Inzwischen ein Bild mit Beigeschmack: Die Inbetriebnahme des fünften U-Bootes Rahav im Januar 2016
Inzwischen ein Bild mit Beigeschmack: Die Inbetriebnahme des fünften U-Bootes Rahav im Januar 2016

Delikate Entwicklung um Israels U-Boote

Erst geriet der Kauf von U-Booten aus Deutschland in den Verdacht der Vetternwirtschaft. Ein neuer Bericht lässt nun vermuten, dass ausgerechnet der Iran an dem Geschäft mitverdient.

JERUSALEM (inn) – Die „ThyssenKrupp“-Werft in Kiel baut für Israel U-Boote der Dolphin-Klasse. Sie gelten als hochmodern und fähig, Atomwaffen zu tragen. Es handelt sich um die teuersten Waffensysteme in der israelischen Armee. Fünf der U-Boote wurden schon ausgeliefert, ein sechstes ist bestellt. Sie sollen dem mit Auslöschung bedrohten jüdischen Staat am Mittelmeer eine „Zweitschlag-Fähigkeit“ bieten. Sie dienen also allein der Abschreckung – um etwa den Iran davon abzuhalten, das „zionistische Gebilde“ zu vernichten. Immer wird ein solcher Angriff von hohen iranischen Generälen angekündigt und mit Videos im Internet voranschaulicht.

Wegen dieser U-Boote geriet Israel bei Umfragen in den Ruf, der „gefährlichste Staat“ der Welt zu sein, schlimmer noch als Nordkorea und Iran. Israels „Drohung“, sich verteidigen zu wollen, wie es einst das deutsche Wochenmagazin „Focus“ in einem Titel verkündet hatte, schürt Angst vor einem „Flächenbrand“. Doch dieser „Flächenbrand“ ist seit Jahren in anderen Ländern des Nahen Ostens zu sehen, etwa im Irak, in Syrien, im Libanon, im Jemen oder in Libyen.

Verdacht auf Interessenkonflikt

In jüngster Zeit geriet der Kauf dieser U-Boote in Israels Medien in ein Zwielicht. David Schimron, Anwalt, Berater und Cousin von Premierminister Benjamin Netanjahu, steht im Verdacht, zugleich auch Vertreter der Kieler Werft zu sein. Er habe im Namen Israels Verhandlungen mit den Deutschen geführt und sei gleichzeitig mit der Aufgabe betraut gewesen, für „ThyssenKrupp“ den Verkauf der umgerechnet 375 Millionen Euro teuren Boote zu bewerben.

Netanjahu hat den Kauf laut eines Berichtes des Fernsehsenders „Kanal 10“ gegen den Willen des Militärs durchgesetzt; das Militär sieht seinen Bedarf mit zwei U-Booten gedeckt. Der frühere Verteidigungsminister Mosche Ja‘alon teilte bereits am 17. November auf Facebook mit, „vehement“ gegen den Kauf neuer, mit deutschen Steuergeldern subventionierter U-Boote gewesen zu sein.

Erwartungsgemäß forderten Abgeordnete wie auch Kritiker des seit neun Jahren regierenden Netanjahu eine eingehende Untersuchung wegen Interessenkonflikts und möglicher Korruption auf Regierungsebene. Die linksgerichtete Zeitung „Ha‘aretz“ jubelte schon, dass die deutschen U-Boote den in den Redaktionsstuben so ungeliebten Premier „versenken“ könnten. Netanjahu behauptet jedoch: „Es ist nichts, es war nichts und es wird nichts sein.“

Bericht: Iran an Werft beteiligt

Jetzt hat Jossi Jehoschua, Reporter der meistverbreiteten Zeitung Israels „Yediot Aharonot“, aus „offenen Quellen“ herausgefunden, dass der Iran 4,5 Prozent Anteile an der Werft besitze und an den Geschäften mit Israel kräftig mitverdiene. Noch vor zehn Jahren sei der Iran an der Kieler Werft, die auch Korvetten zum Schutz von Israels Ölplattformen im Mittelmeer baut, mit 18,4 Prozent beteiligt gewesen. Teheran habe dank dieser Beteiligung inzwischen fast 2 Milliarden US-Dollar an Dividenden verdient. Die regierungseigene iranische Investmentgesellschaft IFIC habe Anteile in 22 Ländern auf 5 Kontinenten und 1,5 Milliarden Dollar in 57 internationalen Konsortien, überwiegend in Europa, darunter beim Energieunternehmen „British Petroleum“ (BP) und dem deutschen Sportartikelhersteller „Adidas“.

Offene Entwicklung

Während iranische Sprecher und die deutsche Firma die Angaben bestätigten, zeigten sich Israels Verteidigungsministerium und das Büro des Premierministers als „unwissend“. Bekanntlich meidet Israel jegliche Geschäftsbeziehungen mit dem iranischen Regime. Unklar sei, ob die iranischen Teilhaber an der Werft Zugang zu den Geheimnissen der Entwürfe dieser für Israel gebauten Schiffe haben.

Jossi Jehoschua wirft nun dem Verteidigungsministerium in Tel Aviv vor, nicht ordentlich recherchiert zu haben. „Die hätten einfach mal googeln können, wie ich es getan habe“, sagte er im Rundfunk. (uws / df)

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Von: Ulrich W. Sahm / df

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