„Neon“-Reporter Marco Maurer berichtet über seine Erlebnisse mit einer Israel-Reisegruppe von „PI“
„Neon“-Reporter Marco Maurer berichtet über seine Erlebnisse mit einer Israel-Reisegruppe von „PI“

Mit „rechtsradikalen“ Deutschen auf Tour durch Israel

Ein Reporter des Magazins „Neon“ begibt sich mit einer Reisegruppe des Blogs „PI-News“ nach Israel. Dort zeigt er sich schockiert über die Äußerungen der Teilnehmer.

Mit gefälschter Identität, kurzem Haar und angepasster Kleidung hat sich der Reporter des Magazins „Neon“, Marko Maurer, einer Leserreise des ultrarechten und anti-islamischen Blogs „PI“ (Politically Incorrect) angeschlossen. Er wollte im Wallraff-Stil erkunden, wie sich „rechtsradikale“ Deutsche ausgerechnet in Israel aufführen. Die Leitung der Reise übernahm ein Deutscher, der sich als Rainer „Merkava“ vorstellt, entsprechend dem Namen des israelischen Panzers. Die touristische Führung übernahm eine israelisch-deutsche Reiseleiterin, die in dem Artikel „Lea“ genannt wird.

Von den Mitgliedern der Reisegruppe erfährt der Leser nur den Namen des thüringischen Landtags-Abgeordneten Jörg Henke von der Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD), weil dieser eine öffentliche Person ist. Bei den mitgelieferten Fotos sind alle Gesichter unkenntlich gemacht. Sogar der Kopf des Schäferhundes eines Soldaten bei dem Schießstand, den die Gruppe besuchte, wurde verpixelt.

Maurer stellt ein Profil jedes einzelnen Teilnehmers vor. Manche zählen demnach zur AfD, andere hätten bei Pegida mitgemacht und wieder andere seien einfach nur „konservativ“. Als verdeckter Journalist hat Maurer fleißig „markante Sprüche“ gesucht und gesammelt, aber nur eine dürre Auslese zu Papier gebracht. Einer der Teilnehmer soll vorgeschlagen haben, das Hassan-Beck-Minarett zwischen Tel Aviv und Jaffa zu sprengen, wo sich die Gruppe in Tel Aviv verabredet hatte. Schwarze im HaTikwa-Viertel werden als „Invasoren“ bezeichnet, während „Lea“, die israelische Reiseführerin, dagegenhält.

Ein wirklich problematischer Spruch fiel angeblich in der Gedenkstätte Yad Vashem. „Fabian“ stellte die Zahl der sechs Millionen ermordeten Juden während des Holocaust in Frage. Udo, das AfD-Vorstandsmitglied aus dem Vogtland, ergänzte: „Die Zahl lässt sich bereits in Dokumenten zwischen 1920 und 1923 einkreisen.“ Die wahre Zahl der von Deutschland ermordeten Juden liege nur bei etwa einer halben Million. „Den Rest haben Serben und andere Volksgruppen umgebracht.“ Außerdem sei erwiesen, dass Antisemiten aus den USA Hitler massiv gefördert hätten und dass dieser den Vernichtungskrieg nicht gewollt hätte.

Diese Sprüche waren für die linksgerichtete Zeitung „Ha'aretz“ der Anlass, zu dieser Reise eine große Reportage unter dem Titel „Holocaust-Leugner in Yad Vashem“ zu veröffentlichen.

Was „Lea“ sagt

Die Reiseleiterin „Lea“ konterte laut Maurer: „Freunde, das sind überprüfte wissenschaftliche Zahlen.“ Auf telefonische Nachfrage ordnet „Lea“ die Vorkommnisse ein: „In jeder Gruppe gibt es einen oder zwei Idioten.“ Die meisten Teilnehmer seien „normal“ gewesen und hätten Israel kennenlernen wollen. Politisch hätten sie „rechte Ansichten“ gehegt und sich gegen die muslimische Flüchtlingswelle nach Deutschland ausgesprochen.

Doch zugleich habe sie schon zahlreiche „linke“ Touristengruppen aus Deutschland erlebt, die mit vorgefassten Meinungen über die „Verbrechen“ der Israelis an den Palästinensern ins Land gekommen seien und offen antisemitische Sprüche geäußert hätten. Sie habe getreulich ihres Auftrags der Gruppe das Land Israel gezeigt und „neutral“ erklärt. Teilnehmer, die einige schlimme politische Äußerungen von sich gaben, habe sie schnell zum Schweigen gebracht. Das würdigt auch Maurer in seinem Artikel.

Journalist entlarvt

Nach einer Befragung von „Merkava“ ist Maurer offenbar aufgeflogen. Weil einer der Reiseteilnehmer ein Klappmesser dabei hatte, mit dem er Maurer zuvor eine Bierflasche geöffnet hatte, zog es dieser vor, sich einen Tag vor der Rückreise abzusetzen und nicht in das Hotel zurückzukehren. Ob ihm wirklich Lebensgefahr von den deutschen „Rechtsradikalen“ drohte, wie in seinem Artikel angedeutet, bleibt Spekulation.

Unter dem Artikel über den „Neon“-Bericht auf der Onlineseite von „Die Welt“ gab es den Kommentar eines Detlev Z., der die ganze Geschichte trefflich zusammenfasste: „Der Mann liest PI und reist mit PI-Lesern und ist dann schockiert. Also ehrlich, das ist schon Humor.“

Von: Ulrich W. Sahm

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