Prinz William (l.) mit Staatspräsident Reuven Rivlin am Dienstag

Prinz William (l.) mit Staatspräsident Reuven Rivlin am Dienstag

Israelreise mit historischer Bedeutung

Der britische Prinz William reist durch Israel. Es ist ein historisches Ereignis – der erste offizielle Besuch eines Mitglieds des britischen Königshauses seit der Staatsgründung Israels vor 70 Jahren. Der dreieinhalbtägige Terminkalender ist vollgepackt. Auch Kontroversen begleiten den Staatsbesuch.

JERUSALEM (inn) – Prinz William befindet sich auf einer dreieinhalbtägigen Reise durch Israel. Am Montag landete der britische Royal in Tel Aviv. Er wurde von Verkehrsminister Jariv Levin und dem Knessetabgeordneten Amir Ohana von der Regierungspartei Likud empfangen.

Premierminister Benjamin Netanjahu hatte schon am Montagmorgen bei der Likud-Fraktionssitzung ein herzliches Willkommen an den Herzog von Cambridge ausgesprochen. Der Premier hob dabei den historischen Charakter des Besuchs hervor: Seit dessen Gründung 1948 ist Prinz William der erste Angehörige der britischen Königsfamilie, der offiziell den Staat Israel besucht – sieht man einmal von seiner Urgroßmutter Prinzessin Alice ab, die im Zweiten Weltkrieg Juden gerettet hatte und dafür in der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem geehrt worden war.

Kontroversen begleiten historische Annäherung

Ein historisches Detail ist hier von Bedeutung: Seine erste Nacht in Israel verbrachte der Prinz im „King David Hotel“, einem Luxushotel in Jerusalem. Dort hatte die zionistische Miliz Irgun 1946 – vor der israelischen Staatsgründung – einen Anschlag auf die im Hotel untergebrachte britische Mandatsregierung Palästinas verübt. Dabei waren zwischen 15 und 30 Briten getötet worden. Die genauen Zahlen sind bis heute ungeklärt. Prinz Williams Besuch ist das Ende eines 70-jährigen Quasi-Boykotts Israels durch das britische Königshaus, der mit dem Anschlag begonnen hatte.

Allerdings begleiten auch Kontroversen die historische Annäherung. Denn der offizielle Ablaufplan der Reise, herausgegeben vom Kensington-Palast, sah auch einen Besuch der Jerusalemer Altstadt vor – und bezeichnete diese als „besetzte palästinensische Gebiete“. Der israelische Minister für Jerusalemfragen, Se'ev Elkin, hatte sich darüber auf Facebook echauffiert. Eine „Verzerrung“ könne nicht „die Tatsache ändern“, dass Jerusalem seit 3.000 Jahren Israels Hauptstadt sei, schrieb er. Dass die Briten den Staatsbesuch politisierten, sei „bedauerlich“.

William besucht Yad Vashem, Netanjahu und Rivlin

Am Dienstag besuchte der Prinz die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem. Er wurde von deren Vorsitzendem Avner Shalev durch die Einrichtung geführt, legte einen Kranz nieder und traf zwei Überlebende des „Kindertransports“ – der Massenausreise von jüdischen Kindern aus dem Dritten Reich in den Jahren 1938/39 nach Großbritannien. William nannte den Besuch eine „zutiefst bewegende Erfahrung“ und hinterließ einen Eintrag im Gästebuch: „Es ist fast unmöglich, dieses schreckliche Ereignis zu begreifen … aber die Taten der Wenigen, die unter großem Risiko anderen halfen, sind eine Erinnerung an die menschliche Befähigung zu Liebe und Hoffnung“, schrieb der Prinz.

Am Nachmittag traf er sich zuerst mit Premierminister Netanjahu und danach mit Staatspräsident Reuven Rivlin. Rivlin bat William bei dem Treffen, dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas eine Botschaft des Friedens zu überbringen. „Alle Jerusalemer wissen, dass wir zusammenleben können und werden“, sagte der Präsident.

William lobt britisch-israelische Beziehungen

Am Dienstagabend hat William mit israelischen und arabischen Kindern Fußball gespielt. Organisiert wurde das Spiel vom Peres-Friedens-Zentrum. Es wurde vom 2016 verstorbenen ehemaligen Präsidenten Schimon Peres gegründet und setzt sich für eine friedliche Koexistenz von Israelis und Palästinensern ein. Ebenfalls beteiligt war die Jugendorganisation „The Equalizer“.

Zudem besuchte der Prinz einen Empfang des britischen Israelbotschafters David Quarrey in dessen Residenz östlich von Tel Aviv. In seiner Rede betonte William die Gemeinsamkeiten zwischen Großbritannien und Israel. Er sprach von „zwei offenen Gesellschaften, die durch Innovation, Vielfalt, Talent und Exzellenz gedeihen“. Die Beziehung zwischen Israel und Großbritannien sei „nie stärker gewesen“.

Botschafter Quarrey hatte im Vorfeld betont, er hoffe, der Besuch des Prinzen werde eine „Feier der modernen Partnerschaft zwischen dem Vereinigten Königreich und Israel“ sein. Williams Israelreise werde keine politische Botschaft beinhalten, da der Prinz keine politische Figur sei. „Er will ein wenig von dem Land sehen, Leute treffen und einen Eindruck von Israel bekommen“, hatte der Botschafter angekündigt.

Abbas betont Zwei-Staaten-Lösung

Fragt man seinen nächsten Gastgeber, hat Prinz William diese Woche allerdings zwei Staaten besucht. Am Mittwoch traf der Prinz den Präsidenten der Palästinensischen Autonomiebehörde Mahmud Abbas in Ramallah.

Abbas verwies bei dem Treffen auf eine Zwei-Staaten-Lösung. „Die palästinensische Seite engagiert sich für den Friedensprozess mit den Israelis, sodass beide Staaten friedlich in den Grenzen von 1967 zusammenleben können“, sagte er. Er hoffe, Prinz Williams nächster Besuch fände statt, nachdem Palästina seine Unabhängigkeit erreicht habe. William sagte, er sei froh, „dass unsere beiden Länder so eng zusammenarbeiten und in Sachen Bildung und humanitärer Hilfe Erfolg haben“. Wie Abbas wünsche auch er sich „anhaltenden Frieden“ in der Region.

Am Donnerstag soll Prinz William zurück nach Großbritannien fliegen – allerdings nicht ohne vorher das Grab seiner Urgroßmutter, Prinzessin Alice, besucht zu haben. Das ist im Rahmen einer Tour der Jerusalemer Altstadt geplant – eben jenes Ortes, dessen Bezeichnung als Besatzungsgebiet die Reise im Vorfeld so umstritten gemacht hatte.

Von: rmj

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