Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian zeigt sich schockiert ob des Mordes an der 85-jährigen Französin Mireille Knoll

Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian zeigt sich schockiert ob des Mordes an der 85-jährigen Französin Mireille Knoll

Französischer Außenminister: Kampf gegen Antisemitismus geht weiter

Der Mord an der französischen Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll in Paris erschüttert die Welt. Frankreichs Außenminister Le Drian fordert in Jerusalem, weiter gegen Antisemitismus zu kämpfen.

JERUSALEM / PARIS (inn) – Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian hat am Dienstag sein Entsetzen über den Mord an der Holocaust-Überlebenden Mireille Knoll geäußert. Die 85-jährige Französin wurde am Freitag erstochen und verbrannt in ihrer Wohnung aufgefunden. Von der Nachricht habe er direkt nach seinem Besuch in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem erfahren, sagte er bei einem Treffen mit dem israelischen Regierungschef und Außenminister Benjamin Netanjahu. Es sei noch nicht klar, ob es sich hierbei um eine antisemitische Tat handele, doch es sei anzunehmen. Dies zeige nur, dass der Kampf gegen Antisemitismus weitergehe.

Der israelische Bildungsminister Naftali Bennett wandte sich in einer Mitteilung direkt an Frankreich: „Der Mord an einer 85-jährigen Holocaust-Überlebenden, die, nur weil sie jüdisch war, getötet wurde, darf nicht unbeantwortet bleiben.“ Frankreich und Europa sollten den Antisemitismus nicht durch Worte, sondern durch Taten bekämpfen. Er sendete Beileidswünsche an die Familie der Ermordeten.

Le Drian hatte am Montag den israelischen Premier und Außenminister Netanjahu getroffen

Le Drian hatte am Montag den israelischen Premier und Außenminister Netanjahu getroffen

Pariser Staatsanwalt: Mord mit antisemitischen Motiven

Die französischen Behörden verhafteten am Montag zwei Verdächtige in Paris. Das Büro des Staatsanwalts fordert die Untersuchungsrichter auf, die beiden wegen vorsätzlichen Mordes mit antisemitischen Motiven anzuklagen.

Einer der Männer soll das Opfer regelmäßig besucht haben. Seine Mutter habe ihn „wie einen Sohn“ behandelt, sagte Knolls Sohn David: „Wir sind alle geschockt. Ich kann nicht verstehen, wie jemand eine Frau ohne Geld umbringen kann, die in einer Sozialwohnung lebt.“ Laut der israelischen Online-Zeitung „Times of Israel“ war dieser Verdächtige bereits im Gefängnis, weil er die Tochter einer anderen Nachbarin sexuell belästigt hatte.

Mindestens elf Stichwunden

Die Polizei fand Knolls Leiche, nachdem ihre Wohnung in Brand gesteckt worden war. Die Autopsie ergab, dass der Körper der allein lebenden Frau mindestens elf Stichwunden aufwies. Das nationale Büro für Wachsamkeit gegen Antisemitismus sagte in einer Verlautbarung am Sonntag: Der Fall erinnere an das Verbrechen gegen die 66-jährige jüdische Lehrerin Sarah Halimi. Der Staatsanwalt sagte, sie sei im April 2017 von ihrem muslimischen Nachbarn ermordet worden. Dabei habe teilweise ihre jüdische Identität eine Rolle gespielt.

Knolls Enkelin Noa Goldfarb schrieb auf Facebook, dass ihre Großmutter von einem muslimischen Nachbarn ermordet worden sei: „Vor 20 Jahren habe ich Paris verlassen, weil ich wusste, dass weder meine Zukunft noch die Zukunft des jüdischen Volkes dort liegt.“ Die heute in Herzlija lebende Goldfarb ist sich sicher: „Großmutter wurde elf Mal von einem muslimischen Nachbarn niedergestochen, den sie gut kannte. Er ging dabei sicher, ihr Zuhause anzuzünden und uns keinen Gegenstand, Brief oder Bild von ihr zurückzulassen, damit wir uns an sie erinnern können.“

Jüdischer Dachverband sieht Parallele zu früherem Mord

Laut ihrem Sohn entkam Knoll als Kind nur knapp im Jahr 1942 der berüchtigten Zusammentreibung von über 13.000 Juden im Paris des Zweiten Weltkrieges. Weniger als 100 dieser Menschen überlebten ihre Deportation in die Konzentrationslager.

Die jüdische Gemeinde in Frankreich umfasst gut eine halbe Million Menschen. Sie hat in der Vergangenheit immer wieder einen Anstieg von antisemitischen Gewaltverbrechen im Land angeprangert. Auch der Präsident des Dachverbandes jüdischer Gemeinden in Frankreich, Francis Kalifat, nannte in diesem Zusammenhang die ermordete Lehrerin Halimi: „Die Barbarei dieses Mordes erinnert uns an Sarah Halimi, vor einem Jahr.“ Erst nachdem der Dachverband 2017 öffentlich protestiert hatte, wurde Antisemitismus als Motiv in die Anklageschrift gegen den verdächtigten Mörder aufgenommen. Der Dachverband hat für Mittwoch zu einem Gedenkmarsch durch Paris aufgerufen.

Von: mm/df

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