Sicherheit | 20.08.2012

Noch ist in Israel kein Entschluss bezüglich eines Militärschlages gegen die iranischen Atomanlagen gefallen.

Noch ist in Israel kein Entschluss bezüglich eines Militärschlages gegen die iranischen Atomanlagen gefallen.
Foto: Israelisches Militär / flickr | CC-BY-NC 2.0

Israels Dilemma: Iran angreifen oder nicht?

Israel steht vor einem Dilemma: mit einem atomar aufgerüsteten Iran zu koexistieren und dessen Vernichtungsdrohungen tatenlos hinzunehmen, oder im Alleingang das iranische Atomprogramm zu zerstören.

Die Anreicherung von Uran auf über 20 Prozent ergibt nur einen Sinn für den Bau einer Atombombe. „Daher wiederhole ich und bekräftige nochmals: Der Iran darf nicht in den Besitz von Atomwaffen gelangen“, so Premierminister Benjamin Netanjahu. Dieser Satz wird als offene israelische Drohung, „Kriegshetze“, „Säbelrasseln“, „Verschärfung des Anti-Iran-Kurses“ und als Hinweis auf israelische Militärpläne gewertet, obwohl der israelische Premier verschweigt, was er beabsichtigt.

Zahllose israelische Experten haben sich in letzter Zeit zu Wort gemeldet: Forscher, ehemalige Militärs und Politiker. Alle gestehen, weder neueste Geheimdienstinformation zum aktuellen Stand des iranischen Atomprogramms noch die heutigen Fähigkeiten der israelischen Luftwaffe zu kennen. In Israels Medien erklärten sie das Dilemma:

– Sowie der Iran atomar ausgestattet ist, kann er nicht mehr bombardiert werden. Wegen der Gefahr einer Verstrahlung der Umwelt wäre er militärisch „immun“.

– Israel verfügt wegen der großen Entfernungen nur über beschränkte Mittel, über den ganzen Iran verstreute Atominstallationen zu zerstören. Je länger gewartet wird, desto unerreichbarer werden die vom Iran in Bunker oder Berge verlegten Anlagen. Israel „rennt“ die Zeit davon.

– Die USA haben weit bessere Möglichkeiten, weil näher am Ziel und mit größeren Bomben ausgestattet. Sie haben einen längeren Atem, noch ein paar Monate auszusitzen. Die USA müssten selber zum Schluss kommen, dass diplomatische Druckmittel und Sanktionen nicht fruchten und dass eine iranische A-Bombe amerikanische Interessen wie Öl und seine Verbündeten unerträglich bedroht.

– In diesem zeitlichen Spannungsfeld ergibt sich für Israel ein präzedenzloses Dilemma. Der Staat Israel ist mit der Lehre aus dem Holocaust entstanden, nie wieder von den „Völkern“ abhängig zu sein, wenn es um das eigene Überleben geht. Gleichwohl befand sich Israel nie in einem Vakuum. Es hatte immer Verbündete, die Waffen lieferten und politisch an seiner Seite standen: Sowjets, Briten, Franzosen und ab 1970 die Amerikaner. Gleichwohl fragte Israel nie, ob es angreifen oder sich verteidigen dürfe. 1991 nahm Israel Rücksicht, als es auf Raketenbeschuss aus dem Irak nicht reagierte, während die Bevölkerung mit Gasmasken in „abgedichteten Zimmern“ saß.

Auslieferung an Willkür der USA

Den Iran jetzt NICHT anzugreifen, bedeutet für Israel, sich amerikanischer Willkür auszuliefern. Entweder stoppen die USA das iranische Atomprogramm, oder aber sie konfrontieren Israel damit, tägliche iranische Vernichtungsdrohungen tatenlos hinzunehmen und dem Funktionieren eines amerikanisch finanzierten Abwehrschirms zu vertrauen. Für ein Volk mit Holocausttrauma könnte das ein unerträglicher Zustand werden.

Gegen einen amerikanischen Militärschlag in nächster Zukunft sprechen der derzeitige Wahlkampf, die Wirtschaftskrise und schlechte Erfahrungen mit militärischen Abenteuern in Irak und Afghanistan. Die Instabilität in der arabischen Welt, besonders in Syrien, sowie die Politik der Vetomächte Russland und China, würden selbst einen erfolgreichen Schlag gegen das Atomprogramm des Iran zu einem Abenteuer mit unberechenbaren Folgen machen. Zudem glauben die Amerikaner offensichtlich an die Wirksamkeit der schmerzhaften Sanktionen.

Im Gegensatz zu Israel besteht für die Amerikaner keine Dringlichkeit, jetzt zu handeln. Während Israel das iranische Atomprogramm bestenfalls um ein paar Jahre hinauszögern könnte, wären die Amerikaner auch in Zukunft fähig, es nachhaltig zu zerstören.

Israelische Experten erwähnten zudem die „historische Erfahrung“, dass die USA weder Nordkorea noch Pakistan gewaltsam am Bau einer Atombombe gehindert hätten.

Kein Präzedenzfall

Der von Menachem Begin 1981 heimlich beschlossene und erfolgreiche Angriff auf den irakischen Atomreaktor Osirak bei Bagdad, ohne Rücksprache mit den USA, könne nicht als Präzedenzfall dienen, so die Experten. Ebenso der mutmaßlich israelische Angriff auf den syrischen Reaktor Al-Kabir im September 2007.

Über den Iran wird seit 15 Jahren öffentlich debattiert. Das Land ist zudem vorgewarnt und hat seine Lehren aus der Erfahrung des Irak gezogen. Seine Anlagen sind befestigt, und israelische Kampfflugzeuge müssten unvergleichbar größere Herausforderungen meistern.

Noch existiert keine israelische Absichtserklärung, den Iran anzugreifen, und alle kursierenden Militärpläne erweisen sich als Spekulation. Es gilt, was Verteidigungsminister Ehud Barak gesagt und der amerikanische Verteidigungsminister Leon Panetta jüngst bestätigt hat: „Noch ist in Jerusalem kein Beschluss gefallen.“

8 Kommentare

Karl | 06.09.2012 | 16:43

Israel ist ein Krieg-hetzendes hinterlistiges Volk, mit welcher Begründung sollte man den Iran angreifen? Es gibt keine Beweise für den Bau an Atomaren Waffen, und selbst wenn, Israel hat doch auch Atomwaffen und wäre nicht abgeneigt diese zu nutzen um ihre Position als alleiniger A-Waffenbesitzer in dieser brodelnden Region zu bleiben.

Denn wenn es dazu kommt, dass man einem Angriff auf den Iran zustimmt, mit oder ohne USA, dann werden wir alle drunter leiden.

Wolfgang | 27.08.2012 | 20:27

Vielleicht sollte man einfach mal sich auf Wikipedia ansehen, wer oder was Elam ist und dann Jeremia 49,34 lesen?

www.bibel-online.net/buch/luther_1912/jeremia/49/

Tiqvah Bat Shalom | 21.08.2012 | 21:54

Mit diesem Irrsinn musste man wirklich rechnen! Die Herrschaften haben nur wiederholt, was bei dem Hamas-Fatah-Theater schon einmal vorgeführt wurde! Ein paar hundert bewaffnete Hamas-"Kämpfer" hatten einige zigtausend neu bewaffnete "Sicherheitsleute" samt Regierung aus Gaza verjagt… und die in Gaza gebliebenen Terroristen sind die bösen Terroristen, während die künstlich verjagten, bzw. geflohenen Terroristen die guten Terroristen sind… die, die ja „demokratisch“ leben wollen... bzw. die demokratisch das Geld entgegennehmen (??), welches die Weltgemeinschaft ihnen sehr gerne gibt (4–mal mehr als die afrikanischen Hungerländer gemeinsam bekommen!!!) – als guten Auftragskillern gibt seit Arafats Beweis in München, wie erfolgreich sie gegen Israel „kämpfen“ können!

 

Jetzt ist also das Spiel zwischen Ägypten und der Hamas, die sich durch Raketen zum guten, demokratischen Terroristen hochgearbeitet und bewiesen hat, in Wiederholung… Israel gab jegliche Mittel an Ägypten, a) um alle Tunnel, die in Ägypten enden aus Gaza, schließen zu können / b) alle Tunnel, welche von Gaza her in Ägypten enden, schließen wollten… Israel erlaubte TROTZ der festgesetzten Vereinbarung, mehr Sicherheitsleute dazu einzusetzen, und stärkere Waffen… Dann war auch das zu wenig… Also ebenso wie damals zwischen Hamas und Fatah… so „MUSS“ jetzt Ägypten mehr aufrüsten, doch nicht gegen die Tunnel! Nicht gegen die Terroristen und die kriminellen Beduinen! NEIN, nicht ein innerer Kampf zwingt sie dazu! Es geht um die Aufrüstung des ägyptischen Militärs an der Grenze zu Israel!!!!

 

Höchstwahrscheinlich ist kein einziger Tunnel geschlossen worden! Kein einziger krimineller Beduine oder Terrorist, der ins Gefängnis gekommen wäre... und wenn ja, dann wird ein Schauprozess gemacht... und mit erheblicher Belohnung werden solche Verurteilten bald wieder entlassen! …doch das Militär an der Grenze Israels bleibt, um bei gegebenen Möglichkeiten dann von allen Seiten her angreifen zu können…

 

Die 16 „Märtyrer“ – die wahrscheinlich aus „unerwünschten“ Soldaten oder denen, die gerne Märtyrer werden wollten, bestehen – sorgen dafür, dass diese „ehrenwerte“ Weltgemeinschaft Israel Hand- und Fußschellen anlegen kann, hinzu einen Maulkorb, weil die Ägypter uns zugute all dies veranstalten…..!

 

Möge mich niemand deshalb steinigen, aber irgendwie habe ich die starke Vermutung, dass dieser ganze arabisch-islamische Frühling und die sonstigen Bewegungen irgendwie nach EU + UNO riechen… Es ist für mich unglaubhaft, dass Muslime bzw. Araber solches Organisationstalent hätten… genauso eben wie die ganzen „Palästinenserdemos“ und sonstigen Handlungen nur mit Hilfe unserer Feinde möglich sind … diese finanzieren das – und führen Regie!

Bozetto | 21.08.2012 | 13:27

Ein Journalist, der sowohl in einem syrischen als auch im israelischen Gefaengnis gesessen hat, berichtete, dass er das israelische Gefängnis als Luxushotel empfunden habe. Ich staune immer wieder, wie schnell die palästinensischen Lügen in der Welt geglaubt werden. Olympia 1972 lässt grüßen. Die Palästinenser könnten schon lange Frieden haben, aber sie wollen immer noch Israel auslöschen! Ich bin selbst kein Jude. Ich wünsche dem Volk Israel Gottes Segen. Das Volk wird mit seinem Gott niemals untergehen.

Gudrun F. | 20.08.2012 | 19:41

Wahrscheinlich ist davon auszugehen, dass der Iran momentan noch keine funktionsfähige Atombombe besitzt. Auf jeden Fall ist anzunehmen, dass in diesem Fall entsprechende Tests mit den nötigen Transportsystemen stattfinden werden, denn auch der Iran kann sich aus seiner Sicht keinen „Fehltreffer“ leisten.

Aber auf Dauer wird sich nicht verhindern lassen, dass der Iran und weitere Israel feindlich gesinnte Staaten sich mit der Atombombe ausrüsten.

Deshalb ist es wohl klüger, sich mit der permanenten Gefahr einzurichten, der man ohnehin nicht ausweichen kann und im Übrigen auf Gottes Schutz zu vertrauen, der sein Land und Volk bewahren will, wie Er es zugesagt hat.

Anselm Jancke | 20.08.2012 | 18:14

Europa entwickelt sich immer mehr zu einer mächtigen Agentur des islamischen Antisemitismus in seiner "modernen" Form des Antizionismus, was sich u.a. in der tendenziösen Berichterstattung über Israel in den Mainstream-Medien zeigt. Dies sicher nicht zuletzt in seiner Konkurrenz zu Amerika - und dies geht vor allem von Deutschland aus, um eine ideologische Entlastung für eigene Untaten zu schaffen ("...die Juden machen doch mit den Palästinensern dasselbe, was die Deutschen mit ihnen gemacht haben!" usw...)

Nur so ist es zu verstehen, daß heute in unzähligen Blogs und Leserbriefen für Iran Partei ergriffen wird, und das macht mir Angst.

Selbstverständlich hat Israel das Recht, sich gegen die vom iranischen Mullahregime geplante Vernichtung mit allen Mitteln zur Wehr zu setzen. Und würde nicht z.Zt. in Amerika ein Präsident regieren der die USA "europäisieren" will, stünden die USA auch in aller Deutlichkeit hinter Israel!

Henriette Scherf | 20.08.2012 | 16:23

Ich bete dafür, dass Israel nicht die Dummheit begeht, den Iran anzugreifen. Ich halte dagegen: "Gesegnet aber ist der Mann (oder das Land), der sich auf Herrn verlässt und dessen Zuversicht der Herr ist. Der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt, der seine Wurzeln zum Bach hin streckt. Denn obgleich die Hitze kommt, fürchtet er sich doch nicht, sondern seine Blätter bleiben grün; und er sorgt sich nicht, wenn ein dürres Jahr kommt, sondern bringt ohne Aufhören Früchte (Jeremia 17/7-8)."

Daniel Gilliéron | 20.08.2012 | 15:47

Ich unterstütze Israel (bin weder Israeli noch Jude) und werde für das gute Gelingen der Vernichtung des iranischen Atomwaffenprogramms beten. Israel geht nicht in den Krieg für Öl, wie das soviele Nationen tun, sondern für die berechtigte Existenzsicherung eines demokratischen Staates, der im Vergleich zu umliegenden Staaten viel menschlicher mit Andersdenkenden umgeht.

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