Im August 2015 empfing Israels Präsident Reuven Rivlin (l.) den neuen Botschafter Ruandas, Joseph Rutabana
Im August 2015 empfing Israels Präsident Reuven Rivlin (l.) den neuen Botschafter Ruandas, Joseph Rutabana

Ruanda will von Israel lernen

KIGALI (inn) – Ruanda nimmt sich Israel zum Vorbild. Es möchte lernen, nach einem Genozid einen modernen Staat aufzubauen. Das kleine Land gehört zu den besten Freunden des jüdischen Staates auf dem afrikanischen Kontinent.

Vor mehr als zwei Jahrzehnten tobte in Ruanda ein brutaler Bürgerkrieg. Binnen 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit rund 800.000 Angehörige der in Ruanda lebenden Tutsi-Minderheit, das waren etwa 75 Prozent. Auch politisch moderate Hutu, die sich an dem Morden nicht beteiligten, wurden getötet. Die Vereinten Nationen sprechen von einem Völkermord. Ruandas Botschafter in Israel, Joseph Rutabana, erklärte gegenüber der Tageszeitung „Jerusalem Post“, sein Land wolle nach israelischem Vorbild einen modernen Staat aufbauen.

„Was Israel erreicht hat, ist wirklich spektakulär“, sagte Rutabana. „Es ist ein Land, das in weniger als 70 Jahren ein Erste-Welt-Staat geworden ist. Wir wollen lernen, wie es das erreicht hat.“ Dem Botschafter zufolge gebe es Ähnlichkeiten zwischen den beiden Staaten: beide seien sehr klein und beide Völker hätten enorm gelitten. Die Widerstandsfähigkeit des jüdischen Volkes habe es jedoch ermöglicht, etwas Großes zu erreichen.

„Ruanda kann von Ihrer Erfahrung lernen. Sie glauben an etwas und hören nicht auf, bis Sie es erreicht haben. Unsere Regierung will uns zeigen, dass wir nicht selbstgefällig sein sollen, dass wir uns nicht auf andere verlassen sollen. Denn wir haben gesehen, was passiert ist: Unser Volk wurde ermordet und die ganze Welt hat zugesehen“, sagte Rutabana weiter. Israel sei ein Volk, das verstanden habe, sich auf sich selbst zu verlassen und seine Probleme selbst zu lösen. Ruanda wolle zudem auch in den Bereichen Technologie, Wasserwirtschaft und Landwirtschaft von Israel lernen.

Nach der Unabhängigkeit Ruandas von Belgien im Jahr 1962 nahmen der afrikanische Staat und Israel diplomatische Beziehungen auf. Nach dem Jom Kippur-Krieg 1973 brach Ruanda auf arabischen Druck die Beziehungen jedoch ab – wie viele afrikanische Staaten. 1994 nahm es die Beziehungen zu Israel wieder auf und entsandte einen Botschafter. Die Botschaft musste aus finanziellen Gründen jedoch sechs Jahre später schließen. Im Sommer 2015 eröffnete das afrikanische Land erneut eine Botschaft in Israel und Rutabana wurde neuer Botschafter. Damit ist Ruanda insgesamt in 35 Ländern mit einer Botschaft vertreten. 21 davon befinden sich außerhalb Afrikas.

Netanjahu plant Afrika-Besuch

Ruanda gilt als einer der größten Unterstützer Israels in Afrika. Dies zeigt sich immer wieder bei Abstimmungen der UNO, wo sich das Land bei anti-israelischen Resolutionen enthält oder zugunsten Israels stimmt.

Rutabanas Gespräch mit der „Jerusalem Post“ erfolgte wenige Tage vor einer geplanten einer Afrika-Reise von Israels Premierminister Benjamin Netanjahu. Dieser wird Anfang Juli die vier ostafrikanischen Staaten Kenia, Uganda, Ruanda und Äthiopien besuchen. (dn)

Von: dn

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