ein Modell des verhängnisvollen Waggons mit der Sprengladung, den die Menschen damals versuchten wegzuschieben. Ein Foto davon brachte sie mit in die USA, wo es in einem Museum ausgestellt ist.

Ihr Mann Uri fragte einen der damaligen Panzerwagenfahrer, an was er sich erinnert. „An den Geruch und die vielen Leichen in den Waggons und den Schmutz, das werde ich nie mehr vergessen“, gab er zur Antwort.

Sie selbst kehrte später immer wieder an die Orte der Geschehnisse zurück. Sie besuchte Farsleben und begegnete Schülern in Wolmirstedt, die ihre Enkel sein könnten. 2016 sprach sie zum Holocaustgedenktag im Landtag von Sachsen-Anhalt.

Von: G. Wedel

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Tue, 13 Apr 2021 10:40:00 +0200
<![CDATA[Sabotageakt gegen iranische Anreicherungsanlage in Natanz]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2021/04/12/sabotageakt-gegen-iranische-anreicherungsanlage-in-natanz/ NATANZ (inn) – Es sieht nach einer weiteren Demütigung für den Iran aus: Am Samstag hatte Teheran noch stolz die Inbetriebnahme moderner Zentrifugen verkündet – und das am dort begangenen „Nationaltag der Nukleartechnologie“. Am Sonntag tauchten dann aber Meldungen von einem Stromausfall auf, von einem „Unfall“ war sodann die Rede, später auch von „nuklearem Terrorismus“ – und von einer Beteiligung Israels an einer Sabotage.

Am Montag machte das Außenministerium das „zionistische Regime“ für den Vorfall verantwortlich. Der Sprecher Said Chatibsadeh kündigte laut der iranischen Nachrichtenagentur „Tasnim“ Vergeltung an. Zugleich betonte er, der Schaden sei begrenzt und betreffe nur alte Anlagen, die ohnehin mit neuen ersetzt werden sollten.

Laut der „New York Times“ spielten die Israelis bei dem Sabotageakt zumindest eine Rolle. Die amerikanische Zeitung beruft sich auf ungenannte israelische und amerikanische Geheimdienstvertreter. Demnach zerstörte eine willentlich herbeigeführte Explosion das Stromversorgungssystem; eine Reparatur könnte bis zu neun Monate in Anspruch nehmen.

EU besorgt um diplomatische Bemühungen

Erst vor zwei Wochen sind Gespräche zu einer Erneuerung des Atomabkommens angelaufen. Die Europäische Union erklärte am Montag, sie weise „alle Versuche zurück, die die diplomatischen Bemühungen unterwandern oder schwächen“. Der amerikanische Verteidigungsminister Lloyd Austin vermied das Thema Atomdeal bei einer Pressekonferenz am Sonntag mit seinem israelischen Amtskollegen Benny Gantz (Blau-Weiß). Austin war am Sonntag zu einem zweitägigen Staatsbesuch in Jerusalem eingetroffen. Er ist der erste Minister der Regierung von US-Präsident Joe Biden, der nach Israel kommt.

Der Vorfall von Natanz reiht sich ein in eine Abfolge von Rückschlägen für das Regime in Teheran. In jüngster Zeit gehört dazu die Tötung des iranischen Kernpyhsikers Mohsen Fachrisadeh im November sowie die Explosion am oberirdischen Teil der Anlage in Natanz im Juli.

Mehr zum Atomdeal mit dem Iran lesen Sie in der neuen Ausgabe 2/2021 des Israelnetz Magazins, die am 21. April erscheint. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/5 66 77 00, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online. Gerne können Sie auch mehrere Exemplare zum Weitergeben oder Auslegen anfordern.

Von: df

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Mon, 12 Apr 2021 14:14:00 +0200
<![CDATA[Israelis und Palästinenser gratulieren Jordanien]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/12/israelis-und-palaestinenser-gratulieren-jordanien/ JERUSALEM / AMMAN (inn) – Israel hat Jordanien zur Staatsgründung vor 100 Jahren gratuliert. Die Glückwünsche übermittelte das Außenministerium am Sonntag an den jordanischen König und sein Volk. „Das haschemitische Königreich von Jordanien, unter der Führung von König Abdullah II., ist eine Schlüsselfigur in der Region und ein wichtiger und strategischer Partner von Israel“, heißt es in der Erklärung. „Es fördert die Werte Frieden, Mäßigung und Toleranz.“ Israel sei auch für die Zukunft an einer Zusammenarbeit mit dem Nachbarland interessiert.

Auch von der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) kamen Glückwünsche. PA-Präsident Mahmud Abbas (Fatah) gratulierte am Sonntag zu „100 Jahren Unabhängigkeit des haschemitischen Königreiches“, wie die Nachrichtenseite WAFA berichtet. In einer Fernsehansprache sagte er: „Ein stolzes, starkes, gedeihendes und kompromissloses Jordanien bedeutet Stärke, Sicherheit und Unterstützung für Palästina.“

Abbas verwies auf die historische Beziehung zwischen den Ländern und den Völkern. Die Jordanier hätten eine „wichtige Rolle“ gespielt „bei der Unterstützung des palästinensischen Volkes, um die israelische Besatzung zu beenden, sein Recht auf Frieden, Unabhängigkeit und einen unabhängigen palästinensischen Staat mit Ostjerusalem als Hauptstadt zu erlangen“. Zudem lobte der PA-Vorsitzende die jordanische Aufsicht über muslimische und christliche heilige Stätten in Jerusalem. Diese sei „immer mit Palästina abgesprochen“.

Großbritannien übergab Teil des Mandatsgebietes

Am 11. April 1921 hatte Abdullah I. das haschemitische Emirat Transjordanien gegründet. Dies wurde möglich, weil Großbritannien den Arabern etwa zwei Drittel des Mandatsgebietes Palästina übergab. Die formale Unabhängigkeit von Großbritannien erhielt das Land östlich des Jordans als Königreich am 25. Mai 1946. Seit 1949 trägt es den Namen Jordanien.

Abdullah I. herrschte von 1921 bis zu seiner Ermordung im Jahr 1951. Nachfolger war sein Sohn Talal I., der allerdings 1952 bereits wieder abdankte. Dessen Sohn Hussein I. blieb bis zu seinem Tod 1999 König. Ihn beerbte der jetzige Monarch Abdullah II.

Von 1949 bis 1967 besetzte Jordanien das Westjordanland und Ostjerusalem, dann eroberte Israel die Gebiete im Sechs-Tage Krieg. Die Aufsicht über den Tempelberg und andere für Muslime heilige Stätten blieb allerdings in jordanischer Hand. Seit 1994 gibt es einen Friedensvertrag zwischen Jordanien und Israel.

Von: eh

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Mon, 12 Apr 2021 14:07:00 +0200
<![CDATA[Beileid aus Israel]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/12/beileid-aus-israel/ Israelische Staats- und Regierungsvertreter haben ihre Trauer über den Tod von Prinz Philip zum Ausdruck gebracht. Präsident Reuven Rivlin sprach der „königlichen Familie und dem Volk des Vereinigten Königreiches“ seine „tiefste Anteilnahme“ aus: „Möge sein Andenken ein Segen sein.“ Auch Premier Benjamin Netanjahu brachte sein Beileid zum Ausdruck und twitterte: „Prinz Philip war ein vollendeter Diener des Staates. Er wird in Israel und der Welt sehr vermisst werden.“ Der Ehemann der britischen Königin Elizabeth II. war am Freitag im Alter von 99 Jahren gestorben.

Von: tk

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Mon, 12 Apr 2021 13:22:00 +0200
<![CDATA[US-Verteidigungsminister Austin in Israel]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/12/us-verteidigungsminister-austin-in-israel/ Der amerikanische Verteidigungsminister Lloyd Austin hat am Sonntag seinen israelischen Amtskollegen Benny Gantz in Jerusalem getroffen. Es ist der erste Besuch aus dem Kabinett des neuen US-Präsidenten Joe Biden. Austin betonte das „eiserne“ Bekenntnis der USA zur Sicherheit Israels. Zudem wolle sein Land die Normalisierung zwischen Israel und muslimischen Staaten weiter vorantreiben. Gantz betonte, Israel wolle mit den USA „zusammenarbeiten“, damit ein neuer Irandeal keine Bedrohung schaffe. Austin wird während der zweitägigen Visite auch Premier Benjamin Netanjahu treffen.

Von: tk

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Mon, 12 Apr 2021 12:00:00 +0200
<![CDATA[Abgeordneter beschwert sich über Polizeigewalt]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/12/abgeordneter-beschwert-sich-ueber-polizeigewalt/ Der einzige jüdische Abgeordnete der arabisch dominierten „Vereinigten Liste“, Ofer Cassif, hat beim Justizministerium Beschwerde gegen die Polizei eingereicht. Am Freitag hatte er im Ostjerusalemer Stadtteil Scheich Dscharrah an Protesten gegen eine geplante Räumung teilgenommen. Bei Zusammenstößen mit Polizisten wurde Cassif leicht verletzt, seine Brille zerbrach und sein T-Shirt wurde zerrissen. Vonseiten der Polizei hieß es anfangs, der Politiker habe als Erster Gewalt angewandt. Die aktuelle Darstellung lautet, er habe andere aufgestachelt und sei damit bewusst ein Risiko eingegangen.

Von: eh

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Mon, 12 Apr 2021 11:29:00 +0200
<![CDATA[14-jähriger Palästinenser verliert Auge durch Gummigeschoss]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2021/04/12/14-jaehriger-palaestinenser-verliert-auge-durch-gummigeschoss/ Ein 14-jähriger Palästinenser hat am Freitagnachmittag offenbar durch ein israelisches Gummigeschoss ein Auge verloren. Is al-Din stand in Hebron in einem Gemüseverkauf und beobachtete eine Auseinandersetzung zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern. Kamera-Aufzeichnungen zeigen, wie er sich plötzlich wegduckt und im hinteren Teil des Verkaufsbereichs Schutz sucht. Die Armee bestätigte lediglich den Einsatz von Gummigeschossen; ersten Untersuchungen zufolge gab es keinen absichtlichen Schuss in Richtung des Gemüsestands. Die Familie des Jungen spricht hingegen von Absicht.

Von: df

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Mon, 12 Apr 2021 11:25:00 +0200
<![CDATA[Ein „Hanswurst“, der den Massenmord organisierte]]> https://www.israelnetz.com/kommentar-analyse/2021/04/12/ein-hanswurst-der-den-massenmord-organisierte/ Menschen schauen von ihren Balkonen herab auf die Bezalel-Straße, unten stehen hunderte Interessierte an polizeilich errichteten Absperrungen. Es ist der 11. April 1961 in Jerusalem. Hier – genauer: im Beit Ha’am, dem Haus des Volkes, in einem Theatersaal – beginnt an diesem Tag der Prozess gegen Adolf Eichmann, den Mitorganisator des Holocausts. Das Interesse ist groß. Die Verhandlungen werden im israelischen Radio gesendet. Einige hundert Meter vom Prozessgeschehen entfernt bietet zudem das Kloster Ratisbonne mehreren hundert Zuschauern Platz, um sich eine Videoübertragung anzuschauen. Derweil tummeln sich im Gerichtssaal Hunderte Journalisten aus aller Welt.

Eichmann, 1906 in Solingen geboren, ein Mann ohne Schulabschluss, hatte in den 1930er- und 40er-Jahren Karriere im NS-Bürokratieapparat gemacht. Er hatte an den verschiedenen Stufen der deutschen Judenverfolgung mitgewirkt, zunächst in Wien, Prag und Berlin die forcierte sogenannte „Auswanderung“ vorangetrieben und schließlich die Massenvernichtung des jüdischen Volkes koordinieren geholfen. Nach dem Krieg konnte er untertauchen und nach Argentinien entkommen. Dort wurde er 1960 vom israelischen Auslandsgeheimdienst Mossad geschnappt und für das Gerichtsverfahren nach Jerusalem gebracht.

Hier sitzt er nun, in einem Kasten aus kugelsicherem Glas, um ihn herum drei israelische Polizisten, und wartet auf seinen Prozess. Nach umfangreichen Ermittlungen und stundenlangen Interviews hat ihn die Staatsanwaltschaft in 15 Punkten angeklagt. Ihm werden unter anderem Verbrechen gegen das jüdische Volk sowie Verbrechen gegen die Menschlichkeit zur Last gelegt. Basis ist ein israelisches Gesetz aus dem Jahr 1950 zur Verfolgung von Nazis und deren Helfern.

Eichmann, der sich während der Verhandlungen als kleines Rädchen in einem großen Getriebe darstellen wird, reibt sich nervös den Finger, presst die Lippen zusammen und wechselt ein paar Worte mit einem der Ordnungshüter. „Beit HaMischpat“ (Das Gericht), tönt um 9 Uhr eine laute Stimme durch den Saal, und die drei Richter, allesamt deutschstämmige Juden, treten ein. Eichmann steht strack.

Die „Banalität des Bösen“?

„Er sah aus wie eine gepflegte Vogelscheuche“, schreibt die „Jewish Telegraphic Agency“ am nächsten Tag. Einen „Hanswurst“ wird ihn die deutsch-jüdische Philosophin Hannah Arendt nennen. Arendt, die für den „New Yorker“ als Beobachterin nach Jerusalem gekommen ist, nutzt die Gelegenheit des Jahrhundertprozesses, um am Fall Eichmann ihre Totalitarismus-Theorie konkret zu machen. Mit der durchschlagenden These von der „Banalität des Bösen“ will sie deutlich machen, dass Eichmann ein normaler Mensch gewesen sei, der gerade als solcher zur Beteiligung am millionenfachen Massenmord in der Lage war. Diese Erkenntnis erschüttert, denn sie verhindert, dass sich die Masse der Mitläufer selbst entlastet, indem sie die Verantwortung auf einzelne vermeintliche „Ungeheuer“ abschiebt.

Doch schon unter Zeitgenossen sind Arendts Beobachtungen umstritten. Bis heute werfen Kritiker ihr vor, auf Eichmanns Selbstverharmlosung hereingefallen zu sein. Die Philosophin Bettina Stangneth etwa kommt 2011 in ihrer Studie „Eichmann vor Jerusalem“ zu dem Fazit, dass der SS-Obersturmbannführer ein „fanatischer Nationalsozialist“ und keineswegs nur Bürokrat gewesen sei.

Arendt äußert sich seinerzeit auch zu den juristischen und politischen Umständen des Verfahrens und tritt mit teils scharfer Kritik an die Öffentlichkeit. Aus ihrer Sicht rutschen die Gerichtsverhandlungen bisweilen in einen „Schauprozess“ ab, in dessen Hintergrund vor allem Premierminister David Ben-Gurion als „Regisseur“ die Fäden ziehe. Sie hält es unter anderem für zweifelhaft, dass das Gericht in einer „endlosen Prozession“ Dutzende Überlebende aus Konzentrations- und Vernichtungslagern in den Zeugenstand ruft, anstatt sich etwa auf die Auswertung nüchterner Akten zu konzentrieren. Nicht nur bei ihrem Freund Gerschom Scholem trägt ihr das den Vorwurf eines „herzlosen, ja oft geradezu hämischen Tons“ ein. Arendts Buch „Eichmann in Jerusalem“ wird erst im Jahr 2000 auch ins Hebräische übersetzt.

Die Opfer im Fokus

Die Rolle der Augenzeugen ist gerade das Besondere an diesem Prozess: Anders als bei den Verhandlungen in Nürnberg ab November 1945 rücken in Jerusalem die Verfolgten selbst ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Mit ihren Schilderungen rufen sie im Gerichtssaal und weit darüber hinaus Entsetzen und Fassungslosigkeit hervor.

Generalstaatsanwalt Gideon Hausner sieht sich als Vertreter der Ermordeten: „Ich stehe hier nicht allein. Mich begleiten sechs Millionen Strafverfolger, die nicht hier stehen, mit ihrem Finger auf den Mann zeigen und sagen können: ‚J’accuse – Ich klage an!‘ Denn ihre Asche ist in Auschwitz und Treblinka verstreut, in Gräbern in ganz Europa verteilt“, erklärt er in einer der ersten Sitzungen. Als der Überlebende Jehiel De-Nur von dem „Planeten Auschwitz“ erzählt, auf dem Menschen keine Namen, keine Eltern, keine Kinder gehabt und „nicht nach den Gesetzen dieser Welt gelebt“ hätten, ringt er selbst nach Fassung. Kurz danach kollabiert der Zeuge vor laufender Kamera und wird auf einer Trage aus dem Saal gebracht.

Der Eichmann-Prozess ist über die Jahre Gegenstand zahlreicher Bücher und Aufsätze geworden. Historiker wie Tom Segev, der das Geschehen damals selbst als Jugendlicher beobachtete, haben herausgearbeitet, wie dessen opferzentrierte Struktur die israelische Erinnerungskultur verändert hat. Bis dato waren Holocaust-Überlebende mit ihren Geschichten in der Gesellschaft kaum beachtet worden. Nicht zuletzt unter Zionisten, die den Krieg von Palästina aus beobachtet hatten, war die Ansicht verbreitet gewesen, dass nur unmoralische, „schlechte“ Juden die Massenvernichtung überlebt haben konnten, nämlich durch Kollaboration in den Judenräten oder als Kapos.

Aber auch viele Überlebende sahen sich von Schuld- und Schamgefühlen gegenüber ihren getöteten Angehörigen geplagt. Gleichzeitig führte das zionistische Streben nach einem neuen, starken „Hebräer“ in Abgrenzung zu dem als hilflos gesehenen „Diaspora-Juden“ dazu, dass das Gedenken der Gründerjahre vor allem auf den Heldengeschichten wie dem Warschauer Ghettoaufstand aufgebaut wurde.

„Jetzt wissen wir es besser“

Der Prozess gegen Eichmann brach die Kategorien von „Helden“ und „Opfern“ auf, förderte das Verständnis für die Überlebenden und veränderte die gesellschaftliche Identität. Der in Palästina geborene und im sozialistischen Zionismus sozialisierte Schriftsteller Chaim Guri reflektierte laut der Historikerin Hanna Jablonka bereits im September 1961 in der Zeitung „LaMerchav“ über die Auswirkungen des Prozesses: „Wir sollten um Entschuldigung bitten, denn wir haben von außen über sie geurteilt, ohne uns zu fragen, ob wir das Recht dazu haben. […] Generalisierend haben wir behauptet, dass diese armen Seelen sich ‚wie Schafe zur Schlachtbank‘ haben führen lassen. Jetzt wissen wir es besser.“

Eichmann wird nach acht Monaten Verhandlungen und einem gescheiterten Einspruch zum Tode verurteilt, gehenkt und seine Asche über dem Meer verstreut. Die Fragen, die der Prozess gegen ihn aufgeworfen hat, hallen bis heute nach und richten sich an jeden einzelnen – es sind Fragen zu Verantwortung und Schuld in einem totalitären System.

Von: Sandro Serafin

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Mon, 12 Apr 2021 08:05:00 +0200
<![CDATA[Südafrikanischer Dozent verteidigt Hitler]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/wissenschaft/2021/04/09/suedafrikanischer-dozent-verteidigt-hitler/ Ein südafrikanischer Politikwissenschaftler hat Taten von Adolf Hitler gerechtfertigt. In der Woche des Gedenktages Jom HaScho'ah hielt Lwazi Lushaba an der Universität Kapstadt einen Vortrag. Dieser löste bei den Studenten und der Universität großes Entsetzen aus. Die Universität distanzierte sich von den menschenverachtenden Aussagen. Der Vorgang soll nun untersucht werden. Lushaba fiel seit Beginn seiner akademischen Laufbahn durch rassistische Äußerungen auf. Zudem unterstützt er die anti-israelische Boykottbewegung BDS.

Von: joh

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Fri, 09 Apr 2021 14:42:00 +0200
<![CDATA[Israel erhält neues Spionageflugzeug]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2021/04/09/israel-erhaelt-neues-spionageflugzeug/ JERUSALEM (inn) – Die israelischen Verteidigungskräfte haben am Sonntag ein neues Spionageflugzeug vorgestellt. Die „Oron“, ein Gulfstream-Jet, ist mit modernsten Sensoren und Radarsystemen ausgestattet. Nach Angaben der Luftwaffe sollen mit dem Flugzeug Informationen gesammelt werden, um mögliche Angriffsziele im Iran, Irak und Jemen zu identifizieren.

„Die Armee und die Luftwaffe haben bereits eine Vielzahl von Fähigkeiten zur Nachrichtensammlung, aber die Oron stärkt unsere Überlegenheit und unsere Fähigkeit, in der zweiten und dritten Ebene zu operieren. Mit ihr können wir uns schnell und über einen langen Zeitraum zwischen den Fronten bewegen“, sagte der Chef der israelischen Luftwaffe Amikam Norkin.

Bei der „zweiten Ebene“ handelt es sich um Länder, die zwar nicht direkt an Israel grenzen, aber dennoch eine direkte Bedrohung darstellen. Wie die Onlinezeitung „Times of Israel“ berichtet, sind das vor allem der Jemen und der Irak. Grund für die Einstufung ist die dortige militärische Präsenz des Iran. Der Iran selbst wird der „dritten Ebene“ zugerechnet. In diese Kategorie fallen Länder, die weiter entfernt liegen und feindlich gegenüber Israel eingestellt sind.

Bei jedem Wetter einsatzbereit

Eine Stärke des neuen Flugzeugs soll seine Robustheit sein. Die „Oron“, die übersetzt „Uranus“ heißt, kann bei allen Wetterbedingungen fliegen und Daten sammeln, erklärt der Leiter des Forschungs- und Entwicklungsteams im Verteidigungsministerium, Janiv Rotem. „Wir haben eine Maschine gebaut, die weiß, wie man Ziele bei jedem Wetter, in sehr kurzen Zeiträumen und über große Distanz benennt und aufdeckt.“

Der Entwicklungsprozess dauerte neun Jahre. Beteiligt daran waren die Armee, das Verteidigungsministerium und verschiedene Waffenlieferanten. Die genaue Anzahl der produzierten „Oron-Flugzeuge“ ist geheim.

Von: mas

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Fri, 09 Apr 2021 14:14:00 +0200
<![CDATA[Israel trauert um 43 weitere Gefallene]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/09/israel-trauert-um-43-weitere-gefallene/ JERUSALEM (inn) – Im vergangenen Jahr sind 43 Israelis bei militärischen Einsätzen oder Terroranschlägen ums Leben gekommen. Zudem wurden 69 Menschen, die infolge einer Kriegsverwundung starben, als Gefallene anerkannt. Dies teilte das Verteidigungsministerium am Freitag mit. Anlass ist der bevorstehende Gedenktag für die Gefallenen, Jom HaSikaron. Er beginnt am Dienstagabend.

Die Statistik zählt die Gefallenen ab dem Jahr 1860. Denn zu dieser Zeit begannen die Jerusalemer Juden, auch außerhalb der Altstadtmauern Wohngebiete zu errichten. Insgesamt 23.928 Zivilisten, Soldaten und Polizisten starben seitdem durch Terror oder in Kriegen.

Mitarbeiter des Verteidigungsministeriums haben die Gräber auf den Militärfriedhöfen in den vergangenen Tagen gesäubert und restauriert. Angehörige sind eingeladen, von Freitag bis Dienstag dort den Gefallenen Ehre zu erweisen. Vertreter des Ministeriums und Soldaten verteilen dort Blumen und Wasser an die Besucher, schreibt die Zeitung „Yediot Aharonot“.

Fernsehsendungen zum Thema Militär

Der Gedenktag beginnt am Dienstag um 20 Uhr Ortszeit mit einer Minute Sirenengeheul. Anschließend gibt es Zeremonien im gesamten Land, wegen der Corona-Pandemie in Abstimmung mit dem Gesundheitsministerium. Am Mittwoch ertönen um 11 Uhr zwei Minuten lang die Sirenen. Darauf folgen staatliche Zeremonien auf den 52 Militärfriedhöfen und zentral auf dem Jerusalemer Herzlberg. Wer möchte, kann virtuell eine Gedenkkerze anzünden.

Im israelischen Fernsehen laufen am Jom HaSikaron entweder Sendungen zum Thema Militär oder Krieg – oder überhaupt keine. Der „Kanal 26“ sendet die Namen der Gefallenen von 1860 bis 2021. Am Mittwochabend geht der Gedenktag nahtlos in den 73. israelischen Unabhängigkeitstag, Jom HaAtzma'ut, über.

Von: eh

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Fri, 09 Apr 2021 14:00:00 +0200
<![CDATA[Israel hofft auf schnelle Normalität]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/09/israel-hofft-auf-schnelle-normalitaet/ Aufgrund von täglich sinkenden Corona-Fallzahlen und der raschen Impfkampagne in Israel stellen die Behörden eine Rückkehr zur Normalität in Aussicht. In einem Monat könnten demnach sämtliche Einschränkungen aufgehoben werden. Schulen sollen ohne Einschränkungen geöffnet und Reisen aller Art ermöglicht werden. Bedingung seien weiter sinkende Zahlen. Am Freitagmorgen waren 4.414 aktive Fälle bekannt, darunter 276 schwerwiegende. Die Rate positiver Test liegt unverändert bei 0,5 Prozent. 6.280 Menschen starben bislang im Zusammenhang mit dem Virus.

Von: joh

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Fri, 09 Apr 2021 13:19:00 +0200
<![CDATA[Ersthelfer proben Umgang mit Terror-Opfern]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/09/ersthelfer-proben-umgang-mit-terror-opfern/ Die israelische Ersthelfer-Organisation „United Hatzala“ (Vereinigte Rettung) hat am Dienstag zusammen mit Sicherheitskräften eine Katastrophenübung durchgeführt. Am Strand von Naharia im Norden des Landes probten sie den Fall eines Terroranschlags mit 30 Opfern. Diese wurden ins Medizinische Zentrum Galiläa gebracht, das am Stadtrand von Naharia liegt. „United Hatzala“ bezeichnete die Übung als Erfolg. Die freiwilligen Helfer hätten damit ihre Fähigkeiten verbessert, inmitten von Chaos Verletzungen und Traumata zu behandeln.

Von: df

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Fri, 09 Apr 2021 11:52:00 +0200
<![CDATA[„Al-Quds-Marsch“ angemeldet]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/09/al-quds-marsch-angemeldet/ Bei der Berliner Versammlungsbehörde liegt eine Anmeldung für den antisemitischen „Al-Quds-Marsch“ vor. Geplant ist dieser am 8. Mai. Die Veranstalter rechnen mit 2.000 Teilnehmern. Die Demonstration richtet sich gegen Israel und fordert die „Befreiung Palästinas“. Eine Zu- oder Absage hat die Behörde noch nicht erteilt. Im vergangenen Jahr wurde der Aufzug durch die Veranstalter wegen Corona abgesagt. Berlins Innensenator Andreas Geisel (SPD) sagte damals: „Eine der widerlichsten antisemitischen Veranstaltungen bleibt uns allen erspart. Eine gute Nachricht für Berlin.“

Von: mas

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Fri, 09 Apr 2021 11:39:00 +0200
<![CDATA[Drusische Kommunalpolitiker ehren Scho'ah-Opfer]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/09/drusische-kommunalpolitiker-ehren-schoah-opfer/ Erstmals haben sich am Donnerstag drusische Ortsvorsteher im Golan am Gedenken zum Jom HaScho’ah beteiligt. In Madschdal Schams verharrten sie an der Seite israelischer Offiziere, als die landesweite Sirene an die sechs Millionen ermordeten Juden erinnerte. Der Ortsvorsteher von Madschal Schams, Abu Salah, sagte der Zeitung „Yediot Aharonot“: „Dies ist für uns ein schwerer Gedenktag, an diesem Tag stehen wir an der Seite unserer jüdischen Brüder und salutieren den in der Scho’ah Ermordeten.“ Viele Drusen im Golan leisten keinen Wehrdienst. Doch seit einigen Jahren steigt die Zahl der Rekruten.

Von: eh

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Fri, 09 Apr 2021 10:57:00 +0200
<![CDATA[Lektionen, die bis heute spürbar sind]]> https://www.israelnetz.com/kommentar-analyse/2021/04/09/lektionen-die-bis-heute-spuerbar-sind/ Vor 30 Jahren endete die amerikanische Militäroperation „Wüstensturm“, die sich auch auf Israel auswirkte. Im August 1990 war der Irak in Kuwait einmarschiert. Am 15. Januar 1991 lief ein Ultimatum ab, einen Tag später begannen die Alliierten ihre Offensive. Während des Krieges feuerte der Irak auch Raketen auf Israel ab.

Der Zweite Golfkrieg endete mit einem Waffenstillstand, der am 11. April 1991 in Kraft trat. Für die Europäer ist der Golfkrieg von 1991 ein fernes Phänomen, während in Israel die Auswirkungen und Folgen jenes Krieges bis heute präsent sind.

Israelische und deutsche Gasmasken

Auch für mich, der ich diese Zeilen schreibe, ist der Golfkrieg mit vielen persönlichen Erinnerungen verbunden. Im oberen Stockwerk unserer Wohnung hatten wir, wie vorgeschrieben, ein Zimmer mit Klebeband gegen mögliches eindringendes Giftgas abgedichtet. Vor der Türritze lag ein nasses Tuch. Die israelischen Familienangehörigen, meine damalige Frau, ihr Sohn und unsere gemeinsame Tochter, hatten israelische Gasmasken erhalten. Ich musste mir als Deutscher in der Deutschen Botschaft in Tel Aviv eine deutsche Gastmaske abholen. Sie sah aus, als stammte sie noch aus dem Zweiten Weltkrieg. Zufällig wurde an dem Tag gerade Fasching in Deutschland gefeiert. Unter den in Israel lebenden Deutschen und dem Botschaftspersonal herrschte in dem Raum deshalb eine fröhliche und ausgelassene Stimmung, als wir uns das Ungetüm aus Hartgummi mit dem riesigen Luftfilter über die Nase zogen. Die Situation schien viel zu absurd, um ernst zu sein.

Aus der Sicht des Journalisten, der den Krieg von seinem Haus in Jerusalem beobachtete, nahmen die Absurditäten kein Ende. Offiziell war Krieg und ich saß zuhause in meinem Büro und sollte von der Front berichten. Aber „Front“ war überall und nirgends. Als es dann im laufenden Fernsehen und Radio Raketenalarm gab, rannte ich zuerst brav hinauf in das abgedichtete Zimmer. Dort hatte ich einen Telefonanschluss, und es klingelte ununterbrochen. Damals gab es noch den privaten Rundfunk in Deutschland mit einem ungestillten Durst nach aktuellen Berichten von „direkt vor Ort“, aus Jerusalem eben.

Außer Radio und Fernsehen hatte ich zunächst keine andere Informationsquelle. So schilderte ich eben den Kampf unserer kleinen Tochter um ihren geliebten Schnuller, den sie partout unter der Gasmaske im Mund behalten wollte. Diese sehr privaten Berichte brachten mir viel Kritik ein. Aber sollte man in Kriegszeiten nicht auch mal die ganz persönlichen Nöte eines kleinen Mädchens darstellen?

Auf die Dauer wurde mir allerdings die ständige Rennerei vom Büro in den Schutzraum zu dumm. Ich blieb also in meinem Arbeitszimmer, und als die Sirenen draußen heulten, ging ich gemütlich hinaus auf meine Terrasse. Von dort aus konnte ich am Himmel sehen, wie die irakischen Scudraketen mit einem Feuerschweif direkt über meinen Kopf hinweg in Richtung Tel Aviv flogen. Mir war klar, dass Saddam Hussein allein auf Tel Aviv, die „Hauptstadt der Zionisten“, zielte und es nicht wagen würde, Jerusalem zu treffen, wo bekanntlich die Al-Aqsa-Moschee steht.

Die etwas andere Berichterstattung

Allerdings lernte ich in dieser Zeit auch einen Kollegen schätzen, der wie kein zweiter verstand, sämtliche Nachrichtenquellen im Nahen und Mittleren Osten zu nutzen. Um zu verstehen, was an ihm so besonders war, muss man zwei Dinge wissen: Zum einen ist bis heute der Rundfunk in Israel die wichtigste Informationsquelle für alles. Für Krieg und Frieden, für Erdbeben, Naturkatastrophen und lokalen Tratsch. So wie Menschen in Deutschland abends die Tagesschau gucken, so läuft in Israel in jedem Haushalt, in jedem Gebäude, ja sogar in jedem Bus immer irgendwo ein Radio. Der nächste Krieg kann jederzeit innerhalb von Minuten ausbrechen. Zwar gibt es heute zum Beispiel für den Raketenalarm schon gut funktionierende Apps, das Radio hat dennoch nicht an Bedeutung verloren.

In Israel lauschten wir deshalb damals alle den sehr exklusiven Berichten des „Rundfunkabhörers“ Miki Gurdus. Dieser war selbst für israelische Verhältnisse etwas Besonderes. Er hörte systematisch alle Funkfrequenzen ab. Egal, ob es offizielle Sender waren, ob Funkverkehr von Flugzeugen und Schiffen, militärische Kommunikation und Hobbyfunker – ob auf Englisch, Französisch, Russisch, Polnisch, Arabisch oder Deutsch. In Gurdus kleiner Wohnung lief alles zusammen. Er galt als das „Ohr Israels“ und verfügte stets über exklusive Informationen aus erster Hand. Gurdus konnte Fernsehen aus den USA, aus Europa und live aus Moskau und allen arabischen Staaten empfangen. Fünfzehn Empfänger für UKW, Kurzwelle, Langwelle, UHF und VHF sowie fünf Tonbandgeräte liefen ununterbrochen. Mit dem MBA-Reader wurden die Funksendungen der Nachrichtenagenturen entschlüsselt. Und Gurdus wusste wie kein zweiter, Wichtiges von Nebensächlichem zu unterscheiden.

Als ich ihn während des Krieges in Tel Aviv besuchte, gab er mir wertvolle Tipps und half mir auch ganz konkret. So vermittelte er mir einen Bekannten, der mir einen seiner ausgedienten Kurzwellenempfänger weiterverkaufte. Diesen alten Kasten mit Röhrenbetrieb schloss ich einerseits an einen Draht an, der als Antenne diente und andererseits an einen elektrischen Konverter, der die gesendeten Piepstöne der kuwaitischen Nachrichtenagentur KUNA in Buchstaben verwandelte, die von meinem Drucker „verstanden“ wurden. KUNA sendete in Englisch, und so hatte ich am Ende meterlange ausgedruckte Berichte direkt vom Zentrum des Geschehens.

Der 2017 verstorbene Miki Gurdus war ein sehr freundlicher und umgänglicher Mensch. Wie spannend und brisant die Nachrichtenlage auch war, Miki blieb stets ruhig, konzentriert und sachlich. Er sprach ein halbes Dutzend Sprachen und verstand noch viel mehr. Im Gegensatz zu vielen heutigen Berichterstattern stand für ihn immer die Nachricht im Zentrum. Meinungen hielt er für genauso entbehrlich, wie feste Arbeitszeiten. Sein Arbeitstag begann morgens um 6 Uhr und richtete sich nach der aktuellen Lage. Sein Ehrgeiz war, präzise und schnell zu sein. Er erzählte, wie schon sein Vater während des Zweiten Weltkriegs versucht hatte, durch Rundfunk-Abhören ausländischer Sender zuverlässigere Informationen über den Kriegsverlauf zu erhalten, während die „normalen“, für jedermann zugänglichen, Sender vor allem Regierungspropaganda verbreiteten.

Ein ganzes Land als Kriegsgebiet

1991 wurde erstmals Krieg gegen die Heimatfront geführt. Israel sah sich im Irak-Krieg mit einem neuen Problem konfrontiert: Durch die ständige Raketengefahr war das ganze Land über Nacht zum Kriegsgebiet geworden. Die damals geschaffenen Institutionen zum Schutz der Zivilbevölkerung sind heute noch aktiv, vor allem die militärischen Einrichtungen. Allerdings hat das Militär in Israel einen völlig anderen Stellenwert als in Deutschland.

Nur sehr wenige Israelis stellen die Verteidigungsbereitschaft in Frage. Soldaten in Uniform sind überall ein gewohnter Anblick. Und während in Deutschland den Universitäten durch rot-grüne Landesparlamente sogar Forschungsgelder im Fachbereich Physik entzogen werden können, wenn nur der Verdacht besteht, sie könnten das Ergebnis militärisch nutzen, ist die israelische Linke stolz auf jeden Oberst und General in ihren Reihen. IT-Kräfte, Forscher und Sicherheitsleute aus dem Militär können in jeder Branche Karriere machen. Während der Corona-Pandemie nutzen die Israelis daher auch Methoden des militärischen Geheimdienstes, um Infektionsketten zu verfolgen, Impfdosen zu verteilen und die medizinische Logistik landesweit zu unterstützen.

Die israelische Presse erinnert sich

In einem Rückblick verweist die „Jerusalem Post“ auf aktuelle Entwicklungen als Folge jenes Golfkrieges. Allen voran steht die Stärkung des Iran, der heute noch Israel mit Auslöschung bedroht – so wie es damals der irakische Diktator Saddam Hussein getan hat, als er drohte, Israel mit Giftgas zu zerstören. Weitere Folgen des Irak-Kriegs prägen bis heute die gesamte Region. Der 2004 verstorbene Chef der „Palästinensischen Befreiungsorganisation“ (PLO), Jasser Arafat, und die in Kuwait lebenden Palästinenser hatten gemeinsame Sache mit den Irakern gemacht. Viele namhafte Kuwaitis waren von ihren palästinensischen Nachbarn verraten und von den einrückenden Irakern exekutiert worden. Die „Befreiung“ des von den Irakern eroberten und dann ausgeplünderten Kuwait durch die Amerikaner hatte deshalb einen gewaltigen Exodus palästinensischer Gastarbeiter zur Folge. Nach dem Krieg setzte Kuwait die ganze Flotte seiner rechtzeitig nach Saudi-Arabien geretteten Jumbo-Jets ein, um rund 300.000 Palästinenser nach Jordanien auszufliegen. Von dort strömten sie dann ins Westjordanland und nach Gaza.

Im Januar 2021 veröffentlichte die Zeitung „Yediot Aharonot“ eine Sonderausgabe zum Thema „30 Jahre Golfkrieg“. Darin erinnert sich der bekannte Geheimdienstler General Amos Gilad an seine damalige Aufgabe, die Logik hinter Saddam Husseins Aktionen zu verstehen. Israelische Politiker, das Militär und der Geheimdienst waren der einhelligen Meinung, dass ein irakischer Angriff auf Israel „unlogisch“ sei. Deshalb wurden die Drohungen des irakischen Diktators zunächst nicht ernstgenommen. Denn Saddam Hussein könne sich keinen Zwei-Fronten-Krieg leisten, gegen die USA und gegen Israel. Doch Gilad vertrat schon damals die Ansicht, dass machtlüsterne Diktatoren der arabischen Welt nicht logisch „funktionieren“.

Im Nachhinein bestätigte sich seine Analyse. Nach den Raketenangriffen auf Tel Aviv sagte niemand mehr, dass Saddams Aktionen rational zu verstehen seien. Insgesamt hatte der Irak 43 Scud-Raketen in Richtung Israel abgeschossen. Die meisten trafen die Gegend von Tel Aviv. Es wurden mehrere Wohnhäuser durch Direkttreffer völlig zerstört. Bei den 19 Angriffen starben zwei Zivilisten. Etwa 70 weitere Todesopfer gab es durch Herzinfarkte und durch einen falschen Gebrauch von Gasmasken. Gilad leitet heute das Institut für strategische Studien in Herzlia. Er ist der Ansicht, dass der jüdischde Staat die Drohungen des Iran, Israel umgehend zerstören zu wollen, unbedingt ernst nehmen müsse. Das sei seine Lehre aus den damaligen Ereignissen während des Golfkrieges.

Er erwähnt auch weitere dramatische Änderungen in der Region, die damals ihren Anfang nahmen. Iran sei eine Art „Schwesterstaat“ von Israel gewesen. Die Türkei war ein militärischer Verbündeter und ist es nicht mehr. Was sich jedoch seit dem Golfkrieg in Israel selbst entscheidend geändert habe, sei die geheimdienstliche Aufklärung. Über Saddam Hussein und den Irak habe Israel vor 30 Jahren überhaupt keine zuverlässigen Informationen gehabt. Im Vergleich dazu verfüge Israel heute über „erstaunliche“ Einblicke in der arabischen Welt.

Wer einen Angriff duldet, gilt im Nahen Osten als schwach

Zu den bis heute diskutierten Fragen rund um den Golfkrieg zählt die ungewöhnliche Zurückhaltung von Premierminister Jitzchak Schamir (Likud). Vor allem auf Bitten der Amerikaner hatte er beschlossen, auf die irakischen Angriffe nicht zu reagieren, trotz der Treffer in der Gegend von Tel Aviv. Dabei hätte Israel durchaus die Fähigkeit gehabt, die Abschussrampen im Irak anzugreifen und zu zerstören. Das hatte Schamirs Amtsvorgänger Menachem Begin schon im Juni 1981 bewiesen, als israelische Kampfflugzeuge den unfertigen irakischen Atomreaktor Osirak nahe Bagdad bombardierten und zerstörten.

Die Amerikaner wollten nicht, dass sich der Kreis der Länder unnötig erweitert, falls Israel auf die irakischen Angriffe reagiert. Denn um Stellungen im Irak anzugreifen, hätten die israelischen Kampfflugzeuge oder Raketen den Luftraum des gemäßigten Königreichs Jordanien, Syriens oder Saudi-Arabiens verletzen müssen. Eine weitere Möglichkeit wären Angriffe des damals mit den USA noch verbündeten NATO-Staates Türkei gewesen. So blieb Israel untätig, während irakische Raketen im Großraum Tel Aviv einschlugen, Wohnhäuser zerstörten und Menschen töteten. Entsprechend der Mentalität in den arabischen Ländern wurde die mangelnde israelische Antwort als militärische und politische Schwäche ausgelegt.

Irak ist nicht Libanon

In den Jahren 1982 und 2006 kannte Israel keine Zurückhaltung und schlug im Libanon kräftig zu. Die israelischen Truppen rückten bis Beirut vor. Bei diesen Militär-Operationen gab es jedoch einen entscheidenden Unterschied. Im Falle des Irak hätten die offiziellen Truppen des Irak angegriffen werden müssen.

Im Falle des Libanon handelte es sich um Milizen, zunächst die PLO und später die von Iran aufgerüstete Hisbollah. Diese vertraten nicht den Staat Libanon, sondern hatten sich dort militärisch breitgemachtDie Israelis achteten darauf, die libanesische Armee nicht in die Kämpfe einzubeziehen. Während der Kämpfe trafen sich sogar Offiziere beider Armeen und kooperierten.

Deutschland hat die Lektion noch vor sich

Berichterstattung aus dem Nahen Osten wird immer eine Gratwanderung bleiben, solange die seit zwei Generationen friedensverwöhnte „westliche Welt“ nicht lernt, Fakten nüchtern einzuordnen. So habe auch ich in den letzten Jahren oft genug von deutschen Redaktionen zu hören bekommen, dass seine Texte nicht den Erwartungen entsprächen. Redakteure verlangten unverhohlen, er möge bitte seine Analysen den deutschen Befindlichkeiten anpassen und verzichteten lieber auf seine Berichte, als auf die eigenen liebgewonnenen Vorurteile.

Wie hoch der Preis für eine solche ideologische Brille ist, ist aktuell deutlich zu sehen. Schnelle Entscheidungen, Zusammenhalt gegen einen gemeinsamen Feind und ein klarer Blick auf das, was machbar und notwendig ist – die Lektionen, die Israel nicht zuletzt im Irak-Krieg gelernt hat, kommen bei der Bekämpfung der Corona-Pandemie zugute. Und, während der Ministerpräsident von Sachsen nach der unfassbaren Pannenserie der EU immer noch ernsthaft darauf stolz ist, dass Deutschland sich im Gegensatz zu Israel bei der Beschaffung von Impfstoff nicht „vordrängeln“ würde, wissen die Verantwortlichen in Israel, dass jede Anstrengung sinnvoll ist, wenn es darum geht, im Wettlauf mit der Zeit Leben zu retten.

Von: Ulrich W. Sahm

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Fri, 09 Apr 2021 08:09:00 +0200
<![CDATA[Israel gedenkt der Scho'ah]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/08/israel-gedenkt-der-schoah/ JERUSALEM (inn) – Staatspräsident Reuven Rivlin hat an die 900 Holocaust-Überlebenden erinnert, die bislang im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion verstorben sind. Er sprach am Mittwochabend in der Jerusalemer Gedenkstätte Yad Vashem bei der zentralen Zeremonie zum Holocaustgedenktag, Jom HaScho'ah.

Als Beispiel nannte Rivlin Elizabeta Guttmann aus Ungarn, die 1943 nach Auschwitz-Birkenau deportiert wurde und die Gräuel der nationalsozialistischen Vernichtungsmaschinerie überlebte. 1965 wanderte sie nach Israel ein. Sie und ihr Mann Sandor gründeten eine Familie. „Zu unserem großen Bedauern beendete Elizabeta ihr Leben allein“, sagte der Präsident. „Das boshafte Coronavirus nahm ihr das Leben, und in ihren letzten Augenblicken war keines ihrer Kinder, Enkel oder Urenkel an ihrer Seite. Niemand war da, um ihr die Hand zu halten, sie zum letzten Mal zu umarmen, sich zu verabschieden.“

Die Überlebenden hätten Ghettos und Todeslager, Einwandererschiffe und Internierungslager überstanden. „Aber der letzte Kampf ihres Lebens wurde von ihnen hilflos und isoliert gekämpft, hinter Masken und Handschuhen, sehnsüchtig nach Kontakt, aber getrennt von ihren Lieben.“ Dieser Abend sei der Erinnerung an sie gewidmet, ergänzte Rivlin.

Erinnerung an Massenerschießungen

Der Jom HaScho'ah steht in diesem Jahr unter dem Thema „Bis zum allerletzten Juden“. Dies bezieht sich auf den Beginn der Massenvernichtung von Juden in der Sowjetunion und in weiteren Staaten des späteren Ostblocks durch die Nazis vor 80 Jahren, im Juni 1941. Rivlin erinnerte an die Massenerschießungen in den Wäldern von Ponar bei Wilna und von Babi Jar bei Kiew: „Es war brutaler Mord, der die völlige, systematische Zerstörung des jüdischen Volkes als Ziel hatte.“

Der Staatspräsident erwähnte auch, dass seine Amtszeit im Sommer endet. Er verlasse aber nicht seine Verpflichtung „als Person, als Jude, als Israeli, zu gedenken und nach den Werten zu erziehen, die uns weitergegeben wurden“.

Ein arabischer Sanitäter als Seelsorger

Auch Premierminister Benjamin Netanjahu (Likud) nahm Bezug auf die Pandemie. Er erzählte von Bella Freund, deren Eltern die Scho'ah überlebt hatten. Ihre Mutter wurde in Auschwitz von Josef Mengele bei Experimenten gequält. Dies hatte sich so ins Herz der Tochter eingeprägt, dass sie Angstzustände bekam, als sie in Jerusalem eine Corona-Impfung erhalten sollte. Doch sie sei „nicht dem Todesengel begegnet, sondern einem ganz besonderen Engel“. Der Sanitäter Fadi Dekidak aus Ostjerusalem habe sich ihre Geschichte angehört und die Jüdin beruhigt: „Haben Sie keine Angst. Ihnen wird nichts geschehen, ich selbst werde Sie impfen.“

Netanjahu sagte, trotz ihres Familientraumas sei Bella erfolgreich geimpft worden – dank der Hilfe von Fadi. „Sehen Sie, was hier geschah, was aus dem Holocaust hervorging: Eine Frau aus einer ultra-orthodoxen Familie, ein arabisch-israelischer Sanitäter und ein Ausweg aus Corona zu einem Leben der Hoffnung.“

Einmal mehr stellte Netanjahu in seiner Rede den Iran als neue Bedrohung für das jüdische Volk dar. Doch „anders als in der Vergangenheit gibt es heute niemanden in der Welt, der uns das Recht und die Macht rauben wird, uns gegen eine existentielle Bedrohung zu verteidigen. Das Nuklearabkommen mit dem Iran ist einmal mehr auf dem Tisch. Solche Abkommen mit extremen Regimen sind wertlos.“ Israel werde sich gegenüber einem neuen Atomdeal nicht verpflichtet sehen.

Zudem ging der Premier auf die Entscheidung des Internationalen Straftgerichtshofes (IStGH) ein, gegen Israel wegen möglicher „Kriegsverbrechen“ gegen Palästinenser zu ermitteln: Die Juden seien angesichts der Nazis schutzlos gewesen, aber heute seien sie es nicht mehr. Sie hätten jegliches Recht, sich gegen ihre Feinde zu verteidigen. Der IStGH sei nach dem Vorbild der Nürnberger Prozesse gebildet worden, die Nationalsozialisten vor Gericht brachten. Aber „von Nürnberg nach Den Haag wurden die Dinge umgekehrt. Eine Körperschaft, die zur Verteidigung der Menschenrechte gegründet wurde, ist zu einer Körperschaft geworden, die diejenigen verteidigt, die auf Menschenrechten herumtrampeln“.

Überlebende: Eine ganze Welt war ausgelöscht

Entsprechend der Tradition entzündeten sechs Überlebende der Judenvernichtung Fackeln im Gedenken an die sechs Millionen Ermordeten. Dabei wurde jeder von einem Mitglied seiner Familie begleitet.

Im Namen der Überlebenden sprach Roza Bloch aus der litauischen Stadt Kovno (Kaunas) zu den Teilnehmern der Zeremonie. Aus ihrem Leben erzählte sie: „Ich erduldete die Gräuel des Krieges als zehnjähriges Mädchen, das die Verantwortung für das Wohlergehen der Familie auf den Schultern trug. Jede Nacht kroch ich unter dem Stacheldraht, der das Ghetto umgab, um Lebensmittel für meine Familie hineinzuschmuggeln. Und dann kam das Ende des Krieges, und ich fand mich krank und allein wieder.“

Bei ihrer Rückkehr nach Kovno entdeckte sie eine Stadt, in der es fast keine Juden mehr gab. „Jiddisch und Hebräisch war dort nicht mehr zu hören, und das Aroma des Schabbatkochens kam nicht aus den Fenstern der Häuser. Eine ganze Welt war ausgelöscht.“ Doch sie traf unerwartet ihren Bruder und baute mit ihm aus den Scherben ihres alten ein neues Leben auf.

Glücklich in Israel gelandet

Die Türen nach Palästina seien ihnen verschlossen gewesen. Auch nach der Staatsgründung gelang es ihr mit ihrem Ehemann erst 1973, nach Israel einzuwandern. „Unser Herzenswunsch ging in Erfüllung, und wir hatten die Ehre, auf dem Boden von Eretz Israel, unserem Heimatland, zu stehen.“ Wie die sechs Fackelanzünder fand sie ihre Heimat im jüdischen Staat.

Die Überlebende fügte hinzu: „Nun stehe ich hier vor Ihnen stolz und gerührt, eine Jüdin, eine Israelin, Ehefrau, Mutter, Großmutter und Urgroßmutter. Wer hätte damals, als wir Abschied nahmen von unseren Kindern und unseren Alten, geglaubt, dass wir einen unabhängigen, starken Staat haben würden, in dem Juden mit Stolz auf Hebräisch sprechen und lernen können. In dem wir Generationen von Babys und Kindern in einem jüdischen Staat erziehen können, natürlich und ohne Furcht.“ Der zionistische Traum, an dem sie und ihr Mann festhielten, sei wahr geworden. Bloch rief die Israelis angesichts der mehrmals wiederholten Knessetwahlen zur Einheit auf.

Am Donnerstagmorgen um 10 Uhr Ortszeit ertönten landesweit die Sirenen. Autofahrer und Fußgänger hielten an. Zwei Minuten lang verharrten sie im stillen Gedenken an die ermordeten Juden. Rivlin und Netanjahu legten anschließend Kränze in Yad Vashem nieder. Der Präsident erinnerte zudem in der Zeremonie „Jeder trägt einen Namen“ an Angehörige seiner verstorbenen Ehefrau Nechama, die in der Scho'ah umkamen.

Von: eh

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Thu, 08 Apr 2021 14:38:00 +0200
<![CDATA[USA nehmen Hilfen an Palästinenser wieder auf]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/08/usa-nehmen-hilfen-an-palaestinenser-wieder-auf/ JERUSALEM (inn) – Die neue US-Regierung um Präsident Joe Biden will die von Amtsvorgänger Donald Trump gestoppten Zahlungen an das UN-Hilfswerk für Palästina-Flüchtlinge in Nahost (UNRWA) wieder aufnehmen. Das kündigte das amerikanische Außenministerium am Mittwoch an.

Einem Bericht der „Washington Post“ zufolge sollen sich die Zahlungen auf insgesamt 235 Millionen US-Dollar belaufen. Zunächst sollen 150 Millionen US-Dollar an die UNRWA gezahlt werden. Weitere 75 Millionen US-Dollar sind für Wirtschafts- und Entwicklungsprojekte im Westjordanland und dem Gazastreifen vorgesehen. Für Maßnahmen zur Friedensbildung sollen 10 Millionen US-Dollar eingesetzt werden. Bereits im März kündigte die Biden-Regierung eine Hilfszahlung in Höhe von 15 Millionen US-Dollar an, um die Corona-Pandemie zu bekämpfen.

Mit dem Geld wollen die USA für Israelis und die Palästinenser „Wohlstand, Sicherheit und Freiheit“ fördern, erklärte Außenminister Antony Blinken. Die Hilfszahlungen würden „wichtigen Interessen und Werten der USA“ dienen. Außerdem stünden sie „im Einklang mit den Werten und Interessen unserer Verbündeten und Partner“. Blinken sagte auch, dass die Unterstützung dem Ziel diene, Fortschritte in Richtung einer Zwei-Staaten-Lösung zu machen.

„Wiederaufnahme der politischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten“

Der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) bezeichnete die Wiederaufnahme der Zahlungen als „richtiges Signal“. Die Arbeit der UNRWA „wirkt vor Ort stabilisierend und ist unentbehrlich“. Gleichzeitig drückte er seine Hoffnung aus, dass sich weitere Länder an Zahlungen beteiligen. Ebenfalls erfreut zeigten sich die Vereinten Nationen. Deren Sprecher Stéphane Dujarric bekundete ebenfalls die Hoffnung, dass weitere Länder dem Beispiel der USA folgen.

Die Wiederaufnahme der Zahlungen wurde auch von den Palästinensern begrüßt. Aus dem Büro von Präsident Mahmud Abbas (Fatah) hieß es in einer Erklärung, dass die Zahlungen ein „Bekenntnis zur Zwei-Staaten-Lösung auf der Grundlage internationaler Legitimität“ seien. Der palästinensische Premier Mohammed Schtaje (Fatah) sieht in dem Schritt eine „Wiederaufnahme der politischen Beziehungen zu den Vereinigten Staaten“.

Kritik aus Israel

Dagegen trifft die Entscheidung der USA auf Unverständnis in Israel. „Israels Position ist, dass die Organisation in ihrer jetzigen Form den Konflikt verewigt und nicht zu seiner Lösung beiträgt“, erklärte das israelische Außenministerium. „Die Erneuerung der Hilfe für die UNRWA sollte mit substanziellen und notwendigen Veränderungen in dem Wesen, den Zielen und dem Verhalten der Organisation einhergehen.“

Israels Botschafter bei den Vereinten Nationen und den USA, Gilad Erdan, kritisierte ebenfalls die Entscheidung. Er bezeichnete die UNRWA als eine Organisation, die „politische Lobbyarbeit betreibt und Anstiftung zur Gewalt ermöglicht“. Die UNRWA sollte daher in ihrer jetzigen Form nicht existieren, sagte Erdan. Er verwies auf den Antisemitismus in Schulmaterialien des Hilfswerks. Ohne sicherzustellen, dass bestimmte Reformen umgesetzt werden, dürften die USA keine Gelder an die UNRWA zahlen.

Im Jahr 2018 hatten die USA unter Donald Trump die Hilfen an die Palästinenser fast komplett eingestellt. Davon betroffen war auch die UNRWA.

Von: mas

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Thu, 08 Apr 2021 14:13:00 +0200
<![CDATA[Weitere Lockerungen für Israel]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/08/weitere-lockerungen-fuer-israel/ Die Zahl der Corona-Infektionen sinkt in Israel weiter. Den israelischen Behörden sind derzeit 4.771 aktive Fälle gemeldet. 290 Menschen leiden unter einer schwerwiegenden Erkrankung. Seit Beginn der Pandemie starben 6.270 Menschen in Verbindung mit dem Virus. Mit 0,5 Prozent geht auch die Rate positiver Tests zurück. Die Regierung erwirkt deshalb weitere Lockerungen. Demnach dürfen sich im Freien nun 100 Personen treffen, statt 50. Im Innenbereich gilt eine Begrenzung auf 20 Personen. Ebenso dürfen statt 5.000 nun 10.000 Personen mit Grünem Pass Veranstaltungen besuchen.

Von: joh

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Thu, 08 Apr 2021 11:59:00 +0200
<![CDATA[10 Jahre Iron Dome]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2021/04/08/10-jahre-iron-dome/ Seit zehn Jahren schützt das Raketenabwehrsystem Iron Dome Israels Grenzen. Erstmalig fing das System am 7. April 2011 erfolgreich eine Rakete aus dem Gazastreifen ab. Seitdem hat es rund 2.500 erfolgreiche Abfangmanöver durchgeführt. Bei einer Zeremonie anlässlich des Jahrestages nahmen am Mittwoch Verteidigungsminister Benny Gantz, Wirtschaftsminister Amir Peretz und hochrangige Militärs teil. Gantz betonte, dass Israel auf jegliche Bedrohung vorbereitet sei. Explizit nannte er den Iran. Darüber hinaus bezeichnete er Israel als das stärkste Land in der Region.

Von: mas

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Thu, 08 Apr 2021 11:46:00 +0200
<![CDATA[Beiläufiger Antisemitismus im „Spiegel“]]> https://www.israelnetz.com/kommentar-analyse/2021/04/08/beilaeufiger-antisemitismus-im-spiegel/ Ein Kommentar von Daniel Frick]]> Über die Formen und Unterformen des Antisemitismus in Geschichte und Gegenwart lassen sich Bände füllen. Immer wieder neues Material liefert der „Spiegel“. Das Hamburger „Nachrichtenmagazin“ druckte in der Ausgabe vom Osterwochenende ein Beispiel für das, was sich als Anti-Israelismus en passant charakterisieren lässt. In dieser beiläufigen Selbstverständlichkeit ist das fragwürdig.

Die Beiläufigkeit ergibt sich aus dem Format: Ein Bild und eine kurze „Erklärung“ dazu, bei der nur aufmerksame Leser stutzen. Zu sehen ist eine Konfliktszene zwischen einer israelischen Grenzpolizistin und einem Palästinenser. Anhand des Textes weiß der Leser: Es handelt sich um ein Dorf bei Nablus, die Szene trug sich bei einem Protestmarsch in Erinnerung an ein Ereignis aus dem Jahr 1976 zu. Der Protest entzündet sich damals wie heute an der Enteignung arabischen Landes sowie der Tötung von sechs israelischen Arabern bei Widerständen dagegen.

Zusammenhangloses Wirrwarr

Der Text legt dann aber mit einem überleitenden „zugleich“ seinen Fokus auf die bedenkliche Corona-Lage bei den Palästinensern – und führt an, dass Israel in der Pandemie außerordentlich gut dasteht. Einen Zusammenhang zwischen dem Protestmarsch und der Corona-Lage gibt es nicht – die verantwortlichen Journalisten führen ihn durch Zusammenstellung herbei. Worin die Verbindung liegt, soll sich der Leser dann selbst denken: Damals wie heute, so der Subtext, lässt Israel keine Gelegenheit aus, Araber zu drangsalieren. Das lässt nur den Schluss zu, dass Israel dem Wesen nach ein Übel ist.

Unterschlagen werden bei dieser plumpen Darstellung mehrere Aspekte: Einerseits, dass die Palästinenser noch im Sommer 2020 Corona-Hilfen der Emirate abgelehnt haben, weil sie über Israel kamen; andererseits, dass Israel nicht zuständig ist für die Gesundheitsversorgung für Gebiete unter palästinensischer Verwaltung. Trotzdem impft es inzwischen auch palästinensische Arbeiter.

An dieser Stelle zeigt sich der Unterschied zwischen legitimer Kritik an israelischem Regierungshandeln und böswilliger Berichterstattung über den jüdischen Staat: Die Enteignung ist ein Aspekt, bei dem sich Kritik anbringen lässt. Wenn mit den Protesten am „Tag des Landes“ nicht zugleich Forderungen nach einem Ende Israels einhergingen, könnte man die Protestler in ihrem Anliegen sogar unterstützen. Dem „Spiegel“ aber liegt es fern, das in einer abwägenden Haltung darzustellen. Er nutzt lieber die Gelegenheit, Israel Böswilligkeit zu unterstellen, selbst wenn er dabei nicht umhin kommt, seinen Lesern einen nicht nur aufgrund seiner Kürze wirren Text zu bieten.

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Thu, 08 Apr 2021 11:43:00 +0200
<![CDATA[Nachrichten vom 08. April 2021]]> https://www.israelnetz.com/israelnetz-tv/2021/04/08/nachrichten-vom-08-april-2021/ Thu, 08 Apr 2021 11:29:00 +0200 <![CDATA[Rivlin: „Ich glaube an dieses Volk“]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/07/rivlin-ich-glaube-an-dieses-volk/ JERUSALEM (inn) – Wenn sich die neu gewählte Knesset konstituiert, ist das eigentlich ein Feiertag der Demokratie. Vor dem Parlamentsgebäude wird der rote Teppich ausgerollt. Die Knesset-Garde marschiert auf, zum Teil beritten, der Staatspräsident kommt und inspiziert die Sicherheitskräfte zu fröhlicher Marschmusik, auch der Präsident des Obersten Gerichtshofs ist da. Reuven Rivlin hat dieses Prozedere schon vier Mal als Staatsoberhaupt mitgemacht, das er seit 2014 ist. Er hätte es lieber gehabt, wenn es dabei geblieben wäre.

Doch am Dienstag blieb ihm keine andere Wahl, als erneut zu kommen, um nach den Wahlen Ende März die inzwischen 24. Knesset zu eröffnen – seine fünfte. In seiner Rede im Parlamentsplenum zeigte sich Rivlin tief besorgt und resigniert: „Es gibt bei uns nicht mehr ein Kernvolk, das ein Wertesystem und relativ homogene Überzeugungen teilt, und unter dem kleinere Minderheitengruppen leben. Stattdessen haben wir vier seperate Stämme – einen säkularen, einen religiösen, einen ultra-orthodoxen und einen arabischen Stamm. Wenn wir es nicht schaffen, ein neues Modell des Israeli-Seins zu finden, wird unsere nationale Widerstandsfähigkeit in Gefahr geraten.“

Nur wenige Stunden zuvor hatte Rivlin erneut Likud-Chef Benjamin Netanjahu damit beauftragt, eine Regierung zu bilden. „Aus moralischer und ethischer Sicht ist das keine einfache Entscheidung für mich“, stellte er dabei mit Blick auf dessen Korruptionsprozess fest. Doch ihm war kaum eine andere Wahl geblieben, da Netanjahu bislang mehr Abgeordnete hinter sich weiß als sein Herausforderer Jair Lapid. Rivlin glaubt nicht, dass es dieses Mal irgendjemanden gelingen wird, das Land aus der seit über zwei Jahren anhaltenden innenpolitischen Krise zu führen. Dies würde eine erneute Neuwahl im Herbst bedeuten. „Ich fürchte um mein Land“, sagte der 81-Jähriger.

Einige Parlamentarier sorgen für Tumult

Worin eine der Ursachen für die Blockade im Land liegt, konnten Zuschauer in der an Rivlins Rede anschließenden Vereidigung der 120 Knessetabgeordneten selbst beobachten. Mehrere (aber nicht alle) Abgeordnete der arabisch dominierten „Vereinigten Liste“ sorgten dabei für den ersten (aber sicher nicht letzten) Tumult der neuen Legislaturperiode. Anstatt sich auf die übliche Bekräftigungsformel „Ich verpflichte mich“ zu beschränken, hängten sie Sätze an wie: „das Apartheid-Regime zu bekämpfen“. Nun gelten sie nicht als vereidigt. Als die Parlamentarier die Nationalhymne anstimmten, verließen einige Vertreter der „Vereinigten Liste“ unter dem wütenden Geschrei anderer Abgeordneter den Saal – nicht zum ersten Mal.

Der Likud-Abgeordnete Schlomo Karhi wiederum hatte bereits vor der Rede von Präsident Rivlin angekündigt, diese boykottieren zu wollen. „Wer die Demokratie mit Füßen tritt, ist nicht würdig, in der Knesset geehrt zu werden“, schrieb er auf Twitter. Das Umfeld Netanjahus wirft Rivlin immer wieder vor, eine Kampagne gegen den Premier zu fahren. Der Präsident nahm später nicht an dem traditionellen Foto der Parteivorsitzenden teil.

ּBunte Mischung von Abgeordneten

In der neuen Knesset sind 13 Fraktionen vertreten und noch mehr Parteien. Es finden sich Kommunisten, arabische Nationalisten, jüdische Sozialisten, in der Mitte viele Sozialdemokraten, Liberale und Konservative, auf der religiösen Seite chassidische und nicht-chassidische, sephardische und aschkenasische Ultra-Orthodoxe. Mit Itamar Ben-Gvir ist ein Anhänger des rechtsradikalen Rabbi Meir Kahane ins Parlament eingezogen, der einst ein Bild des jüdischen Terroristen Baruch Goldstein im Zimmer hängen hatte. Auch ein Abgeordneter der Noam-Partei, die sich im Kern gegen einen zu liberalen Umgang mit LGBT-Gruppen richtet, ist vertreten. Vor der Knesset fanden sich am Dienstag Bürger zusammen, um gegen diese Vertreter zu demonstrieren.

Auf dem Ticket der Arbeitspartei ist mit Gilad Kariv wiederum erstmals ein Reform-Rabbiner in die Hallen der Demokratie eingezogen. Den ultra-orthodoxen Parteien, die ein Monopol auf jüdisch-religiöse Angelegenheiten beanspruchen, ist er ein Dorn im Auge.

In einem Eintrag in das Knesset-Gästebuch gab Präsident Rivlin allen Abgeordneten eine Sache mit auf den Weg: „Möge Liebe, Brüderlichkeit, Frieden und Freundschaft unter Euch sein.“ Und gegen Ende seiner Rede vor dem Plenum, die er teilweise mit gebrochener, hörbar emotionaler Stimme hielt, bekräftige das Staatsoberhaupt: „Ich glaube an dieses Volk.“

Von: ser

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Wed, 07 Apr 2021 15:04:00 +0200
<![CDATA[Holocaust-Gedenken: So viele Juden auf der Welt wie einst 1925]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/07/holocaust-gedenken-so-viele-juden-auf-der-welt-wie-einst-1925/ JERUSALEM (inn) – Ende 2019 lebten etwa 14,8 Millionen Juden auf der Welt. Genauso viele Juden gab es 1925 weltweit. Dies geht aus einer Datenanalyse des Zentralbüros für Statistik hervor. Das Hauptaugenmerk liegt in der Betrachtung jüdischen Lebens in Israel und auf der gesamten Welt.

Die verheerende Wirkung des Holocausts zeigt sich in den Zahlen: Zu Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 lebten weltweit 16,6 Millionen Juden. Drei Jahre nach Kriegsende, 1948, waren es mit etwa 11,5 Millionen 5 Millionen weniger.

Die meisten Juden leben in Israel

Zu Zeiten der Staatsgründung Israels 1948 lebten in der Gegend etwa 650.000 Juden. Das waren 3 Prozent mehr als noch 1939: Damals gab es etwa 449.000 Juden auf dem jetzigen Staatsgebiet Israels. Mit 6,8 Millionen Juden in Israel lag der Anteil 2019 mit fast 50 Prozent des Gesamtanteils von Juden weltweit wesentlich höher. In den USA besteht mit 5,7 Millionen Juden die zweitgrößte jüdische Gemeinschaft. Zu geringeren Teilen leben Juden vor allem in Europa, Kanada und Australien.

Von den 6,8 Millionen Juden in Israel sind 5,3 Millionen dort geboren. 1,5 Millionen stammen ursprünglich aus dem Ausland. Etwa 1 Million Juden kamen von Europa und Amerika nach Israel.

Ende 2020 gab es in Israel etwa 180.000 Holocaust-Überlebende. Im vergangenen Jahr starben dort etwa 14.000 Überlebende der nationalsozialistischen Judenvernichtung, 2019 waren es 14.800. Der nicht nur für die Betroffenen bedeutende Jom HaScho’ah beginnt am heutigen Mittwochabend. Neben dem alljährlichen Erinnern steht die Mahnung des „Nie wieder“ im Zentrum des Gedenkens.

Die Eröffnungszeremonie des Gedenktages für Märtyrer und Helden des Holocaust wird von der Erinnerungsstätte Yad Vashem übertragen. Beginn ist um 19 Uhr Mitteleuropäischer Sommerzeit, die Veranstaltung wird simultan ins Deutsche übersetzt.

Von: joh

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Wed, 07 Apr 2021 15:01:00 +0200
<![CDATA[Flugverbindung zwischen Israel und den Emiraten gestartet]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/tourismus/2021/04/07/flugverbindung-zwischen-israel-und-den-emiraten-gestartet/ Die Fluggesellschaft der Vereinigten Arabischen Emirate, Etihad Airways, hat am Dienstag ihren Linienflugdienst zwischen Abu Dhabi und Tel Aviv aufgenommen. Neben Botschaftern der beiden Länder wohnte der Geschäftsführer der Fluglinie dem ersten Flug nach Israel bei. Zunächst sollen zwei wöchentliche Flüge angeboten werden. Anschlussflüge nach Asien oder nach Australien sind vorgesehen. Die Strecke wird von einer Boeing 787-9 bedient, sie fasst 290 Sitzplätze. Im September hatten die Emirate und Israel ein Normalisierungsabkommen unterzeichnet.

Von: joh

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Wed, 07 Apr 2021 14:36:00 +0200
<![CDATA[Die Lebensbilder der Fackelanzünder]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/07/die-lebensbilder-der-fackelanzuender/ JERUSALEM (inn) – Der diesjährige „Tag des Gedenkens an Holocaust und Heldentum“ steht unter dem Thema „Bis zum allerletzten Juden – Achtzig Jahre seit Beginn der Massenvernichtung“. Der Titel bezieht sich auf den Juni 1941, der sowohl den Beginn des Deutsch-Sowjetischen Krieges als auch den Beginn der Massenvernichtung markierte. Traditionell beginnt der Holocaust-Gedenktag mit einer Gedenkveranstaltung am Platz des Warschauer Ghettos in der Jerusalemer Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. An der Zeremonie nehmen Politiker und Künstler teil, gewöhnlich auch Holocaust-Überlebende und deren Angehörige. In diesem Jahr ist die Teilnahme auf wenige Menschen begrenzt. Aber auch am heutigen Mittwochabend entzünden sechs Überlebende im Gedenken an die sechs Millionen Ermordeten in Yad Vashem symbolisch sechs Fackeln. Yad Vashem hat ihre Biografien skizziert.

Halina Friedman wurde 1933 im polnischen Lodz als einzige Tochter ihrer Eltern geboren. Mit der Eroberung Polens nähte ihre Mutter ihr viel Geld an den Saum ihres Kleides. Die Familie floh nach Warschau, wo sie Ende 1940 im Ghetto eingesperrt wurde. Während der „Großen Aktion“ wurden die Kinder im Sommer 1942 außerhalb des Ghettos mit Maschinengewehren erschossen. Halina fiel hin, wurde aber nicht verletzt. Sie lag unter den Leichen und dem Blut von mehreren Dutzend Kindern und wusste, dass sie sich nicht bewegen durfte. Nachts, als die Soldaten gegangen waren, rannte sie zurück zu ihren Eltern. Diese erkannten die Gefahr und versteckten sie im Haus. Die Familie konnte mit anderen Juden fliehen, Halina versteckte sich mit ihrem Großvater in einer nahegelegenen Bäckerei, von wo sie Schreie und Schüsse hörte. Mithilfe des verbliebenen Geldes fanden sie Helfer, die sie aus dem Ghetto schmuggelten, ihre Mutter Anna wurde nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Ein polnisches Ehepaar versteckte Halina, sodass sie den Krieg überlebte. 1950 wanderte sie nach Israel aus. Sie heiratete Abraham, mit dem sie drei Kinder, sieben Enkelkinder und fünf Urenkel hat.

Zahava Gealel wurde im 1935 im niederländischen Den Haag als zweites von drei Kindern geboren. 1942, zwei Jahre nach der Besetzung Hollands, kamen von Deutschen begleitete holländische Polizisten, um die Familie zu deportieren. Als Zahavas Vater eine ansteckende Krankheit vortäuschte, begleiteten sie ihn wegen eines Attests zum Arzt. Der Arzt verstand den Ernst der Lage und gab die Bestätigung. So entkamen Zahava, ihre Brüder und Mutter der Deportation, der Vater wurde nach Auschwitz gebracht und dort ermordet. Dank ihres amerikanischen Großvaters erhielt die Familie die rumänische Staatsbürgerschaft. Deshalb wurden sie aber auch zu politischen Gefangenen. Später waren sie in verschiedenen Konzentrationslager inhaftiert. 1948 wanderte Zahava nach Israel aus und wurde die persönliche Krankenschwester des israelischen Präsidenten Jitzhak Ben-Zvi. Sie heiratete Abraham, mit dem sie drei Kinder hat.

Jossi Chen wurde 1936 im polnischen Lachwa als erstes Kind geboren. Nachdem die Nationalsozialisten Lachwa im Juli 1941 eroberten, zwangen sie alle Juden, in das Ghetto zu ziehen. Viele der Bewohner, so auch Jossis Großmutter, verhungerten oder starben an Überfüllung und Epidemien. Aus anderen Ghettos erreichte die Bewohner des Ghettos von Lachwa die Nachricht, dass diese zerstört sowie die Bewohner ermordet wurden. Als auch die Juden von Lachwa abgeholt werden sollten, kam es zu einem Aufstand. Mitglieder des „Judenrats“ forderten die Bewohner auf, zu fliehen. Das war einer der wenigen Aufstände überhaupt, die Ghetto-Bewohner in Zusammenarbeit mit dem „Judenrat“ ausführen konnten. Auch der damals sechsjährige Jossi floh in die umliegenden Wälder. Jossis Mutter und Bruder wurden gefasst und ermordet. Jossi erinnert sich: „Dank dieses Aufstandes bin ich heute am Leben.“ In den Wäldern gab es mehrere Begegnungen mit deutschen Soldaten, doch jedes Mal gelang es ihm, zu fliehen. 1944 wurde Jossi durch die Rote Armee befreit und kam in ein DP-Lager. Mit dem Schiff Exodus wollte er 1947 nach Palästina einreisen, doch die Briten verweigerten die Einreise. 1948 konnte er doch nach Palästina emigrieren. In Israel wurde er Kommandeur der israelischen Armee und arbeitete für den Geheimdienst Mossad. Jossi ist verheiratet mit Nechama. Sie haben drei Töchter und neun Enkelkinder.

Manja Bigunov wurde 1927 im ukrainischen Teplyk als jüngste von drei Kindern geboren. Im Juni 1941 erschossen deutsche Soldaten Hunderttausende Juden und schickten die Juden von Teplyk zur Zwangsarbeit. Darunter waren auch Manja und ihre Mutter. Als auch sie mit einem Lastwagen zur Erschießung gebracht werden sollte, schlug sie ein Soldat solange, bis sie bewusstlos zusammenbrach. Später wurde sie in verschiedene Arbeitslager gebracht. Nach dem Krieg fand sie ihre Geschwister in Teplyk wieder. Sie heiratete Naftoli Bigun, der in der Roten Armee diente und überlebt hatte, weil er seine jüdische Identität versteckt hatte. Manja schrieb die Schicksale der Juden von Teplyk auf. Sie schrieb auch ihre Gespräche mit den anderen Überlebenden auf, die sie teilweise in der russischen Presse veröffentlichen konnte. 1992 wanderte sie mit ihrer Tochter und zwei Enkelinnen nach Israel ein und erzählte ihre Lebensgeschichte in vielen Schulen.

Schmuel Naar wurde 1924 im griechischen Thessaloniki geboren. Er hatte acht Geschwister, sein Vater war Journalist für jüdische Zeitungen. Im Frühjahr 1941 besetzten die Nationalsozialisten Thessaloniki, sodass Schmuel die Schule nicht beenden konnte. 1943 wurde Schmuel mit vielen anderen Juden seiner Heimatstadt nach Auschwitz deportiert. Die Fahrt im überfüllten Güterwagen dauerte acht Tage. Weil er die deutschen Befehle im Lager nicht verstand, wurde er immer wieder zusammengeschlagen. Schmuel erinnert sich: „Als wir die Bomben der Alliierten hörten, versteckten sich die Deutschen. Ich versteckte mich nicht – denn sterben würde ich ja sowieso.“ Im Januar 1945 wurde er zum Todesmarsch nach Bergen-Belsen gezwungen. Als die Briten ihn im April 1945 befreiten, konnte er sich nicht freuen: „Ich fühlte mich doch ohnehin schon tot.“ Als er nach Griechenland zurückkehrte, um Verwandte ausfindig zu machen, stellte er fest, dass alle ermordet waren. Im November 1945 gelangte er mit einem illegalen Schiff nach Eretz Israel, ins damalige Mandatsgebiet Palästina. Als die Briten das Schiff entdeckten, musste er ins Wasser springen und schwamm ans Ufer. Schmuel kämpfte im Unabhängigkeitskrieg, im Sechstagekrieg und Jom-Kippur-Krieg. Er ist verheiratet mit Mirjam und hat drei Kinder, zehn Enkel und elf Urenkel.

Sara Fischman ist 1927 im tschechischen Neresnice in eine zehnköpfige chassidische Familie geboren. Als die Spannungen in der Region wuchsen, wurden Ghettos gebaut und Sarahs Vater wollte sie und ihre Schwestern im April 1944 nach Budapest schicken. Im Zug wurden sie festgenommen und ins Ghetto des ungarischen Nagyszőllős geschickt. Von dort wurden sie nach Auschwitz deportiert. Dort sahen sie den Rauch ihrer verbrannten Eltern aus den Schornsteinen steigen. Sara musste die Duschen putzen und die Wertsachen der Juden sammeln, die in die Gaskammern geschickt wurden. Später wurde sie von ihren Schwestern getrennt. Sie kam in ein Arbeitslager außerhalb von Auschwitz und später nach Bergen-Belsen. Nach einigen Monaten wurde sie in einen Güterzug gesperrt, der ziellos umher fuhr. Nach drei Wochen wurde sie mit den anderen Insassen in die Wälder geschickt. Die deutschen Wächter verschwanden und die Gefangenen begriffen, dass sie nun frei waren. In der Tschechoslowakei hatte Sara gelernt, mit Waffen umzugehen, und 1949 wanderte sie auf einem Schiff, das Waffen transportierte, nach Israel aus. Sie kämpfte im Unabhängigkeitskrieg. Später heiratete sie Joel, mit dem sie zwei Kinder, fünf Enkelkinder und fünf Urenkel hat.

Landesweites Gedenken

Am Donnerstagmorgen um 10 Uhr ertönen im ganzen Land Sirenen. Für zwei Minuten kommt das öffentliche Leben zum Stillstand, um der ermordeten Menschen zu gedenken. Während des Tages gibt es zahlreiche Gedenkveranstaltungen, in Radio und Fernsehen werden Geschichten von Überlebenden erzählt. Am späten Nachmittag gibt es eine zentrale Gedenkveranstaltung im Museum der Ghettokämpfer, bei der ebenfalls sechs Überlebende Fackeln anzünden.

Von: mh

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Wed, 07 Apr 2021 14:09:00 +0200
<![CDATA[Indonesischer Politiker würdigt israelische Überlebende]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/07/indonesischer-politiker-wuerdigt-israelische-ueberlebende/ Der frühere stellvertretende indonesische Außenminister Dino Patti Djalal hat eine Holocaustüberlebende gewürdigt. Am Montag kontaktierte er Schoschana Lehrer bei einer virtuellen Veranstaltung zur „Erinnerung im Wohnzimmer“. Dort erzählte sie, wie ein niederländischer Patient ihres Vaters die Familie von Österreich nach Indonesien gebracht hatte. Die heute 87-Jährige wanderte in den 1980er Jahren nach Israel ein. Der Politiker sagte: „Ich schätze Sie und Ihre Geschichte.“ Indonesier hätten Rassismus von den japanischen Besatzern erlebt. Deshalb könnten sie das Leiden der Juden nachvollziehen.

Von: eh

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Wed, 07 Apr 2021 14:06:00 +0200
<![CDATA[Sudanesische Regierung will Israel-Boykott-Gesetz aufheben]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/07/sudanesische-regierung-will-israel-boykott-gesetz-aufheben/ Die sudanesische Regierung hat am Dienstag beschlossen, ein Israel-Boykott-Gesetz von 1958 aufzuheben. Dieses stellte bislang unter anderem die Aufnahme wirtschaftlicher Beziehungen unter Gefängnis- und Geldstrafe. Die Entscheidung muss Agenturmeldungen zufolge noch von einem anderen Gremium bestätigt werden. Der Schritt ist im Kontext der bereits im Oktober angekündigten Normalisierung der Beziehungen zwischen Israel und dem Sudan zu sehen. Im Januar hatte Israels Geheimdienstminister Eli Cohen das Land besucht.

Von: ser

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Wed, 07 Apr 2021 12:06:00 +0200
<![CDATA[Lockerung für Einreise von Ausländern mit Verwandten in Israel]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/07/lockerung-fuer-einreise-von-auslaendern-mit-verwandten-in-israel/ Ausländer dürfen ab sofort Verwandte ersten Grades in Israel besuchen, wenn sie gegen das Coronavirus geimpft oder von einer Infektion genesen sind. Dies gab die Einwanderungsbehörde am Dienstag bekannt. Nötig ist ein offizieller Antrag, in dem die Besucher ihre Impfung oder Genesung und den Verwandtschaftsgrad der Gastgeber bescheinigen. Indes haben die Behörden von Dienstag auf Mittwoch 303 neue Fälle registriert; 0,5 Prozent der Tests waren positiv. Derzeit sind 4.888 aktive Fälle bekannt, 303 gelten als schwer. Im Zusammenhang mit dem Virus gestorben sind 6.261 Menschen.

Von: eh

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Wed, 07 Apr 2021 12:00:00 +0200
<![CDATA[Bericht: Israelischer Angriff auf iranisches Militärschiff]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2021/04/07/bericht-israelischer-angriff-auf-iranisches-militaerschiff/ Israel hat am Dienstag im Roten Meer das Transportschiff „Savis“ der iranischen Revolutionsgarden mit einer Mine angegriffen. Das berichtet die „New York Times“ unter Berufung auf amerikanische Regierungskreise. Damit ist in dem seit zwei Jahren auf hoher See ausgetragenen Konflikt zwischen den beiden Ländern erstmals ein Militärschiff ins Visier geraten. Die „Times“ sieht den Angriff im Kontext der Gespräche zur Rettung des Atomabkommens, die ebenfalls am Dienstag begannen. Israel äußerte sich nicht zu dem Vorfall, der Iran sprach von „kleineren Schäden“ an einem „Zivilschiff“.

Von: df

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Wed, 07 Apr 2021 11:59:00 +0200
<![CDATA[Heldenempfang für arabischen Terroristen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2021/04/06/heldenempfang-fuer-arabischen-terroristen/ UMM EL-FAHM (inn) – Araber in Zentralisrael haben einem am Montag aus der Haft entlassenen Terroristen einen Heldenempfang bereitet. In der Stadt Baqa al-Garbije bei Umm el-Fahm ließ sich Ruschdi Hamdan Abu Much auf Schultern tragen und in einer Autoparade feiern. Er hatte 1984 den israelischen Soldaten Mosche Tamam ermordet und saß deswegen 35 Jahre im Gefängnis.

Abu Much gehörte damals mit drei anderen Einwohnern von Baqa al-Garbije einer Terrorzelle der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“ (PFLP) an. Alle vier erhielten beim Prozess lebenslänglich; im Jahr 2012 jedoch verkürzte der damalige Staatspräsident Schimon Peres die Haft von Abu Much.

Antrag auf Entzug der Staatsbürgerschaft

Die Opferfamilie zeigte sich angesichts der Entwicklung entsetzt. Von der Begnadigung habe sie nichts mitbekommen, sagte Oren Tamam, der Bruder von Mosche, der Nachrichtenseite von „Yediot Aharonot“.

Eine Nichte, Ortal Tamam, erklärte, die Familie habe nun Angst, dem Terroristen auf der Straße zu begegnen. Die Familie lebt in der Küstenstadt Netanja, rund 20 Kilometer von Baqa al-Garbije entfernt. „Meine Familie Großeltern zahlten den teuersten Preis für dieses Land“, sagte Ortal Tamam weiter. „Sie verdienen es nicht, dem Mörder ihres Sohnes im Supermarkt zu begegnen.“

Die Familie des Terror-Opfers stellte aus diesen Gründen einen Antrag auf Entzug der Staatsbürgerschaft für Abu Much. Ersten Verlautbarungen zufolge ist das Verteidigungsministerium dagegen. Innenminister Arje Deri (Schass) will aber mögliche Schritte weiter prüfen und zu diesem Zweck eine Dringlichkeitssitzung einberufen. Am Sonntag sprach sich auch Verkehrsministerin Miri Regev (Likud) für einen Entzug der Staatsbürgerschaft aus.

Üppiges „Gehalt“

Die Terroristen hatten Mosche Tamam an der Netanja-Kreuzung entführt, als er auf dem Weg von seiner Armeebasis nach Hause war. Ursprünglich wollten sie ihn nach Syrien bringen und mit ihm gefangene Terroristen freigepressen. Dann entschieden sie sich jedoch, ihn zu töten. Israelische Sicherheitskräfte nahmen sie fest, 1986 wurde ihnen der Prozess gemacht.

Abu Much war nach Aussagen seiner Familie nicht direkt in die Tötung involviert und sei auch dagegen gewesen. Laut der Nachrichtenseite „Times of Israel“ erhielt er eines der höchsten „Gehälter“, die die Palästinensische Autonomiebehörde an Terroristen auszahlt.

Laut einem Bericht der Organisation „Palestinian Media Watch“ zahlte die PA im Jahr 2020 rund 129 Millionen Euro an Terroristen aus; das sind 3,25 Prozent des Budgets. Wer bereits länger als 30 Jahre im Gefängnis sitzt, erhält umgerechnet etwa 3.000 Euro pro Monat.

Von: df

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Tue, 06 Apr 2021 14:36:00 +0200
<![CDATA[Marokkaner und Israelis feiern gemeinsam]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/06/marokkaner-und-israelis-feiern-gemeinsam/ Erstmals haben die marokkanische und die israelische Botschaft in Washington am Sonntag gemeinsam das Mimuna-Fest gefeiert. Dieses gehört zur Tradition der marokkanischen Juden und ist in Israel ein offizieller Feiertag. Mimuna schließt sich direkt an Pessach an. Es markiert den Beginn des Frühlings und den Zeitpunkt, an dem Juden wieder Gesäuertes essen dürfen. Zudem gilt es als „Fest der guten Nachbarschaft“. Bei der Veranstaltung musizierten der Marokkaner Ismail Bouzidoune und die marokkanisch-stämmige Israelin Mor Karbasi.

Von: eh

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Tue, 06 Apr 2021 14:29:00 +0200
<![CDATA[Israel weiter auf dem Weg der Entspannung]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/06/israel-weiter-auf-dem-weg-der-entspannung/ Trotz Schulöffnungen entspannt sich die Pandemielage weiter. Auch nach Pessach sinken die Corona-Zahlen. Den israelischen Behörden sind 5.042 aktive Fälle bekannt, von denen 319 als schwerwiegend eingestuft werden. Die Rate positiver Testergebnisse liegt bei 0,7 Prozent. 6.253 Personen sind seit Beginn der Pandemie in Israel im Zusammenhang mit dem Coronavirus verstorben. Die Todesrate sinkt ebenfalls, so starben durchschnittlich Ende März und Anfang April etwa 10 Menschen pro Tag – erstmals seit November. Der Negativrekord mit etwa 60 Toten am Tag stammt von Ende Januar.

Von: joh

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Tue, 06 Apr 2021 12:24:00 +0200
<![CDATA[Netanjahu erhält trotz Gerichtsverfahren Auftrag zur Regierungsbildung]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/06/netanjahu-erhaelt-trotz-gerichtsverfahren-auftrag-zur-regierungsbildung/ JERUSALEM (inn) – Beim Prozess gegen Premierminister Benjamin Netanjahu hat am Montag die Beweisaufnahme begonnen. Staatsanwältin Liat Ben Ari verlas den schon vor Wochen veröffentlichten Text. Die Verhandlungen sind im Bezirksgericht in der Saladin-Straße in Ostjerusalem.

Draußen vor dem Eingangstor demonstrierten Gefolgsleute und Gegner Netanjahus. Wegen der verstopften Straßen erschienen die Anwälte des Likud-Chefs mit leichter Verspätung. Der Premierminister passierte die Sicherheitsleute und setzte sich auf einen Stuhl am Fenster, zusammen mit seinen Anwälten. Er wollte nicht auf der Anklagebank abgelichtet werden.

Netanjahu muss nicht zu allen Sitzungen erscheinen während seines auf fünf Jahre veranschlagten Prozesses wegen Bestechung, Betrugs, Vertrauensbruchs und weiterer Anklagepunkte. Das Gericht verpflichtete ihn jedoch, der Verlesung der Anklageschrift beizuwohnen. Richterin Rivka Friedmann-Feldman sagte zum Abschluss, dass es handfeste Beweise für mögliche Vergehen des Regierungschefs gebe. Dazu gehören Geschenke und teurer Champagner, für die seine Frau Sara von reichen Freunden und einflussreichen Journalisten im Tausch Gefälligkeiten und eine positive Berichterstattung verlangt hatte.

Netanjahu beschimpft Staatsanwaltschaft

Nach der Verlesung startete Netanjahu in einer öffentlichen Erklärung eine heftige Attacke auf die Staatsanwaltschaft. Denn man habe sein Handy beschlagnahmt und alle Nachrichten herauskopiert. Das sei „illegal“ und dürfe vom Gericht nicht als Beweismaterial verwendet werden. Er sprach sogar von einem „Umsturzversuch“ der Staatsanwaltschaft.

Als erster Zeuge der Anklage wurde Ilan Jeschua vorgeladen, der ehemalige Leiter der Nachrichtenseite „Walla“. Er erzählte, wie das Amt des Premierministers ihn über die Jahre aufgefordert habe, den heutigen Rivalen Netanjahus und früheren Verteidigungsminister Naftali Bennett (Jamina) als den „frechen Frommen“ zu verunglimpfen. Zudem habe er den aus Nordafrika stammenden jüdischen Abgeordneten Mosche Kachlon, ein ehemaliges Likud-Mitglied, als „den Araber“ bezeichnen sollen. Ferner sei er angewiesen worden, negative Inhalte über das Ehepaar Netanjahu herunterzuspielen und positive in den Vorderung zu stellen.

Trotz Widerständen: Rivlin beauftragt Netanjahu mit Regierungsbildung

Während Netanjahu noch der Anklageschrift lauschen musste, begab sich die Riege der restlichen Parteichefs zum Präsidentenpalais. Sie hatten die Aufgabe, Staatspräsident Reuven Rivlin eine „Empfehlung“ abzugeben, wer ihrer Meinung nach die besten Chancen hätte, künftig eine stabile Regierung einzurichten. Erwartungsgemäß erhielt der amtierende Premierminister trotz seines angelaufenen Strafprozesses die meisten Empfehlungen. Doch eine absolute Mehrheit von 61 Stimmen in der Knesset erreichte er nicht, sodass er nicht mit Gewissheit eine Regierung bilden kann.

Rivlin stand deshalb vor einem Dilemma: Sollte er dennoch Netanjahu empfehlen, oder eher das Mandat an das Parlament übergeben? Netanjahu erhielt 52 Stimmen und sein Kontrahent Jair Lapid (Jesch Atid) 45. Einige Abgeordnete, darunter Vertreter der arabischen Parteien, enthielten sich der Stimme. Am Dienstag gab Rivlin bekannt, dass er allen Widerständen zum Trotz Netanjahu beauftrage. Dabei sei ihm bewusst, dass dessen Chancen auf eine Regierungsbildung gering seien.

Scheitert das Vorhaben und kann auch kein anderer Kandidat eine Regierung bilden, müsste es erneut einen Urnengang geben, also die fünften Neuwahlen innerhalb von zwei Jahren. Das aber will eigentlich niemand, allein wegen der enormen Kosten und weil der Staat auf Dauer nicht ohne funktionierende Regierung und ohne Staatshaushalt überleben kann. Wegen der Corona-Pandemie sind viele Israelis arbeitslos und die Wirtschaft muss dringend wieder angekurbelt werden, um den ausgefallenen Tourismus und die Kosten für die Impfungen aufzufangen.

Von: Ulrich W. Sahm

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Tue, 06 Apr 2021 12:09:00 +0200
<![CDATA[Israel offen für Olympische Spiele in Berlin 2036]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/sport/2021/04/06/israel-offen-fuer-olympische-spiele-in-berlin-2036/ Das Israelische Olympische Komitee würde eine Ausrichtung der Spiele in Berlin im Jahr 2036 begrüßen. Das teilte das Gremium am Sonntag mit. Derzeit wird auch die Möglichkeit diskutiert, die Spiele sowohl in Berlin als auch in Tel Aviv auszutragen. Der Berliner Innensenator Andreas Geisel (SPD) erklärte am Dienstag, dies wäre „ein starkes Zeichen für Frieden und Völkerverständigung“. Bereits im November 2019 zeigten sich die Israelis aufgeschlossen für Berlin als Austragungsort. Im Jahr 1936 hatten die Nationalsozialisten die dortigen Olympischen Spiele als Bühne missbraucht.

Von: df

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Tue, 06 Apr 2021 11:17:00 +0200
<![CDATA[Ein israelischer Torjäger in der Bundesliga]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/sport/2021/04/06/ein-israelischer-torjaeger-in-der-bundesliga/ HOFFENHEIM (inn) – Seit Anfang 2020 steht der israelische Fußballer Munas Dabbur bei der TSG 1899 Hoffenheim unter Vertrag. Ein Spiel mit Fans im Stadion hat der 28-jährige Stürmer in der Bundesliga bisher wegen der Corona-Pandemie nicht erlebt. Aber die Jagd nach Toren geht weiter.

Dabbur ist in einer muslimischen Familie in Nazareth aufgewachsen. Dort spielte er als Jugendlicher für den örtlichen Verein und machte sich bald einen Namen als Torjäger. „Wir haben nicht in den besten Ligen gespielt, ich habe jedes Jahr mehr als 100 Tore geschossen“, sagt er in einem Interview der Zeitung „Jerusalem Post“. Allerdings sei das natürlich nicht realitätsnah, wenn ein Spiel etwa 25:0 ausgehe.

Als er älter wurde, lockte Europa. Doch seine Mutter wollte nicht, dass er gleich so weit wegzog. Der Vater war zudem 2009 bei einem Unfall gestorben. Also begann Dabbur seine Profilaufbahn in der obersten israelischen Spielklasse bei Maccabi Tel Aviv. Der Wechsel war nach seiner Aussage „ein Schritt, um meine Komfortzone zu verlassen, mein Zuhause“.

Im Jahr 2014 verließ er dann auch seine israelische Heimat. Erste Station in Europa war der Schweizer Rekordmeister Grasshopper Zürich. Über Red Bull Salzburg und den FC Sevilla gelangte er schließlich nach Hoffenheim. Sein Vertrag gilt bis Juni 2024.

Drittbester Torschütze der Europa League

Das Toreschießen gelingt dem Israeli auch im Ausland: In der Europa League erzielte er für seine unterschiedlichen Vereine bislang 24 Tore in 49 Spielen. Damit belegt er in der Bestenliste seit Einführung dieses Wettbewerbs Rang 3. Nur der Kolumbianer Falcao (derzeit Galatasaray Istanbul) mit 30 Treffern und der bereits nicht mehr aktive Spanier Aritz Aduriz (Athletic Bilbao) mit 28 Toren sind besser als er. Wenn der frühere UEFA-Cup mit eingerechnet wird, nimmt Dabbur immerhin den 9. Platz ein. Bester Torschütze ist hier der Niederländer Klaas-Jan Huntelaar mit insgesamt 34 Treffern.

In der Bundesliga kann Dabbur bislang 8 Tore aus 36 Spielen vorweisen. Im DFB-Pokal sind es 2 Tore aus 2 Spielen. Besonders stolz ist er auf seine drei Treffer gegen den Torwart von Bayern München, Manuel Neuer: „Es ist natürlich etwas sehr Besonderes, gegen den besten Torhüter der Welt und einen der besten in der Geschichte zu treffen.“ Wer einen Vertrag in der Bundesliga unterschreibe, träume davon, gegen München oder gegen Borussia Dortmund ein Tor zu erzielen.

Zurückgeworfen durch Corona-Infektion

Einen Rückschlag erlitt Dabbur Anfang November während einer Länderspielreise in Norwegen: Er wurde positiv auf das Coronavirus getestet. Anfang Dezember habe er wieder auf dem Platz gestanden, schrieb das Sportmagazin „Kicker“. Aber erst im Februar habe er das frühere Niveau erreicht.

Nicht nur die Spielpause infolge der Infektion, auch die allgemeine Corona-Lage macht dem Araber zu schaffen: Er vermisse die Fans, sagt er in dem Interview. „Es war für mich immer etwas Besonderes, Bundesliga im Fernsehen zu sehen, zu einem großen Teil wegen der Fans. Jetzt habe ich unglücklicherweise ohne Fans gespielt, seit ich hier bin.“

Enttäuschend war für Hoffenheim das Ausscheiden aus der Europa League in der Runde der letzten 32 Mannschaften. Da konnte auch Dabbur seinem Team nicht helfen. Im Hinspiel beim norwegischen Verein Molde gelangen ihm noch zwei Tore. Allerdings verschoss er auch einen Elfmeter, der zum 4:1 geführt hätte. Stattdessen endete die Begegnung mit einem 3:3-Unentschieden. Im Rückspiel verlor Hoffenheim dann zu Hause mit 0:2. Nach dem 25. Februar ist es für den Israeli also für diese Saison vorbei mit der Chance, seinen Kontostandan Toren in der Europa League weiter zu erhöhen.

Erfolgreich in der Nationalmannschaft

Seit 2014 spielt Dabbur in der israelischen Nationalmannschaft. Auch seine dortige Bilanz kann sich sehen lassen: In 29 Spielen schoss er 8 Tore. Zuletzt gelang ihm am Mittwoch ein Treffer in der Qualifikation für die Weltmeisterschaft 2022. Beim 4:1-Auswärtssieg in Moldawien erzielte er das 3:1.

In Hoffenheim fühlt sich der Israeli aus Nazareth wohl: „Die Stadt und das Gebiet sind nicht so groß, aber das hat einen Vorteil. Man kann sich auf Fußball konzentrieren und die familiäre Zeit genießen, vor allem wenn man ein familiärer Typ ist. Es passt perfekt zu mir, denke ich.“

Von: eh

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Tue, 06 Apr 2021 07:58:00 +0200
<![CDATA[Türkische Polizei beschlagnahmt 2.000 Jahre alte Torarolle]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/kultur/2021/04/01/tuerkische-polizei-beschlagnahmt-2000-jahre-alte-torarolle/ ISTANBUL (inn) – Die türkische Polizei hat bei einem Einsatz gegen Schmuggler Teile einer Torarolle beschlagnahmt. Nach Schätzungen der Polizei ist diese mindestens 2.000 Jahre alt. Sollte sich das Alter bestätigen, handelt es sich um eines der ältesten Exemplare der Welt. Das berichtet die Nachrichtenseite „Arutz Scheva“. Der Einsatz ereignete sich bereits am Freitag. Die Polizei kontrollierte nahe der Stadt Samsun, etwa 700 Kilometer östlich von Istanbul, zwei Autos. Den Tipp erhielten die Beamten vom türkischen Geheimdienst. Im Rahmen des Einsatzes wurden fünf Männer wegen des Verdachtes auf illegalen Handel mit archäologischen Funden festgenommen.

Bei dem sichergestellten Fund handelt es sich um 19 Seiten einer verzierten Torarolle mit goldenen Buchstaben. Die Texte sind in einem Lederrahmen eingearbeitet.

Bereits im vergangenen Jahr beschlagnahmte die türkische Polizei eine Torarolle im Wert von etwa 850.000 Euro. Diese wurde aus Aleppo in die Türkei geschmuggelt. Im Jahr 2017 stellten türkische Anti-Schmuggel-Einheiten eine 1.500 Jahre alte lederne Tora sicher.

Von: mas

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Thu, 01 Apr 2021 14:03:00 +0200
<![CDATA[Israelischer Sekunden-Test erhält EU-Genehmigung]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/01/israelischer-sekunden-test-erhaelt-eu-genehmigung/ JERUSALEM (inn) – In Europa könnte bald ein 20-Sekunden-Corona-Test aus Israel zur Verfügung stehen. Der Hersteller „Newsight Imaging“ aus Nes Ziona gab am Donnerstag bekannt, eine CE-Zulassung für das „SpectraLIT“-Gerät erhalten zu haben. Es wurde im Verbund mit dem Scheba-Krankenhaus in Tel HaSchomer entwickelt.

Das Gerät analysiert Speichel mithilfe von Spektografie und Künstlicher Intelligenz. Es untersucht, welcher Lichtbereich von der Probe zurückgeworfen wird. Das Verfahren könnte etwa in Flughäfen zum Einsatz kommen, da der Weg über eine Laboruntersuchung unnötig wird. Der Test arbeite derzeit mit einer Genauigkeit von 70 bis 80 Prozent, erklärte Ejal Simlichman vom Scheba-Krankenhaus der Nachrichtenseite „Times of Israel“. Dank der Künstlichen Intelligenz werde es diesen Wert im Verlauf der Anwendung vermutlich steigern.

Neue Impfwelle erwartet

Unterdessen geht das Infektionsgeschehen in Israel weiter zurück. Die Zahl der positiv Getesteten liegt bei 7.200 (-130 gegenüber dem Vortag), die Zahl der schwer Erkrankten bei 385 (-16). Im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben sind 6.214 Menschen. Die Rate positiver Testergebnisse lag wieder leicht erhöht bei 1,3 Prozent.

Insgesamt sind rund 5,2 Millionen Israelis zweitgeimpft. Demnächst könnte auch die Impfung für die Altersgruppe 12 bis 15 Jahre mit dem Stoff von Biontech-Pfizer anlaufen. Das Gesundheitsministerium teilte mit, es warte noch auf die Genehmigung durch die US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel (FDA). Dann sei auch eine Genehmigung in Israel schnell möglich. Biontech-Pfizer gab am Mittwoch bekannt, dass der Impfstoff in dieser Altersgruppe zu 100 Prozent effektiv ist.

Unterdessen haben Zehntausende Israelis in der Pessach-Woche das sonnige Wetter für Ausflüge und Museumsbesuche genutzt. Viele Museen bieten noch bis Freitag freien Eintritt, vorherige Registrierung vorausgesetzt.

Von: df

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Thu, 01 Apr 2021 13:23:00 +0200
<![CDATA[Im Juni erstmals Kreuzfahrten ab Israel]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/wirtschaft/2021/04/01/im-juni-erstmals-kreuzfahrten-ab-israel/ Die Papenburger Meyer Werft hat das Schiff „Odyssey of the Seas“ an den Reiseveranstalter Royal Caribbean Cruises ausgeliefert. Am 2. Juni sticht das Schiff vom israelischen Haifa aus zu Mittelmeerfahrten in See. Zugelassen sind Israelis mit Corona-Impfung. Es ist das erste Mal, dass Royal Caribbean einen Kreuzer in Israel positioniert. Das Schiff der Quantum-Ultra-Klasse ist 347 Meter lang, gut 41 Meter breit und bietet 4.210 Passagieren Platz. Zu den Attraktionen zählt eine gläserne Gondel, die als Aussichtplattform über die Bordwand geschwenkt werden kann.

Von: tk

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Thu, 01 Apr 2021 13:16:00 +0200
<![CDATA[Tesla weiht erste Schnellladestation in Israel ein]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/wirtschaft/2021/04/01/tesla-weiht-erste-schnellladestation-in-israel-ein/ Der US-Elektroautobauer Tesla hat seinen ersten Supercharger in Israel eingeweiht. Die Schnellladestation befindet sich nahe des Asrieli-Einkaufszentrums in Tel Aviv. Das gab das Unternehmen am Dienstag bekannt. Kunden sollen dort innerhalb von fünf Minuten Strom „für bis zu 120 Kilometer“ laden können. Die Station beherbergt sechs V3-Ladesäulen. Weitere sind für Haifa, Eilat und Be’er Scheva geplant. Die Tesla-Modelle 3, S und X haben im Januar eine Straßenzulassung in Israel erhalten.

Von: tk

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Thu, 01 Apr 2021 11:45:00 +0200
<![CDATA[Europäische Union fördert palästinensische Landwirtschaft]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/04/01/europaeische-union-foerdert-palaestinensische-landwirtschaft/ Der palästinensische Premierminister Mohammad Schtaje und Vertreter der Europäischen Union haben am Mittwoch ein Abkommen zur Förderung „Palästinas“ geschlossen. Die EU stellt insgesamt 22,8 Millionen Euro bereit. Im Bereich der Landwirtschaft soll ein Plan für lokale Zusammenarbeit wie auch für Landerschließung gefördert werden. Besonders die Gebiete rund um die palästinensische Stadt Tubas im Westjordanland und das Jordantal dürften von der Finanzspritze profitieren. Zentral im bilateralen Abkommen ist ebenso die Schaffung von Arbeitsplätzen.

Von: joh

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Thu, 01 Apr 2021 11:03:00 +0200
<![CDATA[Nachrichten vom 01. April 2021]]> https://www.israelnetz.com/israelnetz-tv/2021/04/01/nachrichten-vom-01-april-2021/ Thu, 01 Apr 2021 10:58:00 +0200 <![CDATA[Die letzten Juden verlassen den Jemen]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/04/01/die-letzten-juden-verlassen-den-jemen/ SANAA / KAIRO (inn) – Dreizehn Jemenitische Juden haben ihr Heimatland in Richtung Ägypten verlassen. Das berichtet die Online-Zeitung „Times of Israel“. Die Ausreise wurde am Sonntag bekannt. Damit verbleiben nur sechs Juden im Jemen, fast alle im gehobenen Alter. Einst zählte ihre Gemeinschaft dort viele Tausend.

Die Juden erhielten das Angebot, über den Hafen von Aden nach Israel zu entkommen. Den Seezugang kontrolliert eine den Vereinigten Arabischen Emiraten nahestehende Gruppierung. Dies lehnten sie ab. Nun wurden sie nach Kairo gebracht, wo sie Familienangehörige haben.

Ausreise unfreiwillig

Laut derzeitigem Informationsstand wurde die Gruppe nicht direkt zur Ausreise gezwungen. Sie lebte in einer von der Huthi-Miliz kontrollierten Region. Mit den Rebellen soll es einen Deal gegeben haben: Für ihre Ausreise werde der jüdische Gefangene Levi Salem Marhabi freikommen. Ein Familienmitglied berichtete: „Sie stellten uns vor die Wahl, entweder weiter Ziel von Misshandlung zu sein, und Levi bleibt im Gefängnis – oder zu gehen, und er kommt frei.“

Sie brachten ihr Bedauern zum Ausdruck: „Wir werden in die Geschichte eingehen als die letzten jemenitischen Juden, die bis zum letzten Moment an ihrem Heimatland hingen. Wir haben vielen Versuchungen widerstanden, immer und immer wieder, und haben uns geweigert, unsere Heimat zu verlassen. Aber nun sind wir gezwungen.“

Bisher ist nichts über eine Entlassung Marhabis bekannt geworden. Die Huthis nahmen den orthodoxen Juden im Jahr 2016 fest. Zuvor war eine seltene Torarolle aus Hirschleder samt einer Gruppe von 17 Juden außer Landes geschmuggelt worden. Die jemenitischen Machthaber und ihre iranischen Hintermänner machten Marhabi für das Verschwinden des „nationalen jemenitischen Kulturerbes“ mitverantwortlich. Diplomatische Anstrengungen seitens der USA und anderer Länder, seine Freiheit zu erwirken, blieben erfolglos.

Zigtausende haben das Land verlassen

Die Juden machten in vorislamischer Zeit einen großen Teil der jemenitischen Bevölkerung aus, mit erheblichem Einfluss auf Kultur und Gesellschaft. Sie sind die einzige jüdische Gemeinschaft, die sich das Hebräische über die Jahrhunderte hinweg als Alltagssprache bewahrte. In Folge von Pogromen wanderten bis 1948 mehr als 100.000 von ihnen nach Israel aus. In den Jahren 1949 und 1950 wurden mit der Operation „Fliegender Teppich“ weitere 50.000 jüdische Jemeniten nach Israel ausgeflogen.

Von: tk

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Thu, 01 Apr 2021 08:01:00 +0200
<![CDATA[Wie geht es weiter?]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/03/31/wie-geht-es-weiter/ Als Staatspräsident Reuven Rivlin am Mittwoch die endgültigen Ergebnisse der 24. Knessetwahlen von der Wahlkommission entgegennahm, hatte er für die politischen Verantwortungsträger im Lande vor allem eine Botschaft: „Hört auf den Ruf des israelischen Volkes, den Ruf nach einer ungewöhnlichen Koalition.“ Denn immer mehr zeichnet sich ab, dass Israel auch nach dieser Wahl entweder gar keine Regierung bekommen wird – oder aber eine ziemlich außergewöhnliche, aus welchem Lager auch immer.

Bei der Abstimmung am Dienstag vergangener Woche konnte das Pro-Netanjahu-Lager keine Mehrheit erringen und brachte es nur auf 52 Sitze. Die Listen, die sich eindeutig gegen den Premier positioniert haben, stellen 57 der insgesamt 120 Knesset-Abgeordneten. Dazwischen stehen die rechtskonservative Jamina-Partei von Naftali Bennett und die islamistisch-arabische Ra’am von Mansur Abbas. Beide haben sich im Wahlkampf auf keine der Seiten geschlagen und sich so als Königsmacher positioniert.

Vor allem folgende Szenarien werden nun diskutiert:

  • Rechte Regierung aus Likud, Schass, Vereinigtem Tora-Judentum (beide ultra-orthodox), Jamina (rechtskonservativ), Religiösem Zionismus (rechtskonservativ-orthodox) mit Überläufern – In diesem Szenario gelingt es Benjamin Netanjahu noch, einzelne Abgeordnete aus dem Gegenlager zu sich herüberzuziehen. Bereits in den vergangenen Tagen hatte der Likud versucht, Vertreter der Hoffnungs-Partei von Ex-Likudnik Gideon Sa’ar mit Ministerposten zu locken. Ihr sei „ein halbes Königreich“ angeboten worden, ließ etwa die Sa'ar-Verbündete Scharren Haskel auf Twitter verlauten, und fügte hinzu: „Keine Chance.“ Nachdem Netanjahu nach den vorigen Wahlen seinen Herausforderer Benny Gantz mit dem Versprechen einer Rotation im Amt des Premierministers hinters Licht geführt hat, werden sich potentielle Abweichler aus dem Gegenlager nun mehrmals überlegen, ob sie dem gewieften Taktiker Netanjahu vertrauen können. Aktuell scheint diese Option eher verpufft.

  • Kooperation des rechts-religiösen Lagers mit Ra'am (islamistisch) – Diese Variante steht zur Zeit im Vordergrund der medialen Aufmerksamkeit. Die Ra'am Partei von Mansur-Abbas vertritt konservativ-islamische Positionen und hat vor allem im Negev sowie in arabischen Ortschaften Galiläas Rückhalt. Sie könnte Netanjahus Regierung tolerieren, etwa indem sie sich bei Parlamentsabstimmungen enthält. Netanjahu und Abbas haben sich über Monate gegenseitig angenähert, und auch nach der Wahl wirbt der Likud um den Ra'am-Politiker. Der hat sich von den drei anderen arabischen Parteien abgesetzt und versucht, eine ähnliche Taktik wie die jüdischen ultra-orthodoxen Parteien zu verfolgen: nämlich denjenigen zu unterstützen, der ihm gibt, was er für seine Wähler verlangt. Mit dem eher wenig ideologischen Netanjahu würde der israelische Araber sicher auskommen. Problematisch ist aber, dass unter Netanjahus Partnern auch der rechtsradikale Anwalt Itamar Ben-Gvir ist. Der hat nicht zu Unrecht unter anderem angemerkt, dass sich eine israelische Regierung nicht von einer islamistischen Partei abhängig machen dürfe, wenn es etwa darum geht, auf Raketenbeschuss aus Gaza zu reagieren.

  • Kooperation von Jesch Atid (liberal), Jamina, Israel Beiteinu (rechts-säkular), Blau-Weiß (zentristisch), Arbeitspartei (sozialdemokratisch), Meretz (linksradikal), Neuer Hoffnung (rechtskonservativ) und arabischen Abgeordneten – Der „Block der Veränderung“, wie Medien das Anti-Netanjahu-Lager inzwischen nennen, versucht eifrig zu verhindern, dass Abbas Netanjahu eine Mehrheit beschafft. Für die Gegner Netanjahus sieht es bei der Regierungsbildung noch komplizierter aus als für den amtierenden Premier. Es bräuchte eine Kooperation von linksaußen über die arabischen Parteien bis nach rechts. Die Gespräche sind im Gange, aber die Uneinigkeiten groß. Dass diese zum Teil öffentlich über die Sozialen Netzwerke ausgetragen werden, spricht nicht gerade für große Erfolgsaussichten. Problematisch ist nicht zuletzt die Frage, wer an der Regierungsspitze stehen soll. Einige der konservativen Anti-Netanjahu-Parteien sind nicht bereit, den liberalen Jair Lapid zum Regierungschef zu machen, obwohl der der größten Partei im Anti-Netanjahu-Lager vorsteht. Offenbar liebäugelt nach wie vor auch Jamina-Chef Bennett damit, selbst das wichtigste Regierungsamt zu übernehmen, obwohl er laut Wahlergebnis gerade einmal gut 6 Prozent der israelischen Bürger hinter sich weiß. Lapid fordert von seinen potentiellen Koalitionären nun, zunächst ihn bei Präsident Rivlin für das Amt des Premiers zu empfehlen. Danach lägen „alle Optionen auf dem Tisch“, sagt er.

Das israelische Grundgesetz über die Regierung (das Land hat keine Verfassung im engeren Sinne) weist jetzt dem Präsidenten die entscheidende Rolle zu. Ab Montag wird Reuven Rivlin in seiner Residenz Abgesandte der in der Knesset vertretenen Fraktionen empfangen. Sie können ihm sagen, ob sie einen bestimmten Kandidaten für das Amt des Premierministers präferieren. Bis Mittwoch muss Rivlin dann dem aussichtsreichsten Abgeordneten offiziell das Mandat zur Regierungsbildung übertragen. Der Kandidat hat höchstens sechs Wochen Zeit dazu. Danach hätten noch andere Abgeordnete die Möglichkeit, eine Mehrheit hinter sich zu versammeln. Funktioniert das nicht, bleibt nur eine Option übrig:

  • Eine fünfte Wahl – Angesichts der komplizierten Gemengelage ist das alles andere als ausgeschlossen. Bisher hatte es den Anschein, dass Netanjahu sich mit der Dauerwahlschleife arrangiert hatte, denn so blieb er auf jeden Fall im Amt. Manche Beobachter glauben jedoch, dass es für ihn zunehmend eng wird, nicht zuletzt da im Herbst die Dankbarkeit für den israelischen Impferfolg wieder verflogen sein und dann auch Netanjahus Korruptionsprozess wieder Fahrt aufgenommen haben könnte. Ob das seine Anhänger aber wirklich stört, ist fraglich.

Von: Sandro Serafin

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Wed, 31 Mar 2021 15:20:00 +0200
<![CDATA[USA betonen die „Besatzung“ wieder stärker]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2021/03/31/usa-betonen-die-besatzung-wieder-staerker/ WASHINGTON (inn) – Die US-Regierung unter Präsident Joe Biden betont in einem jährlichen Menschenrechtsbericht die israelische „Besatzung“ stärker, als es die Vorgängerregierung unter Donald Trump getan hat. Der Begriff taucht mehrfach auf, während er etwa in dem Bericht für das Jahr 2018 nur in Zitaten zu finden ist.

Die Golanhöhen gelten hingegen auch der Biden-Regierung als israelisches Souveränitätsgebiet. Die Abschnittsüberschrift lautet „Israel, Westjordanland und Gazastreifen“. Der Begriff „Golan“ fehlt gegenüber den Berichten, die vor der Anerkennung der israelischen Souveränität im Jahr 2019 erschienen sind.

Vorsichtig formuliert

Bezüglich Jerusalems greift der Bericht auf eine vorsichtige Formulierung zurück. Zunächst ruft er die Anerkennung Jerusalems als israelische Hauptstadt in Erinnerung. Im Folgesatz heißt es dann: „Die Sprache dieses Berichts soll keine Haltung zu Endstatus-Themen vermitteln, zu denen Parteien des Konfliktes verhandeln müssen, darunter auch die genauen Grenzen der israelischen Souveränität in Jerusalem oder die Grenzen zwischen Israel und einem zukünftigen palästinensischen Staat.“ Der letzte Bericht unter Trump hatte bei diesem Thema noch betont, dass die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) keine Befugnis in Jerusalem hat.

Veröffentlichungen wie dieser Bericht tragen zur Antwort auf die Frage bei, inwiefern Biden Trumps Politik bezüglich Israel und den Palästinensern ändert. Bezüglich des Golan und Jerusalems hatte er bereits betont, den unter Trump geschaffenen Status beizubehalten. Anfang Februar hatte US-Außenminister Anthony Blinken bekräftigt, die Golanhöhen fürs Erste als Teil Israels zu betrachten, schloss aber eine Überprüfung dieser Haltung nicht auch, sofern sich die Sicherheitslage ändert.

Von: df

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Wed, 31 Mar 2021 15:06:00 +0200
<![CDATA[Älteste Judenretterin gestorben]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2021/03/31/aelteste-judenretterin-gestorben/ WARSCHAU (inn) – Die polnische Judenretterin Anna Kozminska ist am Dienstag in Warschau beigesetzt worden. Sie war vorige Woche im Alter von 101 Jahren verstorben. Als junge Frau rettete Kozminska zusammen mit ihrer Stiefmutter Maria Kozminska vier Juden vor der Verfolgung des nationalsozialistischen Regimes.

Im Jahr 1942 nahmen die beiden Frauen den achtjährigen Abraham Jablonski bei sich zuhause auf. Trotz einer Sehschwäche förderten sie ihn, sodass der Junge weiter Schulbildung erhalten konnte. Eines Tages wurde Kozminskas Haus durchsucht. Der Junge wurde nicht entdeckt und konnte bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs dort bleiben. Zudem rettete die Polin drei weiteren Juden das Leben.

Nach dem Ende der Herrschaft der Nationalsozialisten zog Jablonski nach Israel, wo er von seinen Retterinnen erzählte. Nach 50 Jahren fand er Anna Kozminska in Warschau. Auf Drängen des Geretteten schrieb sie ihre Memoiren.

Ehrung als „Gerechte unter den Völkern“

Für ihren beherzten Einsatz während der Nazizeit wurden die beiden Frauen im Februar 1991 von der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem mit dem Titel „Gerechte unter den Völkern“ geehrt. Dieser israelische Ehrentitel würdigt Nichtjuden, die sich unter der nationalsozialistischen Herrschaft um die Rettung von Juden verdient gemacht haben.

Anna Kozminska galt als die älteste noch lebende Ehrenträgerin des Titels – im Mai wäre sie 102 Jahre alt geworden. Zu ihrem 100. Geburtstags schickten der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin und sein polnischer Amtskollege Andrzej Duda Glückwünsche und würdigten nochmals ihren Einsatz. 2016 erhielt Kozminska außerdem die polnische Medaille zum 100. Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit.

Von: joh

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Wed, 31 Mar 2021 15:06:00 +0200