Hinterbliebene des Olympia-Attentats erwägen Gedenkfeier-Boykott

Im September jährt sich der Anschlag auf die israelische Olympiamannschaft zum 50. Mal. Die Hinterbliebenen hoffen auf schnelle Klärung bei der Entschädigung.
Von dpa
Wie ein Einschnitt: Der Erinnerungsort München 1972

Foto: Israelnetz/Daniel Frick

Die Gedenkstätte für das Attentat wurde im September 2017 eingeweiht

MÜNCHEN (dpa) – Die Angehörigen der damals getöteten elf Israelis drohen mit einem Boykott der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Münchner Olympia-Attentats. „Keiner von uns wird kommen, wenn nicht die Frage der Entschädigung endlich geklärt wird“, sagte Ankie Spitzer, die Sprecherin der Hinterbliebenen, der „Süddeutschen Zeitung“ (Samstags-Ausgabe). Die Stadt München plant 50 Jahre nach den Spielen im September und dem Attentat eine Gedenkveranstaltung, zu der auch die Opferfamilien eingeladen werden sollen.

Die Hinterbliebenen fordern laut Aussage von Spitzer eine „normale Kompensation nach internationalen Standards“. Als Präzedenzfall beziehen sich die Angehörigen auf die Entschädigungszahlungen zum Lockerbie-Anschlag, bei dem pro Opfer später 10 Millionen US-Dollar gezahlt wurden. Die Bundesregierung betrachtet die Verfahren zur Entschädigung jedoch als abgeschlossen, wie die „Süddeutsche Zeitung“ unter Berufung auf Regierungskreise berichtete.

Um die Frage finanzieller Entschädigung über bereits geleistete Zahlungen hinaus gibt es schon seit vielen Jahren Streit. Die Hinterbliebenen setzen sich zudem seit Jahrzehnten vehement für die Aufarbeitung der Hintergründe und Folgen des Attentats ein.

Bei den Olympischen Spielen in München hatten palästinensische Attentäter am 5. September 1972 die Unterkunft der Israelis gestürmt und Geiseln genommen. Später verlagerte sich das Geschehen auf den Flugplatz Fürstenfeldbruck bei München. Die Attentäter wollten nach Kairo in Ägypten ausfliegen. Der Versuch, die Geiseln zu befreien, endete in einer Katastrophe. Am Ende waren elf Olympia-Teilnehmer, ein bayerischer Polizist und fünf Terroristen tot.

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13 Antworten

  1. Ein paar Sätze zum Hintergrund dieses endlosen Streites hätten die Meldung wohl verständlicher gemacht. Ua, dass die Bundesregierung die Frage einer Entschädigung als abgeschlossen betrachtet, ua, dass die Hinterbliebenen bereits eine, genauer zwei Entschädigungszahlungen aus Deutschland erhielten, ua das Verfahren gegen die UNO (die Geld von Gaddafi beschlagnahmte, aus dem die Hinterbliebenen entschädigt werden wollten). Vielleicht auch, das die Forderung juristisch aus allerlei Gründen aussichtslos ist.

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  2. Es ist völlig unverständlich, dass nach 50 Jahren noch kein adäquater Abschluss zu verzeichnen ist. Ob die offenen Punkte an einem großen Tisch geklärt werden können, erscheint mir utopisch. Es ist einfach nur beschämend und nicht zu verstehen. – Ein Trauerspiel. –

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  3. Wenn die israelischen Hinterbliebenen des Attentats von München aus finanziellen Gründen nicht zur Trauerfeier kommen würden, sollte man diese Gedenkfeier eben ohne sie durchführen. Jeder blamiert sich schliesslich immer noch selbst am besten.
    Ich frage mich, ob Israel z.B. die französischen Hinterbliebenen eines Mordes an einem französischen Besucher Israels, begangen durch einen z.B. indischen Touristen in Tel Aviv, entschädigen würden? Kann ich mir kaum vorstellen. Meines Wissens war keiner der Attentäter Deutscher. Eine Entschädigungspflicht der Bundesrepublik sehe ich keine.
    Ich hoffe, Deutschland läßt sich nicht erpressen und bleibt hart, zumal bereits zwei Zahlungen in nicht unbeträchtlicher Höhe aus Kulanz erfolgt sind.

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    1. Ne, die Mörder – sorry,muss natürlich Freiheitskämpfer heißen, waren Palästinenser. Und die dürfen in den Augen von dreisten Menschen ja jeden Juden ermorden, den sie wollen.

      Übrigens: Deutschland zahlt Milliarden an die PA, die diese für die Bezahlung für Judenmord verwenden. Da haben gewisse Mitbürger offenbar kein Problem. Da schreit man gerne nach mehr.

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  4. Das Problem ist und bleibt das totale Versagen der bayerischen und deutschen Regierung und des Polizeipräsidenten in diesem Fall. Dies wurde bis heute nicht zugegeben, statt dessen wurden Bauernopfer präsentiert. Der sogenannte Krisenstab hat alles falsch gemacht, was man nur falsch machen konnte. Hierzu ist u. a. der Podcast “Himmelfahrtskommando” der bayerischen Journalistin Schlosser sehr interessant. Es ist ein Skandal, dass dieses grausame Verbrechen an Juden in Deutschland nach 50 Jahren noch schön geredet wird.

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    1. Und es leider Deutsche gibt, die diese Morde noch verteidigen. Waren ja nur Juden und die darf man ja ermorden.

      Und ja, es wurden bei dem Einsatz so viel falsch gemacht, wie nur irgendwie ging. Wäre besser gewesen, man hätte es den Israelis überlassen, das Problem zu lösen.

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  5. „Und es leider Deutsche gibt, die diese Morde noch verteidigen. Waren ja nur Juden und die darf man ja ermorden.“
    Wer hat die Morde verteidigt?

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  6. Es wäre höchste Zeit die Opfer zu entschädigen und die Sache abzuschließen. Scheinbar ist die deutsche Justiz bei bestimmten Dingen außerordentlich langsam. Da würde es ein internationale Gerichtsinstanz brauchen, die ein bestimmtes Arbeitstempo vorgibt und die Angelegenheit zu erledigt.

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    1. Walter,

      es gab doch zwei Entschädigungszahlungen seitens der deutschen Regierung.

      Unbestritten haben die deutschen Behörden vor 5 Jahrzehnten eine sehr schwache Figur abgegeben.
      Aber genauso unbestritten waren sie nicht Verursacher des fürchterlichen Massakers.

      Wie auch Ihre Kritik an der deutschen Justiz mE fehl geht. Wenn es überhaupt einen Anspruch gegen die Bundesrepublik geben sollte, dann ist der wahlweise verjährt oder wurde abgegolten. Insoweit hat der Kommentator Björn Luley obig völlig Recht.

      Und: Ihr Vertrauen in “internationale Gerichtsinstanzen”. Das ehrt sie. Ist mE aber ziemlich realitätsfern.

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  7. Volle Zustimmung!
    Was nun die „ Unfähigkeit“ der Polizei anbelangt. Die Beamten waren zum ersten Mal mit einer solchen Gefahrenlage konfrontiert, und schlichtweg überfordert.
    Deutschland hat aber aus diesem Attentat seine Lehren gezogen, und mit der GSG 9 eine der besten Antiterror-Einheiten der Welt geschaffen.

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  8. Das Verhalten einiger der Hinterbliebenen ist Wasser auf die Mühlen der Antisemiten, aber das scheint diesen Leuten, die pro Nase 10 Millionen Dollar fordern, offenbar völlig egal zu sein. Ziemlich dumm und kurzsichtig. Sie erfüllen lieber ein Klischee und schaden sich damit selbst.

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  9. Eine Entschädigung hat in 1. Linie durch die Mörder bzw. deren Organistion zu erfolgen. Warum wurden Arafats Millionen nicht sofort beschlagnahmt bzw. die weltweiten Konten gesperrt ?

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