Wissenschaft | 01.11.2016

Archäologen haben Artefakte aus der Zeit des Ersten Tempels auf dem Tempelberg gefunden

Archäologen haben Artefakte aus der Zeit des Ersten Tempels auf dem Tempelberg gefunden
Foto: Martin Nowak

Israelische Ausgrabungen auf dem Tempelberg

Die für den Tempelberg zuständige islamische Behörde Wakf und die Israelische Altertumsbehörde arbeiten anscheinend – wenn auch nur eingeschränkt – zusammen. Das wurde bei einem Archäologenkongress in Jerusalem deutlich. Zudem haben Archäologen eine Inschrift in einer Dorfmoschee nahe Hebron gefunden, die den Jerusalemer Tempelberg als den Ort des Tempels Salomos bezeichnet.

JERUSALEM (inn) – „Es ist das erste Mal, dass wir Artefakte aus der Zeit des Ersten Tempels in situ auf dem Tempelberg gefunden haben“, sagte der Leiter der Israelischen Altertumsbehörde, Juval Baruch, bei einem Archäologiekongress in Jerusalem. Erstmals wurde öffentlich eingestanden, dass es doch eine beschränkte Zusammenarbeit zwischen dem Wakf, der verantwortlichen islamischen Behörde auf dem Jerusalemer Tempelberg beziehungsweise Haram al-Scharif, und Archäologen der israelischen Altertumsbehörde gibt. Sie kam zustande, nachdem der Wakf eine Baugenehmigung für Infrastrukturarbeiten beantragt hatte.

Bisher gab es dazu nur Gerüchte. Doch nun stellt sich heraus, dass israelische Fachleute den Bauarbeitern bei der Verlegung von neuen Stromleitungen zum Felsendom über die Schulter schauen durften, also an jener Stelle, wo mutmaßlich der Tempel des Salomon gestanden haben soll. Die Archäologen durften Kleinfunde zwecks Analyse und Forschung mitnehmen.

Seit den Zeiten des Britischen Mandats vor der Gründung des Staates Israel 1948 hatte es keinerlei archäologische Forschungen auf jenem Plateau gegeben, das wegen der zerstörten biblischen Tempel und der heutigen muslimischen Moscheen als die heiligste Stätte auf Erden gilt. Sie ist zwischen Juden, Christen und Moslems höchst umstritten. Seit dem 7. Jahrhundert stehen dort muslimische Heiligtümer, während die jüdisch-christliche Vergangenheit heute sogar von der UNESCO verleugnet wird.

Pragmatische Zurückhaltung Israels

Bei der Präsentation auf dem Campus der Hebräischen Universität in Jerusalem wurden Olivenkerne, Tierknochen und Töpferscherben aus der Zeit des Ersten Tempels zwischen dem 8. und 6. Jahrhundert vor Christus vorgestellt. Erstmals wurden solche Funde auf dem Tempelberg selbst gemacht, als Bauarbeiter unter den heutigen Steinplatten Gräben für die Stromkabel ausgehoben haben. Die Funde selbst boten keine „Sensation“. Denn schon seit zehn Jahren durchsieben Archäologen unter der Leitung von Gabriel Barkay Aushub vom Tempelberg. Diesen Aushub hatten die Moslems ohne jegliche archäologische Überwachung für den Bau ihrer unterirdischen Moschee in „Salomons Ställen“ im Süden des Tempelbergs mit Bulldozern auf Lastwagen geladen und dann auf einer Müllhalde im Kidrontal entsorgt. In diesem Aushub wurden Münzen, Speerspitzen, Scherben und sogar Reste des Marmorfußbodens der Vorhallen des Tempels in der herodianischen Zeit gefunden. Diese Funde sind aus ihrem historischen Kontext herausgerissen und nicht vor Ort dokumentiert worden. Das mindert ihren wissenschaftlichen Wert.

Seit der israelischen Eroberung Ostjerusalems 1967 vermeidet die israelische Regierung jede Einmischung auf dem Plateau, obgleich es eine ständige Präsenz der Polizei dort gibt, allerdings ohne die üblichen Hoheitszeichen. Trotz lautstarker und weltweiter Proteste von Archäologen hatte die Regierung immer wieder die Augen zugedrückt, als Moslems ohne Rücksicht auf historische Bestände Renovierungsarbeiten durchführten. Jede israelische Einmischung hätte zu Spannungen mit der muslimischen Welt und gar zu einem „Weltkrieg“ führen können. Aus pragmatisch-politischen Gründen war die Regierung bereit, den Preis der systematischen Zerstörung aller jüdischer Vergangenheit an der heiligsten Stätte des Judentums zu bezahlen.

Trotz der jetzt bekannt gewordenen gelegentlichen Zusammenarbeit kann von einer systematischen Erforschung des Tempelberges keine Rede sein. So verrotten ungeschützt Balken aus Zedernholz am Goldenen Tor. Sie dienten einst als Dachbalken der ursprünglich schon teilweise von König Herodes errichteten heute so bezeichneten Al-Aksa-Moschee . Es könnten Balken sein, die König Salomon aus dem Libanon zur Errichtung seines Tempels vor 2.800 Jahren importiert hatte. Die Wakf-Behörde entsorgte sie, als nach einem Brand 1969 die Al-Aksa-Moschee renoviert werden musste.

Inschrift in Dorfmoschee des 9. Jahrhunderts: Ort von Salomos Tempel

Bei der Konferenz in Jerusalem haben die israelischen Archäologen Assaf Avraham und Peretz Reuven ihre Forschungen zu original-muslimischen Dokumenten aus dem 8. Jahrhundert vorgestellt – aus der Zeit, als sich der Islam etablierte. So wurde in einer Dorfmoschee nahe Hebron eine Inschrift aus dem 9. Jahrhundert entdeckt, die Jerusalems Tempelberg als Ort des Tempels Salomos kennzeichnet. Aus diesem Grund hätten die Moslems dort ihre Moscheen errichtet. Nach Angaben der Forscher gebe es aus dieser Periode sogar Münzen mit der Abbildung des siebenarmigen Leuchters im jüdischen Tempel. Noch in den 1990er Jahren verteilte der Wakf in Jerusalem Broschüren an Touristen, in denen auf die jüdischen Tempel hingewiesen wurde, an deren Stelle der Felsendom errichtet worden sei.

Erst seit Ausbruch der sogenannten „Zweiten Intifada“ im Herbst 2000 gingen die Palästinenser dazu über, die jüdische wie christliche Vergangenheit dieser Stätten zu verleugnen. Jasser Arafat hatte erstmals im Gespräch mit Präsident Bill Clinton und Premierminister Ehud Barak die jüdische Vergangenheit auf dem Tempelberg abgestritten. Das war angeblich ein entscheidender Grund für das Scheitern des Friedensgipfels in Camp David . Mit den mehrheitlichen Beschlüssen der UNESCO zum Tempelberg hat Arafats Sicht jetzt auch eine international unterstützte Zustimmung erhalten. (uws)

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