Juden tragen Torahrollen in einer Prozession durch die Jerusalemer Altstadt

Juden tragen Torahrollen in einer Prozession durch die Jerusalemer Altstadt

Ausgelassenes Feiern als Dank für Gottes Lehre

Juden empfinden das Wort Gottes als kostbar und als großes Geschenk. Ihre Dankbarkeit dafür drückt sich im Fest der Freude über die Torah aus, mit dem das Laubhüttenfest endet.

Die Torah ist für Juden nicht primär ein Buch voller Gesetze, die ihnen auferlegt wären. Vielmehr freuen sie sich über die gute Lehre, die sie von Gott empfangen haben. So steht etwa in Psalm 119,130 geschrieben: „Wenn dein Wort offenbar wird, so erleuchtet es und macht klug die Unverständigen.“ Deshalb feiern Juden „Simchat Torah“ – das Fest der Freude über die göttliche Lehre. Es bildet den Abschluss des Laubhüttenfestes Sukkot. In diesem Jahr beginnt es in Israel am Abend des 11. Oktober.

Das Fest, das in der Bibel nicht vorkommt, ist geprägt von Ausgelassenheit und gilt als Inbegriff freudiger Festlichkeit. Nicht nur die Torah bietet einen Grund für Freude und Dankbarkeit. Auch die Vergebung der Sünden am großen Versöhnungstag Jom Kippur, der erst wenige Tage zurückliegt, ist Anlass zum fröhlichen Feiern.

In der Synagoge endet die jährliche Lesung der Wochenabschnitte (Paraschot) mit den letzten Versen des 5. Buches Mose (Kapitel 33 und 34). Direkt im Anschluss wird der Beginn des Ersten Buches Mose (1,1–6,8) vorgetragen. Die Segenssprüche über die Torah dürfen ausnahmsweise auch Kinder sprechen, die noch nicht die Bar Mitzva gefeiert haben, also noch nicht religionsmündig sind. Nur an Simchat Torah werden zwei Männer zur Torah-Lesung aufgerufen. Sie werden „Chatan Torah“ (Bräutigam der Torah) und „Chatan Bereschit“ (Bräutigam des Anfangs) genannt. Wegen der besonderen Ehre ist es üblich, dass sie ein festliches Mahl spendieren.

Dass auf die letzten Kapitel der Torah direkt die Schöpfungsgeschichte folgt, hat in der jüdischen Überlieferung unterschiedliche Erklärungen. Eine lautet, dass das Studium der Torah niemals unterbrochen werden soll. Zudem soll dieser Brauch den Satan davon abhalten, Israel zu beschuldigen, es freue sich über die Beendigung der Torah-Lesung und wolle damit nicht wieder von vorn beginnen.

Erst seit dem Mittelalter bekannt

Das Abschlussfest von Sukkot trägt den Namen „Schemini Atzeret“. Dazu heißt es in 3. Mose 23,36: „Am achten Tage sollt ihr wieder eine heilige Versammlung halten und sollt Feueropfer dem HERRN darbringen. Es ist eine Festversammlung; keine Dienstarbeit sollt ihr tun.“ Wie der erste Tag von Sukkot ist es deshalb ein voller Feiertag. Simchat Torah hingegen ist erst seit dem Mittelalter bekannt, vor dem Jahr 1000 ist es nicht nachweisbar. In Israel fallen die beiden Feste auf einen Tag. In der Diaspora feiern Juden sie an zwei aufeinanderfolgenden Tagen.

Seit dem 16. Jahrhundert gehören zu Simchat Torah die sogenannten „Hakkafot“ – Prozessionen mit den Torahrollen in der Synagoge. In Jerusalem gibt es traditionell einen Umzug zur Klagemauer. Juden tanzen mit den kostbaren Schriftrollen und singen vor Freude über die Güte Gottes, der sich ihnen in seinem Wort offenbart hat. Die Umzüge finden sowohl nach dem Abendgebet als auch im Morgengottesdienst statt. Häufig stellen Juden während der Hakkafot eine brennende Kerze in den leeren Torahschrein.

Von: Elisabeth Hausen

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