Leiter von Yad Vashem mahnt zu Wachsamkeit vor Antisemitismus

Eigentlich hatte sich Dani Dajan geschworen, Deutschland nie zu betreten. Im Dienste der Erinnerung an die NS-Verbrechen kommt er nun dennoch nach Berlin.
Von dpa
Der Vorstandsvorsitzende von Yad Vashem, Dani Dajan

Foto: Yad Vashem/Noam Moskowitz

Dani Dajan ist seit August 2021 Vorstandsvorsitzender von Yad Vashem

TEL AVIV (dpa) – Vor seinem ersten Besuch in Deutschland hat der Leiter der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem, Dani Dajan, zu einer wachsamen Erinnerung an die NS-Verbrechen gemahnt. „Es gibt keinen Zweifel daran, dass Antisemitismus wieder zunimmt“, sagte Dajan der „Deutschen Presse-Agentur“ in Tel Aviv. „Meine Lehre aus der Scho’ah ist, dass Antisemitismus beim ersten Anzeichen gestoppt werden muss.“

Dajan ist erstmals in Deutschland. Am Dienstag will er im Bundestag eine Ausstellung mit 16 Objekten aus Yad Vashem eröffnen. Sie gehörten deutschen Juden, die während des Holocaust vertrieben oder ermordet wurden.

In Berlin sagte Dajan am Montag: „Wir sind nicht im Europa der 1930er Jahre, wir sind nicht im Deutschland der 1930er Jahre, Gott sei Dank weit davon entfernt.“ Die heutige Generation unterscheide sich in einem wichtigen Punkt von den Menschen damals: „Wir haben die Erfahrung, die sie nicht hatten“, sagte Dajan. Die Menschen damals hätten wohl nicht geglaubt, dass die Nationalsozialisten Millionen von Juden vergasen würden. „Wir wissen, dass es passieren kann.“

Seine Botschaft an die Menschen und die Politiker in aller Welt sei: „Wenn sie Antisemitismus sehen, handeln Sie sofort, warten Sie nicht ab.“ Wenn der Judenhass erst „monströse Dimensionen“ erreicht habe, sei es zu spät, betonte Dajan.

Eigentlich hatte der 67-Jährige sich geschworen, nie deutschen Boden zu betreten. „Es war mein Weg, um sicherzustellen, dass ich nicht vergesse, dass ich mich erinnere, was mit den jüdischen Menschen in Deutschland passiert ist“, sagte Dajan. Die Entscheidung habe er bereits als Jugendlicher getroffen. „Es hatte nichts mit Hass zu tun, es hat nur mit Erinnern zu tun.“

Hoffnung auf mehr Aufmerksamkeit

Auf die Frage, warum er sich dennoch entschlossen habe, nach Deutschland zu reisen, sagte Dajan: „Der gleiche Grund: das Erinnern“. In Deutschland stehen auf Dajans Programm auch politische Gespräche, unter anderen mit Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD).

Mit seiner Reise als Leiter von Yad Vashem schaffe er Aufmerksamkeit, sagte Dajan. „Die Ausstellung im Bundestag ist eine Veranstaltung, über die geschrieben wird. Menschen werden darüber sprechen und so werden wir das Erinnern verstärken und dazu beitragen, dass es nie wieder passiert.“ Die Ausstellung sei etwas ganz Besonderes. „Es ist wahrscheinlich das erste Mal, dass die Objekte aus unserer Sammlung Jerusalem und Yad Vashem verlassen“, sagte Dajan.

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3 Antworten

  1. Die ersten Anzeichen von Judenhass sind längst überschritten. Eine Schande ganz besonders in der BRD, aus der das Tätervolk hervortrat.
    Na ja, im Bundestag die Ausstellung?
    Seit Abbas Auftritt halte ich wenig von so manchem Minister und Abgeordneten.
    Der hätte von Scholz direkt ausgewiesen werden müssen. Stattdessen nahm er 340 Mill. mit. Heuchelei pur.

    16
    1. Nachtrag ohne Text:
      Danke Israelnetz für Info, dass EU heute die iranischen Revolutionsgarden nicht als Terror- Gruppe einstuften. Schande EU, absolute Schande. Denen sind die Toten, Inhaftierten, Gefolterten egal. Da fragt man sich, ob Abgeordnete, Politiker usw. Menschen sind?
      Wer stimmte dagegen?

      11

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