Nachrichten | 18.07.2012

Einige Abgeordnete in der Knesset empörten sich über neutestamentarische Post.

Einige Abgeordnete in der Knesset empörten sich über neutestamentarische Post.
Foto: James Emery | CC-BY 2.0

Neues Testament sorgt für Furore in Jerusalem

Die Bibelgesellschaft in Israel hat Abgeordneten des Parlaments in Jerusalem das Neue Testament in ihren Dienstbriefkasten gesendet. Daraufhin beschwerten sich Parlamentarier, dass missionarisches Material nicht in der Knesset verbreitet werden solle. Die Organisation wollte jedoch mit dieser Aktion laut eigenen Aussagen weder missionieren noch jemanden beleidigen, sondern nur aufklären.

In den vergangenen Tagen öffneten einige Knessetabgeordnete ihren Bürobriefkasten und fanden in ihren Händen eine Bibel, bestehend aus dem Alten und Neuen Testament. Zur hebräischen Bibel gehört für gewöhnlich nur der alttestamentarische Teil. Die Bibelgesellschaft in Israel, eine Organisation messianischer Juden, hatte den Parlamentariern jeweils ein Exemplar ihrer neuen Bibel zugesendet. Messianische Juden sehen sich selbst als Juden und glauben an Jesus als den Messias. Es sei das erste Mal, dass es eine Bibel bestehend aus dem Alten und Neuen Testament mit Querverweisen in hebräischer Sprache gibt, erklärt Victor Kalisher, Leiter der Bibelgesellschaft in Israel, gegenüber Israelnetz. „Als Zeichen des Respekts, zum Lernen und als Geschenk wollten wir den Führenden unseres Landes als Erste unsere Neuerscheinung zukommen lassen.“ Die Mehrzahl der Parlamentarier sei dankbar gewesen, nur wenige hätten sich „ohne Respekt“ zu der Postsendung geäußert.

Negative Kommentare kamen aus unterschiedlichen politischen Lagern. Die Knessetabgeordnete der Likud -Partei von Premierminister Benjamin Netanjahu, Zippi Hozovely, hat laut der israelischen Tageszeitung „Jerusalem Post“ einen Brief an den Knesset -Vorsitzenden Reuven Rivlin geschrieben, in dem steht: „Es kann nicht sein, dass missionarisches Material in der Knesset verbreitet wird. (…) Texte, die dazu verwenden wurden, um (Juden) zu verfolgen und zu schikanieren, können nicht durch die Vordertür des israelischen Staates verbreitet werden.“

„Ein abscheuliches Buch“

Der Knessetabgeordnete der religiösen Partei „Nationale Union“ Michael Ben-Ari riss laut der Zeitung „Ha‘aretz“ das Neue Testament aus der Bibel und warf es in den Müll. Er bezeichnete es dem Bericht zufolge als „abscheuliches Buch“, welches „die Ermordung von Millionen von Juden während der Inquisition brachte“.

Der Vorsitzende der christlichen Vertretung in der Knesset , David Rotem, bezeichnete die Sendung laut Zeitungsbericht als „keine missionarische Arbeit“, sondern als „einen Akt der Dummheit“.

Der ordinierte Rabbiner und Knessetabgeordnete der religiösen Schass-Partei, Nissim Se‘ev, hatte selbst keine Bibel-Sendung erhalten, jedoch kommentierte er die Post an seine Kollegen gegenüber der „Jerusalem Post“: „Das sind Leute, welche annehmen, dass alle Juden in Israel zum Christentum bekehrt werden müssen. Dafür bekommen sie aus der ganzen Welt Spenden. Wie können wir sie von diesem Gedanken befreien?“ Se‘ev forderte die israelische Regierung auf, das Vermitteln von jüdischen Werten mehr zu unterstützen, „damit nicht Christen das Vakuum füllen“. Zudem betonte er, das existierende Gesetz gegen Missionierung müsse verstärkt werden. Im Jahr 1977 wurde in Israel das „Anti-Missionierungs-Gesetz“ verabschiedet, das es verbietet, jemanden durch materielle Reize zum Religionswechsel zu bewegen.

Mit den Bibeln verschickte die Organisation einen Brief. Darin zeigt sich Kalisher stolz auf die neue Bibelveröffentlichung mit 90.000 Anmerkungen, die in Zusammenarbeit mit Forschern in Israel sowie aus dem Ausland entstanden sei. Gegenüber Israelnetz erklärte er: „Mit diesen Anmerkungen kann man die enge Verbindung der Worte in der Torah mit dem Neuen Testament erkennen. Viele der Prophezeiungen in der Torah werden im Neuen Testament wahr.“

Einen Koran an die Knesset verschicken?

Arabischen und ultraorthodoxen Knessetmitgliedern sendete die Gesellschaft laut eigenen Angaben keine Bibeln zu. Von Israelnetz gefragt, was Kalisher davon halten würde, wenn muslimische Vertreter Korane an die Knesset verschickten würden, sagte er: „Jeder kann tun und lassen, was er will. Wenn ich als Parlamentarier eine solche Sendung erhalten würde, dann würde ich dies einfach zur Kenntnis nehmen. Für die Gläubigen ist es ein heiliges Buch, für mich nicht.“

Letztendlich sei „das Neue Testament von Juden für Juden geschrieben“, so Kalisher. Die meisten Menschen in der Welt unterstützten Israel aufgrund ihres christlichen Hintergrunds. Das Lesen des Neuen Testaments würde den Knessetmitgliedern helfen, mit diesen Leuten zu kommunizieren.

Es ist nicht das erste Mal, dass die Bibelgesellschaft in Israel Politikern das Neue Testament zukommen lässt. Im Jahr 1970 überreichte die Organisation laut eigenen Aussagen dem ehemaligen israelischen Premierminister David Ben-Gurion die erste Übersetzung des Neuen Testaments ins Hebräische. Laut Kalisher hat er sich damals darüber gefreut und schätzte das Geschenk.

6 Kommentare

Israelnetz | 26.07.2012 | 15:48

Liebe Frau Hofmann,

 

herzlichen Dank für Ihr Interesse an Israelnetz.

 

Auf Anfrage beantwortete der Leiter der Bibelgesellschaft in Israel, Victor Kalisher, Ihre Fragen gegenüber Israelnetz wie folgt:

Die Bibelgesellschaft in Israel ist eine nicht konfessionsgebundene christliche Organisation. Sie möchten die Bibel für alle zugänglich machen. Die Bibelgesellschaft in Israel ist Teil der internationalen "United Bible Societies" (USB) (etwa: Vereinte Bibelgesellschaften).

Das Hauptbüro der Gesellschaft ist in Jerusalem, zudem hat sie noch einen Bibel-Shop in Tel Aviv.

 

Wir hoffen, Ihre Fragen sind damit beantwortet.

 

Herzliche Grüße

 

Ihre Israelnetz-Redaktion

Heidi Hofmann | 23.07.2012 | 22:06

Ach wie schön, dass die Bibelgesellschaft der messianischen Juden eifrig verteilt, da habe ich mich richtig drüber gefreut!

Und dass die Bibeln noch kommentiert sind, ist auch gut.

Möge Gott diese Eiferer für den Herrn Jesus reichlich segnen mit allem, was sie brauchen und denen, die die Bibeln bekommen, das Herz öffnen und genau die richtigen Stellen lesen lassen, die sie brauchen und wissensdurstig auf mehr machen.

Wo ist diese Bibelgesellschaft? In Jerusalem? Ich hätte gern gewusst, ob sie zu einer Vereinigung von messianischen Gemeinden gehört oder ob sie nur zu einer Gemeinde gehört.

Prof. Dr. Klaus Haacker | 19.07.2012 | 19:24

Wenn Knesset-Abgeordnete das Neue Testament lesen würden, könnten sie erkennen, dass sich die mit "christlichen" Staaten verbündete Kirche gegen den Geist Jesu versündigt hat, wenn sie die Juden verfolgte. Nicht die Kenntnis, sondern die Unkenntnis des Neuen Testaments bei Christen hat diese Verbrechen ermöglicht.

Herbert Sturm | 19.07.2012 | 12:35

Worte unseres HERRN Jesu Christi: "Ich bin das A und das O, der Anfang und das Ende, der Erste und der Letzte. Offenbarung 22,13

Und dem Engel der Gemeinde zu Smyrna schreibe: Das sagt der Erste und der Letzte, der tot war und ist lebendig geworden. Offenbarung 2,8

Höre mir zu, Jakob, und du, Israel, mein Berufener: Ich bin's, ich bin der Erste, dazu auch der Letzte. Jesaja 48,12

Wer tut's und macht es und ruft alle Menschen nacheinander von Anfang her? Ich bin's, der HERR, der Erste und der Letzte. Jesaja 41,4

Herbert Sturm | 19.07.2012 | 12:32

So habe ich auch stets zu euch gesandt alle meine Knechte, die Propheten, und lasse sagen: Bekehrt euch ein jeglicher von seinem bösen Wesen, und bessert euren Wandel und folgt nicht andern Göttern nach, ihnen zu dienen, so sollt ihr in dem Lande bleiben, welches ich euch und euren Vätern gegeben habe. Aber ihr wolltet eure Ohren nicht neigen noch mir gehorchen. Jeremia 35,15

Herbert Sturm | 19.07.2012 | 10:58

Grundvoraussetzung, dass sich der HERR wieder Israel zuwendet, ist das Neue Testament, weil alle Prophezeiungen des Alten Testamentes auf Jesus hinweisen.

Die Bibel sagt in 5. Mose 30,1-3 voraus, dass die Rückkehr des Herrn Jesus Christus irgendwann nach der Sammlung und Rückkehr der Juden aus der weltweiten Zerstreuung nach Israel stattfinden wird. Gott hat diese Prophetie durch Mose und die Juden gegeben, unmittelbar bevor sie Gott in das Land Kanaan geführt hat. "Es wird aber geschehen, wenn alle diese Worte über dich kommen werden, der Segen und der Fluch, die ich dir vorgelegt habe, und du es dir zu Herzen nimmst unter all den Heidenvölkern, unter die dich der Herr, dein Gott, verstoßen hat, und wenn du umkehrst zu dem Herrn, deinem Gott, und seiner Stimme gehorchst in allem, was ich dir heute gebiete, du und deine Kinder, von ganzem Herzen und von ganzer Seele, so wird der Herr, dein Gott, dein Geschick wenden und sich über dich erbarmen und wird dich wieder sammeln aus allen Völkern, wohin dich der Herr, dein Gott, zerstreut hat." (5. Mose 30,1-3). Beachten Sie die Abfolge der Ereignisse dieser prophetischen Ereignisse:

1.) Gott wird die Juden aus allen Nationen der Welt, wohin Er sie wegen ihres Ungehorsams zerstreut hat, in das Land Israel zurückbringen. 2.) Während dieser Sammlung wird der Herr selber "zurückkehren" und die Wiederherstellung von ganz Israel zurück in ihrem Land vollenden. Es gibt in keinem Namen, als nur in Jesu Namen Rettung. Deshalb war die Aktion lebensrettend für die Abgeordneten.

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