Nachrichten | 30.09.2016

Würdigte Peres als großen Führer des Landes: Israels Regierungschef Netanjahu

Würdigte Peres als großen Führer des Landes: Israels Regierungschef Netanjahu
Foto: Benjamin Netanjahu, Facebook

US-Präsident Obama (l.) und Israels Premier Netanjahu (M.) spenden Peres' Sohn Chemi Trost

US-Präsident Obama (l.) und Israels Premier Netanjahu (M.) spenden Peres' Sohn Chemi Trost
Foto: Benjamin Netanjahu, Facebook

Auch Bundespräsident Gauck zählte zu den Ehrengästen

Auch Bundespräsident Gauck zählte zu den Ehrengästen
Foto: Präsident Reuven Rivlin, Twitter

Vor der Beisetzung erwiesen Trauergäste Peres am aufgebahrten Sarg die letzte Ehre, darunter der frühere US-Präsident Clinton

Vor der Beisetzung erwiesen Trauergäste Peres am aufgebahrten Sarg die letzte Ehre, darunter der frühere US-Präsident Clinton
Foto: Schimon Peres, Facebook

Alt und Jung nahmen vor der Knesset Abschied vom Altpräsidenten

Alt und Jung nahmen vor der Knesset Abschied vom Altpräsidenten
Foto: Schimon Peres, Facebook

Abschied mit der Bibel in der Hand: Peres hatte für zahlreiche Israelis große Bedeutung

Abschied mit der Bibel in der Hand: Peres hatte für zahlreiche Israelis große Bedeutung
Foto: Israelnetz/mh

Streng bewacht: Peres' aufgebahrter Sarg

Streng bewacht: Peres' aufgebahrter Sarg
Foto: Israelnetz/mh

Schimon Peres in Jerusalem beigesetzt

Zahlreiche Ehrengäste haben am Freitagmorgen Abschied von Altpräsident Schimon Peres genommen. Politiker und Wegbegleiter würdigten dessen Vision für Israel. Arabische Politiker boykottierten die Trauerfeier.

JERUSALEM (inn) – Zur Beisetzung des verstorbenen israelischen Altpräsidenten Schimon Peres sind am Freitagmorgen etwa 5.000 Gäste aus aller Welt auf den Herzl-Berg in Jerusalem gekommen. Unter den Anwesenden befanden sich US-Präsident Barack Obama, Prinz Charles, der israelische Schriftsteller Amos Oz und Palästinenserpräsident Mahmud Abbas . Der Musiker David Da‘or sang das jüdische Gebet „Avinu Malkeinu“ (Unser Vater, unser König). Peres hatte sich dies in seinem Testament gewünscht.

Bei dem Begräbnis nahmen auch die drei erwachsenen Kinder von Peres – Joni, Chemi und Zvia – Abschied von ihrem Vater. Joni sagte, Peres sei im Grunde ein schüchterner Mensch gewesen. Obwohl der Staatsmann oft abwesend gewesen sei, habe er eine „enge und besondere Beziehung“ zu ihm gehabt.

Ende einer Ära

Premierminister Benjamin Netanjahu betonte in seiner Ansprache, es sei ein Zeichen von Peres‘ Optimismus, dass so viele zu seinem Begräbnis gekommen seien. Peres sei ein Führer von Weltstatur. Er habe Israels Sicherheit gestärkt. „Dafür sollten ihm Generationen danken.“

Im persönlicheren Teil seiner Rede bezog sich Netanjahu auf die Operation Entebbe 1976 zur Befreiung israelischer Geiseln, bei der sein Bruder Jonathan als Leiter des Kommandos starb. Peres war als Verteidigungsminister für die Aktion verantwortlich. Peres habe gesagt, wegen Jonathan habe er eine seiner seltenen Tränen vergossen, erzählte Netanjahu. „Du weintest damals um meinen Bruder, Schimon; heute weine ich um dich. Ich habe dich geliebt. Wir alle haben dich geliebt.“

Der israelische Staatspräsident Reuven Rivlin sagte, der „sture Glaube an das Gute im Menschen“ sei für seinen Amtsvorgänger ein „ewiger Brunnen der Jugend“ gewesen. Peres habe die seltene Fähigkeit gehabt, „das Unwahrnehmbare wahrzunehmen, und es zur Erfüllung zu bringen“. Sein Tod sei das Ende einer Ära von Riesen, deren Lebensgeschichten die Geschichten der zionistischen Bewegung und des Staates Israel seien.

Mann mit Vorstellungskraft

US-Präsident Barack Obama hob in seiner Rede hervor, dass Peres die Grausamkeiten gegenüber Juden im vergangenen Jahrhundert hautnah miterlebt hat. Dennoch sei er nicht nur seinem Judesein treu geblieben, sondern habe sich auch um Frieden und Versöhnung bemüht. In seiner Denkweise lasse sich der zionistische Traum nur dann schützen, wenn Palästinenser ihre Rechte erhielten, betonte Obama weiter. Zum Abschluss sagte er auf Hebräisch: „Danke, teurer Freund“.

Der frühere US-Präsident Bill Clinton sagte, Peres „lebte 93 Jahre lang in einem beständigen Zustand der Verwunderung über das unglaubliche Potenzial in uns allen, über unsere Wunden und Vorbehalte hinauszuwachsen“. Er werde sich immer an Peres‘ strahlendes Lächeln erinnern und seine Worte, die er oft wiederholt habe: „Stell‘ dir vor!“.

Ehrengäste in der ersten Reihe

Unter den Ehrengästen begrüßte Netanjahu Prinz Charles, den Luxemburger Großfürst Heinrich und König Felipe IV. von Spanien. Ganz vorne saßen auch der deutsche Bundespräsident Joachim Gauck, der französische Präsident François Hollande, begleitet von seinem Vorgänger Nicolas Sarkozy, der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier, US-Außenminister John Kerry, der frühere britische Premierminister James Cameron und Nahostvermittler Tony Blair. Die Amerikaner und Prinz Charles trugen aus Respekt eine Kippa, eine traditionelle jüdische Kopfbedeckung, nicht aber die meisten anderen Honoratioren.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini hatte am Abend vor dem Begräbnis noch ein politisches Gespräch mit dem israelischen Premierminister geführt. Das Fernbleiben von Bundeskanzlerin Angela Merkel war schon bei der Bundespressekonferenz bekannt gegeben worden. Merkel trug sich in der israelischen Botschaft in Berlin in ein Kondolenzbuch ein.

Vielsagende Absagen

Trotz der hohen Besucherzahl zur Beisetzung sind auch bemerkenswerte Absagen aus der arabischen Welt zu vermelden; Abbas war noch der prominenteste Vertreter aus der arabischen Welt. Knesset -Abgeordnete des arabischen Parteienbündnisses „Vereinigte Liste“ nahmen nicht an der Beisetzung teil; Peres sei „Teil der Tragödien“ des arabischen Volkes, sagte der Vorsitzende Aiman Odeh. Der Boykott führte zu erheblicher Kritik auch von arabischen Volksvertretern in anderen Parteien.

Sowohl König Abdullah II. von Jordanien wie Ägyptens Präsident Abdel Fattah al-Sisi waren nur durch stellvertretende Außenminister repräsentiert. Das stieß in Israel auf Befremden, zumal Peres als treibende Kraft beim nahöstlichen Friedensprozess galt und auch die guten Beziehungen mit Jordanien entscheidend geprägt hat. Zum Begräbnis von Jitzhak Rabin 1995 waren sowohl König Hussein von Jordanien wie auch Präsident Hosni Mubarak von Ägypten nach Jerusalem angereist. Trotz einer „Versöhnung“ mit der Türkei schickte Ankara auch nur den stellvertretenden Außenminister.

Die Beisetzung Peres‘ hat zu einem großen organisatorischen Aufwand geführt. Neben nie dagewesenen Sicherheitsmaßnahmen gab es am Donnerstag auf dem Ben-Gurion-Flughafen gleich zwei Rekorde: Wegen des bevorstehenden Neujahrsfestes haben 160.000 Israelis Flugzeuge bestiegen, um die Feiertage im Ausland zu verbringen; das ist ein Allzeitrekord. Gleichzeitig kamen rund 90 Sonderflüge mit Delegationen aus dem Ausland an, darunter Deutsche, Luxemburger und viele andere aus der EU, Südamerika, Afrika und Asien. Für die ausländischen offiziellen Gäste aus insgesamt 90 Staaten hatte die Jerusalemer Nobelherberge, das King David Hotel, kurzfristig alle seine Gäste in andere Hotels verlegt, um Platz zu schaffen. (uws / df)

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