Dürfen nun offiziell auch Trauungen vornehmen: die Kes

Dürfen nun offiziell auch Trauungen vornehmen: die Kes

Regierung erkennt Oberhäupter äthiopischer Juden an

Die religiösen Führer äthiopischer Juden sind offiziell anerkannt. Damit dürfen sie zum Beispiel Trauungen vornehmen. Für den israelischen Premier Netanjahu ein überfälliger Schritt.

JERUSALEM (inn) – Israel hat die religiösen Führer der äthiopischen Juden, die Kes, offiziell anerkannt. Der Ministerausschuss für die Integration von Juden äthiopischer Herkunft hat dies am Montag in Jerusalem entschieden. Der israelische Regierungschef Benjamin Netanjahu sprach von einem „historischen Schritt“.

Der Entscheidung bedeutet, dass die Kes nun an religiösen Gremien des Staates teilnehmen dürfen. Auf diese Weise können sie sich für die Belange ihrer Glaubensgruppe stark machen. Zusätzlich dürfen sie aber auch Trauungen vornehmen oder Scheidungen besiegeln.

Interesse am Erbe

Für Netanjahu war diese Entscheidung überfällig. „Das Erbe Israels ist ein Mosaik vieler Gemeinschaften. Diese Gemeinschaft ist besonders, weil sie ihr Erbe in absoluter Isolation bewahrt hat“, sagte Netajahu laut einer Mitteilung seines Büros.

Die Leiterin der „Vereinigung für die Bildung und soziale Integration äthiopischer Juden“ (Fidel), Michal Avera Samuel, begrüßte ebenfalls den Schritt. „Die Entscheidung bindet die Tradition der äthiopischen Juden in das israelische Narrativ ein“, sagte sie laut der Nachrichtenseite „Jewish Press“. „Wir hoffen, dass die Regierungsentscheidung umgesetzt wird.“

Für Schimon Samai Elias, einen Kes, wurde mit diesem Schritt „der Gerechtigkeit Genüge getan“. Die Regierung habe im Jahr 2010 nur einige wenige Kes bezahlt und anerkannt. Sie habe damit gerechnet, dass der jüngeren Generation ihr Erbe weniger bedeutend sei, da sie in Israel aufwachsen würde. Nun sei das Gegenteil der Fall: „Sie wollen Bescheid wissen, sie wollen damit verbunden sein.“

Langer Weg der Integration

Nach Angaben des Ministerausschusses schreitet die Integration auch auf anderen Ebenen voran. So seien 66 von 71 Initiativen bereits umgesetzt. Deren Budget belaufe sich auf umgerechnet 38 Millionen Euro jährlich. Dazu gehören unterschiedliche Bemühungen, wie etwa die Förderung begabter Schüler oder die Integration in die Armee oder Polizei. Zusätzlich stehen seit 2017 für die kommenden fünf Jahre 27 Millionen Euro für Wohndarlehen zur Verfügung.

Die Integration äthiopischer Jude hat Mitte der 1970er Jahre begonnen. 1975 erkannten das israelische Rabbinat und der Staat Israel die äthiopischen Juden als Juden an. Israel brachte dann ab Mitte der 1980er Jahre in mehreren Transportaktionen tausende äthiopischer Juden ins Land. Zum Teil waren sie vor der marxistischen Diktatur in den Sudan geflohen.

Am 30. Juni 2008 nahm die Knesset das Sigd-Fest als Feiertag der äthiopischen Juden offiziell auf. Im Jahr 2016 schaffte es eine äthiopische Kurzgeschichte, „Ein Traum auf Kosten der Ehre“ von Girma Mengistu, in den israelischen Lehrplan.

Die äthiopischen Juden nennen sich auch „Beta Israel“ (Haus Israel). Ein Sonderfall stellen die Falasch Mura dar: Dabei handelt es sich um äthiopische Juden, deren Vorfahren unter Zwang zum Christentum konvertiert sind. Im Jahr 2003 erkannte Israel diejenigen als Juden an, die mütterlicherseits jüdische Vorfahren belegen könen. Im Jahr 2015 lebten etwa 135.000 äthiopische Juden in Israel.

Von: df

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