Die Zustände in israelischen Militärgefängissen werden seit Jahren kritisiert. Der Tod einer Soldatin dürfte die Debatte neu entfachen.

Die Zustände in israelischen Militärgefängissen werden seit Jahren kritisiert. Der Tod einer Soldatin dürfte die Debatte neu entfachen.

Israelische Militärgefängnisse in der Kritik

Nach dem Tod einer israelischen Soldatin in einem Militärgefängnis gibt es vermehrt Kritik an den Haftbedingungen. Besonders im Fokus steht dabei die medizinische Versorgung.

Wie schlecht sind die Zustände in israelischen Militärgefängnissen? Über diese Frage diskutiert das Land seit dem Tod einer Soldatin in Haft. Die erst 19-jährige Frau war Anfang September festgenommen worden, weil sie Marihuana geraucht und dieses auch an ihre Kameraden verkauft haben soll. Am Montag kollabierte die Frau in ihrer Zelle auf dem Stützpunkt Zrifin und wurde ins nahegelegene Assaf-Harofeh-Krankenhaus südöstlich von Tel Aviv gebracht. Später dann wurde sie ins Rabin-Krankenhaus verlegt. Dort konnten Ärzte ihren Zustand stabilisieren, obgleich sie zu diesem Zeitpunkt bereits eine Schädigung des Gehirns erlitten haben soll. Am späten Abend dann starb die Frau, die von der Online-Zeitung „Times of Israel“ als durchtrainierte Turnerin beschrieben wird.

Die israelische Armee hat eine umfangreiche Untersuchung der Todesumstände angekündigt. Dabei soll auch ermittelt werden, ob die Soldatin in der Haftanstalt ordentlich behandelt wurde, oder ob ein Fehlverhalten von Seiten des Gefängnisses vorliegt.

„Du musst kämpfen, um einen Arzt sehen zu dürfen“

Im Fernsehsender „Kanal 2“ äußerte sich eine Soldatin, die für rund zwei Monate im gleichen Militärgefängnis wie die Verstorbene inhaftiert war. „Es war nur eine Frage der Zeit, bis so etwas passiert“, sagte sie. „Wenn ein Soldat über Schmerzen klagt, dann denken die, man will einfach nur zur medizinischen Behandlung mal raus. Du musst kämpfen, um einen Arzt sehen zu dürfen.“ Sie habe allein drei Fälle mitbekommen, in denen sich Frauen in einem schwierigen Gesundheitszustand befunden hätten. „Diese Fälle wurden nicht vom medizinischen Dienst des Gefängnisses behandelt“, klagt die Soldatin. „Man bekommt vielleicht mal einen Sanitäter zu sehen, der sich nicht auskennt und höchstens Schmerztabletten verschreiben kann.“

Die Nachrichtenseite „Arutz Scheva“ zitiert die israelische Armee mit einer Reaktion auf diese Vorwürfe. Auf den Militärbasen gebe es für die Gefängnisse Sanitäter, Ärzte und psychologische Berater, die den Häftlingen entsprechend ihrer Bedürfnisse helfen würden. Jeder Soldat, der eine Haftstrafe antritt, werde eingangs untersucht und habe die Gelegenheit, mit einem Vertreter des medizinischen Dienstes zu sprechen.

„Arutz Scheva“ weist darauf hin, dass die Zustände in israelischen Militärgefängissen schon seit Jahren ein Streit- und Diskussionspunkt seien. Das berühmteste Beispiel dafür ereignete sich 1997: In Haifa nahmen Gefangene Gefängnisaufseher als Geiseln, um gegen die ihrer Meinung nach dauerhafte Verweigerung medizinischer Betreuung zu protestieren.

Von: mb

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