Schussbereiter Kämpfer: Mit der militärischen Leistung der Hamas sind 94 Prozent der Palästineser zufrieden (Archivbild)
Schussbereiter Kämpfer: Mit der militärischen Leistung der Hamas sind 94 Prozent der Palästineser zufrieden (Archivbild)

Palästinensische Umfrage: Hamas hat Krieg gewonnen

RAMALLAH / GAZA (inn) – Die jüngsten Kämpfe zwischen der Hamas und Israel haben die Popularität der Terrorgruppe und des bewaffneten Widerstands in der palästinensischen Bevölkerung erhöht. Würde jetzt gewählt, gewänne die Hamas die Parlamentswahlen.

Die überwältigende Mehrheit (79 Prozent) der palästinensischen Bevölkerung sieht die Hamas als Sieger der gewaltvollen Kampfhandlungen der vergangenen Wochen. Dies ist das Ergebnis einer Ende August durchgeführten Erhebung des „Palästinensischen Zentrums für Politik und Meinungsforschung“ (PSR). „Die Ergebnisse der Umfrage zum Gazakrieg heben dramatische Veränderungen in der öffentlichen Haltung zu wichtigen Themen hervor“, fasst das Institut seine Resultate zusammen.

Fast 80 Prozent der Befragten: Die Hamas hat die Kämpfe gewonnen

Neben der Mehrheit der Befragten im Westjordanland und im Gazastreifen, die die Hamas als Sieger des Gaza-Kriegs sieht, halten 3 Prozent Israel für den Gewinner der Kämpfe und 17 Prozent der Personen sagen, dass beide Seiten Verlierer sind. Für den Ausbruch der Kämpfe machen 79 Prozent der Palästinenser Israel verantwortlich, 5 Prozent geben der Hamas die Schuld und 12 Prozent der Befragten meinen, dass die Verantwortung bei beiden Seiten liege.

Die große Mehrheit von 86 Prozent der Umfrageteilnehmer unterstützt den Raketenabschuss aus dem Gazastreifen auf Israel, „wenn die Belagerung und die Blockade nicht beendet werde“. Über die Hälfte der Befragten, 60 Prozent, vertritt die Meinung, die Hamas schieße keine Raketen aus Wohngebieten ab. Knapp ein Drittel (30 Prozent) sagt jedoch, dass die Hamas Raketen aus Wohngebieten abfeuere. Ob ein Abfeuern aus Wohngebieten gerechtfertigt ist, spaltet die Palästinenser: 49 Prozent der Befragten sagen ja, dieser Vorstoß sei gerechtfertigt, 46 Prozent lehnen dies ab. Von den Befragten, die es für ungerechtfertigt halten, sagen 59 Prozent der Gaza-Bewohner nein zum Abschuss und 38 Prozent der Bürger aus dem Westjordanland.

Über zwei Drittel der Palästinenser für Bewaffnung des Westjordanlands

Gegen eine Entwaffnung bewaffneter Gruppen im Gazastreifen sind über die Hälfte der Palästinenser, 57 Prozent, während ein Viertel der Befragten diese Maßnahme unterstützt – nachdem die Belagerung beendet sei und Wahlen stattfinden. 13 Prozent der Befragten befürworten die Entwaffnung, jedoch erst nach einem Friedensabkommen mit Israel. 61 Prozent finden, riesige Demonstrationen könnten zu einem Ende der „israelischen Besatzung“ führen. Noch ein größerer Teil der Befragten (72 Prozent) vertritt die Meinung, dass der bewaffnete Ansatz der Hamas auf das Westjordanland übertragen werden sollte.

Knapp zwei Drittel der Befragten (64 Prozent) glauben, dass der Iran, die Türkei und Katar dem Gazastreifen die Fähigkeit gegeben haben, standfest gegenüber den israelischen Attacken zu bleiben und weiterhin Raketen abzufeuern. Die Rolle Ägyptens während der Waffenstillstandsverhandlungen sieht nur ein Viertel der Befragten positiv, mehr als die Hälfte der Palästinenser (52 Prozent) bewerten sie als negativ und 22 Prozent als neutral.

Zufriedenheit mit militärischen Leistung der Hamas

Mit der militärischen Leistung der Hamas und damit, wie sie Israel entgegentrat, ist fast die komplette Bevölkerung (94 Prozent) zufrieden. 78 Prozent der Befragten sind mit der Verteidigung der Gaza-Bevölkerung zufrieden und 89 Prozent mit dem Medien- und Kommunikationsauftreten.

Die Beliebtheit der Hamas und ihrer Anführer ist, laut PSR, „wie erwartet und wie in vorherigen Fällen während und direkt nach israelischen Kriegen mit der Hamas“ gestiegen. Der palästinensische Präsident Mahmud Abbas und seine Fatah-Partei haben hingegen an Popularität verloren. Dieser Effekt könne jedoch nur temporär sein und sich in den kommenden Monaten erneut ändern.

Neuer Erfolg für Hanije

Wären heute Präsidentschaftswahlen und nur der frühere Premierminister im Gazastreifen, Ismail Hanije (Hamas), und Fatah-Mann Abbas ständen zur Wahl, gäbe es eine Überraschung. Erstmals seit der Erhebung von Hanijes Popularität vor acht Jahren würde der Hamas-Politiker mit 61 Prozent die Mehrheit der Stimmen erhalten. Abbas würden 32 Prozent der Befragten wählen. Auffällig ist, dass 66 Prozent der Westjordanland-Bewohner Hanije wählen würden und nur 53 Prozent der Gazaner. Abbas bekäme aus dem Gazastreifen hingegen 43 Prozent der Stimmen und nur ein Viertel der Befragten im Westjordanland würde dem Fatah-Politiker ihre Stimme geben. Vor zwei Monaten hätte Abbas noch 53 Prozent der palästinensischen Stimmen erhalten und Hanije 41 Prozent.

PSR führte die Umfrage zwischen dem 26. und 30. August im Gazastreifen und im Westjordanland durch, also ab dem letzten Tag der Kämpfe, gefolgt von vier Tagen Waffenruhe. Das Institut befragte 1.270 Erwachsene an 127 nach dem Zufallsprinzip ausgewählten Orten.

Hier geht es zu der PSR-Umfrage (auf Englisch): www.pcpsr.org./en/special-gaza-war-poll

Von: ms

Sie können sich über Disqus, Facebook, Twitter oder Google+ anmelden um zu kommentieren. Bitte geben Sie einen Namen ein, unter dem Ihr Kommentar veröffentlicht wird, und eine E-Mail-Adresse. Die E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Wir behalten uns vor, Kommentare zu löschen, die unsachliche Formulierungen oder externe Links enthalten. Bitte achten Sie auch darauf, dass wir Beiträge mit mehr als 1.600 Zeichen nicht veröffentlichen. Mit Abgabe des Kommentars erkennen Sie die Nutzungs- bedingungen an.

Datenschutz
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Moderation
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei der Christlichen Medieninitiative pro e.V. Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in den Nutzungsbedingungen.

comments powered by Disqus