Tourismus | 10.10.2016

Bei Jerusalem blendet das palästinensische Tourismusministerium eintausend Jahre Geschichte aus

Bei Jerusalem blendet das palästinensische Tourismusministerium eintausend Jahre Geschichte aus
Foto: Travelpalestine.ps, Screenshot Israelnetz

Wie Palästinenser Judentum und Bibel auslöschen

Die Tageszeitung „Ha‘aretz“ kritisiert zu Recht einen fehlerhaften israelischen Stadtplan. Doch zu einem ebenso einseitigen Internetauftritt des palästinensischen Tourismusministeriums schweigt sie, wie Nahostkorrespondent Ulrich W. Sahm feststellt.

Das israelische Tourismusministerium korrigierte kürzlich eine problematische Touristenkarte zu Jerusalem. Fast alle muslimischen heiligen Stätten waren wegzensiert, während jüdische Stätten mit Übertreibung notiert waren. Die linksgerichtete und extrem regierungskritische Zeitung „Ha‘aretz“ hatte das aufgedeckt. Das Ministerium schwieg erst dazu, gab dann aber wegen öffentlichem Druck nach und veröffentlichte eine ausgewogenere Karte. Der Artikel endete mit dem Vermerk: Der Anwalt Daniel Seidemann, der immer wieder Palästinenser in Jerusalem vertritt, begrüßte die Überarbeitung.

Da sich Seidemann „immer wieder für Palästinenser“ einsetzt, könnte man zum Schluss kommen, dass auf der palästinensischen Seite alles zum Besten steht, damit die sich nicht zum „Gespött der Besucher“ machen.

Das palästinensische Tourismusministerium, zuvor von Chulud Daibes geleitet, die heute palästinensische Botschafterin in Berlin ist, bietet Touristen und Pilgern detaillierte Angebote für Besuche in „Palästina“. Die „offizielle Seite für Tourismus in Palästina“ beschreibt Sehenswürdigkeiten in dem von Israel annektierten Jerusalem und sogar in dem für Touristen kaum zugänglichen Gazastreifen. Da erfährt man zum Beispiel, dass die geteilte Grenzstadt Rafah, rund 11 Kilometer vom Mittelmeer entfernt, eine „Stadt am Strand mit Sanddünen und Palmen“ sei. Die Stadt Gaza wird als eine der „ältesten Städte der Welt“ vorgestellt mit dem Bild eines Luxushotels mit Schwimmbad.

Hebräische Bezeichnung für Jerusalem fehlt

Wie „ausgewogen“ das palästinensische Tourismusministerium die Sehenswürdigkeiten darstellt, kann man schon auf den ersten Blick bei „Jerusalem (Al-Quds)“ erkennen. Neben Gaza ist Jerusalem vermeintlich eine der ältesten ununterbrochen bewohnten Städte. Bei der Aufzählung der historischen Namen der Stadt von Urusalima über Aelia Capitolina bis Al-Quds fehlt erstaunlicherweise die hebräische Bezeichnung „Jeruschalajim“, aus der das uns bekannte Jerusalem wurde. In der Aufzeichnung der vergangenen Perioden von der Bronzezeit über die hellenistische und römische Zeit bis heute ist die nicht ganz unwichtige tausendjährige Periode zwischen König David und der Epoche des Herodes völlig ausgeblendet.

Als Sehenswürdigkeiten werden neben der Al-Aksa-Moschee vor allem christliche Stätten wie die Grabeskirche , Gethsemane oder das Grab der Maria empfohlen. Ausgrabungen aus der Zeit des Herodes und Jesu oder jüdische heilige Stätten wie die Klagemauer werden nicht erwähnt. Bei der Beschreibung des Felsendoms (Kubbat as-Sachra), des „exquisiten muslimischen Bauwerks“, wird nur die Himmelfahrt des Propheten Muhammad erwähnt. Kein Wort zu den jüdischen wie christlichen Traditionen rund um den Felsen oder gar die Erwähnung eines jüdischen Tempels, der dort fast tausend Jahre lang gestanden hat.

Messias-Tradition ausgeblendet

Bethlehem wird natürlich als Geburtsstadt Jesu dargestellt, aber es gibt keinen Hinweis darauf, weshalb Maria und Josef von Nazareth ausgerechnet nach Bethlehem gereist sind. Dass König David dort geboren ist und ein wichtiges Element der jüdisch-christlichen Messias-Tradition ist, wird ausgeblendet. Neben Sehenswürdigkeit in der Umgebung ist noch an letzter Stelle Masdschid Bilal erwähnt, die „Moschee des Bilal“, eher bekannt als „Rahels Grab“.

Die Stätte ist demnach „Christen, Moslems und Juden“ (in dieser Reihenfolge) heilig und wurde erst in der osmanischen Periode errichtet, also bestenfalls vor 400 Jahren. Gleichwohl wurde die Stelle schon in biblischer und mittelalterlicher Zeit von jüdischen und christlichen Reisenden besucht. Doch das unterschlägt das palästinensische Tourismusministerium.

Das biblische Sichem hat es offenbar nie gegeben. Denn das heutige Nablus wurde erst im Jahr 72 von „flavianischen Kaisern“ als Teil der römischen Dynastie gegründet. Ähnliches Fehlen jüdischer Geschichte kann man auch bei allen anderen Städten entdecken, die das Tourismusministerium empfiehlt. Zwar wird gelegentlich „Herodes in der römischen Periode“ erwähnt und natürlich immer wieder auch Jesus. Doch wo sie herkamen, zu welchem Volk sie gehörten und wieso sie ausgerechnet in Jerusalem wirkten, bleibt dem Leser vorenthalten.

Weder „Ha‘aretz“ noch der dort erwähnte Anwalt David Seidemann wären wohl auf die Idee gekommen, diese offizielle Publikation des palästinensischen Tourismusministeriums unter die Lupe zu nehmen. Denn das hätte sich dadurch „bei Besuchern zum Gespött“ gemacht oder vielleicht gar unangenehme Fragen zur Politik Palästinas aufgeworfen.

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