Sport | 27.07.2012

Gewitterwolken über dem Londoner Olympiastadion: Der Streit um das Gedenken für die israelischen Terror-Opfer dauert an.
Foto: EG Focus, Wikipedia | CC-BY 2.0
Eine Gedenkminute für die elf israelischen Opfer des München-Massakers von 1972 fordern die Witwen der damals Ermordeten. Sie hätte bei der Eröffnungsveranstaltung der Olympischen Spiele in London am Freitag stattfinden sollen. Der Forderung hatten sich mehr als 100.000 Menschen und Institutionen angeschlossen, darunter auch US-Präsident Barack Obama, der Deutsche Bundestag, das kanadische Parlament und die Knesset . Aber das Internationale Olympische Komitee (IOC) und der englische Premierminister David Cameron lehnten ab. Es habe am vergangenen Montag eine Schweigeminute im olympischen Dorf gegeben, außerdem seien eine Erinnerungsveranstaltung und ein Gedenkgottesdienst geplant.
Palästinenser begrüßen Absage
Der Präsident des palästinensischen olympischen Komitees, Dschibril Radschub, befürwortet die Absage des IOC-Chefs Jacques Rogge. Sport sei eine Brücke zur Liebe. Trennung und Ausbreitung von Rassismus solle nicht vom Sport gefördert werden, zitiert das israelische Medienbeobachtungsinstitut „Palestinian Media Watch“ (PMW) aus einem Brief an Rogge. Und ein rassistischer Akt wäre für die Palästinenser eine solche öffentliche Schweigeminute.
Die palästinensische Zeitung „Al-Hajjat al-Dschadida“ sprach statt von einem Terroranschlag von „der München-Operation, welche während der Olympischen Spiele 1972 durchgeführt wurde“. Die palästinensischen Mörder seien für sie keine Terroristen, sondern Helden. Der Chef der „Operation“ sei ein „funkelnder Stern“ und die Tat eine seiner vielen „scheinenden Aktionen“, berichtet PMW.
USA bedauern Entscheidung
15 US-Kongressmitglieder hielten hingegen am gestrigen Donnerstag in Washington eine selbst initiierte Gedenkminute für die Opfer von vor 40 Jahren ab. Das berichtet der amerikanische Nachrichtensender „FOX 5“ auf seiner Internetseite. Sie wollten damit den Druck auf das IOC erhöhen. Das Kongressmitglied Steve Israel aus New York sagte: „Wir werden von dem Ausspruch ‚Vergiss niemals‘ geleitet. Das Internationale Olympische Komitee möchte vielleicht vergessen, aber das werden wir nicht zulassen.“
Die amerikanische Außenministerin Hillary Clinton habe sich persönlich mit einem Brief an das IOC für den Wunsch der Witwen eingesetzt. Es sei enttäuschend und bedauerlich, dass die Verantwortlichen dem Vorschlag nicht gefolgt seien, sagte Victoria Nuland, Sprecherin des Außenministeriums, am gestrigen Donnerstag.
IOC-Ehrenmitglied Tröger verteidigt das „Nein“
„Man muss einfach sehen, dass diese ganze große Gemeinde, die hier versammelt ist, vor allem die Aktiven, gar nicht wissen, wovon die Rede ist“, verteidigte IOC-Ehrenmitglied Walther Tröger die Ablehnung am heutigen Freitag im Deutschlandradio Kultur. Der „Hype“ sei „unnötig“. Tröger war 1972 als Bürgermeister des olympischen Dorfes an den Verhandlungen mit den palästinensischen Terroristen beteiligt.
11 Kommentare
Warum immer und permanent in der Vergangenheit denken?
Dauernd wird gejammert, denkt an unsere Opfer der Vergangenheit. Wer gedenkt der Opfer in der heutigen Zeit???
Wer gedenkt der toten Israelis und der Vielzahl toter Palästinenser??
Zu verdrängen ist bekanntlich einfacher, als Farbe zu bekennen! Natürlich haben unsere deutschen Verantwortlichen 1972 teilweise jämmerlich versagt!!
Somit ist aber dieses abscheuliche Verbrechen nicht aus der Welt geschafft! – Und so sollte gerade die internationale, demokratische, u. die sportliche Gemeinschaft endlich ein Zeichen setzen u. eine diesbezügliche, öffentliche, olympische Gedenkminute, auch für die Zukunft, unerbittlich festlegen!!
Ich finde es traurig, dass diese Möglichkeit nicht genutzt wurde. Gerade wir Deutschen sollten für eine solche Trauerminute sein. Wenn H. Tröger gegen die Schweigeminute ist, dann sollte er sich an die Zeit des Anschlages erinnern und vor allem, dass alle und vor allem auch er damals versagt haben!
Warum wurde diese Zeit vergeudet?
Dass die Palästinenser hier eine Plattform bekommen haben, ihr Tun und Handeln im goldenen Licht dastehen zu lassen, ist traurig.
Ich hoffe, die "Entscheidungsträger" haben soviel Anstand, dass sie sich im Nachhinein für ihr Tun oder Lassen schämen.
LG Reinhold
Ich erinnere mich noch gut an das Attentat von 1972. Im Schaufenster eines großen Bekleidungsgeschäftes unserer Stadt hatte man einen Fernseher aufgestellt, damit die Passanten die Olympischen Spiele verfolgen konnten. Aber dann änderten sich die Bilder, man sah die bewaffneten vermummten Gestalten ohne Gesicht auf den Balkonen, und mich befiel das nackte Grauen. Die Bilder haben mich bis heute nicht losgelassen. Ich kann keine Solidarität mit Palästinensern empfinden, die bis heute diese "Aktionen" für Heldentaten halten, auch wenn ihre Situation sicher schwierig ist.
Nach der Veröffentlichung der Petition hier auf dieser Seite habe ich mich auch angemeldet und das Thema im Forum der christlichen Singleseite www.himmlisch-plaudern.de veröffentlicht. Durch die Rückmeldungen, die ich bekam, merkte ich, wie sinnvoll die Veröffentlichung hier war und für diesen Bericht habe ich dort wieder den Link angegeben.
Mich erschüttert es sehr, dass es Leute gibt, sogar ein Deutscher, die ein Erinnern an das schlimme Verbrechen 1972 nicht zulassen wollen.
Wenn heute noch die Palästinenser diese Tat verherrlichen, dann gehören sie nicht nach London, dann sollen sie zu Hause bleiben.
Wer Terror verherrlicht, tritt die Menschenrecht mit Füßen.
Für Palästinenser war das kein Terror, sondern eine "Aktion"
So wie man den Holocaust nicht vergessen sollte, so sollte man auch die Verbrechen von 1972 nicht vergessen. Es könnte ja doch sein, dass mancher Politiker ins Nachdenken kommt, dass die Europäische Union mit den Palästinensern kein richtiges Volk, sondern Terroristen mit Millionenbeträgen unterstützt, damit sie auch die finanziellen Mittel haben, Raketen auf Israel abzuschießen.
Eine Schweigeminute wäre also ein rassistischer Akt, das Massaker dagegen eine Heldentat. Herr Rogge, sind Sie sicher, dass Sie Ihre Entscheidung nicht irgendwann bitter bereuen werden?
Ich finde es bedauerlich, wenn sich der IOC ein solches Armmutszeugnis der Vergesslichkeit ausstellt. Ich bin Jahrgang 1969 und weiß sehr wohl, was 1972 in München passierte.
Die Doppelzüngigkeit der Palästinenser ist schon daran zu erkennen, das feige Mörder dort als "leuchtende Sterne" gelobt werden. Auch die Weigerung iranischer Sportler, gegen Israelis anzutreten, zeugt von einem unterentwickelten Sportsgeist.
Avner
....falls die teilnehmenden Sportler wirklich nicht wissen, was 1972 während der Olympiade geschehen ist, wäre es höchste Zeit, sie anlässlich einer Schweigeminute zu informieren!!! Eine solche Schweigeminute hätte nichts zu tun mit einem rassistischen Akt, sondern viel mehr mit Verachtung des Terrors, der beim Sport schon überhaupt nichts zu suchen hat. Der erste Schritt auf der Brücke der Liebe wäre eine Zustimmung für diesen Moment der Erinnerung gewesen...
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