Die Initiatoren dieser Facebookseite streben gute Beziehungen zwischen dem Irak und Israel an

Die Initiatoren dieser Facebookseite streben gute Beziehungen zwischen dem Irak und Israel an

Liebesgrüße aus dem Irak

Der Irak ist nicht gerade als Freund Israels bekannt – im Gegenteil. Dass diese Feindseligkeit nicht alle irakischen Bürger teilen, zeigen derzeit überraschende Kommentare auf den arabischen Internetseiten des israelischen Außenministeriums.

BAGDAD / JERUSALEM (inn) – Verwunderung im israelischen Außenministerium: In den vergangenen Tagen sind auf den arabischen Internetseiten ungewöhnlich viele wohlwollende Kommentare aus dem Irak eingegangen. Viele User betonen die Gemeinsamkeit der beiden Staaten, weil sie jeweils unter Terror zu leiden hätten.

Abdallah Bassam aus der irakischen Hauptstadt schreibt etwa: „Botschaft von Bagdad nach Tel Aviv: Wir erkennen den Staat Israel an – das auserwählte und siegreiche Volk. Die Palästinenser sind Verräter, und bei ihnen gibt es Terroristen. Wir als Iraker werden uns freuen, Israel zu besuchen und den Besuch von Israelis in ihrer zweiten Heimat, dem großen Irak, fördern.“ Für die Palästinenser verwendete er laut der israelischen Tageszeitung „Yediot Aharonot“ ein Schimpfwort.

Dem Bericht zufolge bekundeten viele Iraker Kritik an der „Heuchelei der arabischen Völker“. Dabei hoben sie die Ägypter und Jordanier hervor, deren Länder einen Friedensvertrag mit Israel haben. Wenn sie gegen eine Normalisierung mit Israel seien, sollten sie sich konsequenterweise dafür einsetzen, dass der Vertrag annulliert wird. Immer wieder merken User an, der Staat Israel sei eine vollendete Tatsache. Es sei schade, Energie zu verschwenden, um diese Wirklichkeit zu ändern. Eine Normalisierung mit Israel werde den Irak wirtschaftlich weiterbringen und beim Wiederaufbau helfen.

Aufruf zur Vertreibung der Palästinenser

Badar aus Basra wird mit den Worten zitiert: „Die Iraker haben jahrelang gelitten, während die Israelis sich schon jahrzehntelang weigern, mit Terror zusammenzuwohnen. Man muss die Palästinenser in Staaten vertreiben, die Tod und Zerstörung ermutigen und lehren.“ Hierauf antwortete das israelische Außenministerium: „Wir teilen mit Ihnen die mutige Ansicht und wissen, dass Ihr gelitten habt. Wir sind im selben Boot bei allem, was mit Terror zusammenhängt. Wir hoffen, dass die Söhne des Irak Sicherheit genießen werden.“ Doch werde Israel niemanden vertreiben. Es gebe keine Alternative zu einem gemeinsamen Leben. „Wir glauben an Frieden in der Region.“

Ferner äußerten viele Iraker Kritik an den aus ihrer Sicht „undankbaren“ Palästinensern. Berichten zufolge haben in dem Land rund 1.200 Palästinenser Anschläge verübt, die Hunderte Todesopfer forderten. Ein paar User vermuten: Wenn die Al-Aksa-Moschee in Jerusalem in den Händen der Palästinenser wäre, würde sie zu einer Stätte von Anschlägen und Blutvergießen.

Said aus Bagdad indes gibt zu, dass er keine besondere Zuneigung zu den Israelis empfindet: „Alle Iraker sind mit Euch, aber nicht gerade aus Liebe. Israel hat Steine auf uns geworfen, während die arabischen Brüder Selbstmörder geschickt und sie finanziert und gegen uns gekämpft haben.“

Doch es gibt auch feindselige Kommentare. Demnach sollte jeder Iraker, der etwas auf sich hält, in Israel kämpfen und für „die Befreiung Palästinas und Jerusalems“ aktiv werden. Ein Nutzer namens Baschir formuliert dies so: „Ich als Iraker denke, dass Feinschaft gegenüber Israel eine Pflicht ist, genau wie es für uns eine Pflicht ist, zu fasten und zu beten. Der Sieg unserer palästinensischen Brüder ist ebenfalls eine Pflicht. Wir – Sunniten und Schiiten und Christen und Menschen aller Gemeinschaften – lieben Palästina.“

„Irakisches Volk zweigeteilt“

Jonathan Gonen leitet im Außenministerium die Abteilung der digitalen Demokratie in arabischer Sprache. Er moderiert den Internetauftritt, die Facebookseite und den Twitteraccount. Zu den Kommentaren sagte er: „Wir sehen, dass das irakische Volk zweigeteilt ist, aber allein die Tatsache, dass solche Bekenntnisse öffentlich und ohne Furcht gemacht werden, reicht, um zu bezeugen, dass es sich nicht um eine Randerscheinung handelt.“ Wenn solche Meinungen vor 20 bis 30 Jahren geäußert worden wären, hätte ihre Urheber der Strick erwartet.

Manche Iraker schicken den Israelis gar liebevolle Emoticons – wie Herzchen oder Küsschen. Für die Mitarbeiter des Ministeriums ist das eine Erquickung: „Wir halten uns daran wie an der Luft zum Atmen, weil es alle Flüche ausgleicht, die wir täglich, stündlich, minütlich und sogar sekündlich aufsaugen. Es macht Spaß, das zu sehen.“

Im Internet irakisch-israelische Beziehungen vorbereiten

Indes hat eine Gruppe Iraker im vorigen Monat eine Facebookseite eröffnet, die Freundschaft mit Israel fördern möchte. Ein Ziel sei es, Beziehungen und einen Dialog zwischen den beiden Staaten zu schaffen. „Wir sind eine Gruppe irakischer Staatsbürger, die dazu aufrufen, Kanäle der zivilen Zusammenarbeit zwischen uns und israelischen Staatsbürgern zu öffnen. Dazu haben wir eine Unterstützungskampagne eröffnet, um die Sicherheit des Staates Israel zu wahren“, heißt es auf der Seite.

Die Initiatoren verurteilen jegliche Terrorangriffe auf Israelis. „Als Staat, der unter Terror gelitten hat und noch leidet, sind wir uns des großen Schmerzes bewusst, den diese Angriffe verursachen. Trotz der konkreten Gefahr für uns haben sich dieser Kampagne bereits Tausende Iraker angeschlossen.“

Neu ist zudem eine irakische Internetseite, die sich „Projekt helle Zukunft“ nennt. Sie will diplomatische Beziehungen zwischen Israel und dem Irak vorbereiten. Das Motto lautet: „Irak und Israel sind Bundesgenossen“.

Von: eh

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