Angetan von moderner Kommunikation: Ajatollah Chatami

Angetan von moderner Kommunikation: Ajatollah Chatami

Erst gegen Twitter, nun selbst User

Der iranische Religionsführer Chatami konnte sich dem Reiz eines Twitter-Accounts trotz Verbots nicht entziehen. Der iranischen Bevölkerung entgeht diese Ironie nicht.

TEHERAN (inn) – Ein hochrangiger Kleriker im Iran ist in die Kritik geraten, weil er auf Twitter Kurznachrichten verbreitet. Der Haken daran: Ajatollah Achmad Chatami war jahrelang ein vehementer Gegner von Twitter. Er und andere Kleriker hatten Twitter im Iran sogar für illegal erklärt. Seit einigen Wochen twittert der erzkonservative, stellvertretende Gebetsführer Teherans aber nun selbst fleißig.

„Da kann man ja gut seine Meinung reflektieren“, sagte der Ajatollah, der zu den Anführern der islamistischen Hardliner im Iran gehört, der iranischen Nachrichtenagentur ISNA am Sonntag. In seinen Tweets verbreitet der 57-Jährige vor allem schiitisch-islamische Ansichten und Thesen.

Die de facto illegale Mitgliedschaft Chatamis sorgt bei zahleichen Iranern nicht nur für Kritik, sondern auch für Spott. „Erst verbieten, dann selber twittern ... geht's noch?“, schrieb ein iranischer User. Eine andere Perserin twitterte ironisch: „Der hatte ja alle Twitter-User als Söldner (Anmerkung der Redaktion: des iranischen Erzfeinds) Israels bezeichnet ... jetzt ist er selber einer.“

Trotz des Twitter-Verbots nutzen Millionen von Iranern - unter ihnen fast alle Medien und auch hochrangige Offizielle wie Präsident Hassan Rohani - den Kurznachrichtendienst. Sie verschaffen sich Zugang über kostenlose Datentunnel. Das Verbot gilt im Iran daher, besonders nach Chatamis Mitgliedschaft, als eines der lächerlichsten Gesetze im Land.

Von: dpa / df

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