Das harte militärische Training wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus – und damit auf die Lebenserwartung
Das harte militärische Training wirkt sich positiv auf die Gesundheit aus – und damit auf die Lebenserwartung

Wie die Wehrpflicht die Lebenserwartung beeinflusst

Männer in Israel haben weltweit die zweithöchste Lebenserwartung. Das verdanken sie unter anderem der Religiosität im Staat. Ein noch wichtigerer Faktor ist jedoch der Militärdienst.

JERUSALEM (inn) – Die tatsächliche Lebenserwartung für Männer in Israel weicht deutlich von den Zahlen ab, die Wissenschaftler anhand der üblichen Kriterien berechnen. Das Taub-Zentrum für Sozialstudien in Jerusalem hat nun weitere Faktoren ermittelt, welche die Lebensdauer beeinflussen. Dabei spielt vor allem die Wehrpflicht eine wichtige Rolle.

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnten Männer in Israel 2013 mit einem Lebensalter von durchschnittlich 81 Jahren rechnen. Damit belegte der jüdische Staat Platz 2 unter 170 Ländern, gemeinsam mit Island, Singapur und der Schweiz. Den 1. Rang nahm San Marino ein. Der weltweite Durchschnitt betrug 68,8 Jahre. Innerhalb der Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) lag er bei 77,7 Jahren.

Der Professor Alex Weinreb arbeitet für das Taub-Zentrum. Er stellte fest, dass die allgemein bekannten Faktoren mehr als 80 Prozent der unterschiedlichen Lebenserwartung in den Ländern erklärten. Dazu gehören Wohlstand, Bildung und Ungleichheit, das Gesundheitssystem, aber auch Kriterien wie das Bevölkerungswachstum.

Wenn diese Unterschiede berücksichtigt werden, ist die Lebenserwartung in Israel deutlich höher als vorhergesagt – sie weicht je nach Modell 6,3 bis 7,2 Jahre vom errechneten Wert ab. Auf einer entsprechenden Skala belegt Israel den zweiten Platz hinter Samoa und den ersten Rang innerhalb der OECD. Die hohe Abweichung ist seit mindestens 20 Jahren zu verzeichnen. 1990 betrug sie 3,8 Jahre, 2000 waren es bereits 5,85 Jahre.

Geographie und Religion

Da die anerkannten Kriterien die hohe Lebenserwartung nicht erklären, zog Weinreb zusätzliche Faktoren in Erwägung. Die Auswahl der Länder wurde auf 133 verkleinert. In einem ersten Schritt ging der Forscher auf geographische Eigenschaften ein. Länder, die sich an einer Küste befinden, liegen im oberen Bereich der Lebenserwartung. Eine Entfernung von mehr als 40 Breitengraden vom Äquator wirkt sich hingegen negativ aus. Israels geographische Lage erklärt nach Weinrebs Angaben 2,1 Jahre der Abweichung vom errechneten Wert. Damit waren noch 5,4 Lebensjahre ungeklärt.

Daraufhin befasste sich das Taub-Zentrum mit der Religiosität, deren positive Auswirkungen auf die Gesundheit durch mehrere Studien bekannt sind. Weinreb untersuchte die Beziehung zwischen Staat und Religion weltweit zwischen 2007 bis 2012. Dadurch konnte er weitere 1,8 Jahre der Abweichung nach oben erklären, es blieben 3,65 Jahre Unterschied zum errechneten Wert.

Wehrpflicht mit dem größten Einfluss

Nun kam die allgemeine Wehrpflicht in den einzelnen Ländern ins Spiel. Weinreb bezog sich wegen der Langzeitwirkung auf Daten von 1990. Auch untersuchte er, welcher Anteil des jeweiligen Bruttoinlandsproduktes für Verteidigung zur Verfügung steht. Dadurch ließen sich etwa sechs Monate der Abweichung in Israel erklären. Am Ende konzentrierte sich der Wissenschaftler auf die Interaktion zwischen Militärausgaben und der Länge des Wehrdienstes. Dies hob die Differenz fast vollständig auf. Der jüdische Staat befand sich nun auf dem 70. Rang und in der OECD auf dem 22. Platz.

Weinreb schreibt dazu: „Selbst wenn ein Beitrag zur öffentlichen Gesundheit nicht ein Ziel eines verpflichtenden Wehrdienstes ist, hat er eine große Bedeutung für zukünftige politische Entscheidungen. Es ist möglich, Gesundheit durch die Investition in Einrichtungen zu beeinflussen, die nicht direkt etwas mit Gesundheitsvorsorge zu tun haben. In Israel ist die Armee eine Behörde mit einem besonderen Status, der es ihr ermöglicht, die öffentliche Gesundheit zu beeinflussen.“

In Israel gibt es eine relativ geringe Sterblichkeit durch Herzerkrankungen und bestimmte Krebsarten, die durch körperliche Ertüchtigung beeinflusst sind. Solche Todesfälle treten bei Arabern, die nicht wehrpflichtig sind, häufiger auf als bei Juden. In den 34 OECD-Ländern haben Frauen durchschnittlich 5,5 Jahre länger zu leben als Männer. In Israel, wo auch Frauen Wehrdienst leisten, beträgt der Unterschied nur drei Jahre. Die vollständige Studie erscheint Ende Dezember im Bericht über die Lage der Nation. (eh)

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Von: eh

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