Jossi Sarid war eine führende Persönlichkeit der israelischen Linken
Jossi Sarid war eine führende Persönlichkeit der israelischen Linken

Israelischer Linkspolitiker Jossi Sarid gestorben

GIVAT HASCHLOSCHA (inn) – Die linke Polit-Ikone Jossi Sarid ist mit 75 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben. Der ehemalige Minister und langjährige Vorsitzende der Meretz-Partei wurde am Sonntag beerdigt. Zahlreiche Politiker gaben Sarid die letzte Ehre.

Der ehemalige israelische Umwelt- und Bildungsminister Jossi Sarid ist am 4. Dezember aufgrund eines Herzinfarkts in seinem Haus verstorben. Er hinterlässt seine Frau, drei Kinder und zahlreiche Enkel. Am 6. Dezember nahmen Politiker, Freunde und Angehörige bei der Beerdigung im Kibbutz Givat HaSchloscha Abschied.

Sarid war von 1996 bis 2003 Vorsitzender der linken Meretz-Partei. Die israelische Zeitung „Jerusalem Post“ nannte ihn „den eloquenten, hochgebildeten, scharfzüngigen Ideologen der Linken“. Seine kritische Haltung gegenüber der israelischen Politik im Westjordanland verschaffte ihm viele politische Gegner. Trotzdem bezeichnete ihn Staatspräsident Reuven Rivlin als einen der „größten Parlamentarier und Politiker Israels“.

Für Premierminister Benjamin Netanjahu war Sarid eine „einzigartige Stimme in der israelischen Politik, ein bissiges und meinungsstarkes Individuum“. Die US-amerikanische Zeitung „The New York Times“ sieht darin ein „bemerkenswertes Urteil“, da Sarid als starker Kritiker Netanjahus galt. Gegenüber der Presseagentur „Associated Press“ beklagte sich Sarid noch im vergangenen Jahr über den rechten Kurs Israels: „Ich erkenne mein Land beinahe nicht wieder.“

Reden als Vorbild

Sarid wurde am 24. Oktober 1940 in Rehovot geboren. Sein Vater Ja‘akov änderte den Nachnamen von Sneider zu Sarid (hebräisch: Überbleibsel), denn er war der einzige Holocaust-Überlebende seiner Familie. Nach dem Militärdienst arbeitete Jossi Sarid als Journalist für „Israel Radio“. Mit 24 Jahren war er bereits politischer Sprecher der Avoda-Vorgängerpartei „Mapai“. 1974 erlangte er seinen ersten Sitz in der Knesset.

Sarids Umgang mit der hebräischen Sprache ist laut des früheren Premierministers Menachem Begin feinsinnig und nachahmenswert gewesen. Deshalb riet Begin in seiner Zeit als Premier allen Knesset-Abgeordneten, sie sollten Sarids Reden studieren.

Vor etwa einem Jahrzehnt hatte sich Sarid von der politischen Bühne zurückgezogen. Aber als Autor für die israelische Tageszeitung „Ha‘aretz“ kommentierte er regelmäßig die Politik Israels. Er plädierte für eine Zwei-Staaten-Lösung im Nahostkonflikt und setzte sich für Bürgerrechte und die Menschenwürde ein.

Der Bestseller-Autor Amoz Oz sprach auf Sarids Beerdigung. Er verband in seiner Rede Sarids plötzlichen Tod mit dem Beginn des jüdischen Festes Chanukka. Für ihn sei Sarid ein Mann gewesen, der sein gesamtes Leben ein Leuchtfeuer war: Ein Mensch, der bis zu seinem Tod daran glaubte, dass das Licht die Dunkelheit vertreiben würde. (mim)

Von: mim

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