Die Beisetzung Rivlins wurde live übertragen

Die Beisetzung Rivlins wurde live übertragen

Frau von Bescheidenheit und Anstand

Nach dem Tod von Israels „First Lady“ Nechama Rivlin würdigen zahlreiche israelische Medien die Frau des Staatspräsidenten. Die linksliberale „Ha'aretz“ wagt indes eine Politisierung.

JERUSALEM (inn) – Israels „First Lady“ Nechama Rivlin ist am Mittwochnachmittag auf dem Herzlberg in Jerusalem beigesetzt worden. An dem Staatsbegräbnis nahm auch Premierminister Benjamin Netanjahu teil. Die Zeremonie wurde live auf der Facebookseite von Staatspräsident Reuven Rivlin übertragen. Der wandte sich mit gebrochener Stimme direkt an seine verstorbene Frau: „Meine Nechama, unsere Mutter: Heute Morgen stand ich auf – Du weißt, dass ich nicht schlafen konnte – und habe auf das Datum geschaut, das mir so vertraut ist: der 5. Juni. Meine Liebe, herzlichen Glückwünsch. Ein trauriger Geburtstag.“ Nechama Rivlin wurde am 5. Juni 1945 geboren und starb am 4. Juni 2019. „Das ganze Land liebt Dich“, erklärte Rivlin weiter.

Israelische Medien würdigten Nechama Rivlin in zahlreichen Beiträgen. „Sie hatte kein vornehmes Gebaren, sie war nicht ausgefallen, sie war direkt“, schreibt die „Times of Israel“ und schildert, wie Nechama Rivlin noch selbst bis in die Nacht hinein Kuchen für ihre Freunde gebacken habe. „Sie war ohne Heuchelei, anständig in Allem, was wir von ihr sahen.“ Rivlin werde geliebt, „weil sie ist, wer wir sind“, findet die Onlinezeitung.

„Ha'aretz“ sieht Kontrast zu Netanjahus

Etwas anders äußerte sich die linksliberale Tageszeitung „Ha'aretz“ in einem Meinungsbeitrag. „Die Jahre Nechama Rivlins in der Präsidentenresidenz in Jerusalem strahlen Bescheidenheit, Anstand und aufrichtige Sorge für die Unprivilegierten aus.“ Die Zeitung zeichnet unter Verweis auf Premierminister Benjamin Netanjahu und seine Frau Sara einen starken Kontrast zur „vulgären Anmaßung des selbstgesalbten Königspaars“, das in der Residenz des Premierministers lebe.

Rivlins an der Imbissbude: Israelische Medien beschreiben die Präsidentengattin nach ihrem Tod als bescheiden

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„Rivlin hat von seiner Nechama Kraft geschöpft, um Israels zunehmend unter Beschuss stehende Werte von Anstand und Demokratie zu predigen“, meint das Traditionsblatt und befürchtet, dass der Präsident nun von der Trauer „überwältigt, übermannt und letztlich gelähmt wird“. Präsident Rivlin gilt als Gegenspieler von Premier Netanjahu. „Israel dürstet nach mehr Menschen wie Nechama Rivlin“, heißt es auch in einem anderen Beitrag der „Ha'aretz“. Jeder ihrer Auftritte sei „ein kleines Vergnügen“ gewesen. „Ihr Charme lag darin, dass sie nicht wie eine offizielle Vertreterin aussah und auch nicht versuchte, so auszusehen“, schreibt die Zeitung weiter.

Auch Erdoğan und Abbas kondolieren

An Nechama Rivlins Bescheidenheit erinnert „Ma'ariv“. „Sie tat Dinge ohne Überheblichkeit, ohne viel Lärm zu machen“, stellt die Tageszeitung fest. „Sie blieb immer außerhalb des Rampenlichts.“ Nach der Wahl ihres Ehemanns habe sie am liebsten in ihren eigenen vier Wänden bleiben wollen, erinnert sich die Tageszeitung „Yedioth Aharonot“. „Du wolltest nie im Rampenlicht stehen, aber hast verstanden, dass du als Präsidenten-Gattin eine Rolle zu erfüllen hattest“, sagte auch Staatspräsident Rivlin während der Beerdigung.

Unterdessen sind in Israel zahlreiche Trauerbekundungen aus aller Welt eingetroffen. Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan sprach der Familie Rivlin und dem israelischen Volk in einem Brief sein Beileid aus. Er habe „mit großer Trauer“ von dem Tod Nechama Rivlins erfahren. Der deutsche Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier erklärte, dass Rivlin „als eine starke und couragierte Persönlichkeit in Erinnerung bleiben wird“. In einer Zeit zunehmender Polarisierung habe sie Toleranz verkörpert. „Frau Rivlin hat ihr geliebtes Land mit Format und Anmut verkörpert“, teilte US-Präsident Donald Trump mit. Am Donnerstag kondolierte auch der Präsident der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA), Mahmud Abbas. Staatspräsident Rivlin wird am Donnerstag und Freitag in seiner Residenz Kondolenz-Besucher empfangen. Sie könnten ihm ein wenig von dem bringen, was seine Frau in ihrem hebräischen Namen Nechama trug: Trost.

Von: ser

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