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 Hintergrund | 29.01.10

Am Fest "TU BiSchvat" pflanzen die Menschen in Israel Bäume (Foto: Johannes Gerloff)

"TU BiSchvat", das "Neujahrsfest der Bäume"

Am 30. Januar feiern die Israelis das diesjährige "Neujahrsfest der Bäume", "TU BiSchvat." Es ist eine Art Frühlingsfeier aus Freude über die ersten Baumknospen. Traditionell werden zu diesem Fest Bäume gepflanzt.

"Wenn ihr in das Land kommt, sollt ihr allerlei Bäume pflanzen!" Unter dieser Überschrift aus 3. Mose 19,23 laden die Schulen in Israel Eltern und Schüler dazu ein, die Flora ihres Heimatlandes besser kennen zu lernen. Im Rahmen besonderer Veranstaltungen bekommen die Schüler nicht nur ihre Halbjahreszeugnisse, sondern wird auch der Frühlingsanfang gefeiert. In den Tagen um "TU BiSchvat" ziehen die Schulklassen aus, um in der Umgebung ihres Wohnortes neue Bäume zu pflanzen.

 

Wörtlich übersetzt bedeutet "TU BiSchvat" der "15. Tag des Monat Schvat". "Schvat" heißt der fünfte Monat im jüdischen Kalender, der in die Monate Januar und Februar des gregorianischen Kalenders fällt.

 

Das "Neujahrsfest der Bäume" ist in der jüdischen Tradition ein "Halbfeiertag", weil seine Einhaltung nicht in der Bibel geboten wird und er auch im Talmud kaum erwähnt wird. Fasten ist an diesem Tag nicht erlaubt.

 

Im ersten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung wählte die Gelehrtenschule "Beit Hillel" den 15. Schvat, um den Zehnten der Früchte für ein Jahr festlegen zu können. Die Frucht derjenigen Bäume, die nach dem 15. Schvat blühen, wird also im folgenden Jahr besteuert. Die Bestimmung war den Rabbinern deshalb wichtig, weil man in einigen, eher tropischen Regionen des Landes Israel manche Früchte fast das ganze Jahr über anbauen und ernten kann. Das Datum wurde gewählt, weil vor dem 15. Schvat im Land Israel der meiste Regen des Jahres fällt. "TU BiSchvat" hat also eine ganz praktische Bedeutung, wenn das Volk Israel im Land Israel lebt.

 

Verschiedene Fruchtsorten essen

 

In den aschkenasischen Gemeinden Europas war es Sitte, an diesem Tag 15 verschiedene Arten von Früchten zu essen. Dabei wurde natürlich den Früchten, für die das Land Israel schon in biblischen Zeiten berühmt war, eine besondere Bedeutung beigemessen: Trauben, Feigen, Granatäpfel, Oliven und Datteln. Während des Essens wurden der Psalm 104 und die 15 Wallfahrtspsalmen (120 bis 134) rezitiert. Aber vielfach war "TU BiSchvat" nicht mehr als ein besonderer Eintrag im Kalender. Der bekannte deutsche Rabbiner Samson Raphael Hirsch erwähnt das "Neujahrsfest der Bäume" in seinem 500 Seiten starken Buch "Choreb oder Versuche über Jissraels Pflichten in der Zerstreuung" aus dem Jahre 1838 nicht ein einziges Mal.

 

In der sephardischen Tradition Südeuropas, Asiens und Nordafrikas entwickelte sich "TU BiSchvat" zu einem "Fest der Früchte" mit einer speziellen Gottesdienstordnung. In deren Rahmen wurden nicht nur ausführliche Gebete und Passagen aus der Heiligen Schrift gelesen, sondern auch vier Kelche Wein getrunken, wie beim Passahmahl.

 

Mit den ersten landwirtschaftlichen Siedlungen, die von Juden im Land Israel im 19. Jahrhundert aufgebaut wurden, gewann auch "TU BiSchvat" eine neue Bedeutung. Das "Neujahrsfest der Bäume" symbolisiert die Neubelebung und Befreiung des Landes und die Eroberung der Wüste. Während die jüdischen Kinder in der Diaspora an diesem Tag schulfrei hatten, ist er heute voller Aktivitäten. Es werden TU-BiSchvat-Lieder gesungen und viel getanzt. Natürlich nutzt der Jüdische Nationalfonds, Keren Kajemet LeJisrael, den Anlass weltweit, um für sein Anliegen des Bodenerwerbs und der Aufforstung in Israel zu werben.

 

Die Phantasie der jüdischen Tradition denkt sich die Bäume als Gemeinde, mit Rabbi, Vorbeter und Schammes (Synagogendiener). In ihrer ganz eigenen Art loben die Bäume den Schöpfer, haben ihre eigenen Melodien beim Verlesen der Torah, so wie das vor langer Zeit schon der Prophet Jesaja gesagt hatte: "Berge und Hügel sollen vor euch her frohlocken mit Jauchzen und alle Bäume auf dem Felde in die Hände klatschen" (Jesaja 55,12).


Von: Johannes Gerloff (Jerusalem)



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