Der Siedler und Friedensaktivist Rabbi Menachem Froman (l.) hat den Kampf gegen den Krebs verloren.
Der Siedler und Friedensaktivist Rabbi Menachem Froman (l.) hat den Kampf gegen den Krebs verloren.

Rabbi Froman gestorben: Siedler, Friedensaktivist und Freund Arafats

TEKOA (inn) – Rabbi Menachem Froman, eine der schillerndsten Figuren Israels, ist im Alter von 68 Jahren gestorben. Froman war der Gründer der Siedlerbewegung, Friedensaktivist, Freund von Jasser Arafat und des geistigen Führers der Hamas-Bewegung, Scheich Ahmed Jassin. Der Vater von zehn Kindern wohnte in der Siedlung Tekoa nahe Bethlehem zu Füßen des Herodion, der Burg des Herodes.

„Es gibt Leben im banalen Sinne, indem man atmet, aber es gibt auch qualitatives Leben“, meinte der nun verstorbene Rabbi zu Lebzeiten. „Gemäß unserem Verständnis lebt ein Jude im Lande Israel, in Tekoa, qualitativ besser als in den USA.“

Seine gesamte Familie hatte Froman im Holocaust verloren. „Meine Eltern haben als einzige überlebt, weil sie 1935 eingewandert sind.“

„Man kann einen Juden in Judäa nicht mit einem Franzosen vergleichen, der nach Algerien zieht. Über unserem Dach schweben 3.000 Jahre jüdischer Geschichte. In Tekoa hatte der biblische König Jehoschafat einen Sieg von höchster kultureller Bedeutung errungen. Seine Feinde bezwang er mit einem Orchester, mit der Melodie des Glaubens. Vermutlich haben die so schlecht gespielt, dass die Feinde gestorben sind. Der Gesang des Glaubens siegte. Das hatte großen Einfluss auf die jüdischen Vorstellungen vom Krieg. Glaube und Überzeugung verhelfen zum Sieg.“

„Das Heilige Land gehört Gott“

Froman wurde in seinen Überzeugungen nach eigenen Angaben von den „Energien dieses Ortes“ gestärkt, denn „unser erster Prophet, Amos, hat hier gegen den Nationalstolz angekämpft“. Froman meinte: „Das Heilige Land ist das Land Gottes und nicht das Land von Menschen. Die ganze Welt, besonders das Heilige Land, gehört Gott. Man kann deshalb nicht sagen, ein Mensch nehme dem anderen Land weg. Denn die Menschen sind nicht die Eigentümer dieses Landes, weder der Jude noch der Araber oder der Christ. Wir sind alle nur Gäste im Lande Gottes.“

Weiter sagte Froman, dass sich die Idee des Nationalstaates überlebt habe. Sie sei „eine der schlechteren Ideen der Menschheit, schuld an viel Leid, darunter den sechs Millionen Ermordeten meines Volkes. Vielleicht kann Gott die Völker bewegen, eine positivere menschliche Organisation zu schaffen als den Nationalstaat. Ich möchte ungern Israel und Palästina als die letzten Nationalstaaten in der Welt sehen und noch dazu in der schlimmsten Version: als judenreiner Staat, also ein palästinensischer Staat ohne Juden. Ein judenreiner Staat in Judäa wäre eine Karikatur.“

Jedes jüdische Kind wisse, dass die Essenz des Judentums im Vers „Liebe Deinen Nächsten wie dich selbst“ liege. Auf Englisch sagt man, „Liebe Deinen Nachbarn“. „Unsere Nachbarn sind die Palästinenser. Was die Juden haben, gebührt auch den Palästinensern. Für mich ist das alles Kinderspielzeug. Von mir aus sollen die Palästinenser eine Flagge und einen Staat haben. Sie sollten dieses Vergnügen so schnell wie möglich erhalten, um es zu überwinden.“

Siedlungen als Friedenspunkte

Rabbi Froman sah seine Siedlung Tekoa nicht als „Hindernis für den Frieden“. Vielmehr seien die Siedlungen „wie die Finger einer ausgestreckten Hand zum Frieden mit den Palästinensern, Berührungspunkte zwischen Juden und Palästinensern“. Je mehr Finger, desto mehr Frieden werde es geben.

Froman zitierte mehrmals seinen „guten Freund“ Jasser Arafat. „Der (Arafat) weiß sehr genau, dass ich nicht nur ein Siedler bin, sondern sogar der Gründer der Siedlerbewegung.“

Einmal habe er zu Arafat gesagt: „Willst du etwa Präsident eines kleinen Staates werden, ohne besondere Naturschätze oder Ressourcen? Dabei könntest du Präsident von Jerusalem werden, der Hauptstadt des Friedens in der Welt.“ Arafat habe „wie verzaubert“ reagiert. Entsprechend der muslimischen Sitte wiederholte er das dreimal: „Jerusalem als Hauptstadt der Welt? Jerusalem als Hauptstadt des Friedens? Weiser Mann Froman, das ist großartig.“

Staatspräsident Schimon Peres schickte der Familie Fromans ein Beileidsschreiben: „Rabbi Froman war ein ungewöhnlicher Mensch mit tiefem Glauben an die Torah und an den Frieden... Er fand stets Wege in die Herzen bitterer Feinde und harter Gegner.“

Von: Ulrich W. Sahm

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