Nachrichten | 23.08.2012

Innenminister Jischai: Merkel soll sich für Recht auf Beschneidung einsetzen.

Innenminister Jischai: Merkel soll sich für Recht auf Beschneidung einsetzen.
Foto: Ira Abramov, Wikipedia | CC-BY-SA 3.0

Beschneidung: Israels Innenminister appelliert an Merkel

JERUSALEM / BERLIN (inn) – Israels Innenminister Eli Jischai hat Bundeskanzlerin Angela Merkel dazu aufgefordert, sich gegen eine „Kriminalisierung der Beschneidung“ in Deutschland auszusprechen. „Als stellvertretender Premierminister, Innenminister und Führer der größten religiösen Partei, aber vor allem als Jude, wende ich mich an Sie mit der Bitte, zu verhindern, dass sich dieses Phänomen weiter ausbreitet“, schrieb Jischai in einem Brief an Merkel.

Die Beschneidung sei eines der wichtigsten Gebote für das jüdische Volk. „Selbst in Zeiten der Sklaverei und des Exils sorgten die Juden dafür, dass sie dieses Gebot erfüllen konnten“, schrieb Jischai. Juden in Deutschland sollten sich nicht zwischen der Einhaltung nationaler und göttlicher Gebote entscheiden müssen.

Mit seinem Brief reagierte Jischai auf die Anzeige eines hessischen Arztes gegen den im bayerischen Hof ansässigen Rabbiner David Goldberg, der eine Beschneidung vorgenommen hatte. Gegenüber der Tageszeitung „Jerusalem Post“ sagte Goldberg am Mittwoch, die Anzeige gegen ihn sei antisemitisch. Er habe in den vergangenen 40 Jahren mehr als 4.000 Beschneidungen vorgenommen und dabei nie Probleme gehabt. Er kündigte an, weiterhin Beschneidungen vorzunehmen. Nach eigenen Angaben hatte er von der Strafanzeige durch die Presse erfahren. Er gehe davon aus, dass der Arzt Sebastian Guevara Kamm aus Gießen direkt nach Anzeigenerstattung die Medien informiert habe.

5 Kommentare

Johannes Gerloff | 28.08.2012 | 09:20

Zur Frage von Frau Hofmann:

Das Neue Testament stellt an keiner Stelle die Gültigkeit des Abrahambundes, dessen Zeichen die Beschneidung ist, in Frage. Es wird ganz natürlich vorausgesetzt, dass Juden - auch diejenigen, die in Jesus den Messias Israels erkannt haben - ihre Jungen am 8. Tag nach der Geburt beschneiden. Jude bleibt Jude und Nichtjude bleibt Nichtjude, auch nach der Offenbarung des Messias. Das ist nicht zuletzt der klare Entscheid des Apostelkonzils.

Die Beschneidung ist niemals als Möglichkeit gedacht gewesen, eigenmächtig eine Beziehung zu Gott herzustellen. Wo sie dazu missbraucht wurde, etwa durch die Forderung, dass sich Nichtjuden, die Jesus nachfolgen wollen, beschneiden lassen müssen, bezieht vor allem Paulus klar Stellung dagegen.

Übrigens: Die Herzensbeschneidung ist kein Novum des Neuen Testaments sondern wird schon in der Thora angesprochen, etwa in 3.Mose 26,41 - und ist ganz bestimmt kein Ersatz für die Beschneidung der Vorhaut.

Liebe Grüße und vielen Dank,

Johannes

Heidi Hofmann | 25.08.2012 | 10:14

siehe meinen Eintrag vom 23.08.2012, PRO weitere Beschneidung.

Andere sehen das Pro nicht so und argumentieren damit, dass man Menschen damit unter die Knechtschaft des Gesetzes (=hier Gesetz des Alten Testaments ) zwingt und wir schließlich unter dem neuen Bund (=hier das neue Testament) stehen.

Wir wissen ja, dass der Versuch alle Gesetze zu halten, ethisch gut ist, aber letztendlich unmöglich – und vor allem nicht der Weg zu Gott ist.

Vielleicht kann mir hier jemand unter diesen Aspekten sagen, ob man die Beschneidung jedes Juden, dessen Familie nicht an Jesus als Messias glaubt, auch heute mit "JA" beantworten muss – dafür wäre ich wirklich dankbar.

Doris Lempenauer | 24.08.2012 | 12:05

Ich finde es absolut tragisch, dass unser Staat nun ein Gesetz erlassen will, welches es verbietet, Gottes Wort zu befolgen. Genauso tragisch finde ich das Schweigen der Christen dazu, die sich zurücklehnen und schweigend beobachten (wenn überhaupt) wie sich das nun so weiterentwickelt. Eigentlich sollte es einen Aufschrei aller Gläubigen geben. Es geht hier nicht nur um ein jüdisches Gesetz, sondern um ein klares Gebot Gottes.

Heidi Hofmann | 23.08.2012 | 18:39

Verschieben der Beschneidung, bis sich jemand dazu selbst entscheiden kann, klingt im ersten Moment gut – aber widerspricht absolut dem Gebot Gottes(!), das er damals den Juden für ihre Nachkommen gab.

In 1. Mose 17,12 heißt es, dass jedes Knäblein, wenn es 8 Tage alt ist, beschnitten wird. Die Beschneidung ist das Zeichen des Bundes zwischen Gott und Israel. (vgl auch ApG 7,8), also eine wichtige Sache.

Ich glaube, Abraham war selbst 99 Jahre alt, als er den Bund der Beschneidung empfing.

 

Die Beschneidung im neuen Bund mit Jesus Christus soll eine geistliche Herzensbeschneidung sein (Rö. 2,29) – erst wenn das geschehen ist, ist keine Beschneidung der Vorhaut mehr notwendig.

Michael Kleinstein | 23.08.2012 | 16:26

Warum können wir die Beschneidung nicht verschieben? Abraham hat sich mit 80 Jahren beschnitten? Es muss ja nicht ganz verboten werden. Aber unsere Kompromisslosigkeit ist für einen Rechtsstaat schwierig.

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