„Ein zu surrealistisches Treffen, als dass es in einem Hollywood-Drehbuch vorkommen könnte“, meint „Kanal 10“ zu dieser Szene mit Hamdi Aman (r.), Maria (im Rollstuhl) und Miri Tamano (l.)

„Ein zu surrealistisches Treffen, als dass es in einem Hollywood-Drehbuch vorkommen könnte“, meint „Kanal 10“ zu dieser Szene mit Hamdi Aman (r.), Maria (im Rollstuhl) und Miri Tamano (l.)

Überlebende Palästinenser besuchen Opfer von Raketenbeschuss

Im Jahr 2006 sterben vier Mitglieder einer palästinensischen Familie bei einem israelischen Angriff, ein Mädchen bleibt gelähmt. Zwölf Jahre später ermutigen Vater und Tochter eine israelische Mutter, die bei einem Raketenangriff ihr Wohnhaus verloren hat – und bringen eine Kleiderspende mit.

BE'ER SCHEVA (inn) – „Das Mädchen aus Gaza, dem eine Rakete der israelischen Armee das Leben zerstört hat, kommt, um eine Familie zu unterstützen, der eine Rakete aus Gaza das Haus zerstört hat.“ Mit diesen Worten leitet der israelische Fernsehsender „Kanal 10“ einen Beitrag über eine besondere Begegnung in der Wüstenhauptstadt Be'er Scheva ein, die geprägt ist von gegenseitiger Anteilnahme und Bewunderung.

Die palästinensische Familie Aman hat Schweres durchgemacht: Im Mai 2006 beschoss die Luftwaffe das Fahrzeug eines Kommandeurs des Palästinensischen Islamischen Dschihad, Mohammed Dahduh, der für zahlreiche Raketenangriffe verantwortlich war und bei dem Beschuss ums Leben kam. Die Amans waren ebenfalls in einem Auto unterwegs. Sie wurden durch Splitter und die Druckwelle in Mitleidenschaft gezogen. Hamdi Aman war damals 28 Jahre alt. Seine 27-jährige Ehefrau Naima, sein siebenjähriger Sohn Muhand, seine 46 Jahre alte Mutter Hanan und sein 33-jähriger Onkel Nahed starben. Tochter Maria, die damals fünf Jahre alt war, erlitt schwere Verletzungen. Hamdi und der zweijährige Sohn Muaman wurden leicht verletzt.

Israel übernahm die Kosten für Marias Behandlung, unter anderem in Tel HaSchomer bei Tel Aviv. Das Mädchen ist vom Hals an abwärts gelähmt. Heute leben die drei in Jerusalem. Trotz der Tragödie sinnen sie nicht auf Rache – im Gegenteil: Als sie erfuhren, dass eine Rakete aus dem Gazastreifen ein Haus in Be'er Scheva zerstört hatte, fuhren die drei am Freitag dorthin, um die betroffene Familie Tamano seelisch zu stärken.

„Wir hörten, was passiert ist, und wir wollten helfen, weil es eine schwierige Situation ist“, sagte die Jugendliche dem israelischen Fernsehsender „Kanal 10“. „Beide Seiten müssen aufhören mit den Kriegen.“ Jedesmal, wenn so etwas passiere, durchlebe sie wieder die Augenblicke, in denen sie damals verletzt wurde.

„Sie haben mein Herz berührt“

Die alleinerziehende Mutter Miri Tamano ist mit ihren drei Söhnen im Alter von acht, neun und zwölf Jahren in einem Hotel untergekommen. Dort suchten die beiden Palästinenser sie auf. Dass die Israelin es geschafft hatte, mitten in der Nacht alle drei Kinder in den Bombenschutzraum zu bringen, bezeichnete Hamdi Aman als inspirierend: „Ich habe keine Worte, um zu beschreiben, was Sie getan haben. Ich war so tief bewegt, dass ich hierher kam, um Sie zu stärken.“ Er übergab der Familie, die ihr Haus verloren hat, Kleider und Schuhe, die sie extra für die Israelis gekauft hatten.

„Sie haben mein Herz berührt“, sagte der Araber. „Sie sind eine wunderbare Frau. Ich denke nicht, dass ich es geschafft hätte, das zu tun, was Sie getan haben. Glückwunsch.“ Tamano entgegnete unter Tränen: „Sie sind diejenigen, die mich berührt haben. Es ist nicht das Offensichtliche.“ Aman sei „sehr nett und sehr menschlich. Ich berühre normalerweise keine Männer, aber ich muss Sie einfach umarmen“.

Armeeangaben zufolge traf die Rakete mit einem etwa 20 Kilogramm schweren Sprengsatz das Wohnhaus in Be'er Scheva am Mittwochmorgen gegen 3.40 Uhr. Miri Tamano war vom Alarm aufgewacht, aus dem Bett gesprungen, hatte schnell ihre Kinder geholt und in den Schutzraum gebracht, bevor das Geschoss einschlug. Dies alles gelang ihr in weniger als einer Minute – ihre Geistesgegenwart hat ihnen das Leben gerettet. Keiner wurde verletzt.

Aman sagte dem Sender: „Gott sei Dank, diese wunderbare Mutter, vor der ich den Hut ziehe und für die ich bete, hat ihre Kinder gerettet. Obwohl jede Fahrt für Maria aufgrund ihrer Behinderung nicht einfach sei, hätten sie sich auf den Weg gemacht – „aus einem echten Willen, zu stärken“, heißt es in dem Beitrag.

Staatliche Unterstützung für obdachlose Familie

Da die Tamanos nun als Terror-Opfer anerkannt sind, können sie Unterstützung aus einem besonderen Fonds der Steuerbehörde beanspruchen. Bereits wenige Stunden nach dem Angriff wurde eine Anfangssumme von umgerechnet rund 2.400 Euro überwiesen. Außerdem deckt der Fonds die Kosten für den Hotelaufenthalt, bis sich eine neue Bleibe findet. Auch wird er den Wiederaufbau des Hauses finanzieren, allerdings dürfte sich das über Monate hinziehen, berichtet „Kanal 10“. Die Jewish Agency hat vorerst rund 950 Euro beigesteuert. Doch die selbstlose Spende der palästinensischen Familie, die eigens aus Jerusalem angereist ist, dürfte den Israelis ebenso kostbar sein.

Von: eh

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