Israelische Start-ups wollen ihre Erfindungen zunehmend auch auf den deutschen Markt bringen (Symbolbild)
Israelische Start-ups wollen ihre Erfindungen zunehmend auch auf den deutschen Markt bringen (Symbolbild)

IT-Konferenz hilft Israelis beim Sprung nach Deutschland

Tel Aviv ist bekannt für seine lebendige und kreative Start-up-Szene. Israelische Gründer interessieren sich auch dafür, ihre Unternehmen nach Deutschland auszuweiten. Und zwar nicht nur nach Berlin.

Der israelische IT-Unternehmer Gilli Cegla hat seit seiner Kindheit eine starke Affinität zu Deutschland. „Meine Mutter ist in Deutschland aufgewachsen und meine Großeltern konnten nur Deutsch und Polnisch“, sagt der 50-Jährige, der selbst fließend Deutsch spricht. Mit der Konferenz „Start in Germany“ in Tel Aviv will Cegla nun anderen israelischen Gründern beim Sprung nach Deutschland und Europa helfen.

„In Deutschland besteht ein großer Bedarf an Initiatoren“, sagt Cegla. Das kleine Land Israel mit seinen 8,5 Millionen Einwohnern hat sich in den vergangenen beiden Jahrzehnten zur „Start-up-Nation“ entwickelt. Deutschland mit seinen zehnmal mehr Einwohnern habe sich im High-Tech-Bereich jedoch lange in einer Art Dornröschenschlaf befunden, meint er. „Wo ist der deutsche Erfindergeist geblieben?“

In den vergangenen Jahren sehe er jedoch eine Veränderung im deutschen Start-up-Bereich, vor allem in Berlin. „Von null auf hundert in fünf Jahren“, sagt Cegla lachend. Mit rund 500 neuen digitalen Start-ups im Jahr gilt Berlin heute als führende deutsche Stadt für Tech-Gründungen.

„Hausaufgaben machen vor Treffen in Deutschland“

Deutschland sei zunehmend interessant für israelische Gründer, die ihre Unternehmen vergrößern wollten, sagt Cegla. Dabei seien jedoch viele Besonderheiten des deutschen Marktes und der deutschen Kultur zu beachten. „Denen, die nach Deutschland gehen wollen, fehlen oft die relevanten Informationen“, sagt Cegla. „Und es kommt zu einem Zusammenprall der Kulturen.“ Seine Firma Novawind sei darauf spezialisiert, israelischen Geschäftsleuten dabei zu helfen, vor Treffen in Deutschland oder anderen europäischen Ländern „ihre Hausaufgaben zu machen“.

„Anders als in Israel gibt es in Deutschland sehr geordnete Abläufe“, erklärt Cegla. „Wenn man sich nicht daran hält, hat man schon verloren.“ Der in Israel übliche legere Dresscode und ein lockeres Auftreten seien in vielen Geschäftssparten in Deutschland unüblich. Israelis sind für ihr forsches Auftreten bekannt - damit könnten sie in Deutschland mitunter anecken.

Niederlagen als Stationen auf dem Weg zum Erfolg

Ein weiterer großer Unterschied sei für ihn, dass in Deutschland Niederlagen als sehr schlecht angesehen würden. „Wenn man einmal scheitert, ist man eigentlich fertig.“ In Israel und den USA sei dies genau umgekehrt. Gründer würden eher dazu ermutigt, Risiken einzugehen, und Niederlagen seien Stationen auf dem Weg zum Erfolg.

Es gebe zwar viele kulturelle Unterschiede, die Jubiläumsfeiern zum 50. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Israel und Deutschland im vergangenen Jahr hätten jedoch in vielen Bereichen eine stärkere Annäherung bewirkt, sagt Cegla. Diese gelte es nun weiter zu vertiefen.

Die rund 150 Teilnehmer der eintägigen Konferenz „EuropeDays“ in Tel Aviv konnten am Dienstag Tipps zu Finanzierungsmöglichkeiten und Accelerators einholen – Institutionen, die durch intensives Training jungen Unternehmen zum schnelleren Erfolg verhelfen wollen.

Von deutscher Seite nahmen Repräsentanten von High-Tech-Gründerfonds, Bosch, ProSiebenSat.1, RWE, Metro, Lufthansa, T-Online oder der Stadt Köln teil. Die „EuropeDays“ sollten gezielt beim Knüpfen von Kontakten helfen. „Die Israelis lernen Leute kennen, die ihnen dabei helfen können, die Distanz nach Europa zu überbrücken.“ Unternehmer konnten sich mit Experten unterhalten, unter anderem in den Bereichen Internet, Medien, Internet der Dinge, Nahrungsmittel, Einzelhandel, Städte, AdTech und eHealth (auf elektronischer Datenverarbeitung basierende Gesundheit).

Die Israelis erhielten auch Beratung in der Frage, welche deutsche Stadt am besten zu ihrem Start-up passe. „Im Medienbereich würde man etwa eher nach Hamburg gehen, im Bereich eHealth eher nach Berlin“, sagt Cegla. Für die deutschen Vertreter gab es bei der Konferenz „die Gelegenheit, viele israelische Initiatoren zu treffen, die sich für Deutschland interessieren“. (inn/dpa)

Von: Sara Lemel/dpa

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