Sicherheit | 23.08.2012

Bereits im Jahr 2010 informierte das israelische Armee die Medien über eine geplante SMS-Warnaktion.

Bereits im Jahr 2010 informierte das israelische Armee die Medien über eine geplante SMS-Warnaktion.
Foto: Ulrich W. Sahm

Wie Israel sich auf den Krieg vorbereitet

JERUSALEM (inn) – Die israelische Bevölkerung wird auf den nächsten Krieg vorbereitet. „In regelmäßigen Abständen werden inzwischen Schlachtpläne gegen den Iran unter das Volk gebracht“, heißt es in einem Bericht aus Kairo. Ein Korrespondent will sogar einen Israeli kennen, der neben der Haustür einen gepackten Koffer bereit stehen habe, um im Kriegsfall sofort aus Israel zu fliehen. Wohin, wie und ob schon ein Flugzeug bereit steht, hat er nicht verraten.

Reporter lichteten Gasmasken-Verteilerstellen ab, obgleich es die seit Jahren gibt, ohne dass sich dafür jemand interessiert hätte. Ein weiteres „untrügliches“ Zeichen für einen bevorstehenden Krieg war ein Test der Heimatfront, die Bevölkerung per SMS bei Raketenangriffen vorzuwarnen. Erfahrungsgemäß hört nicht jeder die Luftschutzsirenen, wenn er im fensterlosen Büro mit laufender Klimaanlage sitzt. Dieses landesweite Manöver machte weltweite Schlagzeilen, nicht aber das Ergebnis.

Ein Handy-Besitzer beschwerte sich, die Vorwarnung ganze 160 Mal empfangen zu haben. Nach Angaben der Militärs habe fast die Hälfte Israelis nichts erhalten. Bei manchen sei die SMS mit 15 Sekunden Verzögerung eingetroffen. Das bringt nichts, wenn man im Ernstfall sofort den Schutzraum aufsuchen sollte.

Militärschlag gegen Iran um anderthalb Jahre vertagt?

Die Idee, die Bevölkerung gezielt und nur in einem direkt betroffenen Gebiet per Handy zu warnen, hatte die israelische Armee der internationalen Presse im Dezember 2010 vorgestellt. Der erste Test ergab Mängel bei der Technologie. Gewisse Handys seien nicht kompatibel. Ein Militärsprecher erklärte, dass es noch anderthalb Jahre dauern werde, bis das System ausgereift und im Ernstfall einsetzbar sei. Im Umkehrschluss müssten die Kriegspropheten nun zur Erkenntnis kommen, dass der israelische Militärschlag gegen den Iran um anderthalb Jahre vertagt werde.

Gleiches gilt für die Instandsetzung der Luftschutzkeller. Seit den fünfziger Jahren, als noch niemand an einen Krieg gegen den Iran dachte, ist gesetzlich vorgeschrieben, jeden Neubau mit einem Schutzraum zu versehen. Seit vierzig Jahren wird Israel regelmäßig mit Raketen beschossen. Bis zum Libanonkrieg von 2006 war der ganze Norden Israels betroffen, ab 1972 durch Raketen der PLO und später der Hisbollah . Seit Ausbruch der 2. Intifada im Herbst 2000 wurden grenznahe Ortschaften zum Gazastreifen mit sogenannten „selbstgebastelten“ Raketen der Hamas beschossen.

Inzwischen stehen der Hamas und anderen Organisationen auch aus dem Iran gelieferte Gradraketen zur Verfügung. Die haben schon die Metropole Be‘er Scheva und Vororte von Tel Aviv getroffen. Die Hisbollah im Libanon hat angeblich 20.000 Raketen eingelagert und sei in letzter Zeit sogar von Syrien mit Scudraketen beliefert worden. Hisbollah -Chef Hassan Nasrallah schwor dieser Tage, „das Leben der Zionisten zur Hölle machen“ zu wollen. Die Israelis haben viele gute Gründe, ihre Luftschutzräume zu entrümpeln. Scud-Raketen kennen sie seit 1991, als der Irak des Saddam Hussein gedroht hatte, „Israel zu verbrennen“. Tatsächlich schlugen Scud-Raketen in der Gegend von Tel Aviv und Haifa ein. Weil befürchtet worden war, dass diese Raketen mit Giftgas bestückt sein könnten, saßen damals alle Israelis in „abgedichteten Zimmern“. Den besten Schutz lieferten Tesafilm an den Fensterritzen und ein nasser Waschlappen vor der Zimmertür.

Thema für das Sommerloch

Wegen des Problems der kaum hörbaren Luftschutzsirenen wurde der Raketenalarm per Radio und Fernsehen verbreitet. Seit 1991 ist übrigens die Verteilung von Gasmasken ein regelmäßiges Thema in den israelischen Medien, vor allem im Sommerloch, wenn das eine Gelegenheit bietet, Regierung oder Militär wegen Pannen zu kritisieren.

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