Bedauert das abrupte Ende der Beziehungen zu den arabischen Nachbarn vor 70 Jahren: Mirjam Pollin

Bedauert das abrupte Ende der Beziehungen zu den arabischen Nachbarn vor 70 Jahren: Mirjam Pollin

Mirjam Pollin: Als die arabischen Nachbarn verschwanden

Die Scho'ah überlebte Mirjam Pollin in Schweden. In einem Kibbutz erlebte sie die israelische Staatsgründung und den Ausbruch des Krieges. Dass sie ihre damaligen arabischen Nachbarn nie wiedersah, tut ihr bis heute leid.

Ich wurde 1926 in Deutschland geboren. Nach Israel kam ich im Januar 1948, wo ich mein Leben in einem ganz jungen Kibbutz, im Oberen Galiläa, anfing. Wir waren 50 Personen. Es gab Unruhen. Am Platz waren nur Männer und Frauen, die keine Kinder hatten. Dazu gehörten auch der Mann meines Lebens und ich. Zu unseren zwei arabischen Nachbardörfern hatten wir ein sehr gutes Verhältnis. Wir hatten gerade ausgemacht, ihnen eine Wasserleitung in die Dörfer zu legen, damit die Frauen nicht mehr bis zum Jordan laufen müssen, um Wasser zu schöpfen. Wir besuchten sie und sie besuchten uns.

Dann kam die Erklärung von Ben-­Gurion, von der Staatsgründung. Wir haben uns zwar gefreut, einige Stunden die Hora (Kreistanz) getanzt und ein bisschen Wein getrunken. Aber die Unruhen waren da, wir mussten sofort in Stellung gehen und aufpassen. Eines Tages sah ich nicht mehr, wie die arabischen Männer auf den Feldern arbeiten, wir sahen auch keine Frauen, die zum Jordan gingen, um Wasser zu schöpfen, das machte uns noch unruhiger. Da sind unsere Männer in die Dörfer rein und haben gesehen, dass sie leer waren.

Später haben wir gehört, dass sie aufgerufen wurden, von Syrien aus, sie sollen weg, man plant einen Angriff auf unseren Kibbutz. Wenn sie gesiegt haben, können sie alles nehmen, was sie finden. Zum Glück kam dieser Angriff nicht. Wir sind geblieben. Die Nachbarn wurden leider Flüchtlinge und durften nicht mehr zurückkommen. Nicht von Israel aus, sondern von den Syrern, weil sie sofort wussten, die Flüchtlinge sind eine politische Waffe, da werden sie immer das Mitleid der Welt bekommen. Es tut mir immer noch sehr leid, dass es so ging.

Auch heute: Gute Beziehungen zu Arabern

Jetzt wohne ich in einer kleinen Siedlung, wir haben ein arabisches Nachbardorf, Tarschiha, in unserem Dorf leben auch Araber, zusammen mit den Juden, wir haben das beste Verhältnis. Darüber schreibt man leider nicht, sondern nur, wenn etwas Böses passiert. Ich habe arabische Freunde, ich besuche sie, und sie besuchen uns.

Ich bin sehr froh, dass wir einen jüdischen Staat haben. In meiner Geschichte habe ich erleben müssen, dass Deutschland mich nicht haben wollte. Ich war einige Jahre in Schweden, ich kam dorthin mit dem Kindertransport, dort wollten sie mich auch nicht haben. Als ich hierher kam, noch vor der Staatsgründung, wurde ich mit einem Lächeln empfangen. Jeder freute sich. Dieses Gefühl, nach Hause zu kommen, ist etwas ganz Wunderbares. Wir haben bei Null angefangen, nur mit den Kleidern, die wir am Körper hatten. Ich fühle mich heute als reichste Frau. Denn ich habe ein warmes Bett, das Brot für morgen, eine Haushaltshilfe, und ich habe Kinder, Enkel und Urenkel.

Diesen Artikel finden Sie auch in der Ausgabe 3/2018 des Israelnetz Magazins. Sie können die Zeitschrift kostenlos und unverbindlich bestellen unter der Telefonnummer 06441/915152, via E-Mail an info@israelnetz.com oder online.

Aufgezeichnet von Elisabeth Hausen

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