Armeechef Eisenkot begutachtete am Dienstag den Anschlagsort

Armeechef Eisenkot begutachtete am Dienstag den Anschlagsort

Eine Tat, die Israel verwirrt

Der tödliche Angriff auf israelische Sicherheitskräfte wirft viele Fragen auf. Der Täter passt in kein Profil. Die Ermittlungen gehen weiter.

BEIT SURIK (inn) – Nach dem tödlichen Anschlag eines Palästinensers auf israelische Sicherheitskräfte hat die Armee Familienmitglieder des Täters verhaftet, um diese zu verhören. Außerdem entfernten die Soldaten ein Trauerzelt in dessen Heimatort Beit Surik. Als weitere Maßnahme bereitete die Armee den Abriss des Wohnhauses vor.

Bereits in der Nacht zum Dienstag hat die Armee Razzien in Beit Surik und dem nahegelegenen Biddu durchgeführt. Dabei sei unter anderem „Terrorgeld“ beschlagnahmt worden, berichtet die Onlinezeitung „Times of Israel“.

Trauter Nachbar

Der schwere Anschlag hat in Israel Verunsicherung hervorgerufen. Der Terrorist Nimer Mahmud Ahmad Dschamal, 37, Vater von vier Kindern, dessen Frau vor vier Monaten zu ihren Eltern nach Jordanien geflohen ist, war bei vielen Familien in der Siedlung Har Adar bestens und positiv bekannt. Er arbeitete in mehreren Wohnungen als Raumpfleger und Installateur. Nach dem Anschlag erzählten Bewohner über das ihm entgegengebrachte Vertrauen. Sie wussten sogar über dessen familiäre Probleme Bescheid. Umso mehr bestürzte sie die Tatsache, dass ausgerechnet ein Palästinenser, mit dem es gute persönliche Beziehungen gab, und dem sie vertrauensvoll ihren Hausschlüssel überließen, ein Massaker anrichten wollte, weil er „persönliche Probleme“ hatte.

Mahmud passte allein deshalb in keines der bisher üblichen und bekannten „Profile“ palästinensischer Terroristen und auch nicht der „einsamen Wölfe“. Viele, meist junge Menschen sind nach Streit in ihrer Familie mit einem Küchenmesser losgezogen, um „Juden“ zu ermorden. Die identifizierten sie anhand ihrer Kleidung als orthodoxe Juden oder anhand ihrer Uniform als israelische Sicherheitsleute oder Grenzschützer. Grundsätzlich mordeten sie willkürlich, kannten also ihre Opfer nicht. Da auch Drusen oder Araber als Sicherheitsleute dienen, wurden so auch Nicht-Juden zu Opfern der Terroristen. Ein typisches Beispiel sind die beiden drusischen Grenzschützer, die an einem Eingangstor zum Tempelberg ermordet worden sind, was dann die jüngsten Tempelbergunruhen auslöste.

Der Anschlag in Har Adar fiel auch noch aus anderen Gründen aus dem bekannten Rahmen. So war der Terrorist aus dem „friedlichen“ Nachbardorf Inhaber eines Ausweises mit der Berechtigung, in Israel oder in Siedlungen zu arbeiten. Mehr als 70.000 Palästinenser besitzen solche von den israelischen Sicherheitskräften ausgegebene Magnetkarten. Damit können sie alltäglich und zügig die Grenzkontrollen passieren. Alle sind sicherheitsgeprüft und stellen deshalb grundsätzlich keine Gefahr dar. Da sie täglich die Kontrollpunkte überqueren, kennen sie teilweise auch persönlich die Sicherheitsleute. Bisher hieß es, dass es „noch nie“ Terrorangriffe von solchen genehmigten Arbeitnehmern gegeben habe. Die Terroristen seien ohne Ausweis und „illegal“ nach Israel gekommen.

Jacke war auffällig

Am Dienstag kam Mahmud mit einer Gruppe solcher Tagelöhner. Er war der letzte. Die Sicherheitsleute kannten ihn und hätten ihn durchgewunken. Aber er fiel auf, weil er an dem heißen Tag eine dicke Jacke trug. Er wurde gestoppt und aufgefordert, seine Jacke zu öffnen. In dem Augenblick zückte er eine Pistole und gab acht Schüsse ab. Drei Wächter starben sofort und ein weiterer wurde schwer verletzt. Andere Grenzschützer erschossen den Angreifer.

Geprüft wird jetzt, wie er in den Besitz der Pistole gelangt ist. Es handelt sich um eine vor vielen Jahren gestohlene Schusswaffe aus Beständen der israelischen Armee, und nicht um ein in Heimarbeit gebasteltes Schussgerät. Im Westjordanland wie auch in arabischen Dörfern in Israel sind Schusswaffen verbreitet und leicht verfügbar. In diesem Fall prüfen die Ermittler, woher Mahmud die Pistole hatte. Offenbar war sein Anschlag von langer Hand im Voraus geplant gewesen.

Von: Ulrich W. Sahm / df

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