Israelnetz - Neueste Nachrichten https://www.israelnetz.com Nachrichten aus Israel und dem Nahen Osten de https://www.pro-medienmagazin.de/typo3conf/ext/tt_news/ext_icon.gif Israelnetz - Neueste Nachrichten https://www.israelnetz.com 18 16 Nachrichten aus Israel und dem Nahen Osten TYPO3 - get.content.right http://blogs.law.harvard.edu/tech/rss Tue, 11 Aug 2020 12:22:48 +0200 <![CDATA[Israelisches Gerichtsurteil befeuert Debatte über Hauszerstörungen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2020/08/11/israelisches-gerichtsurteil-befeuert-debatte-ueber-hauszerstoerungen/ JERUSALEM (inn) – Mitte Mai wurde der 21-jährige Soldat Amit Ben-Jigal während einer Razzia im palästinensischen Dorf Jabad durch einen Steinblock getötet. Die Soldaten der Golani-Einheit zogen sich gerade zurück und suchten Deckung nahe den Hauswänden. Ben-Jigal hörte, wie Palästinenser sich auf dem Dach über ihm zusammenzogen und schaute nach oben. In diesem Augenblick ergriff der 49-jährige Hausbesitzer Nismi Abu Bakar einen 9 bis 11 Kilogramm schweren Stein und warf ihn nach unten. Obwohl Ben-Jigal einen Helm trug, traf ihn der schwere Stein ins Gesicht und tötete ihn augenblicklich.

Unmittelbar nach dem Vorfall verfügte Premierminister Benjamin Netanjahu die Zerstörung des Wohnhauses von Abu Bakar. Militärs erklärten, dass diese Häuserzerstörungen ein „nachgewiesenes“ Mittel der Abschreckung seien. Sie hätten schon viele junge Palästinenser davon abgehalten, Terrorattacken gegen Israelis durchzuführen, um ihren eigenen Familien kein Leid zuzufügen.

Doch die Häuserzerstörungen müssen vom Hohen Gericht genehmigt werden. Diesmal hat das Gericht ein Veto eingelegt, weil in dem Haus in Jerusalem auch die Gattin von Abu Bakar und ihre acht gemeinsamen Kinder leben. Die Zerstörung ihres Wohnhauses käme einer unerträglichen „Kollektivbestrafung“ gleich, zumal die Frau und die Kinder von der Tat des Vaters nichts gewusst hätten und auch nicht beteiligt gwesen seien.

Diskussion über Hauszerstörungen

Dieses Urteil löste Empörung in Israel aus. Der Vater des getöteten Soldaten trat im Fernsehen auf und rief mit Tränen in den Augen: „Schaut, unsere Kinder liegen hier unter der Erde, und dann sollen wir noch Rücksicht auf die Mörder nehmen.“

Nismi Abu Bakar wurde kurz nach der Tat festgenommen und hat sie beim Verhör durch den Inlandsgeheimdienst Schabak gestanden. Der Prozess gegen ihn läuft noch. Es erwartet ihn eine lebenslängliche Haftstrafe. Bei der Verlesung der Anklageschrift schrie er: „Ich wollte niemanden absichtlich töten.“

Dank dem Mehrheitsurteil des Hohen Gerichts wird in Israel erneut über die Wirkung der Häuserzerstörungen diskutiert. Da die meisten palästinensischen Terroristen tief in ihren Familien verankert sind und oft deren Hilfe erhalten, gilt es als akzeptabel, deren Wohnhäuser als „Strafe“ zu zerstören.

PA baut Häuser wieder auf – und zahlt Terrorgehälter

Doch längst hat sich eingebürgert, dass die Palästinensische Autonomiebehörde (PA) eingreift und die Baumaterialien liefert, um das Haus umgehend wieder zu errichten. Am Wiederaufbau sind oft linke israelische Organisationen oder europäische Menschenrechtsorganisationen beteiligt. Der Schaden für die betroffenen Familien hält sich also in Grenzen.

Mehr noch: Einen Israeli oder Juden zu töten, kann für die Mörder und ihre Angehörigen durchaus ein lukratives Geschäft sein. Denn die Autonomiebehörde überweist ihnen jeden Monat üppige Gehälter. Teilweise entsprechen sie dem Gehalt eines palästinensischen Ministers. Es hat durchaus schon Anschläge gegeben, bei denen jugendliche Palästinenser angegeben haben, auf diese Weise ihren Familien finanziell helfen zu wollen.

Israel wirft den Europäern immer wieder vor, mit den Hilfsgeldern diese finanzielle Förderung des Terrors zu fördern. Weder werden Bedingungen an die Zahlungen gestellt, noch werden die ausgezahlten Gelder an Terroristen von den europäischen Zuwendungen abgezogen. Zuletzt ist aber ein Umdenken auf EU-Ebene sichtbar geworden – zum Unmut der „Volksfront zur Befreiung Palästinas“.

Zynisch wurde nach dem Urteil das Hohen Gerichts gefragt, ob denn Israel nun auch behilflich sein müsse, das erwartete „Gehalt“ von Abu Bakar an dessen Familienangehörige weiterzuleiten.

Die Zukunft der Familien von Abu Bakar ist ungewiss, obgleich ihr Wohnhaus nun nicht zerstört wird. Es stellt sich heraus, dass die Ehefrau von Abu Bakar aus dem Westjordanland stammt. Nach deren Hochzeit erhielt sie eine „humanitäre“ Sondergenehmigung und durfte in das von Israel kontrollierte Jerusalem ziehen. Wenn aber ihr Mann wegen Terror im Gefängnis sitzt, entfällt das Argument der Familienzusammenführung. Die Frau und ihre Kinder müssen dann wieder in ihr Heimatdorf ziehen.

Von: Ulrich W. Sahm

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Tue, 11 Aug 2020 11:42:00 +0200
<![CDATA[Krankenhäuser nicht mehr an Kapazitätsgrenze]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/11/krankenhaeuser-nicht-mehr-an-kapazitaetsgrenze/ Die Auslastung von vier Jerusalemer Kliniken ist am Montag auf etwa 85 Prozent gefallen – von zuvor über 100 Prozent. Das Gesundheitsministerium erklärt dies mit einer neuen Berechnungsmethode: Es werde nun „die Zahl der Kranken durch die Zahl der Betten geteilt“. Die Behörde sagte nicht, welche Zählweise vorher galt. Indes warnt der Corona-Beauftragte Ronni Gamsu vor einem zweiten Lockdown, wenn die Zahl der Infektionen nicht auf „Hunderte“ pro Tag sinke. Von Montag auf Dienstag wurden 1.700 gezählt. Derzeit sind 25.335 aktive Fälle erfasst. Bisher sind 619 Patienten gestorben.

Von: tk

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Tue, 11 Aug 2020 11:15:00 +0200
<![CDATA[Israel schließt Grenzübergang zu Gaza]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/11/israel-schliesst-grenzuebergang-zu-gaza/ Israel hat am Dienstag den Gaza-Grenzübergang Kerem Schalom bis auf Weiteres geschlossen. Nur Lebensmittel, Treibstoff und humanitäre Güter kommen in das Gebiet. Damit reagiert Israel auf die Brandballons der vergangenen Tage. Allein am Montag meldeten die umliegenden israelischen Ortschaften mehr als zwölf Brände. Unterdessen feuerten Terroristen am Montag mehrere Raketen ins offene Meer. Laut Hamas ist damit die Botschaft verbunden, dass man die israelische „Aggression“ nicht hinnehmen werde. Zuvor hatte Israel infolge der Brandballons Hamas-Ziele im Gazastreifen angegriffen.

Von: df

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Tue, 11 Aug 2020 10:40:00 +0200
<![CDATA[Regionale Schwankungen beim Inlandstourismus]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/tourismus/2020/08/10/regionale-schwankungen-beim-inlandstourismus/ JERUSALEM (inn) – In Nord- und Südisrael gibt es derzeit kaum ein freies Hotelzimmer. Die Branche in Eilat, am Toten Meer oder in ländlichen Gegenden wie Galiläa war immer schon auf den Inlandstourismus angewiesen. Der boomt auch in Corona-Zeiten. Derzeit sind viele dieser Gästehäuser ausgebucht. Schwer haben es hingegen die Hoteliers in Tel Aviv und Jerusalem.

So wartet die Stadt Jerusalem sehnsüchtig auf Touristen aus dem Ausland, wie die stellvertretende Bürgermeisterin für ausländische Beziehungen und Tourismus, Fleur Hassan-Nahum, laut der Zeitung „Jerusalem Post“ mitteilt. Normalerweise werde die Stadt genau wie Tel Aviv zu 80 Prozent von ausländischen Touristen besucht und zu 20 Prozent von Israelis. In Eilat sei es genau andersherum.

Viele Hotels im Herbst schon belegt

Die Geschäftsführerin des Touristenverbandes von Galiläa, Dorit Elmaliach, hofft derweil, dass es nicht so schnell Flüge für Israelis ins Ausland gibt. „Die vergangenen Monate waren ein Segen für den Tourismus in Galiläa. Vor dem jüdischen Neujahrsfest gibt es bereits eine hohe Nachfrage. Die Ausbuchungsrate liegt jetzt schon bei 80 Prozent – ähnlich wie in den vergangenen Jahren.“ Es sei bereits jetzt schwierig für eine Familie, ein Hotelzimmer zum jüdischen Neujahr Mitte September zu bekommen.

Unterdessen freut sich einer der Besitzer des Hotels „Galilion“ in Obergaliläa, Chaim Ohajon, über volle Belegung im Juli und August. Er macht sich keine Sorgen darüber, dass die Israelis vielleicht bald auch wieder ins Ausland fliegen dürfen und dann weniger Urlaub im eigenen Land machen. „Es gibt bereits Buchungen für die jüdischen Feiertage“, erzählt er dem Wirtschaftsmagazin „Globes“. Seine Hotelpreise seien die gleichen wie im Vorjahr, trotz der höheren Ausgaben, um alle Corona-Auflagen erfüllen zu können.

Auch der Marketingmitarbeiter der Kette „Isrotel“, Nahum Kara, sieht einer Öffnung des Luftraums für Urlaubsflieger gelassen entgegen. „Während der jüdischen Feiertage sind wir immer ausgebucht und so wird es auch dieses Jahr sein. Selbst wenn es wieder Flüge ins Ausland geben sollte, die Israelis kommen an den Feiertagen. Wir werden aber einen Unterschied in Tel Aviv und Jerusalem merken, denn in dieser Zeit haben wir dort vor allem ausländische Touristen.“

Viele Hotels in Jerusalem und Tel Aviv weiter geschlossen

Laut „Globes“ erholen sich die Hotels in Jerusalem und Tel Aviv von den wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise nur langsam. Etwa 63 Prozent der dortigen Gästehäuser, die aufgrund der Corona-Pandemie im März schließen mussten, haben mittlerweile wieder geöffnet. Viele versuchen, mit besonderen Angeboten ihre Häuser attraktiver für die Urlauber zu machen, die sonst nach Eilat ans Rote Meer fahren. So habe unter anderem die Kette „Brown-Hotels“ aus diesem Grund einige ihrer Stadthotels in Familienhotels mit Attraktionen für Kinder verwandelt.

Von: dn

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Mon, 10 Aug 2020 15:11:00 +0200
<![CDATA[Steinsaltz schuf einen Talmud für Anfänger]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/wissenschaft/2020/08/10/steinsaltz-schuf-einen-talmud-fuer-anfaenger/ Obwohl er in einer nicht-religiösen Familie aufwuchs, wurde er zu einem der bedeutendsten jüdischen Gelehrten unserer Zeit: Rabbiner Adin Steinsaltz. Am Freitag ist der Talmud-Übersetzer und Kommentator im Alter von 83 Jahren im Jerusalemer Scha'arei-Zedek-Krankenhaus verstorben. Er litt an einer Lungenentzündung.

Adin Steinsaltz kam am 11. Juli 1937 im Jerusalem der britischen Mandatszeit auf die Welt. Geschwister hatte er nicht. Seine Eltern Avraham und Lea waren sozialistisch geprägt. Doch in seiner Jugend verbrachte er Zeit mit einem Rabbiner der Lubawitscher Bewegung und studierte mit ihm die religiösen Schriften des Judentums. Warum er zum Glauben an Gott kam, erklärte er vor zehn Jahren in einem Interview der „New York Times“ so: „Von Natur aus bin ich ein skeptischer Mensch. Und Leute mit viel Skepsis beginnen, den Atheismus in Frage zu stellen.“

An der Hebräischen Universität Jerusalem studierte er Chemie und Physik. Gleichzeitig beschäftigte er sich jedoch mit der jüdischen Überlieferung. Mit 28 Jahren wurde er der jüngste Rektor einer weiterführenden Schule in Israel. 1965 heiratete er Sara, sie bekamen drei Kinder und 18 Enkel.

Im Jahr seiner Hochzeit gründete der Gelehrte zusammen mit der Regierung das Israelische Institut für Talmudische Veröffentlichungen. Mittlerweile trägt es den Namen Steinsaltz-Zentrum. Es will jüdisches Wissen allen Menschen zugänglich machen.

Talmud ins Neuhebräische übersetzt und kommentiert

Einen großen Beitrag hierzu leistete der Gründer durch das Hauptwerk seines Lebens: Er übersetzte die 2.711 Blätter des Babylonischen Talmuds ins moderne Hebräisch. Dadurch erhielten zahlreiche Israelis einen leichteren Zugang zu dem in altem Aramäisch und Hebräisch verfassten Werk. Die Arbeit an der Übersetzung zog sich über 45 Jahre bis 2010 hin. Doch Steinsaltz übersetzte nicht nur, er schrieb auch selbst einen Kommentar. Hinzu kamen Auslegungen zu Büchern der Hebräischen Bibel.

Seine Übersetzung wurde ins Englische, Französisch, Spanische und Russische übertragen. Da auch ein Kommentar zu jeder Zeile vorhanden ist, eignet sie sich zum Selbststudium. Steinsaltz wollte nach eigenen Angaben ein Werk schaffen, mit dem auch Anfänger auf der geringsten Wissensstufe zurechtkommen. Damit holte er nach Einschätzung des amerikanischen Soziologieprofessors Samuel Heilman den Talmud aus der Exklusivität der Jeschivot. Auch den weniger bekannten Jerusalemer Talmud übersetzte er. Der Gelehrte beteiligte sich zudem an dem Projekt „929“, bei dem Juden nach einem bestimmten Plan binnen dreieinhalb Jahren die Hebräische Bibel durchlesen.

Steinsaltz schrieb aber auch Bücher zu anderen Themen, etwa Philosophie oder Zoologie. Er erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1988 den Israel-Preis für Jüdische Studien. Im Jahr 2012 wurde ihm der neu geschaffene Verdienstorden des israelischen Staatspräsidenten verliehen –  für seinen Beitrag zu jüdischer Kultur und Bildung.

Israelische Politiker würdigen Steinsaltz

Präsident Reuven Rivlin würdigte den Verstorbenen am Freitag als „Mann von großem geistigen Mut, tiefer Kenntnis und einem tiefen Denken, der den Talmud dem Volk Israel in einem klaren und zugänglichen Hebräisch und Englisch nahebrachte – wie ein moderner Raschi“. Damit nahm das Staatsoberhaupt Bezug auf den Talmudkommentator Rabbi Mosche Ben Jitzchak, der im 11. Jahrhundert unter anderem in Worms wirkte.

Premierminister Benjamin Netanjahu beschrieb in seinem Nachruf die Vorträge, die er von dem Rabbiner gehört hatte: „Es waren keine Lehrstunden im konventionellen Sinn, sondern geistig erbauliche Gespräche, die die gesamte Welt umfassten – Tanach (Hebräische Bibel), die Weisheit unserer Weisen, Geschichte, Philosophie, Kultur, Linguistik und anderes.“ Seine Bücher seien voller Weisheit, Kenntnis, Nachsinnen und Glaube gewesen.

Am Sonntag wurde Rabbiner Steinsaltz auf dem Friedhof am Ölberg beigesetzt. Viele Anhänger der Chabad-Bewegung, zu der er gehörte, begleiteten ihn auf dem letzten irdischen Wege. Chabad Lubawitsch will weltweit das Judentum fördern. Diesem Ziel hat der verstorbene Gelehrte sein Leben gewidmet.

Von: eh

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Mon, 10 Aug 2020 14:20:00 +0200
<![CDATA[Gantz: Nasrallah ist das größte Problem des Libanon]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/10/gantz-nasrallah-ist-das-groesste-problem-des-libanon/ BEIRUT / JERUSALEM (inn) – Für den israelischen Verteidigungsminister Benny Gantz stellt Hisbollah-Generalsekretär Hassan Nasrallah das größte Problem des Libanons dar. Der Blau-Weiß-Chef verwies damit am Montag vor dem Knesset-Verteidigungsausschuss auf die Gefahr von gelagerter Munition im Südlibanon.

Wie der Ersatzpremier ausführte, gebe es in einigen Häusern im nördlichen Nachbarland neben dem Gästezimmer auch einen Lagerraum für Raketen – dies sei ein „Fakt“. Mit Blick auf die Explosion in Beirut sagte er: „Stellen Sie sich vor, was passieren würden, wenn sich das mit iranischen Waffen in libanesischen Dörfern wiederholt. Wir haben es mit Feinden zu tun, die in einer zivilen Umgebung Waffen lagern und Operationen ausführen. Wenn wir keine Wahl haben als zu kämpfen, könnte das schwierige Folgen haben.“

Nasrallah selbst wies am Freitag Vorwürfe zurück, die Hisbollah habe im Hafen von Beirut Waffen oder das explodierte Ammoniumnitrat gelagert. Am Freitag sagte zudem der libanesische Präsident Michel Aun, die genaue Ursache der Explosion sei noch nicht bekannt. Eine Bombe oder eine Rakete schloss er dabei nicht aus.

Reformen gefordert

Unterdessen haben am Sonntag 28 Länder und zusätzliche Staaten- und Hilfsorganisationen rund 250 Millionen Euro an Hilfen für den Libanon zugesagt. Die Geberkonferenz organisierte der französische Präsident Emanuel Macron zusammen mit UN-Generalsekretär António Guteres. Deutschland beteiligt sich mit 20 Millionen Euro. Für weitere Hilfen verlangten die Beteiligten Reformen, wie sie das libanesische Volk derzeit fordert, teilte das französische Präsidialamt mit. Experten schätzen den Gesamtschaden auf 15 Milliarden US-Dollar.

Der libanesische Premier Hassan Diab hat seinem Kabinett am Samstag Neuwahlen vorgeschlagen. Drei Minister seiner Regierung sind bereits zurückgetreten. Zuletzt vollzog Justizministerin Marie-Claude Nadschm am Montag den Schritt. Zu den teils gewaltsamen Protesten sagte der Premier am Sonntag, die Menschen hätten „nach drei Jahrzehnten unglaublicher Korruption“ das Recht, wütend zu sein.

Nach gegenwärtigem Stand sind infolge der Explosion 158 Menschen gestorben, 6.000 wurden verletzt und 300.000 verloren ihre Unterkunft. Erst am Samstag erlag die dreijährige Alexandra Nadschar ihren Verletzungen. Im Fernsehen sagte ihr Vater an die Regierung gewandt: „Sie haben uns getötet in unserem eigenen Zuhause – ein Ort, von dem ich dachte, er würde meine Familie schützen, auch wenn in diesem Land Verbrechen geschehen und wir sonst nichts haben, dann wenigstens unser Zuhause, wo wir sicher sein könnten.“ In den Sozialen Medien wurden in großer Anteilnahme Fotos und Videos von dem Mädchen geteilt.

Synagoge mindestens beschädigt

Indes ist der Zustand der Magen-Abraham-Synagoge unklar. Das Gebäude liegt etwa 1,7 Kilometer vom Ort der Explosion entfernt und gilt als einzige Synagoge des Landes. In einem Bericht der „Jerusalem Post“ vom Samstag ist von kleineren Schäden die Rede. Die Nachrichtenseite „Arutz Scheva“ schrieb am Sonntag unter Berufung auf lokale Berichte von „irreparablen Schäden“.

Im Libanon leben nach Auskunft des Jüdischen Weltkongresses etwa 100 Juden. Wegen der politischen Lage könnten sie aber nicht ihre Religion ausüben. Nichtsdestotrotz wurde die Synagoge vor etwa zehn Jahren mithilfe privater Gelder und mit Erlaubnis der Regierung renoviert. Das 1925 errichtete Gebäude war im libanesischen Bürgerkrieg (1975–2000) beschädigt worden.

Von: df

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Mon, 10 Aug 2020 14:09:00 +0200
<![CDATA[Israelische Juweliere entwickeln die teuerste Schutzmaske der Welt]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/10/israelische-juweliere-entwickeln-die-teuerste-schutzmaske-der-welt/ Die israelische Juwelierfirma Yvel entwirft eine Corona-Schutzmaske aus 18-Karat-Gold. Sie ist mit 3.600 schwarzen und weißen Diamanten besetzt. Es handelt sich um eine Auftragsarbeit. Der Käufer ist ein chinesischer Geschäftsmann, der in den USA lebt. Er hatte gefordert, dass Yvel ihm die teuerste Maske der Welt entwickelt und diese bis Ende des Jahres fertig wird. Der Wert liegt bei 1,5 Millionen Dollar. Indes haben die Behörden in Israel insgesamt 83.540 Infektionen registriert, derzeit sind 23.998 aktive Fälle bekannt. 606 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.

Von: eh

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Mon, 10 Aug 2020 11:02:00 +0200
<![CDATA[„Die Bucht von Haifa ist eine tickende Zeitbombe“]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/10/die-bucht-von-haifa-ist-eine-tickende-zeitbombe/ Der Hafen von Haifa ist zwar nicht mit Beirut vergleichbar, dennoch gibt es keine Entwarnung. Zu diesem Schluss kommt der Umweltausschuss der Knesset nach einer Begutachtung am Sonntag. Die ohnehin geplante Tour wurde wegen der Explosion im Hafen von Beirut vorverlegt. Die Ausschuss-Vorsitzende Miki Haimovitsch (Blau-Weiß) verwies auf die große Zahl von Chemieanlagen in der Bucht von Haifa. Die Ansammlung von entzündlichem und explosivem Material sei eine „tickende Zeitbombe“. Die Regierung müsse daher so bald wie möglich dafür sorgen, dass entsprechende Industrien ihren Standort verlegen.

Von: df

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Mon, 10 Aug 2020 10:56:00 +0200
<![CDATA[Deutscher Zwiespalt – Irans Verstöße gegen den Atomdeal und ein endendes Embargo]]> https://www.israelnetz.com/israelnetz-tv/2020/08/07/deutscher-zwiespalt-irans-verstoesse-gegen-den-atomdeal-und-ein-endendes-embargo/ Fri, 07 Aug 2020 14:25:00 +0200 <![CDATA[Bruder von Abbas-Vertrautem von palästinensischen Sicherheitskräften erschossen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/07/bruder-von-abbas-vertrautem-von-palaestinensischen-sicherheitskraeften-erschossen/ RAMALLAH (inn) – Der Bruder des palästinensischen Beamten und engen Vertrauten von Präsident Mahmud Abbas, Hussein al-Scheich, ist am Mittwochabend in Ramallah erschossen worden. Vorausgegangen war eine Auseinandersetzung zwischen dessen Bruder, Chalil al-Scheich, und Beamten des Präventiven Sicherheitsdienstes. Krankenhausmitarbeiter bestätigten den Tod noch am Abend. Das schreibt die Zeitung „Times of Israel“.

Die Auseinandersetzung begann mit dem Streit zwischen einem Neffen von Chalil al-Scheich und einem nicht benannten Sicherheitsoffizier in El-Bireh, einem Vorort von Ramallah. Mit einer Gruppe bewaffneter Männer wollte Chalil al-Scheich seinem Neffen helfen. Daraufhin brach ein Schusswechsel aus, bei dem Chalil al-Scheich tödlich getroffen wurde.

Nach Informationen der „Times of Israel“ befindet sich der Schütze auf freiem Fuß. Ein Sprecher der palästinensischen Polizei kündigte eine Untersuchung an. Der Premierminister der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mohammed Schtaje, gab darüber hinaus die Bildung eines Untersuchungsausschusses bekannt.

Schüsse auf Regierungsgebäude

Nach dem Tod von Chalil al-Scheich marschierten bewaffnete Familienmitglieder durch Ramallah. Sie schossen auf mehrere Regierungsgebäude und auf das Hauptquartier des Amtes für Präventive Sicherheit. Während der Beerdigung am Donnerstag soll es erneut zu Schüssen in Ramallah gekommen sein. Unklar ist derweil, wem diese Schüsse gegolten haben.

Hussein al-Scheich bedauerte auf der Trauerfeier, dass sein Bruder nicht von israelischen Kugeln getötet wurde. Stattdessen habe ein Mangel an Einigkeit im „nationalen Gefüge“ zum Tod von Chalil al-Scheich geführt. Deshalb schmerze sein Herz.

Von: mas

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Fri, 07 Aug 2020 14:23:00 +0200
<![CDATA[Die Geister scheiden sich]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/07/die-geister-scheiden-sich/ BERLIN (inn) – Der offene Brief mit Kritik am deutschen Antisemitismus-Beauftragten Felix Klein bleibt im Gespräch. Der Publizist Arye Sharuz Shalicar wirft den Unterzeichnern vor, „Diffamierung, Falschbehauptung und Verschwörungstheorien“ zu verbreiten. In einem am Donnerstag erschienenen Interview der Wochenzeitung „Jüdische Allgemeine“ wies er die Behauptung zurück, die deutsche Regierung habe sein Buch mitfinanziert.

Im Zusammenhang mit ihren Äußerungen wirft Shalicar den Unterzeichnern Antisemitismus vor. Er begründet dies mit dem Umstand, dass die Verfasser vorgeben, es gehe ihnen um Frieden in Nahost; dabei kritisierten sie Israel, nicht aber die Hamas oder den Iran. Daher schlussfolgert Shalicar: „Diesen Leuten geht es darum, ihre Obsession mit Israel auszuleben.“ Seiner Beobachtung nach finden die israelischen Unterzeichner im eigenen Land kaum Gehör, „interessanterweise“ jedoch in Deutschland.

Klein: Jede Form von Antisemitismus bekämpfen

Auch Klein äußerte sich zur Kritik an seinem Wirken als Antisemitismus-Beauftragter. In einem Interview des „Redaktionsnetzwerks Deutschland“ verteidigte er den Ansatz, dass sich Antisemitismus auch in bestimmten Ansichten zu Israel äußert. Dies stimme mit der Antisemitismus-Definition der Internationalen Allianz zum Holocaustgedenken (IHRA) überein, die die Bundesregierung 2017 angenommen hat. „Diejenigen, die sich heute über mich beklagen, haben damals nichts dagegen gesagt.“

Grundsätzlich begrüße er es jedoch, dass eine Debatte um Antisemitismus entstanden ist. Auch den Verfassern des offenen Briefes gehe es darum, Antisemitismus zu bekämpfen. Über das Wie gebe es jedoch Streit. „Meine Strategie ist, dass wir keine Hierarchisierung einführen sollten im Kampf gegen Antisemitismus. Ob linker, rechter oder islamistischer Antisemitismus – ich halte jede Form für gefährlich, und auch den in der Mitte der Gesellschaft. Das alles benenne ich, dafür bin ich Beauftragter.“

Bereits in der vergangenen Woche hatte sich der Zentralrat der Juden in Deutschland hinter die Arbeit von Felix Klein gestellt. Auch die deutsch-jüdische Organisation WerteInitiative bekundete Unterstützung, ebenso wie die Deutsch-Israelische Gesellschaft (DIG); Letztere führt den Antisemitismus-Beauftragten der Bundesregierung als offiziellen Partner an.

Brumlik: Um Israelkritik streiten

Einer der Unterzeichner, der Pädagoge Micha Brumlik, sagte in einem am Montag erschienen Interview der „Frankfurter Rundschau“, er kenne „nur positive Reaktionen“, die die Verfasser auf den Brief erhalten hätten. Er selbst habe einige abfällige Mails erhalten, „aber als Antisemit hat mich noch niemand bezeichnet“.

Brumlik sagte in dem Gespräch, dass er nicht mit allen Punkten der Antisemitismus-Definition übereinstimme. Diese stuft es als antisemitisch ein, wenn Israel in bestimmten Punkten Vorwürfe gemacht werden und anderen Staaten nicht. „Wenn ich mich kritisch mit der israelischen Besatzungspolitik im Westjordanland auseinandersetze, muss ich nicht jedes Mal zugleich die Besatzungspolitik der chinesischen Regierung in Tibet kritisieren. Sonst kommt man nie zum Ende.“

Die Debatte um das Denken des kamerunischen Politikwissenschaftlers Achille Mbembe nimmt für Brumlik indes die Ausmaße des Historikerstreits in den 1980er Jahren an. Deren Ziel sei es, „dass sich die Gesellschaft genau überlegt, wo Israelkritik illegitim ist und wo nicht“. Mbembe hatte die israelische Besatzungspolitik mit postkolonialen Vebrechen verglichen und warf Israel Apartheid vor. Kritiker wie Klein monierten, Mbembe bediene damit antisemitische Klischees.

Von: df

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Fri, 07 Aug 2020 13:51:00 +0200
<![CDATA[Luftwaffe reagiert auf Brandballons aus dem Gazastreifen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2020/08/07/luftwaffe-reagiert-auf-brandballons-aus-dem-gazastreifen/ Terroristen aus dem Gazastreifen haben am Donnerstag mehrere Brandballons nach Israel fliegen lassen. Dabei ist an mindestens drei Stellen Buschfeuer im Niedergehölz ausgebrochen; andere Brände brachten Anwohner schnell unter Kontrolle. An einem Ballon war ein Sprengsatz angebracht. Er wurde im 80 Kilometer entfernten Arad gefunden. Die Polizei nahm eine kontrollierte Sprengung vor. Die israelische Luftwaffe reagierte auf die Ballons mit Angriffen auf mehrere Hamas-Anlagen im Gazastreifen, darunter eine Zementfabrik, die die islamistische Gruppe zum Bau von Terrortunneln nutzt.

Von: df

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Fri, 07 Aug 2020 11:32:00 +0200
<![CDATA[Talmud-Gelehrter Adin Steinsaltz mit 83 Jahren gestorben]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/wissenschaft/2020/08/07/talmud-gelehrter-adin-steinsaltz-mit-83-jahren-gestorben/ Der bedeutende Talmud-Gelehrte Adin Steinsaltz ist mit 83 Jahren gestorben. Er erlag am Freitag in einem Jerusalemer Krankenhaus einer Lungenentzündung. Steinsaltz übersetzte unter anderem den Talmud ins moderne Hebräisch. Dadurch erhielten zahlreiche Israelis einen leichteren Zugang zu dem in altem Hebräisch und Aramäisch verfassten Werk. 1965 gründete er mit der Regierung das Israelische Institut für Talmudische Veröffentlichungen. Der Gelehrte beteiligte sich auch an dem Projekt „929“, bei dem Juden nach einem bestimmten Plan binnen dreieinhalb Jahren die Hebräische Bibel durchlesen.

Von: eh

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Fri, 07 Aug 2020 11:27:00 +0200
<![CDATA[Proteste gegen libanesische Regierung]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/07/proteste-gegen-libanesische-regierung/ Nach der verheerenden Explosion in Beirut haben Dutzende Libanesen am Donnerstag vor dem Parlamentsgebäude den Rücktritt ihrer Regierung gefordert. Die Polizei ging mit Tränengas gegen die Demonstranten vor. Bei Zusammenstößen wurden nach Angaben der Nachrichtenagentur NNA sieben Menschen verwundet. Indes haben mindestens 58.000 Menschen eine Online-Petition unterzeichnet, die fordert, dass der Libanon für zehn Jahre wieder unter französisches Mandat gestellt wird. Präsident Emmanuel Macron besuchte das Land am Mittwoch und übte scharfe Kritik an der Korruption der libanesischen Regierung.

Von: eh

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Fri, 07 Aug 2020 11:20:00 +0200
<![CDATA[Impfstoff soll im Herbst an Menschen getestet werden]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/07/impfstoff-soll-im-herbst-an-menschen-getestet-werden/ Israel ist der Entwicklung eines Impfstoffes gegen das Coronavirus offenbar einen Schritt nähergekommen. Verteidigungsminister Benny Gantz sagte am Donnerstag, dass erste Tests an Menschen nach den Hohen Feiertagen Ende September stattfinden sollen. Premier Benjamin Netanjahu begrüßte die Ankündigung als „gute Nachricht, die uns Hoffnung geben kann“. In Israel haben sich binnen 24 Stunden bis Freitagmorgen 1.751 Menschen neu mit dem Coronavirus angesteckt. Insgesamt befinden sich 358 Menschen in einem „ernsten“ Zustand. Bislang sind 576 Israelis in Verbindung mit COVID-19 gestorben.

Von: mas

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Fri, 07 Aug 2020 11:15:00 +0200
<![CDATA[Mit Bibelversen zum Protest]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/07/mit-bibelversen-zum-protest/ JERUSALEM (inn) – In israelischen Medien wird immer wieder betont, dass die Demonstrationen der vergangenen Wochen eine Bewegung aus dem Volk seien – und nicht von einer Organisation angeführt. Einer Umfrage des Israelischen Demokratie-Institutes (IDI) zufolge identifizieren sich 45 Prozent der jüdischen Israelis mit der persönlichen Kritik an Benjamin Netanjahu. Dementsprechend thematisieren viele Schilder und Pappskulpturen die Korruptionsvorwürfe gegen den Regierungschef.

Inmitten des Schilderwaldes tauchen zudem Worte und Sätze auf, die aus der Hebräischen Bibel und der jüdischen Tradition stammen. Meist sind sie verkürzt und aus dem Kontext gerissen. Auch ist vielen von ihnen gemeinsam, dass sie sich mit ihrer Kritik direkt an Netanjahu wenden.

Sowohl auf Englisch als auch auf Hebräisch sind immer wieder Schilder zu sehen, auf denen der Appell des jüdischen Propheten Mose steht. Mit diesem wendete er sich an den Pharao, der das Volk Israel in Ägypten versklavte: „Lass mein Volk ziehen!“ (2. Mose 5,1–2).

Ein T-Shirt ist offenbar dutzendfach angefertigt worden: Mit weißen Buchstaben auf schwarzem Untergrund tragen die Protestler die Worte des Propheten Jesaja (1,21–23) auf der Brust: „Wie geht das zu, dass die treue Stadt zur Hure geworden ist? … Deine Fürsten sind Abtrünnige und Diebsgesellen, sie nehmen alle gern Geschenke an und trachten nach Gaben.“ Die „treue Stadt“ steht auch im Fokus eines anderen öfter zitierten Verses – Jesaja 1,27: „Zion muss durch Gericht erlöst werden“. Manche haben in Anlehnung an die israelische Nationalhymne den Liedvers „Noch ist unsere Hoffnung nicht verloren“ angefügt.

Aufruf zur Nächstenliebe

Der erste Teil des Kernsatzes des jüdischen Glaubensbekenntnisses aus 5. Mose 6,4–9 ist auf einzelnen Schildern aufgemalt: „Schma Israel, höre Israel!“. Dazu kommt oft der Satz „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst“. Er ist zum ersten Mal in 3. Mose 19,18 erwähnt und wird später in der jüdischen Tradition zum festen Prinzip.

Oren, ein Protestler aus Ramat Gan, hat Psalm 34,14 auf ein Schild gemalt: „Behüte deine Zunge vor Bösem und deine Lippen, dass sie nicht Trug reden“. Er sagt: „Ich bin es leid, belogen zu werden. Ich möchte, dass mich meine Regierung endlich ernstnimmt.“ Eine ähnliche Botschaft ist auf einem großen Transparent aufgemalt: „Der Räuber raubt“ (Jesaja 21,2).

Auch der Prophet Jeremia wird bemüht (Jeremia 8,15): „Wir hofften, es sollte Friede werden, aber es kommt nichts Gutes, wir hofften, wir sollten heil werden, aber siehe, es ist Schrecken da.“ Von einem, der an den Pariser Platz grenzenden Balkone weht ein Bettlaken mit der Aufschrift: „Tröstet, tröstet mein Volk!“ (Jesaja 40,1). Ein Vers, der an mehreren Stellen auftaucht, ist 5. Mose 16,20. Wofür die Hebräische Sprache drei Worte verwendet, übersetzt Luther: „Was recht ist, dem sollst du nachjagen“.

Inspiration durch Zehn Gebote

Ein Mittzwanziger hat zwei Pappschilder aufgestellt, die den Tafeln der Zehn Gebote nachempfunden sind. Darauf hat er zehn Aufforderungen an die Regierung geschrieben: „Du sollst dich nicht am Eigentum anderer bereichern. Du sollst ehrlich sein. Du sollst nicht …“.

Die Bibelverse sind der kleinere Teil, der unter den Schildern zu finden ist – doch allein die Tatsache, dass Verse, die mehrere Tausend Jahre alt sind, prominent durch die Massen der Protestler getragen werden, ist bemerkenswert.

Der Großteil der Schilder wendet sich ohne Umschweife an Israels Premierminister Benjamin Netanjahu: „Genug“, „Tritt endlich zurück“, „Du hast versagt“, „Geh endlich in Kurzarbeit“ – diese Schilder gehören zu den netteren Forderungen. Neben Beleidigungen Netanjahus und Sprüchen unter der Gürtellinie gibt es zahlreiche Wortspiele mit dem Spitznamen Bibi.

Angelehnt an bekannte jüdische Traditionstexte steht auf einem Schild: „Höre unsere Schreie und vergrößere unsere Liebe, dass Gerechtigkeit und Wohlstand in unserem Lande wohnen. Amen.“ Viele Transparente enthalten einen Text, der vor allem zum Lichterfest Chanukka gesungen wird: „Wir sind gekommen, um die Dunkelheit zu vertreiben.“ Manchmal flammt diese Zeile auch als Lied unter den Demonstranten auf, andere schreiben: „Wir sind gekommen, um die Korruption zu vertreiben“. Mit der Zerstörung des Ersten Salomonischen Tempels um 586 vor der gängigen Zeitrechnung ist der Ausdruck „grundloser Hass“ verbunden. In Anlehnung daran findet sich auf den Schildern häufig die „grundlose Liebe“ wieder. Frauen gehen umher und verteilen lächelnd Rosen unter den Demonstranten und an die Polizisten.

Typische Einteilung von links und rechts greift nicht

„Die meisten Demonstranten dürften die Anspielungen der biblischen Texte allerdings gar nicht verstehen“, ist Idan überzeugt. Der politische Berater arbeitet in der kanadischen Botschaft in Tel Aviv. „Eigentlich bin ich nur gekommen, um mir selbst ein Bild zu machen, von dem, was wir in den vergangenen Wochen aus Jerusalem in den Nachrichten hören. Es ist interessant, die Leute hier zu sehen: Es sind viele gut situierte Menschen, viele junge Leute, die Tendenz ist leicht linkspolitisch, im Grunde mischt sich hier aber alles durch, die typische Einteilung links versus rechts greift hier nicht“, analysiert der Mittdreißiger die Protestler, zwischen denen er umhergeht.

Der IDI-Umfrage zufolge identifizieren sich 58 Prozent der Israelis mit den Protesten gegen die Wirtschaftsmaßnahmen der Regierung während der Corona-Pandemie.

Der Demonstrationsbesuch hält für Idan eine weitere Überraschung bereit. Um 23.30 Uhr sagt er: „Interessant, wie friedlich es hier zugeht. Die Polizei steht neben den Demonstranten und schreitet nicht ein. Nach den Medienberichten der vergangenen Wochen hatte ich mir das hier alles gewalttätiger vorgestellt.“ Ab 23 Uhr sind die Proteste illegal. Die Polizei gibt über Lautsprecher zu verstehen, dass die Protestler nach Hause gehen sollen. Und greift meist erst weit nach Mitternacht durch, sodass es zu Auseinandersetzungen zwischen ihnen und einzelnen Demonstranten kommt.

Neue Form des Nachtlebens

Für manche Jerusalemer Bewohner scheint es inzwischen zur Wochenroutine zu gehören: Dienstag-, Donnerstag- und Samstagabend in die Stadt zum Pariser Platz vor der Balfourstraße zu gehen, wo die Residenz des Premierministers ist. Der, so erzählen sich die Bewohner, hört den lauten Lärmpegel nicht mehr: „Wenn die Demonstrationen anstehen, lassen er und seine Familie sich an einen ruhigen Ort fahren.“ Im Gegensatz zu Netanjahus Nachbarn. Die sehen sich dem permanenten Lärm der vergangenen Wochen hilflos ausgeliefert.

„Die Proteste sind inzwischen eine Form des Nachtlebens, ganz anders, als wir es bisher gewohnt waren“, kommentiert ein Soziologe in den sozialen Medien. „Inzwischen geht es doch gar nicht mehr um echten Protest! Wenn wir ehrlich sind, nutzen wir die Demonstrationen, um uns mit unseren Freunden zu treffen.“ Welche Worte wohl Jesaja für dieses Verhalten gewählt hätte?

Von: mh

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Fri, 07 Aug 2020 11:09:00 +0200
<![CDATA[Solidarität mit Libanesen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/06/solidaritaet-mit-libanesen/ BEIRUT (inn) – Aufgrund der verheerenden Explosion hat das libanesische Kabinett am Mittwoch einen zweiwöchigen Notstand für die Hauptstadt Beirut ausgerufen. Die Verantwortung für die Sicherheit wurde an das Militär übergeben. Derzeit wissen die Behörden von 135 Todesopfern und rund 5.000 Verletzten. Unter den Toten ist auch eine Mitarbeiterin der deutschen Botschaft, wie das Auswärtige Amt in Berlin mitteilte. Die Ursache für das Unglück am Hafen wird noch untersucht.

Der für Beirut zuständige Gouverneur Marwan Abbud gab gemäß dem Nachrichtensender „Al-Dschasira“ bekannt, dass bis zu 300.000 Menschen ohne Obdach seien. Die Behörden versorgten sie mit Lebensmitteln, Wasser und einer Unterkunft. Doch auch viele Privatpersonen sind hilfsbereit: Unter dem englischen und arabischen Hashtag #OurHomesAreOpen (Unsere Häuser sind offen) bieten in den sozialen Medien Hunderte Libanesen freie Betten für die Obdachlosen an. Dabei liefern sie auch Informationen zu Größe und Art der Unterkunft.

Libanon will israelische Hilfe nicht annehmen

Trotz der Notlage nach der Explosion im Hafen von Beirut und obgleich die Hospitäler überfordert sind, lehnt der Libanon indes jede Hilfe aus Israel ab. Jetzt wollen die Israelis Medikamente und andere Hilfsgüter über die UNO und andere Länder nach Beirut leiten, berichtet der israelische Rundfunk. Auf den Kisten sollen jedoch hebräische Buchstaben stehen, damit die Empfänger wissen, woher die Hilfe kommt. Ebenso wird erwogen, wenigstens Ausländer unter den Verletzten in israelischen Krankenhäusern aufzunehmen. Ferner will Israel ein medizinisches Team nach Zypern entsenden, das sich um Libanesen kümmern soll, die dorthin evakuiert werden.

Doch es gibt auch kritische Stimmen und sogar Schadenfreude aus Israel. Der Anführer der rechtslibertären Sehut-Partei, Mosche Feiglin, twitterte: „Froh, dass es Beirut war und nicht Tel Aviv“. Seine Partei ist nicht in der Knesset vertreten.

Solidarität aus Tel Aviv und Ramallah

Tel Aviv selbst zeigte sich am Mittwochabend solidarisch mit den Opfern. Bürgermeister Ron Huldai (Avoda) schrieb dazu auf Twitter: „Das Rathausgebäude ist heute Abend mit der libanesischen Flagge angestrahlt. Menschlichkeit ist wichtiger als jeder Konflikt, und unsere Herzen wenden sich angesichts des katastrophalen Ereignisses unseren libanesischen Nachbarn zu.“ Jerusalem-Minister Rafi Peretz (HaBeit HaJehudi) betonte in einem kritischen Tweet: „Es ist möglich und notwendig, Zivilisten, die im Libanon verwundet wurden, humanitäre Hilfe zukommen zu lassen. Aber eine libanesische Flagge im Herzen von Tel Aviv zu hissen, ist moralische Verwirrung.“

Solidaritätsbekundungen gibt es derweil auch bei den Palästinensern: Der Hauptsitz der Palästinensischen Rundfunkanstalt (PBC) in Ramallah war am Mittwochabend ebenfalls mit einer libanesischen Flagge angestrahlt. Daneben fand sich der Schriftzug: „Von Palästina an den Libanon, unsere Herzen sind mit Euch“. Präsident Mahmud Abbas telefonierte indes mit dem libanesischen Staatspräsidenten Michel Aun und drückte ihm sein Beileid aus. Zudem rief er einen Trauertag aus.

Von: eh / uws

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Thu, 06 Aug 2020 14:04:00 +0200
<![CDATA[Beschränkungen im Flugverkehr sollen gelockert werden]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/06/beschraenkungen-im-flugverkehr-sollen-gelockert-werden/ JERUSALEM (inn) – Nach einer mehr als vierstündigen Sitzung am Mittwochabend hat das israelische Corona-Kabinett mehrere Lockerungen der Beschränkungen beschlossen. Ab dem 16. August sollen die strengen Richtlinien im Flugbetrieb teilweise aufgehoben werden. Israelis, die aus Ländern mit einer geringen Infektionsrate einreisen, müssen sich demnach nicht mehr in 14-tägige Quarantäne begeben.

Das Corona-Kabinett beauftragte Verkehrsministerin Miri Regev, Gesundheitsminister Juli Edelstein und Außenminister Gabi Aschkenasi mit der Ausarbeitung eines ausführlichen Konzeptes. Das schreibt das Wirtschaftsmagazin „Globes“. Unklar ist derweil, welche Länder die Anforderung einer niedrigen Infektionsrate erfüllen und ob Passinhaber dieser Länder ebenfalls ohne Selbstisolation nach Israel einreisen dürfen.

Tourismusminister Assaf Samir bezeichnete den Beschluss als „wichtige Nachrichten für den Luftfahrtsektor. Die Öffnung des Luftraums ist ein notwendiger Schritt zur Erholung der israelischen Wirtschaft und der Tourismusindustrie. Ich begrüße diese Entscheidung, die vielen Hoffnung für die Zukunft gibt.“

Darüber hinaus beschloss das Kabinett, Beschränkungen für das Wochenende zu lockern. Am Samstag dürfen demnach Geschäfte öffnen. Außerdem können Spielplätze ohne Einschränkungen genutzt werden.

Chassidische Hochzeitsfeier ohne Abstand

Tausende Menschen der Belzer Gemeinschaft haben parallel zur Kabinettssitzung am Mittwochabend in Jerusalem eine Hochzeit gefeiert. Unklar ist, ob die Feier in geschlossenen Räumen oder im Freien stattfand. Für beide Varianten gibt es jedoch strenge Richtlinien von maximal zehn, beziehungsweise 20 erlaubten Personen. Wie der Fernsehsender „Kanal 12“ berichtet, seien weder Abstände eingehalten, noch Mund-Nasen-Schutz getragen worden. Der Leiter der ultra-orthodoxen Gruppe, Rabbiner Jissachar Dov Rokeach, missachtete bereits in den vergangenen Wochen die staatlichen Corona-Einschränkungen und hielt große Gebetsversammlungen ab.

In Israel haben sich binnen 24 Stunden bis Donnerstagmorgen 1.689 Menschen neu mit dem Coronavirus angesteckt. Insgesamt befinden sich 345 Menschen in einem „ernsten“ Zustand. Bislang sind 569 Israelis in Verbindung mit COVID-19 gestorben.

Von: mas

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Thu, 06 Aug 2020 13:15:00 +0200
<![CDATA[Universität Manchester boykottiert Caterpillar]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/wissenschaft/2020/08/06/universitaet-manchester-boykottiert-caterpillar/ Die Universität Manchester hat Firmen, die sich „an der israelischen Besatzung mitschuldig machen“, umgerechnet rund 11 Millionen Euro entzogen. Sie beendete unter anderem ihre Zusammenarbeit mit dem Unternehmen Caterpillar. Es lieferte jahrelang schwere Geräte, mit denen palästinensische Häuser abgerissen wurden. Im vergangenen Jahr hatten Aktivisten in einer Sitzung des Aufsichtsrates ein Ende der Investitionen in Caterpillar gefordert. Auch die anti-israelische Boykottbewegung BDS beteiligte sich an Protesten gegen die Zusammenarbeit mit Caterpillar und anderen.

Von: eh

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Thu, 06 Aug 2020 11:21:00 +0200
<![CDATA[Nachrichten vom 06. August 2020]]> https://www.israelnetz.com/israelnetz-tv/2020/08/06/nachrichten-vom-06-august-2020/ Thu, 06 Aug 2020 11:13:00 +0200 <![CDATA[Israelisches Start-up „Fiverr“ übertrifft Erwartungen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/wirtschaft/2020/08/06/israelisches-start-up-fiverr-uebertrifft-erwartungen/ Ein Gewinner der Corona-Krise ist das israelische Start-up „Fiverr“. 15 Monate nach dem Börsengang wird das Unternehmen auf einen Wert von 3,1 Milliarden Euro geschätzt. „Wir haben ein hervorragendes Quartalsergebnis erzielt, da unsere starken Leistungen inmitten der Covid-19-Pandemie zu einem Wachstum des Umsatzes von 82 Prozent geführt haben", erklärt Gründer Micha Kaufman. „Fiverr“ verbindet Freiberufler weltweit mit potentiellen Kunden und profitiert so vor allem vom Trend des Homeoffice. Seit der Gründung 2010 hat „Fiverr“ mehr als 50 Millionen Dienstleistungen abgewickelt.

Von: mas

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Thu, 06 Aug 2020 11:05:00 +0200
<![CDATA[Zwischen Höhepunkten und Tiefschlägen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/06/zwischen-hoehepunkten-und-tiefschlaegen/ Als Ron Prosor 2015 das Amt des israelischen UN-Botschafters abgab, sagte er im Fernsehen mit Blick auf die anti-israelischen Tendenzen der Weltorganisation: „Manchmal habe ich mich gefühlt, als ob ich in der Spielshow 1 gegen 100 bin“. Seinem Nachfolger Danny Danon dürfte es nicht viel anders gegangen sein. Fünf Jahre hatte der heute 49-Jährige einen der wohl wichtigsten diplomatischen Posten des jüdischen Staates bekleidet. Mehrmals wurde seine Amtszeit wegen des politischen Durcheinanders in der Heimat verlängert. Inzwischen hat er seinen Posten tatsächlich abgegeben.

Danon hat in seiner Amtszeit große Gegensätze mitgemacht. In die erste Hälfte fiel die Abkühlung der Beziehungen zur US-Regierung unter Barack Obama nach Abschluss des Iran-Atomdeals. Geradezu eisekalt wurde es, als die USA eine Anti-Israel-Resolution kurz vor Ende der Obama-Präsidentschaft passieren ließen. „Beschämend“ sei das gewesen, sagte Danon im vergangenen Jahr der Onlinezeitung „Times of Israel“.

Wandel registriert

Auf Obama folgte Donald Trump mit seiner äußerst pro-israelischen Botschafterin Nikki Haley. Das Ergebnis: Danon kann jetzt von sich behaupten, Israel auf der internationalen Bühne vertreten zu haben, als die Vereinigten Staaten Jerusalem als Hauptstadt und die Golanhöhen als Teil Israels anerkannten und damit einem historischen Schritt gleich den nächsten folgen ließen. Hinzu kamen der gemeinschaftliche Austritt Israels und der USA aus der UN-Kulturorganisation UNESCO sowie im Fall der USA auch aus dem UN-Menschenrechtsrat – und die Aufkündigung des von Israel immer wieder scharf kritisierten Iran-Atomdeals durch die Vereinigten Staaten.

Auch innerhalb der UN-Strukturen registrierte Danon positive Veränderungen. „Ich weiß nicht, ob man von einer Balance sprechen kann, aber es hat definitiv einen Wandel gegeben“, erklärte er einmal gegenüber dem Nachrichtenportal „Arutz Scheva“. Im Dezember 2015 erkannte die Staatenorganisation – kurz nach Danons Amtsantritt – erstmals einen jüdischen Feiertag als offiziellen UN-Feiertag an: Jom Kippur. Und 2016 wurde mit Danon erstmals in der Geschichte der Organisation ein israelischer Vertreter zum Vorsitzenden eines ständigen UN-Komitees gewählt. Gegenüber dem „Jewish News Syndicate“ (JNS) bezeichnete Danon das als den größten Erfolg seiner Amtszeit. Dabei hatten Kritiker mit der Ernennung des „Hardliners“ eher eine zunehmende Isolation Israels befürchtet.

„Niemand kann diese Geschichte ändern!“

In den israelischen Medien war Danon aufgrund seiner Auftritte auf diplomatischer Bühne sehr präsent. Gleich in seinem ersten Statement vor dem UN-Sicherheitsrat hatte er deutlich gemacht, dass er Konfrontationen nicht scheuen würde. Eine „heilige Pflicht“ sei es, das Volk Israel vor den Nationen der Welt zu repräsentieren, gab sich Danon in seinem etwas gewöhnungsbedürftigen, dafür aber auch charakteristischen israelisch-englischen Akzent kämpferisch. Seine Erklärung beendete er mit einem Zitat aus der Bibel: „Der Herr wird seinem Volk Kraft geben; der Herr wird sein Volk mit Frieden segnen.“ (Psalm 29,11)

Auch sonst spielte die Bibel während Danons Amtszeit eine ziemlich wichtige Rolle. Zuletzt zeigte er dem Sicherheitsrat im April – mit Kippa auf dem Kopf – eine Bibel als Ausweis des jüdischen Anspruchs auf das Land. Auch 2016 hatte Danon mit der Bibel argumentiert, die 3.000 Jahre jüdischer Geschichte beinhalte: „Niemand kann diese Geschichte ändern!“

Rückkehr in die Innenpolitik?

Den Posten Danons nimmt nun Gilad Erdan ein, der zuletzt als Sicherheitsminister in Benjamin Netanjahus Kabinett tätig war. Erdan war in der Vergangenheit auch schon für das Strategie-Ressort tätig und hat so bereits Erfahrungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit sammeln können. Er wird bald auch das Amt des Botschafters in den USA übernehmen. Israelische Medien glauben, dass sich Netanjahu so einen potentiellen politischen Konkurrenten vom Leib halten will. Dasselbe hatten sie schon vor fünf Jahren mit Blick auf Danon vermutet.

Danon, dreifacher Familienvater und einstiger Knessetabgeordneter, der schon einmal gegen Premier Netanjahu für das Amt des Likud-Chefes kandidiert hat, will schon bald auf die innenpolitische Bühne zurückkehren. Mit Blick auf die ihm als Botschafter in der Vergangenheit auferlegte Zurückhaltung gibt er sich gegenüber JNS sogar ein wenig erleichtert: „Auch wenn ich es hinbekommen habe: Es fiel mir schwer, mich an das diplomatische Protokoll zu halten.“

Von: Sandro Serafin

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Thu, 06 Aug 2020 09:56:00 +0200
<![CDATA[Israel darf künftig auf Satelliten-Bildern scharf gezeigt werden]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2020/08/05/israel-darf-kuenftig-auf-satelliten-bildern-scharf-gezeigt-werden/ JERUSALEM (inn) – Nach einer Gesetzesänderung dürfen US-Unternehmen Satellitenbilder von Israel künftig mit einer besseren Auflösung zeigen. Das berichtet das Nachrichtenportal „heise online“. Damit verliert ein mehr als 25-jähriges Verbot seine Gültigkeit. Bisher durften ausschließlich Aufnahmen mit einer Auflösung von zwei Meter pro Pixel veröffentlicht werden – diese wirken für den Betrachter unscharf.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton machte sich in den 90er Jahren für eine Veröffentlichung und für die kommerzielle Nutzung von Satellitenaufnahmen stark. Israel sah dadurch jedoch seine sicherheitspolitischen Interessen gefährdet und konnte erfolgreich eine Ausnahme durchsetzen. Eine solche Sonderregelung, die 1997 im Kyl-Bingaman-Amendment festgehalten wurde, gab es für kein anderes Land.

Damals wurde gesetzlich verankert, dass US-Unternehmen Satellitenbilder von Israel nicht veröffentlichen dürfen, wenn diese präziser als die von anderen internationalen Quellen sind. Die Zwei-Meter-pro-Pixel-Richtlinie hat sich seitdem als Maßstab festgesetzt, obwohl seit den vergangenen Jahren viel detailliertere Satellitenaufnahmen von Israel existierten. Mittlerweile sind Bilder in einer Auflösung von 0,4 Meter pro Pixel aus kommerziellen Quellen erhältlich, schreibt die amerikanische Ozean- und Atmosphärenbehörde NOAA in einer Erklärung.

Israel sorgt sich um Sicherheit

Kritik an der Gesetzesänderung äußerte der Leiter der Raumfahrtbehörde im israelischen Verteidigungsministerium, Amnon Harari. Er vermute, dass die USA den internationalen Wettbewerb um kommerzielle US-Satelliten erleichtern wollten und kündigte eine Überprüfung an, berichtet die Nachrichtenagentur „Reuters“. „Wir würden es immer vorziehen, mit der niedrigstmöglichen Auflösung fotografiert zu werden. Es ist immer vorzuziehen, verschwommen gesehen zu werden, statt präzise“, sagte Harari.

Laut „Reuters“ befürchtet Israel, dass die Hisbollah und die Hamas die schärferen Aufnahmen nutzen, um Raketenangriffe auf die zivile und militärische Infrastruktur zu planen. Ebenso sei der israelische Siedlungsbau für die Weltöffentlichkeit besser zu sehen.

Von: mas

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Wed, 05 Aug 2020 14:19:00 +0200
<![CDATA[Jerusalem entfernt öffentliche Telefone]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/05/jerusalem-entfernt-oeffentliche-telefone/ Die Stadt Jerusalem will die letzten 360 öffentlichen Telefone entfernen. Sie würden nicht mehr gewartet und bildeten deshalb ein Ärgernis im Stadtbild, hieß es unlängst nach einer Sitzung von Bürgermeister Mosche Lion und dem Vorstandsvorsitzenden der Telekommunikationsgesellschaft Besek, Dudu Misrahi. „Die Entfernung der öffentlichen Telefone ist ein weiterer Teil des Planes, das Erscheinungsbild der Stadt zu verbessern“, sagte Lion. Die Telefone wurden in den 1960er Jahren eingeführt. Anfangs gab es spezielle Telefonmünzen, später stieg Besek auf Karten um.

Von: eh

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Wed, 05 Aug 2020 13:51:00 +0200
<![CDATA[Israel bietet dem Libanon Hilfe an]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/05/israel-bietet-dem-libanon-hilfe-an/ BEIRUT / JERUSALEM (inn) – Nach der verheerenden Explosion in Beirut am Dienstag hat Israel seine Hilfe angeboten. Das Außenministerium teilte noch am Abend mit, es habe zu diesem Zweck auf geheime und internationale Kanäle zurückgegriffen. Israel und der Libanon haben keine diplomatischen Beziehungen und befinden sich offiziell im Kriegszustand.

Der israelische Premier Benjamin Netanjahu genehmigte nach eigenen Angaben medizinische und humanitäre Hilfen für den Nachbarstaat. Der Vorsitzende des Nationalen Sicherheitsrates, Meir Ben-Schabbat, soll auf Anweisung Netanjahus mit dem UN-Gesandten für Nahost-Verhandlungen Nickolay Mladenov klären, wie Israel darüber hinaus helfen kann.

Staatspräsident Reuven Rivlin bekundete am Abend auf Twitter sein Beileid: „Wir teilen den Schmerz des libanesischen Volkes und wenden ihm uns aufrichtig zu, um unsere Hilfe in dieser schwierigen Zeit anzubieten.“ Am Mittwoch schloss sich Netanjahu den Beileidsbekundungen an. In einem Tweet auf Arabisch bekräftigte er den Willen der israelischen Regierung, dem Libanon Unterstützung zukommen zu lassen.

Irritierender Tweet

Für Stirnrunzeln sorgte indes ein Tweet des Ko-Vorsitzenden der in Berlin ansässigen, nach eigener Darstellung „paneuropäischen“ Denkfabrik „European Council on Foreign Relations“ (ECFR). Der frühere schwedische Premier Carl Bildt schrieb, „sogar“ Israel habe zügig Hilfe angeboten.

Die israelische Abgeordnete Orit Farkasch Hacohen (Blau-Weiß) schrieb als Reaktion auf den Tweet, Israel biete regelmäßig Hilfe an. Sie listete einige Beispiele auf, darunter die Hilfen für Syrer. Der „Amerikanisch-Jüdische Ausschuss“ (AJC) forderte von Bildt eine Entschuldigung. „Müssen wir Sie daran erinnnern, dass es der Libanon ist, der Israels Existenz ablehnt?“, schrieb die Organisation dazu. Eine Anfrage von Israelnetz, wie das „sogar“ zu verstehen sei, blieb bislang unbeantwortet.

Mutmaßungen über Ursache

Laut Mitteilung des libanesischen Roten Kreuzes vom Mittwochmorgen sind mehr als 100 Menschen durch die Explosion getötet worden. Mehr als 4.000 seien verwundet. Das Hilfswerk rechne mit weiteren Opfern, sagte der Sprecher George Kettaneh laut der Nachrichtenseite „Times of Israel“. „Unsere Teams führen noch immer Such- und Bergungsaktionen durch.“

Unterdessen gehen Politiker und Experten der Frage nach dem Auslöser der Explosion nach. Der libanesische Präsident Michel Aun twitterte, es sei „inakzeptabel“, dass in dem Gebäude 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat unsicher gelagert waren. Der Stoff wird unter anderem für die Herstellung von Dünger verwendet, aber auch für Sprengstoff, etwa in militärischen Raketen.

US-Präsident Donald Trump sprach unter Berufung auf amerikanische Militärs von einem Angriff durch eine Bombe. Der israelische Journalist Ronen Bergman verbreitete die Vermutung, die libanesische Terrormiliz Hisbollah habe das explodierte Gebäude für die Lagerung von Raketenteilen genutzt. Er berief sich auf eine „hochrangige israelische Quelle“ und ergänzte: „Wenn dem so ist, könnte der Vorfall die Hisbollah und (Hisbollah-Chef Hassan) Nasrallah im Libanon schwer beschädigen.“

Sorge um Haifa

Der Vorfall lässt an die Drohungen von Nasrallah aus den vergangenen Jahren denken. Im Februar 2016 sagte er etwa, Israel könne durch Beschuss der inzwischen geschlossenen Ammoniak-Lagertanks in der Küstenstadt Haifa besiegt werden. Ein solcher Angriff wäre mit einem Nuklearschlag vergleichbar. Tatsächlich galt der Tank, in dem 12.000 Tonnen des Stoffes lagerten, in Israel als Sicherheitsrisiko. Im Jahr 2017 untersagte ein Gericht den weiteren Betrieb.

Die israelische Umweltministerin Gila Gamliel (Likud) fordert unter dem Eindruck der Explosion in Beirut jedoch weitere Maßnahmen für die Küstenstadt. „Wir müssen gefährliche Chemikalien aus der Bucht von Haifa entfernen“, sagte sie am Mittwochmorgen. Dies müsse innerhalb von fünf Jahren geschehen, weitere fünf Jahre seien für die Reinigung nötig.

Sicherheitsexperten warnen seit Jahren, dass Haifa wegen seiner Ansammlung an Lagerstätten für gefährliche chemische Stoffe in der Nähe von Wohngegenden ein Sicherheitsrisiko darstellt. Das städtische Zentrum für Umweltforschung drängt daher darauf, Industrieeinrichtungen mit entzündlichen und explosiven Materialien zu schließen. So befinde sich eine Fabrik zur Herstellung von Dünger mit einem Ammoniak-Lager von 15 Tonnen in der Nähe des Stadtzentrums.

Von: df

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Wed, 05 Aug 2020 13:03:00 +0200
<![CDATA[Israelis befürchten Aushöhlung der Demokratie]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/05/israelis-befuerchten-aushoehlung-der-demokratie/ JERUSALEM (inn) – Israelis rechnen eher mit dem Fortbestand der nationalen Sicherheit als mit dem demokratischen Regierungssystem. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Israelischen Demokratie-Institutes (IDI) hervor. Dabei ging es auch um die Demonstrationen gegen Premierminister Benjamin Netanjahu und die Auswirkungen der Corona-Krise.

Von den Teilnehmern sagten 59 Prozent, sie seien optimistisch in Bezug auf die nationale Sicherheit. Im April traf dies auf 70 Prozent zu, vor einem Jahr waren es 47 Prozent. Mit Blick auf die Zukunft der demokratischen Regierungsform in Israel sind nur 38 Prozent zuversichtlich. Im April hatte dieser Anteil noch 45,5 Prozent betragen, im Juli 2019 lag er bei 47 Prozent. Die Israelis fühlten sich relativ sicher gegen äußere Bedrohungen, aber unsicher gegen innere, folgert das Institut.

Identifikation mit Demonstranten

Eine weitere Frage bezog sich auf die Proteste gegen die Finanzpolitik der Regierung in der Corona-Krise und gegen Premier Netanjahu. Die befragten Juden sollten angeben, mit welchem der beiden Themen sie sich identifizieren. 58 Prozent nannten die Finanzpolitik, 45 Prozent die Korruption. Für 88 Prozent der Anhänger der Regierungspartei Blau-Weiß ist der Korruptionsskandal ein wichtiges Thema, bei den Likud-Wählern sind es 17 Prozent.

Den Umgang der Polizei mit den Demonstranten empfinden 46,5 Prozent der Teilnehmer als zu hart. 25 Prozent halten das Vorgehen für angemessen, und 23 Prozent finden es zu lasch.

Die Befragten konnten auch Noten für Netanjahus Amtsausübung vergeben – in vier Bereichen. Bei der Sicherheitspolitik schneidet der Regierungschef mit 56 Prozent Zustimmung am besten ab. Seine Regierungsführung bewerteten 30 Prozent der Teilnehmer als gut. Beim ethisch-persönlichen Faktor waren es 26 Prozent und beim Umgang mit der Corona-Krise 25 Prozent. Die Sicherheitspolitik halten 59 Prozent der Juden und 39 der Araber für gut oder sehr gut. Im ethisch-persönlichen Bereich gaben 27 Prozent der Juden und 18 Prozent der Araber Netanjahu eine gute Note.

Die Umfrage befasste sich zudem mit der immer wieder geäußerten Forderung, es müsse noch in diesem Jahr vorgezogene Neuwahlen geben. Dem stimmten 25 Prozent der befragten Juden und 43 Prozent der Araber zu.

Corona verändert das Leben

Ein weiteres Thema waren die Veränderungen im Privatleben durch Corona. Hier gaben 73 Prozent der Teilnehmer an, durch die Krise habe sich ihre Freizeitgestaltung verändert. 68 Prozent nannten ihre Treffen mit Familie und Freunden. Veränderungen am Arbeitsplatz oder in den Einkünften spüren je 38 Prozent.

Dass die Verantwortung für die Corona-Maßnahmen ans Verteidigungsministerium übergeben wurde, befürworten 63 der Juden und 32 der Araber. Die höchste Zustimmung kommt mit 65 Prozent von Teilnehmern aus dem linken politischen Spektrum. Im Zentrum sind es 65 und unter den rechtsgerichteten Israelis 62 Prozent. Das IDI gibt eine mögliche Erklärung dafür, dass die Linken diesen Schritt besonders positiv bewerten: Damit sei die Verantwortung dem Gesundheitsministerium entzogen worden, dem mit Juli Edelstein ein Likudpolitiker vorsteht.

Das Gutman-Zentrum für Meinungsforschung, das zum IDI gehört, hatte vom 27. bis 29. Juli 607 Israelis auf Hebräisch und 150 weitere auf Arabisch befragt. Dies geschah über das Internet und am Telefon. Die Fehlerquote wurde mit 3,7 Prozent angegeben.

Von: eh

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Wed, 05 Aug 2020 12:38:00 +0200
<![CDATA[Vorsitzender der Ärztekammer fordert vollständigen Lockdown]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/05/vorsitzender-der-aerztekammer-fordert-vollstaendigen-lockdown/ Aufgrund der weiterhin hohen Zahl an täglichen Neuinfektionen fordert der Vorsitzende der israelischen Ärztekammer, Zion Hagai, einen kurzen und vollständigen Lockdown des gesamten Landes. Dieser könne die Infektionsrate drastisch senken und den planmäßigen Schulstart am 1. September ermöglichen. In Israel haben sich binnen 24 Stunden bis Mittwochmorgen 1.692 Menschen neu mit dem Coronavirus angesteckt. Insgesamt befinden sich 341 Menschen in einem „ernsten“ Zustand. Bislang sind 561 Israelis in Verbindung mit COVID-19 gestorben.

Von: mas

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Wed, 05 Aug 2020 10:52:00 +0200
<![CDATA[Ermittlungen gegen arabischen Abgeordneten]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/04/ermittlungen-gegen-arabischen-abgeordneten/ JERUSALEM (inn) – Die israelische Polizei ermittelt derzeit gegen den Knessetabgeordneten Sami Abu Schahade von der Balad-Partei, die dem arabischen Bündnis „Vereinigte Liste“ angehört. Der Parlamentarier hatte vergangene Woche an einer Feier anlässlich der Freilassung des Terroristen Anis Saffuri teilgenommen.

Saffuri war im Jahr 2009 zu 14 Jahren Haft verurteilt worden. Zusammen mit anderen Männern hatte der israelische Araber aus der Stadt Schfaram bei Haifa die Ermordung israelischer Piloten, Soldaten und Wissenschaftler geplant. Er gehörte der palästinensischen Terrorgruppe „Islamischer Dschihad“ an.

Nach seiner Freilassung wurde Saffuri in Schfaram von Hunderten Einwohnern feierlich begrüßt. Dabei nahm ihn auch eine Delegation der Balad-Partei in Empfang. Angeführt wurde diese von Schahade, dem Generalsekretär Mustafa Taha und dem früheren Vorsitzenden Dschamal Sahalka.

Beschwerde beim Ethik-Komitee der Knesset

Balad-Mitglieder hielten eine Ansprache und verliehen Saffuri eine Ehrentafel. Bilder der Feier veröffentlichten sie auf Facebook. Die rechtsgerichtete israelische Organisation „Im Tirtzu“, die sich für die Angehörigen von Opfern palästinensischen Terrors einsetzt, hat sich bei der Polizei über die Balad-Mitglieder beklagt. Beim Ethik-Komitee der Knesset reichte sie zudem Beschwerde gegen den Abgeordneten Schahade ein.

Zur Begründung sagte die Gruppe, die Araber hätten gegen das Anti-Terrorismus-Gesetz verstoßen, das auch verbale Unterstützung und Lob für Terror unter Strafe stellt. Der Leiter der arabischen Abteilung bei „Im Tirtzu“, Tom Nisani, erklärte dazu: „Die Zeit ist reif, um die Doppelmoral für die Abgeordneten der Vereinigten Liste zu beenden, denen das Oberste Gericht freie Hand lässt, um Terror zu fördern und das Gesetz mit Füßen zu treten. Diese radikalen Anstifter gehören ins Gefängnis und nicht in die Knesset.“

Die Polizei teilte am Montag mit, sie habe die Ermittlungen eingeleitet und untersuche den Fall.

Von: dn

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Tue, 04 Aug 2020 15:08:00 +0200
<![CDATA[Israelische Firma bringt Heuschrecken auf den Speiseplan]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/wirtschaft/2020/08/04/israelische-firma-bringt-heuschrecken-auf-den-speiseplan/ ELIFELET (inn) – Die israelische Firma Hargol Foodtech will Heuschrecken als Nahrungsmittel salonfähiger machen. Ihr Ziel ist, „die ersten zu sein, die Heuschrecken im industriellen Maßstab züchten und die Welt mit einer gesünderen und nachhaltigeren Proteinquelle zu versorgen“.

Der Zuchtbetrieb des Unternehmens befindet sich auf den Golanhöhen. Die Tiere bekommen Weizengras als Futter und werden nach drei Monaten schockgefrostet und danach gebraten. Geschäftsführer Dror Tamir sagte gegenüber der Nachrichtenagentur AFP, es habe ihn zunehmend beschäftigt, „wie eine wachsende Weltbevölkerung umweltschonend mit genügend tierischem Protein versorgt werden kann“. Nachdem ihm klar geworden sei, „dass Insekten die Lösung sind“, habe er Hargol gegründet. „Hargol“ heißt auf Hebräisch Heuschrecke.

Ekel als Hindernis

In westlichen Ländern stelle jedoch der „Ekelfaktor“ noch ein großes Hindernis dar. Um den dortigen Konsumenten die Nahrung aus Insekten schmackhafter zu machen, will Hargol die Heuschrecken in Pulverform anbieten. Dieses kann dann zu verschiedensten Gerichten hinzugefügt werden. Der Plan sieht vor, schon bald Pfannkuchen- und Smoothie-Mischungen mit Heuschrecken-Pulver weltweit auf den Markt zu bringen.

Eine andere Hürde könnte in Exportrestriktionen liegen, die Produkte vom Golan betreffen. Die meisten Länder erkennen das Gebiet nicht als israelisch an. Da die Grashüpfer dort jedoch nur gezüchtet und woanders zu Pulver gemahlen werden, könnten Exporthindernisse umgangen werden.

Viele Pluspunkte

Laut der deutschen Verbraucherzentrale sind essbare Insekten „eine exzellente Quelle von Omega-3-Fettsäuren, B-Vitaminen und wichtigen Mineralstoffen“. Studien zeigten auch, dass die Zucht weniger Platz und Wasser verbrauche als etwa bei Schweinen oder Rindern und weniger Treibhausgas-Emissionen verursache. Tamir erklärt zudem: „Heuschrecken enthalten keine ungesättigten Fettsäuren und Cholesterin. Sie haben also nur die guten Inhaltsstoffe, die schlechten nicht.“

Der Geschäftsführer macht keinen Hehl daraus, dass die Vermarktung in Nordamerika und Europa besonders auf Christen abzielt. „Laut dem Neuen Testament aß Johannes der Täufer Heuschrecken mit Honig“, erinnert Tamir. Im Online-Shop von Hargol lassen sich Heuschrecken dann auch gleich in der Kombination mit Honig „von israelischen Wildblumen“ kaufen. Zudem zeigt die Verpackung von Proteinriegeln einen Mann mit Heiligenschein im Stile christlicher Ikonografie samt der Aufschrift: „Ernähren Sie sich wie Johannes der Täufer.“

Ist das koscher?

In Israel fällt die Vermarktung aus Glaubensgründen hingegen nicht so leicht: Das Oberrabbinat erkennt Heuschrecken bisher nicht als koscher an. Dabei erteilt die Tora die Erlaubnis, Wanderheuschrecken zu verzehren. Im dritten Buch Mose, Kapitel 11, heißt es: „Nur dieses dürft ihr essen von allem geflügelten Kleingetier, das auf Vieren geht: was Unterschenkel hat oberhalb seiner Füße, um damit auf der Erde zu hüpfen.“ Dann werden genannt: Der Arbe, der Solom, der Chargol und der Chagav, je „nach seiner Art“ – alles Heuschrecken. Den Sepharden gelten sie daher als koscher – jemenitische und nordafrikanische Juden essen sie seit Generationen. Aschkenasen jedoch nicht, da nicht ganz klar sei, was der Chagav genau ist.

Tamir gibt sich jedoch optimistisch, dass eine Zertifizierung durch die Rabbiner erfolgt. Elieser Simcha Weiß, Mitglied des Oberrabbinat-Rats, meint im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AFP: „Die Tatsache, dass die Tora ihren Verzehr erlaubt, scheint anzudeuten, dass sie die Nahrung der Zukunft sein könnten. Wer hätte das gedacht!“

Von: tk

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Tue, 04 Aug 2020 15:02:00 +0200
<![CDATA[Rechnungsprüfer: Zu wenig effektive Schutzbunker]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/04/rechnungspruefer-zu-wenig-effektive-schutzbunker/ JERUSALEM (inn) – Im Falle von Angriffen stehen den Israelis zu wenige funktionierende Schutzbunker zur Verfügung. Das zeigt ein am Montag vorgestellter Bericht des israelischen Rechnungsprüfers Matanjahu Englman. Demnach bieten 2.494 von 12.601 öffentlichen Bunkern keinen adäquaten Schutz. Davon betroffen sind rund 30 Prozent der Israelis, insbesondere etwa 250.000 Einwohner in den nördlichen und südlichen Grenzregionen.

Sicherheitskreise erwarten, dass Terroristen in zukünftigen Konflikten rund 1.000 Geschosse pro Tag auf Israel abfeuern könnten. Die vom Iran unterstützte libanesische Terrormiliz Hisbollah hortet im Südlibanon nach Erkenntnissen der israelischen Armee mindestens 100.000 Raketen. Entsprechend fordert Englman, einen von der Regierung bereits genehmigten Plan zum Ausbau der Schutzbunker umzusetzen.

Viele Bunker renoviert

Der Bericht des Rechnungsprüfers kennt auch positive Entwicklungen. So seien die Bunker, die innerhalb von 20 Kilometern zur Nordgrenze stehen, größtenteils renoviert worden. Seit dem Jahr 2015 hätten sich auch die Warnsysteme verbessert. Regierungsbehörden seien zudem besser auf Evakuierungen vobereitet.

Kritisch merkt Englman jedoch an, dass die Pläne teilweise noch unvollständig seien. Dies gelte insbesondere für anfällige Ortschaften wie Sderot im Süden oder Kiriat Schmona im Norden. Zudem seien einige kritische Staatseinrichtungen nicht angemessen geschützt. Details zu diesem Aspekt wurden jedoch nicht veröffentlicht.

Das Verteidigungsministerium erklärte einige der Versäumnisse mit der politischen Entwicklung. Drei Wahlen hintereinander hätten dazu geführt, dass entsprechende Gesetze nicht vorangebracht werden konnten.

Von: df

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Tue, 04 Aug 2020 13:48:00 +0200
<![CDATA[Höchster August-Wasserstand seit 1993]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/wirtschaft/2020/08/04/hoechster-august-wasserstand-seit-1993/ So hoch war der Wasserstand des Sees Genezareth in einem August seit 27 Jahren nicht: Der Pegel liegt bei 209,39 Metern unter dem Meeresspiegel. Anfang August 1993 befand er sich bei - 209,01 Metern. Dem See fehlen 59 Zentimeter bis zur oberen roten Linie, ab der das Gewässer überzulaufen droht. Seit Anfang Juli ist der Pegel um 25 Zentimeter gesunken. Der niederschlagsreiche Winter wirkt sich langfristig auch auf das Tote Meer aus. Der Wasserpegel liegt bei 434,72 Metern unter dem Meeresspiegel. Im Juli war er um 13 Zentimeter gesunken. Im gleichen Monat 2019 waren es 16 Zentimeter.

Von: dn

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Tue, 04 Aug 2020 11:38:00 +0200
<![CDATA[Luftwaffe greift Militärziele in Syrien an]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2020/08/04/luftwaffe-greift-militaerziele-in-syrien-an/ Die israelische Luftwaffe hat in Reaktion auf den versuchten Sprenganschlag vom Sonntagabend Stellungen der syrischen Armee angegriffen. Am Montagabend beschossen die Kampfflugzeuge und -hubschrauber unter anderem Aussichtsposten und Kommando-Einrichtungen. Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete zudem von Angriffen unbekannter Herkunft auf iranische Militärziele in Syrien. Am Montagmorgen seien dabei 15 Militärs ums Leben gekommen. Unterdessen hat die Armee den Sprengsatz sichergestellt, den die Terroristen mit sich trugen. Er befand sich 25 Meter vom Grenzzaun entfernt.

Von: df

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Tue, 04 Aug 2020 11:24:00 +0200
<![CDATA[Großteil der Israelis nimmt Maskenpflicht ernst]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/08/04/grossteil-der-israelis-nimmt-maskenpflicht-ernst/ In einer Umfrage der Zeitung „Israel Hajom“ haben 70 Prozent der Teilnehmer angegeben, stets ihren Mund-Nasen-Schutz wie vorgeschrieben zu tragen. Weitere 21 Prozent tragen ihn „meistens“, 2 Prozent tun dies „nie“. Laut Daten der Universität Oxford verzeichnet Israel derzeit die weltweit achthöchste Pro-Kopf-Rate an Neuinfektionen. Sie scheint jedoch nicht weiter zu steigen. Stand Dienstagmorgen kamen in 24 Stunden 1.672 Infektionen hinzu. Momentan sind 25.320 aktive Fälle erfasst, davon gelten 349 als „ernst“. Bislang sind 554 Israelis in Verbindung mit COVID-19 gestorben.

Von: tk

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Tue, 04 Aug 2020 10:55:00 +0200
<![CDATA[Neues Produkt soll Frühgeburten vermeiden]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/wissenschaft/2020/08/03/neues-produkt-soll-fruehgeburten-vermeiden/ TEL AVIV (inn) – Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) werden weltweit jedes Jahr rund 15 Millionen Babys zu früh geboren. Mehr als eine Million von ihnen überleben diese frühe Geburt nicht. Das israelische Unternehmen „PregnanTech“ hat nun ein Gerät entwickelt, das Frühgeburten verhindern soll.

Bei dem Produkt mit dem Namen „Löwin“ handelt es sich um einen Silikonring mit einer besonderen Struktur. Durch einen einfachen Eingriff wird dieser um den Gebärmutterhals platziert. Eine Narkose der werdenden Mutter ist nicht nötig. Unter anderem die spezielle Struktur des Rings unterscheidet ihn von bisherigen Pessaren zur Verhinderung von Frühgeburten. Sie sorgt dafür, dass der Ring an Ort und Stelle bleibt, so dass sich der Gebärmutterhals auch bei Kontraktionen nicht verkürzt und sich der Muttermund nicht öffnet.

Der Druck auf den Gebärmutterhals wird reduziert, was eine Frühgeburt um mehrere Wochen verzögern kann. Sollte es dennoch zu einer früheren Geburt kommen, wird bei dem Ring automatisch ein Freigabemechanismus ausgelöst.

Neue Studie in Großbritannien

Der Geschäftsführer von „PregnanTech“, David Schaschar, erklärte gegenüber der Zeitung „Jerusalem Post“: „Als Gynäkologe kenne ich das Ausmaß an Leid, das eine Frühgeburt für Neugeborene und Familien mit sich bringt, sehr gut. Jede zusätzliche Woche im Mutterleib ist entscheidend für die Entwicklung des Fötus. Allein eine zusätzliche Woche kann den Unterschied ausmachen und entscheiden, ob ein Baby gesund sein oder sein Leben lang an einer Vielzahl von Problemen leiden wird.“

Derzeit führt das Unternehmen eine klinische Studie mit Frauen durch, die kurz vor einer Entfernung der Gebärmutter stehen. Bei den Untersuchungen wird die Sicherheit beim Tragen des Silikonrings bewertet. Die bisherigen Ergebnisse seien erfolgreich.

Geplant ist eine weitere Studie mit schwangeren Frauen, bei denen das Risiko einer Frühgeburt besteht. Die Untersuchungen sollen am „King’s College Hospital“ in London durchgeführt werden. Sie werden von führenden Geburtshelfern in Großbritannien unterstützt.

Hohe Kosten für das Gesundheitswesen

Schaschar weist darauf hin, dass sich Frühgeburten nicht nur auf die körperliche Gesundheit und Verfassung von Müttern und ihren Babys auswirkten. Auch Gesundheitseinrichtungen weltweit würden dadurch finanziell „nachteilig“ beeinträchtigt. So betrügen die Kosten für die Frühgeborenenversorgung etwa das Zehnfache der Kosten für die Pflege eines Neugeborenen, das nach neun Monaten zur Welt kam.

Laut Schaschar betrachten Ärzte in Israel und weltweit die „Löwin“ als Durchbruch. Bislang gebe es keine erfolgreiche Lösung, die Frühgeburten verhindern konnte. Ärzte versuchten dies immer wieder durch Medikamente, Hormone, einfache Pessare oder einen Verschluss des Muttermundes. Doch diese Methoden seien meist erfolglos oder nicht ausreichend gewesen.

Von: dn

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Mon, 03 Aug 2020 15:38:00 +0200
<![CDATA[Studenten dürfen wieder nach Israel]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/studenten-duerfen-wieder-nach-israel/ Nach einem Einreiseverbot aufgrund der Corona-Pandemie öffnet Israel seine Türen nun wieder für ausländische Studenten. Das gab das Gesundheitsministerium am Montag bekannt. Demnach sind Einreisegenehmigungen für 17.000 Studenten an Universitäten oder religiösen Einrichtungen erteilt worden. Ab wann die Einreise möglich ist, wurde nicht gesagt. Nach ihrer Ankunft in Israel müssen die Studenten für zwei Wochen in Quarantäne. Unterdessen wurde bekannt, dass der Minister für Jerusalem-Angelegenheiten, Rafi Peretz, mit dem Virus infiziert ist.

Von: dn

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Mon, 03 Aug 2020 14:58:00 +0200
<![CDATA[Die alte Stadt und das Meer]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/kultur/2020/08/03/die-alte-stadt-und-das-meer/ ASCHKELON (inn) – Die Israelische Altertumsbehörde hat am Sonntag eine Freiluft-Ausstellung zur Geschichte der Stadt Aschkelon eröffnet. Unter dem Titel „Die Stadt und das Meer“ sind dort eine Reihe von Artefakten aus römischer und byzantinischer Zeit zu sehen.

Aschkelon war im Altertum bis zur Zeit der Kreuzzüge eine bedeutende Handelsstadt. In ihr lebten Kanaaniter, Philister, Griechen, Römer, Byzantiner, Muslime und Kreuzfahrer. In der Bibel wird Aschkelon als eine von fünf Philisterstädten beschrieben. Im Jahr 1270 zerstörten die Mamluken sie. Überreste sind heute in einem Nationalpark südwestlich der modernen Stadt zu sehen.

In der Römerzeit wurde der Wein aus der Region in das gesamte Römische Reich exportiert. Dies belegen entsprechende Gefäßfunde in Europa und Asien. Mit der Ausstellung erhalten die Besucher einen Einblick „in den Wohlstand der Einwohner, ihre Verbindung zum Meer und die dahinterliegende Kultur“, sagte der Archäologe Sa'ar Ganor laut der Zeitung „Jerusalem Post“.

Sarg mit bewegter Geschichte

Die Schau ist passend zum Thema in der Nähe des Meeres aufgestellt. Die Behörde wirbt in einem Kurzvideo für einen Besuch. Sie macht besonders auf drei Sarkophage aufmerksam. Auf einem ist das Bild eines Mannes zu sehen, der zwischen Reben liegt. Über ihm befindet sich die mythologische Figur der Medusa, die zur Römerzeit als Beschützerin der Verstorbenen galt.

Der 1.800 Jahre alte Sarg aus Kalkstein wurde 2015 bei Bauarbeiten entdeckt. Die Baufirma versteckte ihn jedoch wieder, um Verzögerungen bei den Bauarbeiten zu vermeiden. Die Arbeiter hoben den zwei Tonnen schweren Sarg mit einem Bagger auf, beschädigten ihn dabei, legten ihn zum übrigen Bauschutt und kippten Beton darüber. Inspektoren der Behörde gingen jedoch Hinweisen nach, fanden den Sarg und führten ihn in Staatsbesitz über.

Von: df

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Mon, 03 Aug 2020 13:16:00 +0200
<![CDATA[Für Ben-Gurion war er „Wladimir Hitler“]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/08/03/fuer-ben-gurion-war-er-wladimir-hitler/ Eine „romantische Liebe“ war es nach Wladimir Jabotinskys eigenen Worten nicht zwischen ihm und Palästina, dem Landstreifen am östlichen Rand des Mittelmeers, auf den sich in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts die Hoffnungen des Zionismus richteten. Der streitbare Literat und Politiker reiste in der Welt herum, warb unter anderem in England, Frankreich und Deutschland für sein Anliegen. In Palästina aber verbrachte er nur einen geringen Teil seines Lebens. Dort herrsche eine „drückende Atmosphäre“, schrieb der Privatmann Jabotinsky einmal an eine Bekannte über die Gesellschaft des Jischuw, der jüdischen Gemeinschaft im Lande.

Für den Politiker Jabotinsky war indes klar: „Der Zionismus führt nur nach Palästina.“ Dem Sohn einer durchaus religiösen Mutter und eines früh verstorbenen Vaters im multikulturellen Odessa war der Zionismus nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Jabotinsky wurde auf Russisch erzogen, nicht auf Jiddisch. Als er mit 17 Jahren die Schule verließ, um in Bern und schließlich in Rom als Korrespondent einer Odessaer Zeitung zu arbeiten, dachte er weder sonderlich politisch, noch irgendwie jüdisch. Er habe als Jugendlicher „keinen inneren Kontakt“ zum Judentum gehabt, schrieb der gänzlich areligiöse Jabotinsky später über sich selbst.

Gegenspieler der Sozialisten

Erst langsam entwickelte er seine zionistischen Überzeugungen, die sich dann allerdings als kompromissloser erwiesen als die Ansichten der Allgemeinen Zionisten um Chaim Weizmann oder der Sozialisten um David Ben-Gurion. Jabotinskys Streben galt einer jüdischen Mehrheit in Palästina – und zwar auf beiden Seiten des Jordans. Die Abtrennung des transjordanischen Teils vom britischen Mandatsgebiet Anfang der 20er Jahre galt es aus seiner Sicht zu revidieren: Jabotinsky wurde zum Vater des zionistischen Revisionismus.

Die Auseinandersetzung zwischen den erstarkenden Sozialisten Ben-Gurions und der ebenfalls an Kraft zunehmenden Jabotinsky-Fraktion prägte die Geschichte des Zionismus in den 30er Jahren. Schon 1925 hatte Jabotinsky in Reaktion auf eine von ihm konstatierte „sklavische Passivität“ der führenden Zionisten seine eigene Partei gegründet. Im britischen Mandatsgebiet bekriegten sich Sozialisten und Revisionisten fortan gegenseitig mit Boykotten und Gewalt. Auch auf dem Zionistischen Weltkongress kam es zu heftigen Auseinandersetzungen, insbesondere als Jabotinsky 1931 vergeblich versuchte, die Gründung eines jüdischen Staates offiziell als Ziel des Zionismus proklamieren zu lassen.

Nach einem Ausgleichsversuch zwischen ihm und Ben-Gurion, der nicht an den beiden Männern, sondern an der sozialistischen Basis scheiterte, traten Jabotinskys Gefolgsleute aus der Zionistischen Weltorganisation aus. In Wien gründeten die Revisionisten 1935 die Neue Zionistische Organisation, die nun eigene Wahlen abhielt. Das zionistische Schisma verfestigte sich damit auch organisatorisch.

Schwieriges Verhältnis zu den Briten

Die Sorge der anderen Parteien, Großbritannien mit einer entschiedeneren Haltung vor den Kopf zu stoßen, teilte Jabotinsky nicht. Dabei war er es gewesen, der die Kooperation mit der Kolonialmacht im Ersten Weltkrieg besonders intensiv forciert hatte. Als Ben-Gurion noch damit liebäugelte, sich um den osmanischen Pass zu bewerben, lobbyierte Jabotinsky bereits für eine Jüdische Legion innerhalb der britischen Armee. Durch einen zionistischen Beitrag zur Befreiung Palästinas sollte der eigene Anspruch auf das Gebiet praktisch gefestigt werden, so der dahinterstehende Gedanke. Am Ende hoben die Briten tatsächlich mehrere zionistische Bataillone aus.

Doch schon bald nach dem Ersten Weltkrieg trübte sich Jabotinskys Blick auf den gerade erst gewonnen Partner. Die Freude über die Zusammenarbeit wich einem Misstrauen gegenüber der Ernsthaftigkeit des britischen Bekenntnisses zur „Errichtung einer nationalen Heimstatt der Juden“, wie es in der Balfour-Deklaration festgehalten worden war. Als es im April 1920 am Rande des muslimischen Nabi-Mussa-Festes in Jerusalem zu schweren Ausschreitungen von Arabern gegen Juden kam, hielt sich die britische Militärverwaltung vor Ort zurück.

Jabotinsky, der bereits 1903 nach den Pogromen in Kischinjew eine jüdische Selbstverteidigung organisiert hatte, setzte sich nun an die Spitze der neu entstehenden Hagana. Die Briten quittierten dies mit einer 15-jährigen Haftstrafe gegen ihn – „eine Provokation des ganzen jüdischen Volkes“, wie die Jüdische Rundschau in Deutschland anschließend schrieb. Zwar kam Jabotinsky schnell wieder frei. Doch das Verhältnis zur Mandatsmacht blieb zerrüttet. Nach den erneuten Pogromen des Jahres 1929 wurde der unbequeme Zionist des Landes verwiesen. Bis zu seinem Tod elf Jahre später kehrte er nicht mehr zurück.

Die eiserne Mauer

Gegenüber den Arabern setzte der „Wolf“ (Jabotinsky hatte den hebräischen Vornamen Se’ev angenommen) auf eine Sprache der Macht. 1923 breitete er, der auch Schriftsteller und Journalist war, in seinem wohl bekanntesten Essay seine Vorstellungen für den Umgang mit den anderen Bewohnern Palästinas aus. Die Hauptthese: Nur eine „eiserne Mauer“ militärischer Macht gegenüber den Arabern werde diese letztlich zu einer Vereinbarung mit den Juden drängen. Hoffnungen auf eine gütliche Einigung bezeichnete er hingegen als „kindliche Phantasie“: „Von einer freiwilligen Versöhnung der palästinensischen Araber mit uns kann keine Rede sein, weder jetzt noch in absehbarer Zukunft.“ Jabotinsky begründete dies, indem er historische Betrachtungen heranzog: Eingeborene hätten schließlich „immer hartnäckig gegen die Kolonisatoren gekämpft“.

Diese Argumentation brachte ihm vielfach den Vorwurf einer zynischen Logik ein. Die israelische Geschichte der folgenden Jahrzehnte sollte ihm indes Recht geben. Ben-Gurion selbst übernahm den Mauer-Begriff sechs Jahre später. Auch dieses Mal war Jabotinsky der Konkurrenz mehrere Schritte voraus gewesen.

Ein jüdischer Faschist?

Schon zu Lebzeiten sah sich der Revisionist seitens der politischen Konkurrenz dem Vorwurf ausgesetzt, einen jüdischen Faschismus zu betreiben. Als „Wladimir Hitler“ hatte Ben-Gurion ihn einmal bezeichnet. Tatsächlich erblickten einige seiner Anhänger in Jabotinsky ihren jüdischen „Führer“. Verstärkt wurde dieses Bild nicht zuletzt durch das Auftreten der 1923 von ihm gegründeten Jugendorganisation Beitar. Deren Mitglieder marschierten nicht nur mit äußerster Disziplin durch die Straßen – sondern trugen dabei auch noch braune Uniformen.

Jabotinsky selbst entmachtete 1933 moderatere Kräfte in der revisionistischen Partei und setzte sich als alleiniger Anführer an ihre Spitze. Doch mit dem „Führer“-Begriff hatte er zeitlebens ein Problem. Denn Jabotinsky, ein Kind des 19. Jahrhunderts, dachte in den Kategorien eines Liberalen. „Nur Büffel folgen Führern. Zivilisierte Menschen haben keine Führer“, formulierte er 1926. Sein Schwanken zwischen Individualismus und nationalem Kollektivismus beschrieb der israelische Jabotinsky-Biograph Hillel Halkin 2014 als „das zentrale Paradox“ in dessen Leben. Der Revisionist selbst versuchte diesen vermeintlichen Widerspruch aufzulösen, indem er den Einsatz für das Ganze als höchste Ausdrucksform eines freien Geistes interpretierte.

Auch sonst war Jabotinsky weniger radikal, als es auf den ersten Blick scheint. Vor allem war er weniger extrem als die maximalistische Fraktion des Revisionismus, die sich offen faschistisch gab und selbst gegenüber Adolf Hitler zeitweise nicht ganz abgeneigt war.

Zwar hatte Jabotinsky zum Teil ein ambivalentes Verhältnis zur Gewalt als Mittel der Politik. Die nationalen Gefühle der Araber aber erkannte er an. „Eben weil sie kein Gesindel, sondern ein lebendiges, wenn auch ein zurückgebliebenes Volk“ seien, könne man sie nicht durch Bestechung oder Täuschung zur Anerkennung der jüdischen Heimstätte bewegen, analysierte Jabotinsky in seinem Essay zur „eisernen Mauer“. Eine gegenseitige Übereinkunft mit den Arabern schloss er auf lange Sicht keineswegs aus. In seinem Buch „Die jüdische Kriegsfront“ schlug er 1940 sogar vor, einem jüdischen Premierminister stets einen arabischen Vize-Premier zur Seite zu stellen.

Jabotinskys Erben

Zu diesem Zeitpunkt neigte sich Jabotinskys Leben bereits dem Ende zu. Während eines Besuchs in den USA hatte er mit schweren Schmerzen in der Brust zu kämpfen. In der Nacht vom 3. auf den 4. August 1940 (29. Tammus 5700) stirbt er im Alter von gerade einmal 59 Jahren an einer Herzattacke. Einige Jahre zuvor hatte er verfügt, dass sein Leichnam so lange nicht nach Palästina überführt werden solle, bis es eine jüdische Regierung gebe, die dies anweisen kann.

Doch nach der Gründung des Staates Israel 1948 macht Jabotinskys Rivale Ben-Gurion keine Anstalten, seine Gebeine umzubetten. Nach einem jahrelangen Tauziehen ist es 1964 die Regierung unter Levi Eschkol, die die Überführung des Leichnams aus den USA auf den Herzl-Berg in Jerusalem veranlasst. Aus der Beerdigung wird eine große Prozession, die de facto einem Staatsbegräbnis gleichkommt.

Stets an der Seite des Sarges ist an diesem Tag ein inzwischen 51-jähriger Mann zu sehen, der als 16-Jähriger der Beitar-Organisation beigetreten war und sich anschließend als ein rechter Herausforderer Jabotinskys entpuppt hatte. Es ist Menachem Begin. 1977 wird er als Anführer des Likud der erste Premierminister Israels aus dem revisionistischen Lager Jabotinskys werden – eine Zäsur in der Geschichte des jüdischen Staates.

Von: Sandro Serafin

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Mon, 03 Aug 2020 11:20:00 +0200
<![CDATA[Sprenganschlag an syrischer Grenze vereitelt]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2020/08/03/sprenganschlag-an-syrischer-grenze-vereitelt/ Die israelische Armee hat am Sonntagabend einen Sprengstoffanschlag auf einen unbesetzten Militärposten verhindert. Vier Terroristen waren aus Syrien in das Staatsgebiet eingedrungen. Die Armee eröffnete das Feuer und tötete sie. Armeesprecher Hedi Silberman teilte mit, bislang sei unklar, welcher Organisation die Terroristen angehörten. Israel mache jedoch das syrische Regime für alle Vorfälle verantwortlich. In den vergangenen Tagen hätten sich einige Personen von syrischer Seite als Schafhirten verkleidet dem Grenzzaun genähert. Die Armee habe dort daraufhin eine Spezialeinheit stationiert.

Von: df

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Mon, 03 Aug 2020 10:58:00 +0200
<![CDATA[Streit um Wochenend-Restriktionen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/07/31/streit-um-wochenend-restriktionen/ Auch an diesem Wochenende dürfen unter anderem Kaufhäuser ihre Türen wegen des Coronavirus voraussichtlich nicht für Kunden öffnen. Bemühungen zahlreicher Politiker, die entsprechenden Wochenend-Restriktionen zu lockern, blieben bis zur Stunde erfolglos. Medienberichten zufolge stemmen sich vor allem die ultra-orthodoxen Parteien gegen eine Öffnung. Demnach könnten entsprechende Lockerungen jedoch am Montag beschlossen werden. Am Donnerstag hatte das israelische Gesundheitsministerium 1.786 neue Infektionsfälle gezählt.

Von: ser

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Fri, 31 Jul 2020 14:52:00 +0200
<![CDATA[Peres-Zentrum sucht „Die neue Form des Zusammenlebens“]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/kultur/2020/07/31/peres-zentrum-sucht-die-neue-form-des-zusammenlebens/ TEL AVIV (inn) – Unter dem Titel „Die neue Form des Zusammenlebens“ hat das Peres-Zentrum für Frieden und Innovation in Tel Aviv einen Wettbewerb ins Leben gerufen. Gemeinsam mit dem globalen Konsumgüterhersteller Keter sucht das Zentrum Künstler, die mit ihrer Kunst für Frieden und Koexistenz werben. Keter ist der Überzeugung, dass „Design und Kunst neue Barrieren überwinden und zu einem Ausdruck des Zusammenlebens und der Brüderlichkeit werden müssen“, erklärten die Vorstände Udi Sagi und Iftach Sachar. Das Unternehmen sei „stolz“, solche friedensfördernden Projekte unterstützen zu können.

Einzige Voraussetzung für die Teilnahme am Wettbewerb: Die Künstler müssen aus dem Nahen Osten stammen, schreibt die Zeitung „Jerusalem Post“. Nationalität und Religion spielten jedoch keine Rolle.

Ausstellung und Geldpreise

Bei der optischen und inhaltlichen Gestaltung lassen die Veranstalter dagegen den Künstlern freie Hand. Eingereicht werden können Fotografien, Installationskunst, Grafiken oder Skulpturen. Diese dürfen eine Größe von 14 x 21 Zentimeter jedoch nicht überschreiten. Die Teilnahme ist noch bis 16. August möglich. Anschließend wird eine Jury die 30 besten Beiträge auswählen. Die Gewinner werden auf dem öffentlichen Platz des Peres-Zentrums, mit Blick auf die Tel Aviver Strandpromenade, ausgestellt. Darüber hinaus prämiert die Jury die drei herausragendsten Kunstwerke mit 4.000, 3.000 und 1.000 Euro.

Das Peres-Zentrum für Frieden und Innovation wurde 1996 vom früheren Premierminister Schimon Peres nach dessen Wahlniederlage gegen Benjamin Netanjahu gegründet. Ziel des Zentrums ist es, den Frieden im Nahen Osten, die persönliche Begegnung von Menschen und den Erfinderreichtum Israels zu fördern.

Von: mas

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Fri, 31 Jul 2020 14:26:00 +0200
<![CDATA[Britische Abgeordnete kritisieren Intransparenz bei Hisbollah-Verbot]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/sicherheit/2020/07/31/britische-abgeordnete-kritisieren-intransparenz-bei-hisbollah-verbot/ LONDON (inn) – Die Frage des Umgangs mit den Ablegern der libanesischen Hisbollah-Partei und -Miliz in Europa hat in jüngster Zeit viel Aufmerksamkeit erhalten. Im April verfügte der deutsche Bundesinnenminister Horst Seehofer ein vollständiges Betätigungsverbot für die Organisation. Zuletzt forderten mehr als 230 Abgeordnete verschiedener Parlamente in Europa die Europäische Union auf, die Hisbollah „in ihrer Gesamtheit zu verbieten“. Großbritannien hatte bereits im Frühjahr 2019 gegen die „Partei Allahs“ durchgegriffen.

Doch wird diese Anordnung auch vollzogen? Diese Frage stellen sich sieben britische Parlamentarier aus unterschiedlichen Parteien, die sich nun mit einem Brief an den für Sicherheit zuständigen Staatsminister im Innenministerium, James Brokenshire, gewendet haben. Darin fordern sie die Regierung auf, Zahlen bereitzustellen, aus denen hervorgeht, ob und wie effektiv das Verbot durchgesetzt wird. „Die Öffentlichkeit hat ein Recht darauf zu erfahren, in welchem Umfang Verbote bestimmter Organisationen wirksam sind, wenn es darum geht, das Zeigen aggressiver und spalterischer Symbole zu verhindern“, begründen sie das Anliegen in dem Schreiben, aus dem mehrere Medien zitieren. Derzeit könnten dies weder das Parlament noch die Öffentlichkeit „angemessen einschätzen“.

Schon im Juni hatte der Abgeordnete Andrew Rosindell mittels einer parlamentarischen Anfrage versucht, Zahlen zu Ermittlungen und Anklagen zu erhalten, die seit dem Hisbollah-Verbot wegen des Zeigens von Flaggen oder anderen Symbolen angestrengt wurden. In seiner Antwort erklärte Staatsminister Brokenshire damals, dass sein Ministerium „keine spezifische Statistik“ zu diesem Thema führe. Die Nachfrage, ob dies in Zukunft geschehen werde, bejahte der Minister nicht.

Anfragen im Bundestag

Auch in Deutschland bleibt das Thema virulent. Bereits im Mai, also weniger als einen Monat nach dem Verbot, fragte der FDP-Bundestagsabgeordnete Frank Müller-Rosentritt bei der Bundesregierung nach, welche Erkenntnisse diese über Hisbollah-nahe Vereine habe, die trotz des Verbots weiterhin aktiv sind. Die Bundesregierung antwortete, dass die Auswirkungen der Verfügung „derzeit“ noch nicht beurteilt werden könnten.

Das Personenpotential der Hisbollah in Deutschland belief sich im Jahr 2019 nach Angaben des aktuellen Verfassungsschutzberichts auf 1.050. Eine Anfrage der AfD-Fraktion bei der Bundesregierung vom Montag zu einer aktuelleren Personenzahl ist zurzeit noch unbeantwortet.

Von: ser

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Fri, 31 Jul 2020 14:17:00 +0200
<![CDATA[Polizei erwartet verstärkte Proteste gegen Netanjahu]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/07/31/polizei-erwartet-verstaerkte-proteste-gegen-netanjahu/ JERUSALEM / TEL AVIV (inn) – Die Proteste gegen den israelischen Regierungschef Benjamin Netanjahu (Likud) sind am Donnerstagabend weitergegangen. In Jerusalem fanden sich rund 1.000 Demonstranten nahe der Residenz des Regierungschefs ein. Sie fordern dessen Rücktritt angesichts des Korruptionsprozesses gegen ihn, protestieren aber auch gegen die wirtschaftliche Lage infolge der Corona-Pandemie.

Auch in Tel Aviv setzten sich die Proteste fort, wie die Zeitung „Yediot Aharonot“ berichtet. Mehr als 1.000 Aktivisten kamen demnach vor dem Wohnsitz von Sicherheitsminister Amir Ochana zusammen. Der Likud-Politiker hatte Unmut auf sich gezogen, als er die Protestversammlungen als „Corona-Brutstätten“ bezeichnete und sich dafür aussprach, sie von der Premierminister-Residenz zu entfernen.

Keine Pause

Der Jerusalemer Bürgermeister Mosche Lion hatte die Aktivisten gebeten, ihre Aktion am Donnerstag auszusetzen. Damit wollte er dem Trauertag Tischa BeAv Rechnung tragen. Dies sei ein besonderer Tag, viele Juden würden fasten, erschwerend komme die Hitzewelle hinzu. Derzeit treten in Jerusalem tagsüber Temperaturen von um die 35 Grad Celsius auf.

Bei einem Treffen mit den Anführern des Protestes erteilten diese dem Ansinnen aber eine Absage. Die Aktivisten der sogenannten Schwarzflaggen-Bewegung unterstellten dem Likud-Politiker, er sei nur auf Schlagzeilen aus; sonst hätte er sich früher an sie gewandt. Nun solle er vielmehr veranlassen, dass die Polizei ihr demokratisches Recht auf Protest schützt.

Die Schwarzflaggen-Bewegung leitet seit Monaten die Proteste gegen die Regierung an. So demonstrierten die Aktivisten auch vor Häusern von Blau-Weiß-Abgeordneten, als sich Parteichef Benny Gantz auf eine Regierungsbildung mit Netanjahu einließ. Die Schwarzflaggen-Bewegung tritt nach eigenem Bekunden für die Bewahrung der Demokratie in Israel ein und fordert den Rücktritt Netanjahus.

Am Donnerstag kam es wieder zu Gewaltaktionen einiger Gegen-Protestler. Diese gehören der ultranationalen Gruppierung „La Familia“ an und sind Anhänger des Fußballvereins Beitar Jerusalem. Sie traten in umliegenden Häuserblocks der Regierungsprotestes in der Balfour-Straße auf. Dabei kam es auch zu einem Angriff auf ein Fernsehteam von „Kanal 13“. Die Polizei nahm acht Mitglieder fest.

Weitere Proteste erwartet

Für das Wochenende bereitet sich die Polizei auf weitere massive Proteste „im ganzen Land“ vor, wie es in einer Pressemitteilung hieß. Dabei geht es vor allem darum, Protestler und Gegen-Protestler zu trennen, um Gewaltszenen zu vermeiden. Die Polizei betonte, die Proteste ermöglichen zu wollen, solange diese gewaltfrei und im Rahmen gesetzlicher Vorgaben erfolgen.

Bereits in den Wochen zuvor hat die Polizei ihre Kräfte in der Hauptstadt verstärkt. Das gilt auch für die Einheiten in Caesarea, wo Netanjahu ebenfalls einen Wohnsitz hat. Um das Anwesen herum installierte die Polizei zudem einen Zaun und stellte Straßensperren auf.

Die Proteste hatten in den vergangenen Tagen gewaltsame Auswüchse angenommen. Bilder von mindestens einem blutüberschmierten Protestler waren in den Abendnachrichten zu sehen. Insgesamt gab es am Dienstag in Tel Aviv fünf Verletzte, zwei kamen ins Krankenhaus. Die Polizei nahm in diesem Zusammenhang vier Verdächtige fest. Diese sollen Demonstranten mit Glasflaschen, Schlagstöcken und Pfefferspray angegriffen haben.

Unterdessen planen auch Israelis im Ausland Proteste in mehreren Städten. Für den Freitag ist laut der Tageszeitung „Jerusalem Post“ eine Demonstration auf der Golden Gate Bridge in San Francisco angedacht. Deren Organisator Offir Gutelson sagte, dies geschehe, weil wegen der Corona-Pandemie derzeit kein Flug nach Israel möglich sei. „Wenn wir könnten, würden wir kommen.“ Am Sonntag sollen zudem Demonstrationen in New York, London und Berlin stattfinden.

Von: df

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Fri, 31 Jul 2020 13:57:00 +0200
<![CDATA[Israel-Museum öffnet wieder]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/kultur/2020/07/31/israel-museum-oeffnet-wieder/ Nach einer „außerordentlichen“ Großspende aus den USA kann das Jerusalemer Israel-Museum in Kürze seine Tore wieder öffnen. Das kündigte Museumsdirektor Ido Bruno am Donnerstag an. Mit Hilfe der Vier-Millionen-Dollar-Spende könne das Museum seine Mitarbeiter nun wieder voll bezahlen. Während in den vergangenen Wochen andere Museen in Israel bereits Besucher empfingen, musste das Israel-Museum geschlossen bleiben. Ohne die Spende konnten nur 40 der etwa 400 Mitarbeiter bezahlt werden. Trotz der Wiedereröffnungen bleiben die virtuellen Angebote israelischer Museen weiterhin zugänglich.

Von: mas

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Fri, 31 Jul 2020 11:25:00 +0200
<![CDATA[Jordanien verurteilt jüdische Besuche auf dem Tempelberg]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/07/31/jordanien-verurteilt-juedische-besuche-auf-dem-tempelberg/ Die jordanische Regierung hat am Donnerstag den „Sturm auf die Al-Aqsa-Moschee“ verurteilt. Mit diesem Begriff meint Amman den gesamten Tempelberg. Anlass ist der Besuch von etwa 980 Juden auf dem Areal zum Trauertag Tischa BeAv. Die Polizei ließ sie in Gruppen zu je 20 Personen ein. Sie nahm zehn der Besucher fest, da diese trotz Verbots beteten. Neben der Verurteilung protestierte Jordanien auch bei der israelischen Regierung wegen angeblicher Verstöße gegen die „Al-Aqsa-Moschee“. Der Protest richtet sich gegen israelische Renovierungsarbeiten an der Klagemauer.

Von: df

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Fri, 31 Jul 2020 11:00:00 +0200
<![CDATA[1.300 Jahre alte Kirche freigelegt]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/kultur/2020/07/30/1300-jahre-alte-kirche-freigelegt/ JERUSALEM (inn) – Archäologen haben bei Ausgrabungen in der Nähe des Sees Genezareth einen christlichen Gebäudekomplex entdeckt. Das teilte die Israelische Altertumsbehörde am Dienstag mit. Gefunden wurde die 1.300 Jahre alte Kirche beim Bau eines Spielplatzes in Kfar Kama, in Galiläa.

Aufgrund der bisherigen Ausgrabungsergebnisse glauben die Wissenschaftler, dass es sich bei dem Kirchenkomplex um ein Kloster handeln könnte, das am Rande des Dorfes errichtet wurde. Dafür spreche auch die Tatsache, dass sich im Dorfzentrum bereits eine Kirche aus der gleichen Zeit befindet, erklärte Professor Moti Aviam von der Akademischen Hochschule des Sees Genezareth. Typischerweise wurden früher Klöster am Rande der Ortschaften gebaut.

Die Kirche selbst weist eine Länge von 36 Metern und eine Breite von 12 Metern auf. Neben den bunten Bodenmosaiken mit geometrischen Formen und Blumenmustern sei vor allem die Entdeckung eines kleinen steinernen Reliquienschreins ein seltener Fund, sagte die Archäologin Nurit Feig. Darüber hinaus fanden die Forscher gut erhaltene Gebetsnischen.

Unterirdische Kammern

Während der Ausgrabungen entdeckten die Wissenschaftler außerdem unterirdische Räume. Diese werden in den nächsten Wochen weiter untersucht. Die Archäologen erhoffen sich so Einblicke in die Bedeutung des Dorfes während der byzantinischen Zeit. „Unsere Forschung versucht, die Verbindung zwischen dem Dorf und dem Hinterland zu finden“, sagt Aviam. „Wenn Kfar Kama in der Antike eine wichtige Stadt war, welche Verbindung besteht dann zu den umliegenden Dörfern? Was ist die Verbindung der Stadt zu den Mönchen?“

Kfar Kama befindet sich in unmittelbarer Nähe zum Berg Tabor. Nach christlicher Überlieferung fand dort die Verklärung Christi statt. Das Oberhaupt der griechisch-katholischen Kirche in Israel, Erzbischof Jussef Matta, habe den Ort der Ausgrabungen daher bereits besucht, berichtet die Zeitung „Times of Israel“.

Von: mas

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Thu, 30 Jul 2020 14:18:00 +0200
<![CDATA[Netanjahu berät mit ausländischen Politikern über zweite Welle]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/07/30/netanjahu-beraet-mit-auslaendischen-politikern-ueber-zweite-welle/ Der israelische Premierminister Benjamin Netanjahu hat am Mittwoch mit führenden Politikern aus mehreren Ländern über den richtigen Umgang mit der zweiten Corona-Ausbruchswelle beraten. Gastgeber der Videokonferenz war erneut der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz. Indes bleiben die Infektionszahlen in Israel hoch. Von Mittwoch- bis Donnerstagmorgen wurden 1.946 neue Ansteckungen registriert. Derzeit gibt es 32.756 aktive Fälle. 497 Menschen sind im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben.

Von: eh

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Thu, 30 Jul 2020 14:07:00 +0200
<![CDATA[Zentralrat stellt sich hinter Klein]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/07/30/zentralrat-stellt-sich-hinter-klein/ BERLIN (inn) – In einer Reaktion auf Vorwürfe gegen den Antisemitismusbeauftragten Felix Klein hat sich der Zentralrat der Juden in Deutschland hinter dessen Arbeit gestellt. Auch die jüdisch-deutsche Organisation WerteInitiative verteidigt Klein in einem am Mittwoch veröffentlichten offenen Brief.

Der Zentralrat stellt mit Blick auf einschlägige Polizeistatistiken fest, dass Antisemitismus „zum Alltag in Deutschland geworden ist“. Er komme von muslimischer, rechter und linker Seite, schreibt Präsident Josef Schuster. „Sehr häufig wird Antisemitismus als Kritik am israelischen Staat kaschiert.“ Klein weise mit seiner Arbeit auf diese Aspekte hin. „Der Vorwurf, er unterdrücke Debatten oder wolle Kritiker der israelischen Regierung mundtot machen, ist haltlos und in unseren Augen respektlos.“

WerteInitiative: Fragwürdige Forderungen

Auch die WerteInitiative beklagt, die Vorwürfe gegen Klein kämen auf, weil er alle Formen des Antisemitismus anspreche. „Sie kritisieren ihn als Überbringer schlechter Nachrichten und diffamieren ihn.“ Die 13 beteiligten Organisationen schreiben weiter: „Es ist zynisch, den Schutz der Meinungs- und Versammlungsfreiheit für jene einzufordern, die nur eine ‚Friedenlösung‘ für den Nahen Osten kennen: Die Vernichtung Israels.“

Die in Berlin ansässige WerteInitiative vertritt nach eigener Darstellung jüdisch-deutsche Positionen. Sie setzt sich unter anderem für Juden in Deutschland und die Förderung des deutsch-israelischen Verhältnisses ein.

Korrespondent Sahm: Problematische Formulierung

Am Freitag hatten mehr als 60 Wissenschaftler aus Deutschland und Israel einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel veröffentlicht. Darin beklagen sie eine „missbräuchliche Verwendung des Antisemitismusvorwurfs“. Dieser ziele „auf die Unterdrückung legitimer Kritik an der israelischen Regierungspolitik“ ab. Die Wissenschaftler, darunter der Pädagoge Micha Brumlik und der Ägyptologe Jan Assmann, fordern von der Bundesregierung und der Europäischen Union eine „entschlossene Initiative, um die drohende, völkerrechtswidrige Annexion palästinensischer Gebiete durch Israel zu verhindern“.

Die in dem Brief verwendete Formulierung „Annexion palästinensischer Gebiete“ stuft Nahost-Korrespondent Ulrich W. Sahm als „falsche Darstellung“ ein. Der israelische Premier Benjamin Netanjahu habe bei der Vorstellung der Souveränitätspläne deutlich gemacht, dass Israel keine Absicht habe, „palästinensische Gebiete“ zu annektieren.

Wie Sahm weiter ausführte, befinde sich in dieser Gegend allein die Stadt Jericho gemäß der Osloer Verträge unter palästinensischer Verwaltung. Die restliche Jordansenke stehe unter israelischer Militärverwaltung. „Dort haben Palästinenser nichts zu sagen.“ Die Bezeichnung dieser Gebiete als „palästinensisch“ führe unweigerlich zu dem Vorwurf, Israel betreibe „Landraub“.

Von: df

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Thu, 30 Jul 2020 13:27:00 +0200
<![CDATA[Auswärtiges Amt lässt umstrittenes Projekt ruhen]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/07/30/auswaertiges-amt-laesst-umstrittenes-projekt-ruhen/ BERLIN (inn) – Nach einer Reihe „kritischer Wortmeldungen“ wegen einer umstrittenen Personalie lässt das Auswärtige Amt das Projekt „Religion und Außenpolitik“ vorerst ruhen: Nurhan Soykan war dafür zur Beraterin berufen worden. Doch dies stieß parteiübergreifend auf Kritik, weil sie sich nicht scharf genug gegen Antisemitismus und religiösen Extremismus abgegrenzt habe. Am Mittwoch teilte ein Sprecher des Ministeriums in Berlin mit, dass das Projekt ausgesetzt sei.

Kritik kam unter anderem vom Liberal-Islamischen Bund (LIB). Dieser wandte sich in einem offenen Brief an Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD). In dem Schreiben heißt es: „Frau Soykan ist seit vielen Jahren in ranghohen verantwortlichen Positionen – derzeit als stellvertretende Bundesvorsitzende – für den Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) tätig, einer Organisation, die hochproblematische Mitglieder in sich vereint bzw. hochproblematische Verhaltensweisen an den Tag legt, welche Frau Soykan als Verantwortlicher zuzurechnen sind.“

Der LIB ergänzt, die 50-Jährige habe im Jahr 2014 den jährlichen Al-Quds-Marsch verteidigt. Dieser aus dem Iran stammende Protest richtet sich unter anderem gegen den Staat Israel. In Berlin waren in den vergangenen Jahren auch antisemitische Slogans zu hören. Soykan hatte betont, man müsse die israelische Politik kritisieren dürfen. Gleichzeitig distanzierte sie sich von allgemeinen Angriffen gegen das Judentum. Den Marsch sah sie als Gelegenheit vor allem für junge Leute, sich Luft zu machen und ihren Ärger zu zeigen.

Projekt ruht, bis breite Unterstützung vorhanden

In der Regierungspressekonferenz am Mittwoch wurde der Sprecher gefragt, ob das Auswärtige Amt trotz der Vorwürfe an der Berufung festhalte. Er erwiderte, die Kritik werde ernstgenommen. „An einigen Stellen wird es vielleicht auch darum gehen, Missverständnisse auszuräumen, etwa was die Funktion des Projekts und der Berater angeht.“ Der Gesprächsrozess habe das Ziel, das Projekt so auszugestalten, dass es „breite Unterstützung von denjenigen in Politik und Gesellschaft erhält, die wir für diese Arbeit brauchen. Bis dahin lassen wir die Arbeit an dem Projekt ruhen“.

Der Außenamtssprecher führte zudem aus, dass sich deutsche Außenpolitik auch mit den Beziehungen zwischen Gesellschaften befassen solle. Seit 2016 gebe es deshalb das Projekt „Religion und Außenpolitik“. 84 Prozent der Weltbevölkerung gehörten einer Religionsgemeinschaft an. Ziel sei es, den Einfluss dieser Gemeinschaften zu untersuchen und den Kontakt zu verstärken.

Nurhan Soykan wurde 1970 in der Türkei geboren und kam im Alter von drei Jahren nach Deutschland. Sie studierte Jura und wurde 2010 in den ZMD-Vorstand gewählt.

Von: eh

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Thu, 30 Jul 2020 12:35:00 +0200
<![CDATA[Aufruf zur Auslöschung Israels nur „außenpolitisches Säbelrasseln“]]> https://www.israelnetz.com/politik-wirtschaft/politik/2020/07/30/aufruf-zur-ausloeschung-israels-nur-aussenpolitisches-saebelrasseln/ Tweets, in denen der geistliche Führer des Iran, Ajatollah Ali Chamenei, zur Auslöschung Israels aufruft, verstoßen nicht gegen die Richtlinien von Twitter. Das sagte die Regionalchefin des amerikanischen Unternehmens für die nordischen Länder und Israel, Ylwa Pettersson, am Mittwoch bei einer Videokonferenz mit einem Knessetausschuss. Bei dem Tweet handele es sich nicht um Hassrede, sondern um „außenpolitisches Säbelrasseln“. Israelische Politiker kritisierten, dass Twitter Tweets von US-Präsident Donald Trump als bedenklich einstuft, Aufrufe zum Genozid jedoch nicht.

Von: mas

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Thu, 30 Jul 2020 11:57:00 +0200
<![CDATA[Rivlin warnt vor Gewaltzunahme]]> https://www.israelnetz.com/gesellschaft-kultur/gesellschaft/2020/07/30/rivlin-warnt-vor-gewaltzunahme/ Angesichts der teilweise gewaltsamen Proteste in Israel hat Staatspräsident Reuven Rivlin vor einer weiteren Eskalation gewarnt. „Der Mord an einem Demonstranten oder am Premierminister ist kein undenkbares Szenario“, sagte er in einer Videobotschaft am Mittwoch. „Ich schreie bitter angesichts der Gewalt gegen Demonstranten und fordere die Polizei auf, die Täter vor Gericht zu stellen.“ Verteidigungsminister Benny Gantz (Blau-Weiß) sieht Israel an einem Abgrund, der zum „Bürgerkrieg“ führen könnte. Er rief alle Seiten zur Zurückhaltung auf.

Von: df

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Thu, 30 Jul 2020 10:58:00 +0200