In Magdala wurde ein Quaderstein mit der Abbildung einer Menorah entdeckt (Foto: Johannes Gerloff)

Antike Synagoge in Magdala gefunden

Ausgrabungen der Israelischen Altertumsbehörde (IAA) haben am Westufer des Sees Genezareth Überreste einer der ältesten Synagogen der Welt frei gelegt. Eine Sensation ist ein Steinquader im Zentrum des jüdischen Gebetshauses, auf dem neben verschiedenen Ornamenten ein siebenarmiger Leuchter, die Menorah, abgebildet ist. Die IAA-Archäologin Dina Avschalom-Gorni, unter deren Leitung die Ausgrabungen vorgenommen wurden, betont, dass damit erstmals eine Menorah aus der Zeit, als der Tempel in Jerusalem noch stand, im so genannten "Galiläa der Heiden" gefunden wurde.

Die Archäologen können das Gebäude ziemlich genau auf die Zeit zwischen 50 v.Chr. und 100 n.Chr. datieren - das heißt auf die Lebenszeit Jesu von Nazareth und die letzten Jahre des herodianischen Tempels. Weltweit sind nur sechs Synagogen aus der Zeit des zweiten Tempels bekannt. Dieses Gotteshaus lag wenige Hundert Meter nördlich des antiken Migdal, im Flussbett des Wadi El-Hamam. Schlamm und Schutt, die durch das auch als "Taubental" bekannte Trockenbett während den Regenzeiten angeschwemmt wurden, haben die Überreste der antiken Gebäude hervorragend bewahrt. Höchstwahrscheinlich wurde die Synagoge während des jüdischen Aufstands gegen die Römer in den Jahren 66 bis 70 n.Chr. zerstört.

 

In Antike strategisch günstig gelegene Stadt

 

Das Städtchen Migdal hieß ursprünglich "Migdala Nunaja", "Fischturm". Im Neuen Testament wird mehrfach eine Jüngerin Jesu namens Maria aus Magdala genannt, die aus dieser Gegend stammte. Josef Ben Matitjahu führte von hier aus in der zweiten Hälfte des 1. Jahrhunderts n.Chr. den jüdischen Aufstand gegen die Römer an und befestigte die Stadt. Später wurde er als Schriftsteller unter dem Namen Josephus Flavius bekannt. In seinem "Jüdischen Krieg" schreibt er von der strategisch wichtigen, am Fuße des Arbel-Berges gelegenen Stadt unter ihrem griechischen Namen "Tarichaea", was daran erinnert, dass hier einmal Fische geräuchert wurden. Die geräucherten Fische vom See Genezareth wurden in die gesamte römische und griechische Welt exportiert.

 

Bis zur Gründung der Stadt Tiberias im Jahre 19 n.Chr. war Migdal eine zentrale Siedlung am Westufer des Sees Genezareth. Wenige Kilometer nördlich liegt Kapernaum, die "Heimat" Jesu am Ufer des Sees Genezareth. Tarichaea hielt noch im Widerstand gegen die römische Besatzungsmacht stand, als bereits das gesamte Galiläa und Tiberias gefallen waren. Nach der Eroberung durch die Römer wurde der Ort dann allerdings zerstört und viele seiner Bewohner getötet.

 

Bei den Vorbereitungen für den Bau des katholischen Magdala-Zentrums wurden die Überreste der Synagoge gefunden, deren Zentralraum etwa 120 Quadratmeter umfasst. Entlang der Wände dienten Steinbänke den Betern als Sitzgelegenheiten. Der Fußboden war mit Mosaiken belegt und die Wände mit buntem Gips im Freskenstil geschmückt. In der Mitte der Synagoge wurde ein viereckiger Stein gefunden, auf dessen Oberfläche Reliefs eingemeißelt sind. An der Stirnseite ist ein siebenarmiger Leuchter mit einem dreieckigen Fuß zu sehen, der rechts und links eingerahmt ist von Amphoren.

 

Steinmetz könnte Menorah im Tempel gesehen haben

 

Bei der Israelischen Altertumsbehörde ist man begeistert: "Etwas Vergleichbares ist in Galiläa bislang nicht gefunden worden." Im Gegensatz zum Davidsstern, der als Symbol für das Judentum erst aus dem Mittelalter bezeugt ist, war die Menorah bereits in der Antike das Zeichen des jüdischen Volkes. Dina Avschalom-Gorni schwärmt von dem "in seiner Art einzigartigen Fund": "Es ist davon auszugehen, dass der Steinmetz, der diese Menorah gemeißelt hat, den siebenarmigen Leuchter im Tempel in Jerusalem noch mit eigenen Augen gesehen hat."

 

Josef Stefanski, der als Berater der IAA die Ausgrabungen begleitet, bestätigt das. Durch die offene Tür zum Heiligen konnten auch einfache Israeliten den Leuchter sehen. Im so genannten "verbrannten Haus" im jüdischen Viertel der Altstadt von Jerusalem ist aus der gleichen Periode an einer Wand teilweise ein Bild von einer ähnlichen Menorah auf Gips erhalten. Stefanski kramt aus seiner Tasche eine 10-Agurot-Münze des modernen Staates Israel hervor, auf der ebenfalls ein siebenarmiger Leuchter abgebildet ist: "Und das ist die älteste Abbildung einer Menorah, die wir kennen. Sie stammt von einer Münze, die der letzte Hasmonäerkönig Mattitjahu Antigonos im Jahre 37 v.Chr. prägen ließ." Die Forscher gehen davon aus, dass die große Ähnlichkeit der Symbole auf ein gemeinsames Vorbild schließen lässt.

 

Synagogenreste in Zentrum integrieren

 

Das "päpstliche Notre Dame von Jerusalem Zentrum" plant seit 2004 den Bau des Magdala-Zentrums auf dem Grundstück am Ufer des Sees, auf dem bis vor kurzem noch Ferienbungalows standen. Am 11. Mai 2009 hatte Papst Benedikt XVI. den Eckstein des Projekts während seines Besuchs im Heiligen Land gesegnet. Die israelischen Behörden haben darum gebeten, die Überreste der Synagoge zu bewahren und in das geplante Magdala-Zentrum zu integrieren.

 

Das Magdala-Zentrum soll ein Pilgerhotel, die Synagogenüberreste und andere antike Ruinen, eine Multimedia-Show über Leben und Botschaft Jesu, sowie die Geschichte des Ortes, und schließlich auch ein Zentrum zur Förderung von Berufung und Würde der Frau, im Andenken an Maria Magdalena, umfassen. Vater Juan Solana, der das Magdala-Projekt initiiert hat, meint: "Ich träume von dem Tag, an dem dieser Ort für Pilger eröffnet wird, und hoffe, dass er dazu dient, Brücken des Dialogs und Verbindungen echter Liebe zwischen den Gläubigen der unterschiedlichen Religionen im Heiligen Land zu bauen."

Von: Johannes Gerloff (Jerusalem)

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