Tourismus | 07.10.2016

Die Al-Aksa-Moschee gehört zu den Stätten, die auf dem neuen Stadtplan deutlich zu erkennen sind

Die Al-Aksa-Moschee gehört zu den Stätten, die auf dem neuen Stadtplan deutlich zu erkennen sind
Foto: Israelnetz/Elisabeth Hausen

Korrektur: Jerusalem-Stadtplan nun mit muslimischen Stätten

Zuerst stellte sich das israelische Tourismusministerium hinter einen einseitigen Stadtplan. Dann besann es sich doch noch eines Besseren – ohne dies offiziell kundzutun.

JERUSALEM (inn) – Das israelische Tourismusministerium hat einen englischsprachigen Stadtplan korrigiert, der am Jaffator an Besucher der Jerusalemer Altstadt ausgegeben wurde. Kritiker hatten moniert, dass darauf fast keine christlichen und muslimischen Stätten namentlich gekennzeichnet waren. Hingegen seien verhältnismäßig unbedeutende jüdische Einrichtungen benannt worden. Auch habe das offizielle Dokument von Fehlern gewimmelt, schreibt die israelische Tageszeitung „Ha‘aretz“.

Das Blatt hatte im April über den aus seiner Sicht tendenziösen und fehlerhaften Stadtplan berichtet. Demnach waren dort insgesamt 57 Sehenswürdigkeiten aufgelistet – darunter eine muslimische und fünf christliche, zu denen die Grabeskirche zählte. 25 der jüdischen Gebäude befanden sich im muslimischen Viertel der Altstadt und seien von Juden besetzt worden. Sie gehören zu „Ateret Cohanim“, einer Organisation, die Juden in palästinensisch geprägten Stadtteilen ansiedeln möchte. Viele seien erfahrenen Stadtführern völlig unbekannt.

„Im Gegensatz dazu war auf dem Plan kein Raum, um die St.-Annenkirche beim Löwentor zu markieren, noch ist die Erlöserkirche , die den höchsten Kirchturm in der Altstadt hat, in der Legende aufgeführt, auch wenn sie auf dem Plan erscheint“, merkte „Ha‘aretz“ seinerzeit an. „Während die Via Dolorosa als Stätte gelistet ist, ist keine ihrer Stationen an der Straße gekennzeichnet, obwohl Millionen Pilger jedes Jahr von einer zur anderen marschieren.“

Unterschiedliche Schriftgrößen

Der Tempelberg war nur mit diesem Namen oder der jüdischen Bezeichnung „Berg Moriah“ versehen, obwohl der arabische Ausdruck „Haram al-Scharif“ in der Altstadt besonders geläufig sei. Als einzige muslimische Sehenswürdigkeit hatte der Felsendom einen Schriftzug. Die Al-Aksa-Moschee war eingezeichnet, aber nicht benannt, östlich davon verwies der Plan auf die „Ställe Salomos“. Der Hinweis auf das jüdische Viertel hatte zudem eine größere Schrift als beim muslimischen, christlichen und armenischen Viertel. Der Pfeil, der das Gartengrab außerhalb der Altstadt kennzeichnen sollte, habe in die falsche Richtung gezeigt, heißt es weiter.

Der israelische Stadtführer Schalom Bogoslavski sagte, er sei angesichts dieser Darstellung ratlos. Er müsse wohl zu Besuchern sagen: „Oh ja, Herr Tourist, wir haben noch nicht entschieden, ob wir ein Land oder ein Shtetl sind. Deshalb hat ein Beamter 1.300 Jahre Jerusalemer Geschichte von der Landkarte verschwinden lassen und stattdessen die Häuser seiner Freunde markiert.“

Auf dem Stadtplan prangte das Logo des Tourismusministeriums, der Herausgeber wurde nicht genannt. Dieses teilte auf Anfrage mit: „Das Tourismusministerium des Staates Israel steht hinter dem, was auf dem Stadtplan dargestellt ist. Der Plan, der in Zusammenarbeit mit Fremdenführern hergestellt wurde und ihre Empfehlungen und die enormen Kenntnisse, die sie gesammelt haben, berücksichtigt hat, ist nützlich und passend, da er die Haupttouristenstätten auflistet.“

Neuer Plan mit Kreuzwegstationen und Al-Aksa-Moschee

Offenbar kam den Verantwortlichen dann doch die Erkenntnis, dass dieser Plan kein gutes Licht auf Israel werfe. In den vergangenen Wochen habe ihn das Ministerium heimlich, still und leise ausgetauscht, berichtete die Zeitung am Donnerstag. Dieser enthält keine Gebäude mehr, die zu „Ateret Cohanim“ gehören. Die Kreuzwegstationen der Via Dolorosa sind eingezeichnet, Kirchen auf dem Ölberg und dem Zionsberg wurden hinzugefügt. Es gibt einen Hinweis auf die Al-Aksa-Moschee . Die Bezeichnung „Berg Moriah“ wurde gestrichen.

Der Anwalt Daniel Seidemann, der immer wieder Palästinenser in Jerusalem vertritt, begrüßte die Überarbeitung: „Jemand im Ministerium ist zur Besinnung gekommen. Der vorige Stadtplan machte uns bei Besuchern zum Gespött und warf unangenehme Fragen über Israels Politik in Jerusalem auf.“ (eh)

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