Nachrichten | 09.07.2012

Der Jerusalemer CVJM verzichtet im Sommercamp vorsichtshalber auf die israelische und die palästinensische Fahne.

Der Jerusalemer CVJM verzichtet im Sommercamp vorsichtshalber auf die israelische und die palästinensische Fahne.
Foto: Ulrich W. Sahm

YMCA in Jerusalem versteckt israelische Flagge

JERUSALEM (inn) – Beim Sommercamp für jüdische, christliche und muslimische Kinder im YMCA (CVJM) in Westjerusalem wird keine israelische Flagge gezeigt. Das wurde am Sonntagabend im israelischen Fernsehen berichtet.

Das imposante im Jugendstil gebaute YMCA-Gebäude befindet sich auf der anderen Straßenseite des King David Hotels, jener Nobelherberge in Westjerusalem, wo fast alle Staatsgäste Israels absteigen. Die Sommercamps des YMCA sind berühmt dafür, schon kleinen Kindern aus Jerusalem Toleranz und friedliches Zusammenleben ganz praktisch beizubringen. Um die Kinder auf internationale Koexistenz einzustimmen, wurden in den schattigen Gängen neben der Flagge der UNO auch Fahnen fast aller Länder der Welt aufgehängt, darunter die libanesische, ägyptische und jordanische. Nur zwei Flaggen fehlen: die israelische und die palästinensische. „Das ist unsere Nationalflagge. Hätte ich gewusst, dass die hier versteckt wird, hätte ich mein Kind nicht zum Sommercamp angemeldet“ sagt Miri Edri, eine junge israelische Frau. „Mir wurde gesagt, dass keine israelische Flagge aufgehängt worden sei, weil auch keine palästinensische dort hängt.“ Ein Jerusalemer Stadtrat, Jair Gabay, empörte sich: „In keinem anderen Land der Welt würde es eine internationale Organisation wie YMCA wagen, die Flagge des Gastlandes zu verstecken. Das ist eine Chutzpe ersten Ranges. Die spucken uns ins Gesicht.“

Der YMCA verweigerte dem Fernsehen eine Reaktion, weil der Direktor sich im Ausland aufhalte.

In einer Selbstdarstellung des YMCA in Jerusalem heißt es, dass seit 1920 der “Jerusalem International YMCA” ein “sicherer Hort für religiöse, kulturelle und intellektuelle Freiheit für die Menschen in Jerusalem” sei. Juden, Moslems und Christen jeden Alters könnten dorthin kommen, um eine Atmosphäre des Verständnisses und der Einheit zu erleben. Für seine Bemühungen, die „Würde des Menschen und Frieden in der Region zu fördern“, wurde der YMCA Jerusalem 1993 sogar für den Friedens-Nobelpreis nominiert.

4 Kommentare

Shmuel | 19.07.2012 | 12:38

Aus meiner Sicht ist das absichtliche Weglassen der BEIDEN Fahnen ein klarer Schritt hin zu Gemeinschaft, ohne die sowieso schon sehr deutliche Trennlinie nochmal hervor zu heben. Man sollte keine Kinder in politische Konflikte hineinziehen, die offensichtlich schon die Erwachsenen überfordern!!

Wolfgang Schwarze | 16.07.2012 | 18:09

Würde diese Organisation in den PA-Gebieten sitzen, dürften sie sich das Weglassen der sog. palästinensischen Flagge nicht leisten - das Weglassen der israelischen Flagge wäre Pflicht!

pedronem | 09.07.2012 | 22:16

Mich wundert es nicht.

Gibt viel zu viele komische und "ängstliche" Organisationen!

Schon kein Wissen, dass Palästina schon mal geteilt worden ist in 2/3 Jordanien und 1/3 Israel etc.

Was soll da schon werden .... wenn man auf Unsachlichem und Falschem aufbaut, kann meist auch nicht viel Genaues herauskommen.

Ronald Hörstmann | 09.07.2012 | 18:03

Mir war garnicht bekannt, dass sowohl der YMCA als auch der CVJM etwas von Politik verstehen. Meiner Meinung grenzt es an Selbstüberschätzung, wenn sie es dennoch tun. Dabei sollten sie eher den Glauben lehren und der Jugend ein Vorbild sein. Sie sollten sich die Bergpredikt nochmals genauer anschauen, z.B.: "selig sind die, die Frieden stiften".

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