Die Hadrian-Inschrift vor dem Rockefeller Museum, dem Sitz der Altertumsbehörde
Die Hadrian-Inschrift vor dem Rockefeller Museum, dem Sitz der Altertumsbehörde
Ein Mitarbeiter der Altertumsbehörde konserviert die antike Inschrift.
Ein Mitarbeiter der Altertumsbehörde konserviert die antike Inschrift.
Die zweite Hälfte des Steines ...
Die zweite Hälfte des Steines ...
... dessen erster Teil bereits vor mehr als 100 Jahren entdeckt wurde.
... dessen erster Teil bereits vor mehr als 100 Jahren entdeckt wurde.
Der "Stadtplan" aus dem jordanischen Madaba zeigt Jerusalem, wie es zur Zeit Hadrians aussah.
Der "Stadtplan" aus dem jordanischen Madaba zeigt Jerusalem, wie es zur Zeit Hadrians aussah.

Hadrian-Inschrift in Jerusalem gefunden

In der Nähe des Damaskus-Tors der Altstadt von Jerusalem haben Archäologen der israelischen Altertumsbehörde einen tonnenschweren Stein mit lateinischer Inschrift zu Ehren des römischen Kaisers Hadrian gefunden. Das heutige Tor steht direkt über einem Tor, das im 2. Jahrhundert nach Christus erbaut wurde und dessen Reste noch heute sichtbar sind.

Experten entzifferten auf dem ein mal eineinhalb Meter großen Steinfragment mehrere aus der antiken Geschichte bekannte Namen. Übersetzt lautet die Inschrift: „Für den Imperator Caesar Traianus Hadrianus Augustus, Sohn des göttlichen Traianus Parthicus, Enkel des göttlichen (Kaisers) Nerva, Hoher Priester, versehen mit der tribunischen Macht zum 14. Mal, Konsul zum dritten Mal, Vater des Landes, (gewidmet durch die) 10. Legion Fretensis Antoniniana.“

Die Archäologen Rina Avner und Roi Greenwald fanden den Stein am Rand einer tiefen Zisterne. Beim Bau der Zisterne war ein Teil der Inschrift offensichtlich mit einer runden Nachbearbeitung herausgeschnitten worden. Damals wie heute ist es üblich, Baumaterial wieder zu verwenden.

Erste Hälfte bereits früher entdeckt

Die historische Bedeutung der monumentalen Inschrift war den Archäologen sofort klar. Auffallend ist, wie klar lesbar die lateinischen Buchstaben in feinster Schönschrift in den Kalkstein gemeißelt sind.

Avner Ecker und Hannah Cotton von der Hebräischen Universität in Jerusalem gehen davon aus, dass die römische Legion X Fretensis die Inschrift ihrem Kaiser im Jahr 129/130 nach Christus gewidmet hat, aus Anlass des Kaiserbesuchs in den östlichen Provinzen des römischen Reiches und in Jerusalem.

Das jetzt gefundene Stück ist nur die Hälfte des ursprünglichen Steins. Die andere Hälfte wurde bereits vor hundert Jahren vom französischen Archäologen Charles Clermont-Ganneau in der gleichen Gegend gefunden. Sie befindet sich heute im Hof des „Studium Biblicum Franciscanum Museums“ an der Via Dolorosa in der Altstadt von Jerusalem.

Hadrian wollte Juden von ihrem Land trennen

Der Stein ist sowohl für die jüdische Geschichte als auch für die Geschichte Jerusalems von großer Bedeutung. Die Inschrift beweist die Präsenz der X. Legion in Jerusalem in der Zeit zwischen den beiden großen jüdischen Aufständen im ersten und zweiten Jahrhundert gegen die römische Besatzungsmacht. Das Lager der X. Legion befand sich möglicherweise unmittelbar in der Gegend des Fundorts.

Die Anwesenheit dieser römischen Legion mag einer der Gründe für den Ausbruch der zweiten jüdischen Revolte gewesen sein, die von den Römern niedergeschlagen wurde. Nach der Niederlage der jüdischen Aufständischen änderte Hadrian den Namen Jerusalems in „Colonia Aelia Capitolina“. Die Provinz „Judaea“ wurde in „Palaestina“ umbenannt.

Der römische Kaiser befahl nicht nur die Zwangskonvertierung und Verfolgung der Juden, die nach der Zerstörung des herodianischen Tempels im Jahr 70 noch in der Stadt geblieben waren, sondern verbot Juden gar den Zutritt bei Todesstrafe. Die antijüdischen Dekrete Hadrians und seine Absicht, das jüdische Volk ein für alle Mal von seiner Hauptstadt und seinem Land zu trennen, hatten einen entscheidenden Einfluss auf die jüdische Geschichte bis in die Gegenwart.

Spuren von Hadrians Umgestaltung bis heute zu sehen

Die Geschichte der so genannten Bar Kochba-Revolte in den Jahren 132 bis 136 wurde von dem römischen Historiker Cassius Dio dokumentiert. Er erwähnt auch einen Besuch Hadrians in Jerusalem im Jahr 129/130 nach Christus. Diese Aussage entspricht dem Datum, das auf der Inschrift enthalten ist. Die Reise des Kaisers in den Osten des römischen Reichs ist zudem durch Münzfunde in verschiedenen Städten gut bezeugt. Der Archäologe Avner vermutet, dass die Inschrift einst einen Triumphbogen am Nordeingang der Stadt, in der Gegend des heutigen Damaskus-Tors, geschmückt hat.

Der von Hadrian verfügte Status Jerusalems als „Colonia“ bedeutete, dass alle Bürger der Stadt und die Götter römisch zu sein hätten. Genau das bezeugt die gefundene Inschrift mit der Nennung des Kaisers und der römischen Gottheiten.

Möglicherweise beantwortet dieser jüngste Fund die seit Langem gestellte Frage nach dem Auslöser des Bar Kochba-Aufstands. Dieser Krieg besiegelte das Ende der jüdischen Präsenz in der Heiligen Stadt und stellt den Anfang von fast zwei Jahrtausenden jüdischen Exils dar. Historiker diskutieren, ob die Errichtung eines Jupiter-Tempels an der Stelle des jüdischen Tempels den Aufstand ausgelöst hat, oder aber, ob diese Entweihung des Tempelplatzes mitsamt der Stelle, die seit dem Bau des salomonischen Tempels im 9. vorchristlichen Jahrhundert das „Allerheiligste“ war, eine Strafaktion der Römer für die jüdische Rebellion war.

Die Spuren der völligen Umgestaltung Jerusalems durch Hadrian prägen die Altstadt von Jerusalem bis zum heutigen Tag. So kann man eine Etage unter dem 1537 vom osmanischen Sultan Suleiman dem Prächtigen errichteten Damaskus-Tor die Stadt auch durch das von Hadrian errichtete Tor betreten. Auf Arabisch heißt dieses Tor bis heute „Bab el-Amud“ (Säulentor). Dort stand einst eine Statue des Kaisers auf einem Sockel, den Archäologen unter der heutigen Straße gefunden haben. Auch die von Hadrian entworfene Straßenplanung hat sich bis heute erhalten, mit jeweils einem säulengesäumten Cardo (römische Hauptstraße) in Richtung der Klagemauer und einem weiteren quer durch die Stadt vorbei an der heutigen Grabeskirche.

Von: Ulrich W. Sahm

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