updatedNachrichten | 30.08.2012

Die Beckerstraße in Berlin-Schöneberg: Hier wurde ein Rabbiner offenbar aus antisemitischen Motiven angegriffen.
Foto: Assenmacher / Wikipedia | CC-BY-SA 3.0
Rabbiner Daniel Alter war am Dienstagabend mit seiner sechs-jährigen Tochter in der Beckerstraße unterwegs, als er von mutmaßlich arabisch stämmigen Jugendlichen angegriffen wurde. Sie sollen zudem seine Religion und seine Mutter beleidigt haben. Außerdem drohten sie damit, das Kind umzubringen. Alter ist der erste Rabbi, der nach dem Holocaust in Deutschland ordiniert wurde. Er hatte eine Kippa getragen, weshalb die Vermutung naheliege, dass er wegen seines Glaubens angegriffen wurde, schreibt „Welt Online“. Alter wurde am Kopf verletzt, die Täter konnten unerkannt entkommen.
Vertreter aus Politik und Religion verurteilen die Tat unisono „auf´s Schärfste“. Dahingehend äußerten sich sowohl Berlins regierender Oberbürgermeister Klaus Wowereit (SPD), als auch der Innensenator Frank Henkel (CDU), sowie Moshe Kantor, Präsident des „European Jewish Congress“ (EJC).
Der Rektor des Abraham-Geiger-Kollegs in Potsdam, Walter Homolka, sagte am Donnerstag in einem Interview mit „Welt Online“, der Vorfall läute eine völlig neue Qualität von Antisemitismus ein. „Wir raten ab, auf der Straße Kippa zu tragen“, sagte Homolka. Die Nachrichtenagentur dpa berichtet, es würde verstärkt vor Übergriffen auf Juden gewarnt. Meist gehe die Gewalt von jugendlichen Migranten aus. Die dpa zitierte Anetta Kahane, die Vorsitzende der Amadeu Antonio Stiftung: „Es gibt in letzter Zeit mehr körperliche Attacken gegen Juden als in den vergangenen Jahren.“
Rabbiner Alter wurde „immer wieder antisemitisch angepöbelt“
Inzwischen hat sich Rabbiner Daniel Alter vom Krankenbett aus zu Wort gemeldet. Er werde wohl keinen bleibenden Schaden davontragen, sagte er gegenüber der „Jüdischen Allgemeinen“. Nur von der Vollnarkose sei er noch ziemlich „schlapp“. Über den Angriff direkt vor seiner Haustür zeigt sich der Rabbi wenig überrascht: „Ich bin, seit ich da wohne, immer wieder mal von jungen Menschen mit Migrationshintergrund doof angequatscht oder antisemitisch angepöbelt worden.“ Das könne überall in Deutschland passieren. Der Täter „hat ein Opfer gebraucht. Da lief ihm ein Jude über den Weg – für ihn ein Feindbild par excellence“.
Alter werde jedoch weiterhin auf den Dialog setzen: „Es gibt für mich keine kollektive Schuld. Für das, was ein einzelner Araber getan hat, kann ich nicht den ganzen Islam verantwortlich machen.“ Wie seine Tochter den Überfall verkraftet, müsse sich noch zeigen.
8 Kommentare
@tomcat: Dass man Schmuck oder Kleidung mit Davidstern etc. hier niemals tragen könne, dem kann ich so nicht zustimmen. Ich trage den Davidstern seit 13 Jahren und ich habe noch nie auch nur einmal Probleme deswegen gehabt.
Wenn man Ihren Kommentar liest, könnte man meinen, die ganze Stadt ist voll von solch dummen Menschen, doch dem ist nicht so. Es sind im Grunde nur eine Handvoll, doch der Rest der Bevölkerung muss sich zusammenschließen, um eben diese Minderheit nicht zu Wort (oder zu Taten) kommen zu lassen. Ich hoffe, dass man die Täter doch noch fasst und die Justiz endlich mal ein gerechtes Urteil fällt und nicht nur mahnend den Finger hebt. Denn damit ist keinem geholfen.
Shalom
Es gibt gute Menschen und leider auch schlechte Menschen, die einfach einen Schwachen suchen um mal ihren eigenen Frust auszulassen. Dass dies Ober-Feiglinge sind, ist vielen guten Menschen bewusst. Dies spielt sich im Wirtschaftsleben, in Politik und Familie, wie auch in vielen Völkern und Staaten ab. Nach dem Motto: Für oder gegen, oder Konkurrenz belebt das Geschäft, scheinen manche es geradezu herauszuforden und Machtkriege abzuhalten .Sieht man in die Welt hinein, scheint dies auch noch Schule zu machen. Frieden zu schaffen und sich um Frieden zu bemühen, scheint im Sande zu verlaufen. Wie wäre es mit Tschuwa? Die Hohen Feiertage erinnern uns daran, um Verzeihung zu bitten und zum Guten zurückzukehren. Schalom!
Ich kann dem Kommentator "tomcat" (v. 30.08.12) nur zustimmen bei allem, was er zu sagen hat! Dem ist gar nichts hinzuzufügen!
Shalom meine Freunde , genau so fing es Anfang der 30 Jahrer an und endete mit dem Holocaust. Aus meiner Familie sind einige ermordet oder vergast worden. Mit meinen 83 Jahren habe ich die ganze Nazizeit erlebt. David
Ich bin froh, dass es dem Rabbiner besser geht ich hoffe sehr, sein Töchterchen ist wohlauf.
Weise Worte trotz diesem und anderen Vorfällen, er wächst wirklich in meinem Respekt und Ansehen.
Es tut mir Leid, was passiert und macht mich wütend, es ist auch die Schuld der Politik und ich wünsche mir mehr Aufklärung!!
Solche Zustände gibt es nicht nur in Deutschland, auch in Österreich ist es nicht anders, wie schäbig!
Wie tomcat würde ich gerne offener die Symbole tragen, die mir in Israel so lieb sind, ich tue es auch; leider grenzt es hier, trifft man auf die falschen Menschen, an Selbstmord, oder zumindest findet es großes Missfallen... und nicht nur bei "jugendlichen Migranten".
Ich bin daher froh, dass Israel so stark ist. Es kann sich selbst verteidigen und wird unnachgiebig sein gegen jegliche Art von Rassismus oder Antisemitismus.
Schalom allen...
Es ist äußerst beunruhigend, dass aufgehetzte, muslimische Jugendliche vor nichts mehr zurückscheuen würden, um ihre Gewaltphantasien auszuleben. Ich denke, es war kein Zufall, dass gerade der Rabbi in Begleitung seiner kleinen Tochter angegriffen wurde, denn erstens war dieser als Jude erkennbar und konnte sich zweitens wegen seines Kindes nicht wehren oder weglaufen. Vielleicht haben diese Personen den Rabbi schon länger beobachtet und gezielt angegriffen, um größtmögliche Verunsicherung und Bestürzung unter den Juden zu erzeugen. Aber hier ist jeder Bürger betroffen, der weiterhin frei in diesem Land leben möchte, ohne seine Religion verstecken zu müssen. Radikale Gewalttäter sollten in unserem Land keinen Platz haben dürfen!
Ich hoffe, dass die Wegelagerer baldmöglichst identifiziert und gefasst werden und erwarte, dass die muslimischen Verbände und Gemeinden diese Tat ebenfalls verurteilen und ächten.
Besonders von Seiten muslimischer Geistlicher wäre ein für die Jugendlichen Richtung weisendes Wort sehr wichtig.
Das ist erbärmlich. J e d e r weiß, dass der Davidstern, dass die jüdische Kippa hier zu tragen lebensgefährlich ist.
Ich habe ein Sweatshirt mit dem Urchristlichen Symbol, was aus Fisch und Davidstern besteht. Ich könnte dieses Sweatshirt aus Israel niemals hier offen tragen. Ich könnte niemals eine Israelflagge oder eine Menora gefahrlos ans Fenster anbringen. Dennoch schwafeln die deutschen Politiker immerzu von Religionsfreiheit und Multikulttrallalla. Meine Freiheit, mein Recht, das Urchristliche Symbol mit dem Davidstern zu tragen, wird seit ich-weiß-nicht-wann mit Füßen getreten. Die obige beschriebene Tat wird hier in Deutschland auch bei weitem nicht so bekannt gemacht und verbreitet wie bei der Beschneidungsarie. Das wird wahrscheinlich aus lauter Angst, die politische Korrektheit zu verletzen, nicht in irgendwelchen Talkshows aufbereitet. Was sollen die Gutmenschen denn auch zu ihrer Verteidigung sagen. Ihr Wunschfeind, die Deutschen, waren es "leider" nicht.
Ich erinnere mich dabei an einen Überfall im Bezirk Wedding oder Moabit vor ca. einem Jahr auf ein "linkes alternatives Begegnungszentrum" durch muslimische Gangs. Die "betroffenden Opfer" baten die Presse, darüber Stillschweigen zu bewahren.
Ich wünsche und erwarte vom Zentralrat der Juden und auch von Israel hier eine SEHR SEHR SEHR LAUTE UND DEUTLICHE Reaktion, damit unsere Politiker wach werden. Jeder weiß es und alle verschweigen es wegen politischer Korrektheit!
Ein Leben retten, rettet die Welt und die Rabbiner geben uns dafür die Anleitung und den Weg dazu, wenn wir wollen. Hier liegt der Segen und der Weltfrieden und dies wünsche ich allen Menschen zum gesegneten Miteinander. Das Leben ist schon schwer genug und ein Serbien-Libyen oder Syrien sollten wir lieber nicht in Deutschland haben. Aus der Geschichte lernen und sich um Frieden bemühen ist ein Muss. Schalom Schalom allen Menschen, es lebt sich leichter mit Frieden in Familie, Volk und Staat und auf der ganzen Welt. Anton
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