Die Bundestagsabgeordnete Inge Höger war auch an Bord des türkischen Schiffs „Mavi Marmara”.
Die Bundestagsabgeordnete Inge Höger war auch an Bord des türkischen Schiffs „Mavi Marmara”.

Bundestagsabgeordnete auf Antisemiten-Liste

LOS ANGELES (inn) – Das Simon-Wiesenthal-Zentrum zählt eine israelkritische Konferenz der Partei Die Linke zu den schlimmsten antisemitischen Vorfällen 2014. Öffentlich wurde der Fall bekannt, weil Gregor Gysi vor antisemitischen Aktivisten auf eine Toilette geflüchtet war.

Die Linke-Abgeordneten Inge Höger, Annette Groth und Heike Hänsel sowie Linke-Vorstandsmitglied Claudia Haydt teilen sich Platz 4 auf der Liste der schlimmsten antisemitischen Vorfälle im Jahr 2014, teilte das Wiesenthal-Zentrum mit. Die Politikerinnen hatten zu einem „Fachgespräch“ mit Israel-Hassern wie dem amerikanischen Journalisten Max Blumenthal in den Fraktionssaal im Reichstag eingeladen. Blumenthal hatte Israel mehrfach mit dem Islamischen Staat und mit Nazi-Deutschland verglichen. Die Konferenz fand ausgerechnet am 10. November statt – einen Tag nach dem Gedenken an die Reichsprogromnacht am 9. November 1938 und die damals ermordeten Juden.

Eine größere Medienaufmerksamkeit erhielt die Veranstaltung zunächst, weil Fraktionschef Gregor Gysi untersagte, das Treffen im Fraktionssaal durchzuführen. So wich die Gruppe auf einen Konferenzraum aus. Nach der Veranstaltung suchten zwei Teilnehmer Gysi in seinem Büro auf und filmten, wie sie ihn wegen seiner Kritik an der Veranstaltung beschimpften und bis auf die Toilette verfolgten. Das Video landete anschließend im Internet.

Höger und Groth waren immer wieder wegen anti-israelischer Äußerungen und Veranstaltungen in den Schlagzeilen. 2010 waren sie gemeinsam mit Rechtsextremen und Islamisten an Bord des Schiffs „Mavi Marmara“, das die israelische Seeblockade des Gazastreifens durchbrechen sollte.

Schon 2012 ein Deutscher auf der Liste

Die Liste des Wisenthal-Zentrums wird von einem belgischen Arzt angeführt, der einer 90-jährigen Jüdin die Behandlung verweigerte – mit Verweis auf das Leid der Palästinenser im Gazastreifen. Platz zwei belegt das jordanische Parlament wegen einer Schweigeminute für die Mörder dreier Rabbiner in einer Jerusalemer Synagoge, auf Platz drei der Einbruch bei einer jüdischen Familie in Paris, bei dem eine Frau vergewaltigt worden war. Die Täter hatten erklärt, die Opfer explizit ausgesucht zu haben, weil sie Juden seien.

Auf der Liste der schlimmsten Antisemitischen Ausfälle 2012 war ebenfalls ein Deutscher vertreten: Der „Spiegel“-Kolumnist Jakob Augstein.

Von: mb