Bei Netanjahus Besuch im Weißen Haus im Februar verstanden er und Trump sich gut. Ob dies auch in Israel der Fall ist, werden die kommenden Tage zeigen (Archivbild).

Bei Netanjahus Besuch im Weißen Haus im Februar verstanden er und Trump sich gut. Ob dies auch in Israel der Fall ist, werden die kommenden Tage zeigen (Archivbild).

Trump will Steinmeiers Fehler vermeiden

Mit US-Präsident Trump kommt diese Woche ein Freund nach Israel – diplomatische Fallstricke gibt es dennoch zur Genüge. Fast wäre das Weiße Haus außerdem einem Trick der Palästinenser auf den Leim gegangen. Eine Analyse von Ulrich W. Sahm

Am 22. Mai tritt der neue amerikanische Präsident Donald Trump einen zweitägigen Besuch in Israel und in den palästinensischen Autonomiegebieten an. Trump wird mit seiner Air Force One direkt von Saudi-Arabien zum Ben-Gurion-Flughafen bei Tel Aviv fliegen. Danach trifft er den Papst im Vatikan. In Israel fällt der Besuch mit den Feierlichkeiten zur Wiedervereinigung Jerusalems vor genau 50 Jahren während des Sechs-Tage-Krieges von 1967 zusammen.

Keine Verneigung vor Arafat

Es hat sich inzwischen eingebürgert, dass Staatsbesucher in Israel immer auch einen Abstecher nach Ramallah machen, um dort den palästinensischen Präsidenten Mahmud Abbas zu treffen. Nach Angaben der israelischen Zeitung „Israel Hajom“ sollte Trump in der Mukata, dem Hauptquartier von Abbas, zu Fuß zur Empfangszeremonie mit rotem Teppich und Ehrengarde laufen.

Dem Vorbereitungsteam des US-Präsidenten fiel auf, dass Trump so hätte abgelichtet werden können, wie er am Mausoleum Arafats am Eingang der Mukata vorbeiläuft. Für die Palästinenser wäre das nach eigenen Angaben eine Chance gewesen, daraus eine Ehrerweisung für die Ikone des palästinensischen Widerstands zu machen. Diese Planung der Ankunft Trumps sei kein „Zufall“ gewesen, bestätigten Berater von Abbas gegenüber der israelischen Zeitung. Doch die amerikanischen Beamten des Vorbereitungsteams durchschauten das palästinensische Manöver und machten dem einen Strich durch die Rechnung. Es hätte dem Präsidenten in den USA eine „unangenehme Zumutung“ eingebracht und zudem eine „diplomatische Krise mit Israel“ ausgelöst. Die Geheimdienstleute und der Sicherheitsdienst von Trump wurden beauftragt, eine „alternative Route“ zu finden.

Wer zur Mukata, dem linken Gebäude mit dem gläsernen Vorbau möchte, kommt am Arafat-Mausoleum (r.) vorbei - das möchte Trump vermeiden

Wer zur Mukata, dem linken Gebäude mit dem gläsernen Vorbau möchte, kommt am Arafat-Mausoleum (r.) vorbei - das möchte Trump vermeiden

Gemäß dem vorläufigen Stand der Planung wird Trump statt nach Ramallah nach Bethlehem fahren, und dort auch Abbas treffen. Diese amerikanischen Rücksichtsnahmen sind umso erstaunlicher, als doch erst vor wenigen Tagen erstmals ein deutscher Bundespräsident ohne Rücksicht auf israelische und vielleicht sogar deutsche Empfindlichkeiten das Grabmal Jasser Arafats aufgesucht, sich dort verbeugt und einen Kranz niedergelegt hat.

Olympia 72 in München: Folter und Mord auf Befehl Arafats

2015 erhielten die Witwen der 1972 bei den Olympischen Spielen bestialisch ermordeten israelischen Sportler erstmals Einsicht in 43 Jahre lang von den deutschen Behörden zurückgehaltene Akten von dem Terrorüberfall des von Jasser Arafat befehligten Kommandos „Schwarzer September“. Dabei erfuhren die Frauen, dass ihren Männern die Knochen gebrochen und dass Ilan Romano gar bei lebendigem Leibe die Genitalien abgeschnitten worden waren, ehe sie ermordet worden waren.

Man darf davon ausgehen, dass auch der damalige Außenminister Frank-Walter Steinmeier vor zwei Jahren die entsprechenden Artikel beim „Spiegel“ und anderswo gelesen hat. Dennoch pilgerte das Staatsoberhaupt Deutschlands zum Grab Arafats und neigte sein Haupt.

So eine Geste könne sich der amerikanische Präsident nicht erlauben, ohne daheim einen Proteststurm auszulösen. Wie die Tageszeitung „Jerusalem Post“ berichtet, wird Trump mit dem Helikopter vom Flughafen nach Jerusalem fliegen. Er will die Altstadt Jerusalems besuchen, wobei angeblich fraglich ist, ob er dabei auch zur Klagemauer gehen wird.

Diplomatisches Hick-Hack zum Besuch der Klagemauer

Inzwischen namentlich bekannte Diplomaten des US-Konsulats in Ostjerusalem forderten bei einem Erkundungsgang von ihren israelischen Begleitern, sich fern zu halten: „Die Klagemauer gehört euch nicht. Sie liegt im Gebiet des Westjordanlandes“. Eine heftige diplomatische Kontroverse brach aus. Trump wird nun die Klagemauer und die Grabeskirche im Rahmen einer „privaten“ Visite besuchen. Ein Angebot des israelischen Premierministers, Trump zu der heiligsten Stätte des Judentums zu begleiten, wurde von den Amerikanern ausgeschlagen. Das Premierministeramt wollte diese Erklärung nicht akzeptieren und versagte augenblicklich den Amerikanern jegliche Unterstützung bei den Vorbereitungen zum Besuch an der Klagemauer. Ebenso funkte Jerusalem Anfragen an die amerikanische Regierung, ob das nun die offizielle Position des Präsidenten sei.

Kurz zuvor begab sich der frisch akkreditierte neue US-Botschafter David Friedman zur Klagemauer, wo er ein Gebet für seine Familie und für Trump sprach, und die verwitterten Steine küsste. Friedman ist freilich auch in den USA als Freund und Financier von israelischen Siedlungen umstritten.

Der ursprünglich geplante Abstecher des US-Präsidenten zur Festung Massada am Toten Meer wurde auf Anraten des israelischen Außenministeriums storniert, wegen „extrem heißen Wetters“. Als Massada noch auf dem vorläufigen Programm stand, hatte die linksgerichtete und extrem regierungskritische Zeitung „Ha'aretz“ einen großen Artikel veröffentlicht, in dem der nationale Mythos rund um Massada als „fragwürdig und archäologisch unbewiesen“ dargestellt wurde.

Der zeitgenössische jüdische Historiker Josephus Flavius hatte als einzige Quelle behauptet, dass die jüdischen Verteidiger von Massada sich gegenseitig umgebracht hätten, um nicht von den Römern in die Sklaverei verschleppt zu werden. Dieser „Wunsch nach Freiheit“ wurde zu einem nationalen Mythos, weswegen viele Soldaten auf Massada vereidigt wurden. „Ha'aretz“ stellte die Ereignisse aus dem Jahr 73 in Frage, zum Beispiel mit dem Argument, dass man dort 13 Ostrakoi (Scherben) mit den hebräischen Namen der Verteidiger gefunden habe, und nicht elf, wie es bei Josephus steht. Mit diesen Scherben wurde ausgelost, wer die Anderen umbringen und am Ende sich selber töten sollte.

Keine Ansage zur Botschaftsverlegung erwartet

Trump wird seine ursprünglich für Massada geplante Rede nun im Israel-Museum in Jerusalem halten. Zuvor werde er „einige Minuten lang“ in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem einen Kranz niederlegen. In israelischen Medien wurde schon Unmut laut, dass keine Zeit bleibe, Trump über den Holocaust zu belehren.

Überschattet wird der Besuch zudem wegen bislang unbestätigten Nachrichten, wonach Trump dem russischen Außenminister streng geheime Informationen „aus israelischen Quellen“ über einen Agenten in den Reihen des IS in der syrischen Stadt Rakkah ausgeplaudert habe. Das gefährde jetzt das Leben dieses israelischen Agenten. Inzwischen, am Donnerstag, behauptete nun der arabische Sender „Al-Dschasira“, dass Trumps Geheimnisverrat nicht aus israelischen, sondern aus jordanischen Quellen stamme. Vorläufig ist unbekannt, welche Informationen Trump an die Russen weitergegeben hat.

Diskutiert wird auch Trumps Wahlkampf-Versprechen, die amerikanische Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen. Gemäß jüngsten Berichten aus Washington werde das noch „geprüft“. Trump wolle den geplanten Umzug während seines Besuchs in Israel nicht verkünden.

10.000 israelische Sicherheitsleute, darunter Polizei, Geheimdienst, Anti-Terroreinheit und andere, werden Trump in Absprache mit dem israelischen und dem amerikanischen Geheimdienst beschützen.

Von: Ulrich W. Sahm

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