Laut „Spiegel“ hat Israel Steinmeier bei einer Nahost-Reise zu einem langen Umweg gezwungen.
Laut „Spiegel“ hat Israel Steinmeier bei einer Nahost-Reise zu einem langen Umweg gezwungen.

„Spiegel“ erfindet Verstimmung zwischen Israel und Deutschland

HAMBURG (inn) – Das Magazin „Der Spiegel“ hat Israel vorgeworfen, Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier Mitte Mai aus Verärgerung den Überflug über sein Territorium verboten zu haben. Die Redaktion des „Spiegel“ spricht offenbar aus Unkenntnis der örtlichen Begebenheiten von „schwierigem diplomatischen Gelände“, in das der Politiker geraten sei.

Bundesaußenminister Steinmeier wollte bei einer Reise vom Libanon nach Jordanien Mitte Mai angeblich auf direktem Weg von Beirut über Israel nach Amman fliegen. „Da Israel bei seiner Nahost-Reise nicht auf seinem Besuchsplan stand, reagierte Jerusalem verärgert und zwang ihn zu einem Umweg“, heißt es im „Spiegel“. „Prompt verweigerte Israel dem deutschen Außenminister den Überflug seines Hoheitsgebiets, als er von Beirut aus weiterreisen wollte.“ Die Behauptung des „Spiegel“ ist verwunderlich, weil zu dem Zeitpunkt längst bekannt war, dass Steinmeier zwei Wochen später nach Israel kommen werde, um die Ehrendoktorwürde der Hebräischen Universität in Jerusalem entgegen zu nehmen.

Der Umweg für die Regierungsmaschine sei 600 Kilometer weit gewesen. Sie habe erst nach Zypern fliegen, in der Luft eine Art U-Turn machen müssen, um schließlich nach Jordanien abzubiegen. „Das Auswärtige Amt ließ den unfreundlichen Akt auf sich beruhen“, behauptet der „Spiegel“.

Inzwischen haben sogar die israelische Zeitung „Jerusalem Post“ und mehrere deutsche Medien die erfundene „Spiegel“-Meldung aufgegriffen und ohne jede Überprüfung der Fakten wiedergegeben, während sich Steinmeier in der Region zu Besuchen in Israel und in den palästinensischen Gebieten aufhält.

Hintergrund

Es ist allgemein bekannt, dass Verkehrsflugzeuge in Luftkorridoren fliegen. Zwischen Israel und dem Libanon gibt es aufgrund des Kriegszustandes keinen solchen Korridor. Von Beirut nach Amman kann man über die syrische Hauptstadt Damaskus fliegen, was aber gefährlich ist. Ansonsten gibt es von Beirut aus nur die Möglichkeit, erst nach Zypern und von dort entweder über Ägypten oder seit 1994, dem ersten Treffen König Husseins mit dem früheren israelischen Premier Jitzhak Rabin in Washington, auf direktem Weg, über Israel hinweg, nach Amman zu fliegen. Dieser Korridor wurde noch vor dem offiziellen Friedensschluss zwischen Israel und Jordanien von König Hussein persönlich am Steuer seiner Maschine feierlich eingeweiht.

Stellungnahme der Israelis

Ein hoher Beamter des israelischen Außenministeriums erklärte auf Anfrage, dass er sich persönlich um die „rein technischen Angelegenheiten“ dieses Fluges von Steinmeier gekümmert habe. Ein Blick auf die Landkarte zeige, dass das deutsche Flugzeug in jedem Fall nur die Route über Damaskus oder Zypern und dann über Israel oder Ägypten hätte benutzen können. Es habe „keinerlei Verärgerung“ gegeben.

Stellungnahme des Auswärtigen Amtes in Berlin

Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes in Berlin erklärte: „Israel hat dem Sonderflugzeug von Außenminister Steinmeier auf dem Weg von Beirut nach Amman den Überflug über den israelischen Luftraum nicht verweigert.“ Weiter wurde erklärt, dass Israel aus Sicherheitsgründen grundsätzlich keine direkten Flugbewegungen aus dem libanesischen in den israelischen Luftraum erlaubt. Deshalb habe es in diesem Zusammenhang einen „unfreundlichen Akt“ Israels nicht gegeben. (uws)

Von: Ulrich W. Sahm

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